Der Hausarzt als engagierter Zehnkämpfer in der Medizin – Work-Life-Balance in der Südpfalz

18. Juni 2021

in Arzt Niederlassung in Deutschland, Chancen in Deutschland

Ich kann Euch den Beruf des Hausarztes nur wärmstens empfehlen! Ihr seid vielseitig tätig, habt es täglich mit den unterschiedlichsten Patienten zu tun und erfahrt eine große Dankbarkeit! Die Work-Life-Balance ist sehr hoch! Kurzum: Als Hausarzt werdet Ihr glücklich! Und Eure Patienten auch!

Als junger Hausarzt in der Südpfalz

Die Gastronomie in der Pfalz kann sich sehen und schmecken lassen, hier Beckers Weinstube in Mörzheim bei Landau

Armfraktur, dekompensierte Herzinsuffizienz, Erysipel, Anpassungsstörung bei Trauerfall, unklare Bauchschmerzen, Corona-Abstrich-Ambulanz, Impfungen, Herzinfarkt, Hausbesuche im Altenheim, Tapen beim Rückenschmerz, Reiseberatung mit Gelbfieberimpfung, Diabetes-Einstellung … Ein kurzer Überblick über einen ganz normalen Tag im Leben eines jungen Hausarztes in der Südpfalz, einer landschaftlich reizvollen Gegend zwischen Karlsruhe und Landau.

Die Pfalz ist eine hinsichtlich der Lebensqualität attraktive und auch wirtschaftlich gut aufgestellte Region, die als Urlaubsziel vor allem bei Wander- und Weintouristen ganz oben auf der Wunschliste steht. Die Südpfalz ist eher ländlich geprägt, aber infrastrukturell sehr gut an die größeren Städte wie Landau, Speyer, Neustadt, Ludwigshafen, Mannheim und Karlsruhe angebunden. Der Wein- und Gemüseanbau und alles rund um den Pfälzer Wald spielen hier eine große Rolle. So hat fast jeder Ort hier sein Weinfest und auch sonst sind die Pfälzer gesellige und freundlich-bescheidenene Zeitgenossen und vor allem auch unkomplizierte Patienten. In Corona-Zeiten mussten wir Pfälzer uns erst einmal daran gewöhnen, die heißgeliebte Weinschorle nicht mehr wie sonst in geselliger Runde herumzureichen.

Meine Frau und ich zogen 2017 in die Pfalz zurück und sind hier glücklich. Das Leben ist viel ruhiger als in der Stadt, Kinder wachsen unbesorgter auf, die Immobilien erschwinglicher und man findet immer einen Parkplatz.

Was zeichnet den so wichtigen Hausarztberuf aus?

Eine Landarztpraxis besticht durch ihre Vielseitigkeit. Als Hausarzt bin ich Ansprechpartner für fast alles, auch viele nicht direkt medizinischen Dinge. Wir Landärzte sind eher auch einmal als Berater in bestimmten Lebenssituationen gefragt. Verglichen mit dem Sport sind wir die Zehnkämpfer im Gesundheitssystem mit fundiertem Expertenwissen in vielen Fachbereichen. Und genau diese Vielseitigkeit als Hausarzt mit einem abwechslungsreichen Patientenspektrum begeistert mich seit den ersten Tagen. Ich kann fast alles aus dem langen Medizinstudium anwenden. Jeder Tag ist ein bisschen anders, nie wird es in der Hausarztmedizin langweilig. Mit besonderen Zusatzqualifikationen wie zum Beispiel bei mir die Reiseberatung und Gelbfieberimpfstelle oder bei einem meiner Kollegen die Akupunktur könnt Ihr Euch als Hausärzte weitere Schwerpunkte setzen.

