M2 Examen Frühjahr 2021 – Persönliche Erfahrungen und Tipps eines Absolventen zu seinem Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung

12. August 2021

in Examen, Im Fokus, Ratgeber

Fünf Jahre des Medizinstudiums liegen hinter einem, das letzte Seminar ist beendet, die letzte Klausur geschrieben, interessante Famulaturen in Deutschland und im Ausland absolviert, und dann ist sie plötzlich da – die große Prüfung, das M2 Examen! Frohen Mutes bereitete ich alles vor und stellte mich auf die langen Wochen des Lernens ein – mein eigener Lockdown im Lockdown!

Lockdown im Lockdown!

Das Gefühl, nach fünf Jahren Medizinstudium das letzte Seminar beendet, das letzte Mal eine Vorlesung durchgearbeitet und die letzte Klausur geschrieben zu haben,war schon ein Seltsames. Gleich war klar, dass es nun „ums Ganze“ ging und man endlich auf der Zielgeraden stand. Dies löste gewiss auch Druck aus, auf meine eigene Art und Weise hatte ich diesen Druck jedoch als eher angenehm wahrgenommen, da ich wusste, was die Belohnung dafür sein würde.

In diesen letzten Jahren hatte ich für mich alles mitgenommen, was ich innerhalb meiner Studienzeit erleben wollte, darunter mehrere Auslandsaufenthalte wie in Ghana, den USA und nun bald noch in der Schweiz sowie zudem spannende Erlebnisse, gar meinen ersten 24-Stunden-Dienst in der Uniklinik meiner Heimatuniversität Essen als auch bei meinen Famulaturen in Deutschland gehabt. All dies kam nun zusammen und wollte zur großen Prüfung, dem M2, geführt werden – dem Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung! Frohen Mutes bereitete ich alles vor und stellte mich auf die langen Wochen des Lernens ein – mein eigener Lockdown im Lockdown.

Effizientes Lernen!

Den Einstieg bildete das erste Probeexamen des IMPP auf Amboss, das noch vor meinem 100-Tage-Lernplan zu absolvieren war. Der Blick aufs Ergebnis war doch besser als erwartet, denn ich hatte lediglich meinen Wissensstand für die Klausuren des zehnten Semesters, nicht aber den Überblick über all die Fachgebiete, die es sich für das M2 anzueignen galt. Mit etwa 65 Prozent im Ergebnis ging ich eher beruhigt in die Klausurphase, die bis kurz vor Heiligabend reichte, über. Nachdem alle Klausuren eher leicht überstanden waren, begann ich gleich am 23. Dezember mit Amboss‘ 100 Tagen.

Die Lerntage dauerten hier zunächst noch ewig lang und ich saß zu Beginn am Lerntag oft von morgens bis abends, dies waren die Lerntage für Innere Medizin. Über die Zeit fand ich eine gute Lösung, um durch Konzentration schneller zu arbeiten, nämlich ermahnte ich mich fortwährend dazu, das Handy in einen anderen Raum ausgeschaltet abzulegen. Wenn wir ehrlich mit uns sind, lassen wir uns durch dieses Gerät doch viel mehr ablenken, als uns lieb ist.

Außerdem arbeitete ich nach der „Timer-Methode“ und ließ immer wieder 25 Minuten auf der Stoppuhr herunterlaufen, nach welchen ich dann für etwa 10 Minuten etwas Anderes tat als Lernen. Gedankenblitze oder Punkte für die Einkaufsliste, der Geist ist kreativ darin, sich abzulenken, notierte ich auf einem Zettel, sodass ich diese getrost loslassen konnte. Über die Zeit hinweg verschob ich die Reihenfolge des Amboss-Lernplans dahingehend, dass ich gleich morgens die Altfragen des Vortags kreuzte und erst danach die Kapitel des eigentlichen Lerntags las. Für mich passte diese Vorgehensweise besser, da ich das Gefühl hatte, so einen wacheren Geist zu haben als nach einem ganzen Tag des Lesens. So begann mein typischer Lerntag zwischen 6:45 Uhrbis 7:00 Uhr mit einer Kreuzeinheit, je nach Menge bis zum Mittagessen, was meist schon um 12:00 Uhr stattfand. Über den Nachmittag hinweg ging es dann ans Lesen nach besagter Methode.

Während meiner Lernzeit nahm ich zudem an einem „Speed Reading“ Seminar teil, das mir neben der „Timer-Methode“ noch andere Techniken näherbrachte. So kann ich insbesondere die folgenden drei Tipps hervorheben:

1. Schalte die Kopfstimme aus und lese Dir nicht in Gedanken den Text vor. Der Lesefluss verlangsamt sich dadurch maßgeblich.

2. Nutze entweder Deinen Finger, den Cursor oder einen Stift, um den Wörtern zu folgen, denn so verliest man sich weniger.

3. Lese nicht „zurück“, wenn Du einen Satz nicht ganz verstanden hast. Meist ergibt sich die Stelle aus dem Kontext heraus oder der Satz war einfach nicht verständlich geschrieben. Dies ist natürlich nur möglich bei Sätzen, die nicht etwa eine reine Aufzählung von Informationen beinhalten.

