3. Abschnitt Ärztliche Prüfung M3 – Eine Assistenzärztin blickt zurück auf ihr drittes Staatsexamen und macht Mut!

13. Mai 2020

in Anästhesie, Chirurgie, Examen, Fachgebiet, Im Fokus, Innere Medizin, Ratgeber

Im November 2018 habe ich mein drittes Staatsexamen an der TU München absolviert. Inzwischen bin ich seit über einem Jahr Assistenzärztin in der Anästhesie und sehe ständig PJler, die diese Prüfung fürchten. Mit diesen Zeilen blicke ich zurück auf meinen 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und dies mit dem Fazit: Das M3 Examen ist absolut machbar! 

Herbst 2018 – Der Prüfungstermin steht fest!

3. Abschnitt Ärztliche Prüfung M3 – Meine Vorbereitung Chirurgie

Im November 2018 habe ich mein drittes Staatsexamen an der TU München absolviert. Die Fächerkombination bestand aus meinem Wahlfach Anästhesie, dem zugelosten Fach Urologie sowie Innere Medizin und Chirurgie. 

Da ich den ersten möglichen Prüfungstermin zugeteilt bekommen habe, hatte ich dank der vier Wochen Resturlaub exakt fünf Wochen zum Lernen. Hier kann ich jedem nur raten, es ebenso zu machen. Hätte ich keinen Resturlaub gehabt oder wegen eines gesplitteten PJ-Tertials keinen Urlaub nehmen dürfen, wäre es schier unmöglich gewesen, sich halbwegs gut vorzubereiten.

Da wir die Prüfer und das Losfach erst zehn Tage vor unserem ersten Prüfungstag bekommen hatten, war ich anfangs sehr unsicher, wie ich mich am besten vorbereiten sollte. In der ersten Woche nach meinem PJ habe ich kaum etwas geschafft, weil ich mich erst ein wenig erholen musste. Dann bekam ich allerdings Zeitdruck und wurde von Tag zu Tag effektiver. Ich habe jeden Tag alle Hauptfächer gelernt, da ich es für mich nicht gut fand, wochenweise die Fächer zu lernen und dann am Ende das erstgelernte Fach gefühlt komplett vergessen zu haben. 

Also habe ich angefangen die Randspalte der „Dualen Reihe“ Innere Medizin zu lesen und den „Striebel“ für die Anästhesie. Während meines PJs hatte ich schon das Buch „Die 50 wichtigsten Fälle EKG“ durchgearbeitet, aus welchem ich dann jeden Tag zwei EKGs wiederholte. Chirurgie fiel mir am Schwersten, da mich dieses Fachgebiet noch nie groß interessiert hat und ich auch eigentlich keinen großen Plan von irgendwas hatte, da ich dieses Tertial im Ausland absolviert und nicht wirklich viel gelernt hatte. Da jedoch Anästhesie und Innere Medizin durchaus viel Zeit in Anspruch nehmen, habe ich vorrangig diese beiden gelernt und mit Chirurgie zum größten Teil gewartet, bis ich meinen Prüfer erfahren habe. Ab und zu habe ich einen Blick in das Buch „Die 50 wichtigsten Fälle Chirurgie“ geworfen. 

Inzwischen gibt es auch auf „Amboss“ einen 20 Tage Lernplan fürs M3. Ich selbst habe ihn nicht benutzt, könnte mir aber durchaus vorstellen, dass er für die Zeit, in der man seine Prüfer nicht weiß und sich unsicher ist, was man lernen soll, sinnvoll sein kann. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich ihn mir auf jeden Fall angeschaut. 

Kontakt zu den Prüfern

Als ich meine Prüfer dann erfahren hatte, war das Wichtigste, so schnell wie möglich die Prüfungsprotokolle ehemaliger Examenskandidaten zu besorgen. Ich hatte das Glück, dass ich zwei meiner drei Mitprüflinge bereits aus dem Anästhesie-PJ kannte. Als wir die vierte Person gefunden hatten, haben wir telefonischen Kontakt zu unseren Prüfern aufgenommen. Der Internist, der bei uns Vorsitzender war, sowie der Chirurg haben sich zeitnah mit uns getroffen. Ersterer teilte uns mit, dass er eigentlich alles prüft, allerdings sein Hauptgebiet (Toxikologie) nur so tief, wie man es als Allgemeinmediziner wissen sollte. 