Die meisten unserer Patienten kommen mit ihren Problemen zu uns als erster Ansprechpartner, oft fühle ich mich daher wie ein Detektiv, der einen spannenden Fall mit seinem Patienten zusammen löst. Das macht Spaß. Mehr als in anderen Fachbereichen fühlt man sich als Hausarzt wie in einem Team mit seinem Patienten, da ich ihn sein Leben lang begleite. Aus dieser Lebenskenntnis und -erfahrung heraus entsteht eine tragfähige Beziehung zwischen Hausarzt und Patient, ein Vertrauensverhältnis, welches die Qualität der gesundheitlichen Versorgung in der Hausarztpraxis enorm steigert. Ich möchte so gut sein, dass mein Patient immer wieder meinen Rat hören möchte. Außerdem ist die Dankbarkeit sehr groß, die mir als Hausarzt jeden Tag entgegengebracht wird. Vor allem jetzt in der Coronapandemie fällt mir dies auf. Wie schön, dass wir Hausärzte derzeit mit den Corona-Impfungen und -Abstrichen so viel helfen können.

Für den Hausarztberuf sollte man auf jeden Fall eine Berufung mitbringen, sich für seine Patienten zu engagieren, auch die Umwege mitzugehen und für ihn ganzheitlich zu sorgen sowie ihn durch unser Gesundheitssystem zu begleiten. Das bedeutet auch, Schaden von ihm durch zum Beispiel Überversorgung abzuwenden. Wir Hausärzte sind die Garanten für die gute Qualität des deutschen Gesundheitssystems. Spätestens jetzt in der Coronakrise wurde allen Deutschen bewusst, wie wichtig eine solide Grundversorgung durch uns Hausärzte ist. Auch was die Corona Impfungen betrifft.

Meine Entscheidung für die Niederlassung als Hausarzt

Dr. med. Hofmann-Eifler – ein junger engagierter Arzt auf dem Weg zu einem Hausbesuch

Seit 2017 arbeite ich also als Hausarzt in der Praxisgemeinschaft Rheinzabern in der schönen Südpfalz mit insgesamt sieben Ärzten, die das ganze breite Spektrum einer allgemeinmedizinischen Landarztpraxis abdeckt. Zunächst zwei Jahre als Weiterbildungsassistent, dann ein Jahr als angestellter Facharzt und nun seit 2020 als selbstständiger niedergelassener Hausarzt. Die Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner beträgt fünf Jahre.

Warum habe ich mich niedergelassen, bin also selbstständig geworden? Die Chancen einer Niederlassung liegen auf der Hand. In einem Gemeinschaftspraxis-Team können wir uns die Aufgaben wie Personalmanagement, Abrechnung oder Verwaltung aufteilen, wir tragen Risiken und Lasten zusammen, können uns täglich fachlich austauschen und sind frei in unserer Planung, haben also keinen Chef über uns. Der Vorteil der eigenen Praxis liegt auch darin, Dinge selbst rasch planen und umsetzen zu können, was wir vor allem in der Corona-Pandemie schätzen gelernt haben, als wir kurzerhand eine eigene Corona Ambulanz im Keller eingerichtet haben. Oder auch Hausbesuche fortan mit einem E-Auto zu machen. Auch die Einrichtung einer Videosprechstunde haben wir kurzerhand umgesetzt, was vor allem junge Patienten schätzen, die wir aber nun auch mit Erfolg für ein Altenheim anbieten.

Verdienstmöglichkeiten und Herausforderungen?!

Als selbstständiger Hausarzt verdient man auch deutlich mehr im Vergleich zum Angestelltenstatus. Der Durchschnittsverdienst eines Hausarztes beläuft sich derzeit auf ca. 160.000 Euro brutto. Je nach Privatanteil und Zusatzangeboten erhöht er sich auch auf über 200.000 Euro. Das Bild des armen, 24 Stunden arbeitenden Hausarztes ist absolut antiquiert, womit wir beim Thema Work-Life-Balance wären. Diese ist als Hausarzt sehr hoch, sowohl als niedergelassener als auch als angestellter Allgemeinmediziner, insbesondere in Gemeinschaftspraxen. Teilzeitmodelle unter Hausärzten sind sehr beliebt und auch gut lebbar. Und dies auch unter Niedergelassenen so wie bei mir mit einer Viertagewoche.

Ich habe viel mehr Zeit für meine Familie als noch zu Krankenhauszeiten vor allem auch, da die Dienstbelastung fast komplett wegfällt. Pro Jahr leisten wir ca. sechs Dienste in der Notfalldienstzentrale, die im Schnitt zwölf Stunden betragen und mit 50 Euro pro Stunde vergütet werden – plus Privatpatienten.

