PJ in Winterburg – Allgemeinmedizin

12. Juni 2020

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Rheinland-Pfalz, Winterburg, Praxis Drs. Schulze/Wagner (01.07.-22.10.2019)

Arterielle Hypertonie, Lost Places und die „Vreck“. Für mich war das Tertial in der Allgemeinmedizin fachlich aber auch persönlich wahnsinnig lehrreich, sodass ich dies jedem nur wärmstens empfehlen kann. Ich lernte vieles kennen, was die Tätigkeit des Hausarztes für mich zu einem attraktiven Beruf macht!

Entscheidung für das Wahlfach Allgemeinmedizin im PJ

Hausarztpraxis Drs. Nicole Wagner und Christian Schulze in Winterburg

Wie viel ländlicher, als gedacht, die Hausarzt-Praxis Drs. Schulze/Wagner in Winterburg liegt, die ich mir für mein PJ-Tertial in der Allgemeinmedizin ausgesucht hatte, wurde mir bewusst, als während meiner Tertiale in der Chirurgie und in der Inneren Medizin kaum jemand den nur ca. 50 km von Mainz entfernten Ort kannte. Und so lernte ich in meinem Allgemeinmedizin-Tertial nicht nur die Tätigkeit des Hausarztes sehr gut kennen und lieben, sondern erlebte daneben die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum.

Dass Allgemeinmedizin weit mehr bedeutet als Gastroenteritis, grippale Infekte und Krankschreibungen, war mir zwar schon vor Beginn meines Praktischen Jahres klar, in meiner Zeit in der Hausarztpraxis stellte sich das Tätigkeitsgebiet des Allgemeinmediziners und dessen Verantwortung jedoch noch wesentlich vielfältiger dar. Natürlich gehören banale Infekte zum Alltag, gleichzeitig gilt es aber immer, abwendbare gefährliche Verläufe herauszufiltern, sprich beispielsweise die eine operationsbedürftige Appendizitis während einer Gastroenteritis-Welle ausfindig zu machen und entsprechend einzuweisen. Daneben gehört auch die Aufklärung über zwar symptomarme Erkrankungen („Wie, mein Blutdruck ist zu hoch? Mir geht es doch gut!“), die Wichtigkeit und Notwendigkeit ihrer Therapie und eine regelmäßige Therapiekontrolle (Compliance?!) zum Praxisalltag und zur Verantwortung des Hausarztes.

Auch die Kontrolle einer stationär begonnenen Therapie, die Überprüfung von Neben-/ Wechselwirkungen und die Verordnung neu angesetzter Medikamente zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse gehören zum Arbeitsalltag des Hausarztes. So erhielten während meines Tertials mehrfach Patienten mit Herzinsuffizienz stationär bereits früh das Kombi-Präparat Entresto®, während dies erst nach leitliniengerechter Stufentherapie von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen wird. Dies nur als Beispiel für Dinge, mit denen man im Medizinstudium nicht unmittelbar konfrontiert wird und über die man sich als klinisch tätiger Arzt in der Regel nur wenige Gedanken macht.

Meine Erfahrungen mit der Vielfalt der hausärztlichen Tätigkeit

Praxis-Team Drs. Nicole Wagner und Christian Schulze in Winterburg, Rheinland-Pfalz

Als erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen kommt dem Erstkontakt des Patienten mit dem Hausarzt eine wichtige Bedeutung im weiteren Krankheitsverlauf zu. Dies zeigte sich eindrücklich bei einem Patienten mit seit kurzer Zeit blutigen Stühlen. In der digital-rektalen Untersuchung war eine Raumforderung tastbar, sodass durch die Hausärztin unmittelbar eine weitere klinische Abklärung eingeleitet wurde. Bereits wenige Wochen später war dieser Patient mit kolorektalem Karzinom erneut in der Praxis – zu diesem Zeitpunkt schon in kurativer Absicht operiert. 