Der Unfallchirurg hat zum Glück direkt bekannt gegeben, dass er sich selbst nicht gut mit Viszeralchirurgie auskennt und diese deshalb auch gar nicht prüft. Mit unserem Anästhesisten, der außerhalb tätig war, konnten wir nur telefonieren. Allerdings hat er uns direkt gesagt, dass er einfach alles prüfe, so wie es ihm gerade in den Sinn käme. Urologie als Losfach war sehr dankbar, zumal unser Prüfer am Telefon auch direkt mitgeteilt hat, dass ihm bewusst sei, dass er nur dazu gelost wurde und keinen großen Impact haben sollte. Daher prüfe er nur die absoluten Basics.

Die letzten drei Wochen vor dem Examen!

3. Abschnitt Ärztliche Prüfung M3 – Meine Vorbereitung Anästhesie

In den letzten drei Wochen vor der Prüfung haben wir uns als Prüfungsgruppe ca. zwei- bis dreimal wöchentlich getroffen und das „Fallbuch Anästhesie“ von Thieme gemeinsam durchgesprochen, um nicht nur die Theorie zu beherrschen, sondern sie auch formulieren zu können. Außerdem haben wir die unfallchirurgischen Untersuchungen aller Gelenke aneinander geübt. Richtig effektiv kam mir dies alles nicht vor, aber es war gut, schon mal mit den Mitprüflingen zusammen zu kommen und ein Gefühl der Gemeinsamkeit zu entwickeln, was uns in der Prüfung zum großen Zusammenhalt und der gegenseitigen Unterstützung verholfen hat.

Sobald ich also die Prüfungsprotokolle durchgeschaut hatte, habe ich versucht, viel spezifischer zu lernen als zuvor. Mit unserem wirklich protokolltreuen Unfallchirurgen war dies am Einfachsten. Hier habe ich nur die Protokolle gelernt und seine Lieblingsthemen noch im „Müller Chirurgie“ kurz angeschaut. Für die Urologie habe ich im „Amboss Lernplan M3“ Urologie ausgewählt, womit das mit einem Aufwand von ca. 7h insgesamt auch abgehakt war. 

Komplizierter wurden die beiden Fächer, die ich glücklicherweise sowieso schon am meisten gelernt hatte. Zu beiden Prüfern gab es etliche Prüfungsprotokolle. Nachdem ich jeweils die ersten zehn durchgeschaut hatte und überhaupt keine Lieblingsthemen fand, habe ich die Protokolle beiseitegelegt und mich wieder der „Dualen Reihe Innere Medizin“ sowie dem „Striebel Anästhesie“ gewidmet. Mit unserer Prüfungsgruppe haben wir die anästhesiologisch wichtigsten Medikamente zusammengefasst und geteilt, sodass wir diese sorgfältig lernen konnten.

Als es nur noch zwei Tage bis zur Prüfung waren, wuchs schlagartig die Anspannung. In diesem Moment kamen mir noch tausend Themen in den Kopf, von denen ich mir sicher war, sie nicht oder nicht mehr zu können. Also habe ich nochmal Vollgas gegeben und querbeet alles, was mir in den Kopf kam, angeschaut. 

Der erste Tag des Examens!

3. Abschnitt Ärztliche Prüfung M3 – Meine Vorbereitung Innere Medizin

Am Morgen des Prüfungstags waren wir alle so weit, dass wir uns sicher waren, viel mehr nicht zu können, als wirklich etwas zu wissen. Alle waren ziemlich blass und gemeinsam haben wir eine Art „Scheißegal Einstellung“ entwickelt, um irgendwie weiter zu kommen. Wir hatten uns gemeinsam vor dem Klinikeingang getroffen und sind dann auf unsere Station gegangen. Unser Prüfungsvorsitzender wollte uns erst um 10:00 Uhr dort sehen, normalerweise geht es um 8:00 Uhr los. Er hat uns unseren Prüfungsraum gezeigt, in dem wir unsere Sachen abstellen und unsere Kittel anziehen sollten. Dann ist er mit uns in das Arztzimmer gegangen, hat sich vier Akten geschnappt und diese an uns verteilt. 