Die Herausforderungen an einen niedergelassenen Hausarzt sind deutlich höher im Vergleich zum angestellten Facharzt. Wir führen ein Unternehmen, müssen uns also um alles, auch Nicht-Medizinisches, kümmern. Die Bürokratie kostet Zeit. Von daher ist eine gute Praxisorganisation und Aufgabenverteilung zwischen den Kollegen sehr wichtig. Ihr solltet über ein gutes Organisationstalent verfügen. Außerdem solltet Ihr beachten, dass meistens in Einzelpraxen die Arbeitsbelastung höher als bei Gemeinschaftsmodellen ist. Eine Einzelpraxis zu führen, sollte man sich daher vorher sehr gut überlegen.

Um sich selbst zu testen, ob Ihr ein Typ für den Hausarztberuf seid, sind zum Beispiel Famulaturen oder auch das Praktische Jahr eine gute Gelegenheit.

Die „SüdpfalzDOCS“ – eine große Chance bei der Vorbereitung auf eine Niederlassung!

Die Gründungsmitglieder der SüdpfalzDOCS

Um sich auf die Niederlassung vorzubereiten, empfehle ich, zunächst ein bis zwei Jahre am besten in der Praxis, in die man später als Selbstständiger einsteigen möchte, als angestellter Facharzt zu arbeiten, um die Praxis besser kennenzulernen. Auf jeden Fall solltet Ihr den Kontakt zu regionalen Verbünden und Netzwerken suchen, in denen junge Niedergelassene Tipps geben und auch mögliche freie Praxen kennen.

Ich habe 2019 die „SüdpfalzDOCS“ gegründet, ein gemeinnütziger Verein, der junge und erfahrene Hausärzte in der Pfalz vernetzt mit dem Ziel, dem Hausärztemangel vor Ort mit kreativen Ideen zu begegnen. Mehr dazu erfahrt Ihr auf unserer Homepage www.suedpfalzdocs.de . Wir nehmen junge Hausärzte bewusst mit Tipps an die Hand, damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss. Außerdem bietet die Kassenärztliche Vereinigung und der Deutsche Hausärzteverband Kurse zum Thema Niederlassung an.

Ich kann Euch den Beruf des Hausarztes also nur wärmstens empfehlen! Ihr seid vielseitig tätig, habt es täglich mit den unterschiedlichsten Patienten zu tun und erfahrt eine große Dankbarkeit! Die Work-Life-Balance ist sehr hoch! Kurzum: Als Hausarzt werdet Ihr glücklich! Und Eure Patienten auch!

Wenn ich Euer Interesse geweckt habe und Ihr Euch generell noch weiter zum Hausarzt-Beruf informieren möchtet, zum Beispiel auch was finanzielle Förderungen oder auch die Kompetenzzentren Allgemeinmedizin betrifft, könnt Ihr Euch gerne im Herbst für meinen Vortrag auf dem Hausärztetag des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes am 19.11.2021 anmelden.

Das Logo der SüdpfalzDOCS

Der SüdpfalzDOCS e.V. sucht als Netzwerk für junge Hausärzte jederzeit nach interessierten und engagierten Hausärzten und bietet zudem eine Stellenbörse an. Infos unter www.suedpfalzdocs.de . Ihr könnt gerne auch eine E-Mail an uns schicken, wenn Ihr Interesse an einem PJ-Abschnitt in der Allgemeinmedizin oder an einer Stelle als Weiterbildungsassistent oder Hausarzt habt:

Interessierte an den „SüdpfalzDOCS“ und der Allgemeinmedizin in der Südpfalz können sich gerne auch folgenden Podcast mit Dr. med. Hofmann-Eifler anhören: https://www.suedpfalzdocs.de/Die-SuedpfalzDOCs/Hausarzt-sein/

 

Dr. med. Jonas Hofmann-Eifler, Juni 2021

Praxisgemeinschaft Rheinzabern

www.arztpraxis-rheinzabern.com

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