M2 Frühjahr 2020 – Meine Erfahrungen mit dem 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung

2. Juni 2020

in Examen, Im Fokus, Ratgeber

Hamburg, April 2020! Dies war der Termin meines 2. Abschnitts der Ärztlichen Prüfung. Wie ich mich auf diese große Hürde im Medizinstudium vorbereitet habe, dies möchte ich in meinem Erfahrungsbericht schildern und Euch damit an meinen mit diesem Examen gemachten Erfahrungen teilhaben lassen.  

M2 – was ist das eigentlich genau?

Das M2 bzw. der Zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, auch das Zweite Staatsexamen genannt, ist eine Prüfung die inhaltlich alle klinischen Semester umfasst. Über drei Prüfungstage beantwortet man über jeweils fünf Stunden insgesamt 320 Fragen. Aufgrund des Prüfungsumfangs ist eine gründliche Vorbereitung wichtig. 

Da es wahrscheinlich die größte bzw. umfangreichste Prüfung des Medizinstudiums ist, kommen vorab oder auch während der Lernzeit oftmals einige Fragen auf. Da man nicht immer den passenden Ansprechpartner zur Verfügung hat, möchte ich versuchen, Euch mit diesem Erfahrungsbericht einige Fragen zu beantworten, die mich vor und während meiner Lernzeit beschäftigt haben. Und ich möchte meine Erfahrungen mit Euch teilen. 

Womit soll ich lernen?

Ich habe fast ausschließlich mit dem 100 Tage Lernplan von AMBOSS gelernt. So wie auch ich, haben die meisten meiner Kommilitonen während des Studiums als auch zur Examensvorbereitung AMBOSS genutzt. Während der ersten 85 Lerntage besteht jeder Tag aus unterschiedlich vielen Lernkarten und einer variierenden Anzahl an Fragen zum Kreuzen. Das Lernpensum ist somit für jeden Tag vorgegeben. Die Lerntage sind anhand der Fächer gegliedert und so beschäftigt man sich zu Beginn mit den Krankheitsbildern der Inneren Medizin, gefolgt von Infektiologie und Pädiatrie. Am Ende der 85 Lerntage hat man somit alle Fachbereiche der Medizin durchgearbeitet. 

Die letzten 15 Tage des Lernplans kreuzt man die Examina der letzten fünf Examensdurchgänge und wenn man danach noch Zeit hat, kann man nach Bedarf wiederholen – doch dazu später mehr. Das Kreuzen ist mit AMBOSS optimal gestaltet, da alle Antwortmöglichkeiten von Dozenten erklärt werden, sodass man durch das Kreuzen nicht nur wiederholt, sondern auch einiges dazulernt. 

Von Nachteil ist bei AMBOSS für den einen oder anderen eventuell, dass man nur am Computer lernen kann. Ich hatte mir deshalb die Top Tabellen von AMBOSS gekauft, habe sie letztendlich aber kaum genutzt. 

Zusätzlich habe ich die Lernvideos von „Meditricks“ genutzt. Das „Meditricks Abo“ kann man sich bei AMBOSS z.B. für sechs Monate kaufen. In bunten Videos werden einem die Lerninhalte mittels Eselsbrücken und Geschichten vermittelt. Ich persönlich fand diese Videos insbesondere für die Infektiologie sehr hilfreich. Es gibt mittlerweile zu fast allen Fächern und sehr vielen Lernkarten „Meditricks-Videos“. Bei mir persönlich hat die Zeit oft nicht gereicht, um alle anzuschauen. Es ist aber auf jeden Fall eine hilfreiche und abwechslungsreiche Ergänzung. Letztlich muss jeder für sich selbst herausfinden, wie sehr ihm die Videos beim Lernen und Merken helfen. Es gibt kostenlose Beispielvideos. 