Er ist mit jeder von uns dann unmittelbar zum Patienten gegangen und hat uns einen Anamnesebogen der Station in die Hand gedrückt. Mein ursprünglicher Plan war es, mir zuerst kurz die Akte anzuschauen, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Das war so allerdings nicht möglich, wodurch ich mich, bei meiner Patientin angekommen, erst einmal sortieren musste. Hier war die große Herausforderung, dass diese aufgrund ihrer Erkrankung sehr verlangsamt war und die leider sehr verwirrende Anamnese sowie die kurze körperliche Untersuchung extrem lange gedauert haben. 

Die Zeit verging wie im Flug, sodass ich um ca. 13:00 Uhr endlich zurück in den Prüfungsraum konnte. Hier habe ich zuerst meinen Anamnesebogen nochmal ordentlich abgeschrieben, da wir diesen in vierfacher Kopie an unsere Prüfer aushändigen mussten, was zum Glück einen Arztbrief ersetzt hat. 

Als ich hiermit fertig war, stand ich plötzlich vor einem ganz anderen Problem. Ich hatte zwar im PJ oft Patienten vorgestellt, aber nie solch komplexe und verwirrende Krankheitsgeschichten. Und dies zumal ich leider feststellte, dass ich noch nicht sicher verstand, warum genau die Patientin diesmal nun da war. Da ich massiv überfordert war, habe ich mich entschlossen, dass ich nichts zu verlieren habe und bin in das Arztzimmer der Station gestürmt, um einen Computer benutzen und meine offenen Fragen beantworten zu können. Da das absolut zulässig ist, kann ich es jedem nur ans Herz legen. Ihr dürft Eure Bücher und Laptops mitbringen und sogar die Stationsärzte darf man befragen. Danach hetzte ich zurück in den Prüfungsraum und versuchte meine Patientenvorstellung auszuformulieren. Lernt das vorher unbedingt! Im PJ macht man es häufig, aber nicht auf die Art und Weise, wie man es in der Prüfung machen soll. Eine ordentliche, komplette Krankheitsgeschichte, die trotzdem kurz und knapp ist und einen roten Faden hat, ist wirklich nicht leicht und stellte meine größte Herausforderung des Tages dar.

Da ich zum Glück erst als Dritte geprüft wurde, reichte mir die Zeit gerade so. Ich nahm meine ausformulierte Patientenvorstellung mit und lief mit den vier Professoren zu meiner Patientin. Seid unbedingt freundlich und zuvorkommend zu Eurem Patienten. Wenn er sich freut, Euch zu sehen, habt Ihr direkt einen super ersten Eindruck bei den Prüfern hinterlassen.

Mein Prüfungsvorsitzender Internist hat angefangen mich zehn Minuten über alle möglichen Sachen zu prüfen, die meine Patientin zu bieten hatte. Danach kam der Chirurg an die Reihe. Da die Patientin nichts Chirurgisches zu bieten hatte, hat er mich einfach ein paar Gelenkuntersuchungen durchführen lassen und war, wie erwartet, sehr leicht zufrieden zu stellen. Anästhesiologisch hatte die Patientin ebenfalls nichts zu bieten, daher ist der Anästhesist massiv abgeschweift in ein verrücktes Thema nach dem anderen, durch das ich mich Frage für Frage einfach durchgehangelt habe. Der Urologe war dann wieder extrem entspannt, sodass wir nach ca. 45 Minuten mit allem durch waren. 

Wir haben geschlossen als Prüfungsgruppe gewartet, bis alle fertig waren und sind dann vollkommen erschöpft und mit einem schlechten Gefühl nach Hause gegangen. 

Da ich das Gefühl hatte, vor allem in Anästhesie und Innerer, was eigentlich meine beiden stärksten Fächer und auch die zur Auswahl stehenden zukünftigen Berufsfelder waren, versagt zu haben, konnte ich abends nicht entspannen, sondern habe nochmal querbeet alles wiederholt, was mir in den Sinn kam. Dies hat mich allerdings wahrscheinlich mehr verunsichert, als dass es etwas geholfen hätte.

Der zweite Prüfungstag!

3. Abschnitt Ärztliche Prüfung M3 – Meine Vorbereitung Anästhesie

Der zweite Tag begann psychisch ähnlich wie der erste. Alle waren demotiviert und erschöpft. Wir sind wieder geschlossen zum Prüfungsraum gelaufen und haben gemeinsam gewartet, bis alle Prüfer anwesend waren. Dann ging es los. Jede von uns wurde 10-15 Minuten von dem ihr gegenübersitzenden Professor geprüft und ist dann weiter rotiert. Also hatte man immer 30-45 Minuten zwischen zwei Prüfungen. Das Schöne an unserer Prüfungsgruppe war, dass wir durch die gemeinsame Vorbereitung einen tollen Zusammenhalt entwickelt hatten und es keiner von uns mehr peinlich war, vor den anderen Mitprüflingen etwas Blödes zu sagen. 

