Die Corona Krise – eine beispiellose Herausforderung!

3. April 2020

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Ein Interview mit Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin

Deutschlandweit ist die Bereitschaft von Medizinstudierenden bei der Corona-Krise zu helfen, überwältigend groß. In der Facebook-Gruppe „Medizinstudierende vs. Covid-19“ haben sich bereits tausende angehende Mediziner organisiert. Die Internetseite und großartige Initiative www.match4healthcare.eu hilft entscheidend, in Zeiten der Krise Helfende mit Hilfesuchenden zu vernetzen. Zwei von vielen Beispielen, die Mut machen!

Herr Dr. Jonitz, Ihr besonderes Engagement gilt seit vielen Jahren gerade auch der nachrückenden jungen Ärztegeneration. Welche persönlichen Empfehlungen können Sie diesen so engagierten Medizinstudentinnen/Medizinstudenten bei ihren Einsätzen in Zeiten von Corona und für die Zukunft mit auf den Weg geben?

Diese Pandemie hat noch niemand erlebt. Es ist ein biologischer Tsunami in Ultrazeitlupe. Und jeder und jede, der etwas von Medizin und Versorgung versteht, wird gebraucht. Bitte melden sie sich dort, wo Helfer gebraucht werden. Das geht über die Uni, den Marburger Bund, die Kammer, über die App match4healthcare, beim Gesundheitsamt oder bei Krankenhäusern. Es ist eine einmalige Gelegenheit, in einem Ausnahmezustand in jeder Hinsicht viel zu lernen und zu tun. Und schützen sie sich selbst!

Die Ärztekammer ist eine wichtige und entscheidende Anlaufstelle für alle Ärzte. Welche Aufgaben kommen in einer solchen Krise einer Ärztekammer zu? Bei welchen Entscheidungen sollte ihr Rat, ihre Empfehlung unbedingt berücksichtigt werden?

Wir sammeln und vermitteln freiwillige Ärztinnen und Ärzte, beraten und begleiten Politik und die Akteure im Krisenstab und über die Medien. Gleichzeitig versuchen wir trotz Home-Office den Betrieb der Ärztekammer aufrecht zu erhalten. Facharztprüfungen werden, soweit möglich, weiter durchgeführt. Über soziale Medien kann den Fake News entgegengetreten werden. Es ist aktuell ein Kaleidoskop an Themen und Aktionen.

Was können wir alle aus dieser Corona Krise lernen? Und welche Maßnahmen sollten, ja müssen gezielt umgesetzt werden, um für die Zukunft rechtzeitig und für alle Fälle vorbereitet zu sein?

Wir werden mit allen Fehlern der Gesundheitspolitik der letzten Jahre und Jahrzehnte konfrontiert: Die Warnungen vor Pandemien wurden sämtlich ignoriert inkl. des Deutschen Bundestages 2013, das Krisenmanagement ist zu wenig trainiert. Wer koordiniert wen, wie und wohin? Wer informiert wen über was? Wie wird zusammengearbeitet und kommuniziert? Materialien für den Notfall sind nicht vorhanden, die akute Beschaffung scheitert an bürokratischen Vorgaben und Mechanismen. 

Daneben fällt uns die reine Erlösfinanzierung von Praxen und Krankenhäusern und der damit verbundene Abbau von Personal auf die Füße. Krankenhäuser und Praxen müssen permanent aktiv sein, sonst verdienen sie kein Geld, Pflegepersonal fehlt an allen Ecken und Enden. Und in der Krise besser dran durch hohe Kapazitäten im Krankenhaus und mit Intensivbetten sind wir nur deshalb in Deutschland, weil wir uns erfolgreich gegen den von Politik, Kassen und manchen Stiftungen geforderten Kahlschlag von Krankenhäusern gewehrt haben. 

Gerade in einer solch schweren Zeit brauchen Menschen dringend Hoffnung. Wo sehen Sie die Chancen, gestärkt aus dieser Krise herauszugehen?

Es ist ungemein lehrreich! Wir lernen gerade im Rekordtempo zu improvisieren, zusammen zu arbeiten, Menschen zu rekrutieren, Vorschriften zu ändern oder zu ignorieren, fake news zu entgegnen, richtige und wichtige Informationen in Rekordzeit aus dem WWW zu holen und zu interpretieren; alles wichtig für die Aufarbeitung in der Zeit nach Corona. 

Das Interview führte Peter Karle, Medizinernachwuchs.de

Titelfoto: Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin („André Wagenzik / Ärztekammer Berlin“)

Das Team von Medizinernachwuchs.de möchte sich an dieser Stelle bei allen Ärzten, Medizinstudierenden, Krankenschwestern, Krankenpflegekräften und allen weiteren, die an deutschen Kliniken und in Praxen arbeiten, für ihren aufopferungsvollen Einsatz bedanken!

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