Außerdem habe ich mitunter mit der App „Meditorium“ gearbeitet. Es handelt sich hierbei um eine Art Podcast, bei dem einzelne Krankheitsbilder besprochen werden. So kann man sich „Pods“ zu unterschiedlichen Krankheiten entweder als Alternative zum eigentlichen Lesen des Krankheitsbildes oder zur Wiederholung anhören. Ich persönlich habe diese App insgesamt eher weniger genutzt, als ich im Vorhinein gedachte hatte, kann sie aber prinzipiell empfehlen. Zum Wiederholen ist sie sehr gut geeignet, da die Lerninhalte gebündelt präsentiert werden. Bei mir haben die Lerntage jedoch häufig so viel Zeit in Anspruch genommen, dass ich danach oftmals einfach keine Lust mehr hatte, mir noch etwas Medizinisches anzuhören. Ich kenne allerdings viele Kommilitonen, die viel mit dieser App gelernt haben.

Wo soll ich lernen?

Dies ist meiner Meinung nach sehr individuell. Ihr wisst, denke ich, am besten, wo Ihr gut lernen könnt. Ich persönlich lerne gerne in der Bibliothek, kenne aber auch viele, die lieber zuhause lernen. Was ich sehr empfehlen kann, ist, zwischendurch einen „Tapetenwechsel“ zu vollziehen. Zwischendurch habe ich immer mal wieder ein paar Tage zuhause oder bei meinen Eltern gelernt. Die Ortswechsel haben mir immer sehr gutgetan. 

Wann soll ich anfangen?

Die A?rztliche Zentralbibliothek des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

Ich hatte im November, also ziemlich genau fünf Monate vor dem Examen, mit der Prüfungsvorbereitung begonnen. In Hamburg haben wir das Glück, dass das zehnte Semester für das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit, der sog. Studienarbeit, vorgesehen ist. Da die Anfertigung der Studienarbeit i.d.R. nicht das gesamte Semester einnimmt, hat man die Möglichkeit, schon recht früh mit der Vollzeit-Vorbereitung für das M2 zu beginnen. 

Da ich also fünf Monate vorher anfing, hatte ich eingeplant, die Wochenenden, mit Ausnahme der letzten zwei Wochen, frei zu haben. Wenn möglich, ist es sicherlich ratsam, vorab ein bis zwei freie Tage pro Woche zu planen, auch wenn sich dadurch die Lernzeit insgesamt verlängert. Allerdings erstreckt sich die Vorbereitungszeit auf einen derart langen Zeitraum, dass es sehr wichtig ist, sich diese Zeit auf eine Art und Weise zu gestalten, die ein Durchhalten möglich macht.

Womit soll ich anfangen?

Meine Notizen aus der Pharmawoche

Da mir von Freunden aus höheren Semestern empfohlen wurde, mit der sogenannten „Pharmawoche“ zu beginnen, hatte ich mit Pharmakologie begonnen. Die „Pharmawoche“ bedeutet, dass man die fünf Pharmakologie-Lerntage des 100 Tage Lernplans von AMBOSS schon zu Beginn bzw. vor dem Beginn der eigentlichen 100 Lerntage bearbeitet. Dadurch beschäftigt man sich mit den Themen der Pharmakologie insgesamt zweimal, einmal vor und einmal während des Lernplans, was mir und vermutlich auch vielen anderen Medizinstudierenden nicht schadet, da man die Pharmakologie während des Studiums gerne mal vernachlässigt hat. Im Nachhinein kann ich die „Pharmawoche“ wirklich empfehlen! 

Sowohl beim Lernen als auch beim Kreuzen hilft das Wissen aus dieser Woche bei fast allen Fächern ungemein und wenn man sie dann ein zweites Mal regulär lernt, fällt es auch nicht mehr so schwer. 

Im Anschluss habe ich die Reihenfolge des 100 Tage Lernplans eingehalten, habe insbesondere am Ende aber auch ein paar Tage „getauscht“.

Notizen machen – ja oder nein?

Ich hatte mein gesamtes Medizinstudium lang immer mitgeschrieben – mal auf den Collegeblock und mal am Laptop. Im Vorhinein hatte ich von Kommilitonen aus höheren Semestern immer gehört, dass Aufschreiben während des Lernplans zeitlich wirklich nicht möglich wäre. Das bereitete mir zunächst Sorgen, da ich das Gefühl hatte, mir ohne das Aufschreiben die Inhalte der Lernkarten nicht richtig merken zu können. Freundinnen, die ein Semester vor mir das Examen geschrieben hatten, berichteten mir allerdings, dass sie während der Vorbereitungszeit dennoch Notizen gemacht und sie es trotz des Aufschreibens gut durch den Lernplan geschafft hätten.  