Die Vielfalt der hausärztlichen Tätigkeit betrifft nicht nur die zu versorgenden Krankheitsbilder von A wie Atherom bis hin zu Z wie Zoster, die Krankheitsprävention, allem voran natürlich die Impfungen, und die Gesundheitsförderung, sondern auch das Patientengut. Vom wenige Jahre alten Kind, das aufgrund einer bevorstehenden Reise mit allen möglichen Tricks zur Schluckimpfung gegen Cholera überzeugt werden muss, bis hin zum palliativen hochbetagten und multimorbiden Patienten konnte ich in meinen wenigen Monaten in der Allgemeinmedizin ein Spektrum erleben, wie es wohl kein klinischer Bereich bieten kann. Als besonders spannend erlebte ich dabei auch die Kenntnis der familiären Strukturen und die Beurteilung von Symptomen vor dem Hintergrund psychischer Belastungen – beides Aspekte, die man in der Regel aus dem stationären Alltag so nicht kennt. Hier erhält der Hausarzt eine weitere, nicht zu vernachlässigende Funktion als Vermittler von sozialen Hilfen.

Was medizinische Fertigkeiten angeht, bietet eine Hausarztpraxis optimale Bedingungen zum Erlernen und Optimieren der körperlichen Untersuchung, der Ultraschalluntersuchung, der EKG-Auswertung etc. sowie zum Kennenlernen und (Wieder-)Erkennen zahlreicher Blickdiagnosen wie Erythema migrans, Podagra oder auch mal einer Bizepssehnen Ruptur. 

Im Rahmen meines Tertials in der Allgemeinmedizin sollte mich nicht nur die Abgelegenheit der Praxis überraschen. Darauf, dass man Tabletten im Hunsrück „holt“ und nicht etwa einnimmt, hatte mich zum Glück schon eine andere PJlerin hingewiesen, sodass es hier nicht mehr zu Missverständnissen kommen konnte. Doch eines Morgens saß mir ein Patient gegenüber und erwiderte auf die Frage, was ihn denn in die Praxis führe: „Ich glaube, ich habe die Vreck!“. Aufgrund meines verwirrten Gesichtsausdrucks schlussfolgerte er schnell, dass ich wohl nicht aus dem Hunsrück sei und klärte mich über die Harmlosigkeit der „Vreck“, ein grippaler Infekt, auf.

Neben diesen „kulturellen“ Erfahrungen, konnte ich dank der großen Motivation des Teams meiner Lehrpraxis und der 2:1-Betreuung durch eine Ärztin und einen Arzt auch fachlich, berufspolitisch und sogar, was die Vergangenheit des Hunsrücks angeht, so einiges lernen. Auf Umwegen im Rahmen von Hausbesuchen oder in der Mittagspause zeigte mir mein mich betreuender Arzt unter anderem den größten rheinland-pfälzischen Solarpark, berichtete mir von einer Ortschaft, die einem NATO-Flugplatz weichen musste, und zeigte mir die dort nun zu großen Teilen leerstehende Geisterstadt auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne.

Fazit

Vor allem das Potpourri aus gesunden, akut kranken und chronisch kranken Patienten, die Begleitung der Patienten über einen langen Zeitraum, der Einbezug des sozialen und familiären Milieus, die Diagnosestellung mit Einsatz einfacher Mittel und möglichst ohne aufwendige Diagnostik sowie die Möglichkeit, eigene fachliche Schwerpunkte wie z.B. Reisemedizin, Sportmedizin, Palliativmedizin zu setzen, machen die Tätigkeit des Hausarztes für mich zu einem attraktiven Beruf!

Für mich war das Tertial in der Allgemeinmedizin fachlich aber auch persönlich wahnsinnig lehrreich, sodass ich dies jedem nur wärmstens empfehlen kann.

P., F.

Winterburg, Dezember 2019

Kontakt Landarztpraxis Winterburg

Dr. med. Christian Schulze – Hausarztpraxis in Winterburg, Rheinland-Pfalz

Dr. Chistian Schulze & Team Landarztpraxis Winterburg 

Medizinstudierende, die eine Famulatur (30 Tage, 500 EUR, Kost und Logis frei) oder das Wahlfach Allgemeinmedizin im PJ (Fahrtkostenzuschuss) in der Landarztpraxis Winterburg absolvieren möchten, als auch Weiterbildungsassistenten und Ärztinnen/Ärzte, die sich für eine Tätigkeit im Team von Dr. med. Nicole Wagner und Dr. med. Christian Schulze interessieren, können sich jederzeit direkt wenden an:

Praxis Dr. Wagner & Dr. Schulze

Mühlenstraße 3

55595 Winterburg

Tel.: 06756/232

Fax: 06756/410

E-Mail:

www.dr-christian-schulze.de

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