Diese Tipps haben mir wirklich geholfen, um etwa 100-200 Wörter mehr in der Minute zu lesen. Außerdem ist es meiner Meinung nach ratsam, diesen Rhythmus im Lerntag (Reihenfolge von Lesen und Kreuzen) jeweils zu testen und für sich die passende Vorgehensweise herauszufinden. Je nach Zeitrahmen kann dies auch im Vorhinein geschehen.

Es geht nicht ohne den Ausgleich!

Lange Stunden am Schreibtisch, Sport bietet den nötigen Ausgleich und beugt Rückenschmerzen vor.

Sicherlich braucht es zu dieser Zeit des intensiven Lernens auch einen Ausgleich. Die Tatsache, dass ich mich zur Zeit des kaum mehr zählbaren Lockdowns in meinem eigenen kleinen Lockdown befunden habe, erlöste einen zwar von dem Gedanken, dass man nun auch gern Ausflüge und andere Unternehmungen mit Freunden und Familie im Freien erleben möchte, jedoch brauchte es immer noch einen Ausgleich. In meinem Falle war dies regelmäßiger Sport im Rahmen eines „Home Workouts, von denen es zahlreiche gute Angebote gibt und somit trotz geschlossener Fitnessstudios, mit oder auch ohne das passende Equipment, eine solche Möglichkeit bieten. Des Weiteren hatte ich in dieser Zeit auch meine Ernährung aufgebessert, da ich aufgrund des Lernens sowieso viel Zeit in den eigenen vier Wänden hatte. Meine Beobachtung war, dass ich hierdurch auch ein besseres Körpergefühl insgesamt bekommen habe, was meinem Lernerfolg beziehungsweise dem Durchhalten der Lernphase zuträglich war, frei nach dem Grundsatz: mens sana in corpore sano.

Von Zeit zu Zeit gehört dazu auch das Besuchen von Familieund regelmäßig habe ich auch meine Freunde und Freundin an mehreren Abenden der Woche getroffen. Dies ist wirklich nicht zu vernachlässigen. Außerdem bieten die Lerntage, sobald man seinen Rhythmus gefunden hat, freie Abende, denn spätestens, nachdem ich mit den Innere Medizin-Tagen abgeschlossen hatte, dauerte mein Lerntag inklusive Pausen etwa bis 14:00 Uhr oder 15:00 Uhr. Zum Ende hin wurde dies stets weniger. So war immer noch Zeit für Unternehmungen.

Eine weitere Tätigkeit, die mir einen Ausgleich auf andere Art und Weise verschafft hat, war meine Arbeit als Werksstudent und als Doktorand. So habe ich noch zu Beginn der Lernzeit bis in den Januar hinein an einigen Papers gearbeitet, später dann eher im Bereich der Datenakquise. Auch die Termine durch die Arbeit und das wöchentliche Pensum, das es dafür zu erledigen galt, half mir meinen eigenen Rhythmus beizubehalten.

Lernstrategie

An freien Tagen nahm ich mir während der gesamten 100 Tage eher wenige, insgesamt waren es sechs ganze Tage, an denen ich nicht lernte.

Zum Ende hin war ich in einem sehr guten und beständigen Rhythmus angelangt, der mich die Lerntage beständig und flugs bearbeiten ließ. Durch meine Planung standen mir neben der von Amboss vorgesehenen Wiederholungszeit von einer Woche noch zusätzliche Tage zur Verfügung. Diese Zeit nutzte ich gezielt für die Ausarbeitung von Schwachstellen, die mir durch die persönliche Amboss-Analyse aufgezeigt wurden. Ich hatte auch über die gesamte Zeit einzig mit Ambossgelernt und hatte hier nicht das Gefühl, dass mir Wissen verloren geht, sondern der Fokus sehr gezielt auf das Examen gelegt wird. Andere Inhalte nutzte ich nicht und halte diese, zumindest für mein Lernschema, auch nicht für hilfreich im Sinne eines Mehrwerts für das M2 Examen. Gelernt hatte ich über die gesamte Zeit hinweg für mich allein, an mancher Stelle erkundigte ich mich bei Freunden, die bereits das M2 geschafft hatten, nach Tipps.

Die Tage der Prüfung

Dicke Prüfungshefte zum M2

An den jeweiligen Prüfungstagen hatte ich mir neben guter und möglichst geräuscharmer Verpflegung für die Prüfungszeit (Brote, Nussriegel und Getränke) nur noch ein zweites Frühstück für die letzten Minuten vor Einlass mitgenommen. Anderes war auch nicht erlaubt. Lernzettel bin ich auch nicht vorher durchgegangen. Ein Puffer von etwa 30 Minuten vor Einlass ist bei einer Anreise mit dem Auto ratsam.