Ich hatte das große Glück, mit Unfallchirurgie anfangen zu dürfen. Die ersten zwei Minuten der ersten Prüfung von jeder von uns waren ziemlich holprig, allerdings hat man sich zum Glück schnell wieder ein gegroovt. Für mich war es ein super Start, da ich wirklich eins zu eins wie im Prüfungsprotokoll geprüft wurde. Mein zweites Fach – Innere – war dann schon nicht mehr so toll, da mir ein Blutausstrich von EBV (!) als Einstieg vorgelegt wurde, worauf ich natürlich nicht sofort kam, sondern erst mal nervös wurde, da ich sicherlich kein Experte für Blutausstriche war und bin. 

Naja, auch diese Prüfung ging rum und ich hatte ja noch den gefürchteten Anästhesisten vor mir. Dieser hat einfach die Abschlussfrage des Urologen in der Vorprüfung („Was ist Tamsulosin? – Ein Alphablocker“) genutzt und mir als Einstieg die Frage „Welche Alphablocker in der Intensivmedizin kennen Sie?“ gestellt. Keine Ahnung wie, aber irgendwie habe ich es geschafft, mich 15 Minuten über Alphablocker in der Intensivmedizin prüfen zu lassen. Ich habe ein vollkommenes Blackout, was ich eigentlich dazu alles gesagt habe, allerdings meinten meine Mitprüflinge, dass ich mich von Frage zu Frage gut durchgehangelt hätte. 

Mein krönender Abschluss war Urologie. Hier hatte der Urologe fast keine offenen Fragen mehr, da er wirklich nur ganz oberflächlich geprüft hatte und in den drei Prüfungen vor mir schon alles gefragt hatte, was er uns als Stoff gesagt hatte. Also hat er zwei, drei kleine Fragen gestellt und dann in die Runde gesagt, dass er eigentlich nicht mehr richtig wisse, was er noch fragen solle. 

Da alle müde waren, konnten wir es damit gut sein lassen. Wir wurden vor die Tür gebeten, damit sich die Prüfer besprechen konnten. Zum Teil haben wir gerätselt, ob wir es alle bestanden hätten, da jede von uns nach eigener Meinung größere Patzer gehabt hätte, so wie ich zum Beispiel nicht mal wusste, was in meiner Anästhesie Prüfung überhaupt abgelaufen war. 

Nach nicht allzu langer Zeit durften wir wieder rein. Mit einem breiten Grinsen wurde uns verkündet, dass wir alle eine 1 hätten. Wir waren fassungslos. Sowohl der Internist als auch der Anästhesist konnten an unseren Blicken leicht erkennen, dass keine von uns damit gerechnet hatte, da wir alle von beiden wirklich heftige Fragen bekommen hatten. „Wenn wir auf eine 1 prüfen, stellen wir halt solche Fragen. Uns ist durchaus bewusst, dass viele unserer Assistenzärzte das auch nicht hätten beantworten können. Sie haben das wunderbar gemacht und am Ende soll diese Prüfung ja ein Fachgespräch sein. Herzlichen Glückwunsch.“ 

Mit diesen Worten war alles vorbei und wir waren endlich Ärztinnen! 

Mein Blick zurück!

Inzwischen bin ich seit über einem Jahr Assistenzärztin in der Anästhesie und sehe ständig PJler, die diese Prüfung fürchten. Alles in allem kann ich nur sagen, dass es wirklich fair zu ging und man sich einfach nicht von den Prüfern verunsichern lassen darf. Die Wenigsten wollen einem etwas Böses. Meist wollen sie eher schauen, wie man unter Stress performt. 

Fazit: Das M3 Examen ist absolut machbar. Lernt Eure Gedanken ordentlich zu formulieren und werft auf keinen Fall irgendwelche einzelnen Wörter als Antwort auf Fragen in den Raum, wenn Ihr nicht noch mehr dazu sagen könnt. Alles was Ihr sagt, kann der Prüfer aufschnappen, wodurch Ihr ihn lenken könnt. Also seid vorsichtig, in welche Richtung Ihr lenkt!

U., J.

München, Mai 2020

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