Und so begann ich den Lernplan auch mit Notizen. Ich kaufte mir Notizbücher, damit ich alles beisammenhatte und nahm mir vor, mich beim Aufschreiben kurz zu halten, was mir in der Vergangenheit oft schwergefallen war. Ich nahm mir außerdem vor, am Wochenende die Notizen der vergangenen Woche nachzulesen. 

So schön, so gut. Das mit dem „Kurzfassen“ scheiterte schon an Tag eins. Mein Vorhaben die Notizen nachzulesen, hielt ich ein Wochenende durch und gab es dann auf. Die Lerntage wurden immer länger, das Notizen machen nahm einfach zu viel Zeit in Anspruch und immer wieder dachte ich an die Kommilitonen, die mir damals geraten hatten, aufs Aufschreiben zu verzichten. Trotzdem zog ich es die ersten 40 Lerntage konsequent durch. Dann kam ich im Lernplan zur Chirurgie. Die Lerntage waren lang und die einzelnen Lernkarten auch und es erschien mir einfach unmöglich, die Lerntage mit Aufschreiben zu bewältigen. So entschied ich mich kurzfristig dafür, auf Notizen zu verzichten und zog den Rest des Lernplans ohne Aufschreiben durch. 

Im Nachhinein muss ich sagen, dass dies eine sehr gute Entscheidung war. Die Lerntage wurden dadurch etwas kürzer und ich würde sagen, dass ich eher konzentrierter gelernt habe als vorher. Ich würde definitiv jedem empfehlen, es zumindest einmal ohne Aufschreiben zu versuchen.

Endspurt – und jetzt?

Mein Wiederholungsplan beim M2

Ich hatte früh mit dem Lernplan angefangen, um etwas mehr Puffer zu haben. Am Ende hatte ich noch etwa zwei Wochen Zeit zwischen dem Ende der 100 Tage und dem Examen. Um den Tagen weiterhin eine Struktur zu geben, machte ich mir rund um Tag 80 einen Wiederholungsplan, der wie folgt aussah. Bevor ich mit dem Kreuzen der Examina ab Tag 86 anfing, nahm ich mir sieben Tage, um die Top 100 zu wiederholen. Das waren wirklich sehr anstrengende und inhaltsreiche sowie teils frustrierende Tage, da ich mich an vieles vermeintlich Wichtige nicht mehr so gut erinnern konnte, wie ich es mir erhofft hatte. 

Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass sich die Quälerei gelohnt hat. Die Top 100 umfassen nämlich die vom IMPP am häufigsten gefragten Lernkarten (u.a. Schlaganfall, Tuberkulose, Kolonkarzinom), welche i.d.R. auch besonders relevanten bzw. häufigen Krankheitsbildern entsprechen. 

Danach habe ich angefangen, die Examina zu kreuzen. Das hat – inklusive des Durchlesens der Kommentare zu den Antworten – ca. fünf Stunden in Anspruch genommen. Es blieb also noch ein halber Tag zum Wiederholen. Hierfür hatte ich mir vorab eine Liste mit allen Fächern des Lernplans erstellt und diese unterteilt in „große“ (u.a. Gastroenterologie, Kardiologie, Neurologie, Gynäkologie) und „kleine“ Fächer (u.a. Nephrologie, Psychiatrie, Augenheilkunde, HNO). Die kleinen Fächer habe ich an den Tagen wiederholt, an denen ich gekreuzt habe und die großen Fächer an den freien Tagen, die ich noch als Puffer eingeplant hatte. 