Nach einem In-sich-gehen bei Prüfungsbeginn, hatte ich mir jede zwanzigste Frage einmal markiert, damit ich hier eine Pause von ein paar Minuten einplanen konnte. Dies beugt meines Erachtens nach der Hetzerei vor und bietet die Chance,sich zu rekalibrieren und das Zeitmanagement durchzugehen. Erwiesenermaßen häufen sich Fehler ungefähr bei der Grenze von etwa zwanzig MC-Fragen.

Am ersten Tage stutzte ich zunächst darüber, dass die Reihenfolge der Fragetypen „vertauscht“ war und nicht wie gewohnt, zuerst die Einzelfragen und danach die Fallfragen auftauchten. Ab dem zweiten Tag dann, ich hätte es gleich am ersten Tag machen sollen, änderte ich die Beantwortungsreihenfolge zurück zur Gewohnten und erledigte zuerst die Einzelfragen.

Da das IMPP wohl seit etwa zwei Jahren damit begonnen hat,die Intensität der Prüfungsfragen hochzuschrauben, war ich durch die Wiederholung der Examina ab Herbst 2018 bereits darauf eingestellt. Bei diesem Examen (13.04.-15.04.2021) aber, schoss das IMPP noch einmal über die Erwartungen von mir und meinen Kommiliton*innen hinaus. Schaut selbst einmal auf ein paar Fragen aus diesem Frühjahr. Insbesondere spezifische Fragen zu in unseren Breiten sehr seltenenErkrankungen wie zum Beispiel Lepra lösten mitunter eine Art Galgenhumor unter uns Prüflingen aus. Nichtsdestotrotz gab es natürlich auch Fragen mit klarer klinischer Relevanz.Im Vergleich zu den Vorgängerjahren wie beispielsweise noch 2015 waren diese jedoch sehr viel geringer vorhanden.

Meine Note fiel dahingehend auch etwa 10 Prozent schlechter aus als ich in meiner Vorbereitung mit Ergebnissen im Bereich von guten 75–85 Prozent Richtigantworten erwartet hatte. Dies war sicherlich ärgerlich. In meiner Vorbereitung selbst weiß ich hierzu jedoch noch keine Lösung, da ich mich gut vorbereitet „ins Feld zu ziehen“ fühlte. Was ich rückblickend jedoch verbessern mögen würde, wäre meine Einstellung am ersten Prüfungstag, an dem ich noch viel ruhiger, mit mehr Pausen und dem Nachdenken in mehrere Richtungen des Frageverständnisses hätte vorgehen sollen. So war auch der erste Tag im Ergebnis beträchtlich schlechter als der zweite und besonders der dritte Tag. Dort gelang mir dieses Vorgehen dann besser, was sich auch im Ergebnis zeigte.

Zum Endspurt und über die Prüfungstage hinweg half mir noch ein weiterer, eher kurzfristiger Motivator, nämlich eine anstehende Reise nach Spanien für ein paar Tage. Die Aussicht auf Sonne, Strand und herrliches Faulenzen kann viel Bewirken und treibt an, sich noch einmal zu motivieren, um alles herauszuholen.

Mein Fazit

Die Belohnung für 100 Tage lernen folgt sogleich – Eine Woche Sonne

Abschließend kann ich sagen, dass meine Vorbereitung die genau richtige Dauer hatte mit insgesamt etwa 110 Tagen. Da ich mich bereits aufs Physikum via Online-Lernplattform vorbereitet und auch für alle anderen Klausuren innerhalb des Medizinstudiums digital gelernt hatte, entsprach diese Art des Lernens sicherlich meinem Naturell, was man unbedingt beachten sollte. Ich hatte mir vor Beginn dieser Lernphase eine Vorstellung verschafft, wie ich gern meinen alltäglichen Rhythmus beziehungsweise meinen Tagesplan gestalten wollte. Gerade die festen Zeiten zum Aufstehen, Mittagessen, Sport und Schlafenszeiten halfen mir sehr und auch der Ausgleich auf sozialer Ebene durfte nicht zu kurz kommen. Die anstehende Reise, zwei Tage nach dem letzten Prüfungstag, tat ihr Übriges.

Auch wenn ich mir angesichts meiner guten Ergebnisse von Altfragen und Probeexamina mehr Punkte im M2 Examen selbst gewünscht hätte, bin ich mit dem Lernschema zufrieden. Angesichts der zunehmenden Anforderungen durch das IMPP wird Amboss gewiss an einigen Kapiteln aufstocken müssen, auch wenn dies womöglich die klinische Relevanz des Lernstoffs verwässern wird. Der Lernplan war für mich weniger zehrend als erwartet und die festen Strukturen waren für mich der maßgebende Stabilitätsfaktor.

Ich hoffe, dass in meinem Erfahrungsbericht einige hilfreiche Informationen mitzunehmen waren. Allen Leser*innen wünsche ich größtmöglichen Erfolg bei der Vorbereitung auf das M2 Examen. Lasst Euch nicht von Gerüchten und Schauergeschichten entmutigen! Mit der passenden Strategie und dem eigenen Rhythmus, wird dieses Finale gelingen!

K., L.

Essen, Mai 2021

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