Natürlich schafft man es nicht immer, alle Karten zu wiederholen, aber jede Lernkarte, die man schafft, sollte man als Bonus ansehen. Dadurch, dass ich die Top 100, und somit viele der sehr langen und zeitintensiven Lernkarten, schon wiederholt hatte, kam ich häufig relativ gut durch. Im Nachhinein kann ich meinen Wiederholungsplan auf jeden Fall empfehlen, allerdings hat wahrscheinlich nicht jeder so viel Puffer am Ende. Für den Fall würde ich empfehlen, die Top 100 zu wiederholen. Dies kann man auch gut nach dem Kreuzen der Examina machen und wiederholt hiermit die wichtigsten Karten.   

In den letzten Tagen und Wochen vor dem Examen haben wahrscheinlich die meisten, so wie ich auch, mit dem Gefühl zu kämpfen, dass man nichts weiß. Das ist normal. Und es ist nicht so. Nach so einer langen Vorbereitungszeit hat man wahnsinnig viel Wissen angehäuft. Dass man dieses Wissen aber nicht unbedingt aktiv abrufen kann, ist vor allem dem Umfang des Lernpensums geschuldet. Aus Erfahrung kann nun auch ich Euch versichern: Man kann im Examen sehr viel mehr passives Wissen abrufen, als man vorher denkt. 

Wie gehe ich mit dem Stress um?

Ich persönlich hatte schon immer mit Prüfungsstress zu kämpfen. So war abzusehen, dass auch diese lange Lernzeit emotional nicht spurlos an mir vorbeigehen würde. Nach ca. sechs Wochen, das war kurz vor Weihnachten, hatte ich ein erstes kleines Tief und einfach keine Lust mehr aufs Lernen. Das ging den meisten meiner Kommilitonen zu dem Zeitpunkt genauso. Über Weihnachten und Silvester nahm ich mir deshalb jeweils drei Tage frei und konnte den Lernplan im Anschluss wieder motivierter fortsetzen. Mein Tipp eins gegen den Stress ist also, ausreichende Pausen einzulegen und sich bewusst Zeit zum Durchatmen zu nehmen. 

Etwa bei der Hälfte des Lernplans merkte ich, dass ich mich zunehmend gestresst und nervös fühlte. Eine Freundin empfahl mir, regelmäßig Yoga zu machen – am besten jeden Tag. Also fing ich damit an und merkte nach wenigen Tagen schon, wie gut es mir tat. 15 Minuten Yoga am Abend wirkten Wunder. Tipp 2 ist also ein tägliches Ritual zur Entspannung zu finden. 

Insbesondere am Ende wurde der Austausch mit meinen Freundinnen, die mit mir Examen schrieben, immer wichtiger. Fast täglich waren wir in Kontakt und tauschten uns über unsere Gedanken, Sorgen, Ängste und Strategien aus. Das half ungemein, denn auch hier gilt: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Tipp 3 ist also: Austausch mit Freunden bzw. Kommilitonen, die in der gleichen Situation sind. 

Mein Fazit 

Zusammenfassend würde ich sagen: Das Wichtigste ist durchzuhalten! Nicht jeder einzelne Tag zählt, sondern die gesamte Zeit! Es ist völlig okay und absolut normal, hin und wieder auch mal schlechte Tage oder Wochen zu haben. Umso wichtiger ist es, sich Pausen zu gönnen bzw. bewusst zu nehmen. Rückblickend würde ich sagen, dass es im Endspurt wichtig ist, sprich in den letzten Wochen vor dem Examen, noch ausreichend zeitliche Kapazitäten, Motivation und Kraft zu haben, um den Lernplan erfolgreich zu Ende zu bringen und somit bestmöglich für das Examen vorbereitet zu sein. 

Do’s and Don’ts

  • Do’s:
    • Ausgleich schaffen und bewusst Pausen einplanen und einhalten
    • Austausch mit Freunden, Kommilitonen und Familie
    • Sich selbst schlechte Tage erlauben
    • Sich realistische Ziele setzen 
    • Positiv und ruhig bleiben 
  • Don’ts:
    • Lernen/Wiederholen an freien Tagen
    • Sich zu viel vornehmen
    • Zu streng mit sich selbst sein
    • Bis zur Erschöpfung lernen
    • Sich mit anderen vergleichen

I. Hansen

Hamburg, April 2020

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