DOC JOB EU – Vermittlung junger Assistenzärzte aus der EU zur Weiterbildung an deutsche Kliniken

6. Dezember 2019

in Assistenzarzt in Deutschland, Chancen in Deutschland, Facharzt in Deutschland, Initiative DOC JOB EU, Ratgeber

Ein Interview mit Heinz Kölking, einem der Initiatoren der Initiative DOC JOB EU und Präsidiumsmitglied Europäischer Verband der Krankenhausmanager (EVKM) – English translation below

Die Zahl der nicht besetzten Assistenzarztstellen in Deutschland wächst und mit ihr die an vielen deutschen Kliniken nicht genutzten Kapazitäten zur ärztlichen Weiterbildung. Dies ist die Situation hierzulande. Ein ganz anderes Bild zeigt sich in anderen EU Ländern, denn dort gibt es mitunter mehr Absolventen des Medizinstudiums als es Weiterbildungsplätze für Assistenzärzte gibt. Mit der neuen Initiative „DOC JOB EU“ zeichnet sich nun für beide Seiten eine sehr interessante Lösung ab. 

Herr Kölking, Sie sind einer der Initiatoren von DOC JOB EU. Wer steht zudem hinter dieser neuen Initiative und wie kam es zu diesem Projekt? 

Heinz Kölking – Präsidiumsmitglied Europäischer Verband der Krankenhausmanager EVKM

Die Initiative und Idee kommt von Rolf Rossbach, Gesundheits- und Kongressmanager. Das gesamte Team der DOC JOB EU bringt sehr viel Erfahrungen und Wissen auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung mit, und dies aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Dazu zählt neben der medizinischen Perspektive insbesondere die Betrachtung der riesigen Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung unseres Landes wie auch in Europa. Die größten Herausforderungen aus der Demografie liegen noch vor uns und wir werden alle möglichen Anstrengungen benötigen, Lösungen zu erarbeiten und neue Wege zu beschreiten. Ein Baustein ist eine effektive und qualitativ hervorragende Aus- und Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte. Gemeinsam ist den Initiatoren von DOC JOB EU die Qualität der Weiterbildung und die Fokussierung auf die europäische Dimension zur Weiterentwicklung der medizinischen Ausbildung. Ziel ist die Schaffung einer grenzüberschreitenden medizinischen Weiterbildung in der EU zur optimalen Nutzung der vorhandenen Kapazitäten.

Wie könnte eine Win-Win-Situation bzw. Strategie für beide Seiten, also sowohl für die deutschen Kliniken als auch für die engagierten jungen Assistenzärzte aus anderen EU Ländern, aussehen?

Exzellente praktische Weiterbildung für die Assistenzärzte einerseits und ein Beitrag zur Versorgungssicherheit der Kliniken auf der anderen Seite, so könnte man die Strategie zusammenfassend beschreiben. Dies ermöglicht jungen Absolventen des Medizinstudiums die Möglichkeit, ein breites Spektrum der Medizin für die eigene Entwicklung zu planen und umzusetzen.

Dabei wird ein über mehrere Krankenhäuser (in Deutschland und ggf. im Heimatland auch mit Rotation zwischen verschiedenen Krankenhäusern) hinweg koordinierter individueller Weiterbildungsplan erstellt. Über die Vermittlung und Planung hinaus wird den Teilnehmern eine qualifizierte Begleitung der Tätigkeit in Deutschland angeboten. Ziel ist es, den Ärztinnen und Ärzten Rahmenbedingungen einer Willkommenskultur zu bieten, zeigen doch Erfahrungen, dass diese Faktoren ein wesentlicher und notwendiger Garant für die erfolgreiche Arbeit und Weiterbildung in einem fremden Land sind.

An einer Weiterbildung in Deutschland interessierte junge Ärzte aus EU Ländern haben sicherlich zwei für sie essentielle Fragen: Wie sehen die rechtlichen Grundlagen hierfür aus? Und welche Voraussetzungen müssen für einen erfolgreichen Verlauf der Weiterbildung gegeben sein? 

Die Grundlagen sind innerhalb der EU gegeben, da es keine rechtlichen Beschränkungen mehr gibt. Eine der Freiheiten der EU-Bu?rgerinnen und Bürger liegt in der Freizügigkeit für Arbeitnehmer. Dazu gehören das Recht der Arbeitnehmer, sich frei zu bewegen und niederzulassen, das Zuzugs- und Aufenthaltsrecht für Familienmitglieder und das Recht, in einem anderen Mitgliedstaat der EU zu arbeiten und ebenso wie die Staatsangehörigen dieses Mitgliedstaats behandelt zu werden. Punktuell gibt es bereits Beispiele für die Vermittlung von Weiterbildungsstellen der Medizin an Bewerber in EU Staaten. Der Schwerpunkt der bisherigen grenzüberschreitenden Mobilität von Ärztinnen und Ärzten liegt jedoch bei den Fachärztinnen und Fachärzten.

Gleichwohl gibt es Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Dazu gehören insbesondere:

– eine Abstimmung mit den Landesärztekammern im Hinblick auf Fragen der Anerkennung von Ausbildungsinhalten und Leistungskatalogen im Heimatland;

– die Überwindung sprachlicher Barrieren und Prüfung der medizinisch fachlichen und allgemeinen Sprachkenntnisse;

– eine Vorbereitung und Begleitung der Teilnehmer im Hinblick auf sprachliche, fachliche, organisatorische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte;

Das Besondere, ja Einzigartige, an der Initiative DOC JOB EU ist die Rundumbetreuung und Rundumbegleitung der jungen Ärzte bei der Vorbereitung auf eine Tätigkeit in Deutschland – bei der individuellen Planung der Weiterbildung bis hin zur Vermittlung an eine deutsche Klinik. 

Es ist das Ziel, Assistenzärztinnen und Assistenzärzten aus der EU in Deutschland ein auf persönliche Ziele hin qualifiziertes Weiterbildungsangebot zur Fachärztin, zum Facharzt zu vermitteln.

Über die Vermittlung und Planung hinaus, wird den Teilnehmern eine qualifizierte Begleitung der Tätigkeit in Deutschland angeboten. Ziel ist es, sowohl dem Arzt/der Ärztin als auch dem Krankenhaus möglichst viel Sicherheit für den erfolgreichen Weiterbildungsweg zu geben. Dieses Serviceangebot hat unterschiedliche Dimensionen. Sie sind medizinisch-fachlich, sprachlich, organisatorisch und kulturell ausgerichtet. Das Serviceangebot erstreckt sich über den gesamten Weiterbildungsprozess und beginnt bereits schon vor dem Einsatz in Deutschland.

Dabei kommen geeignete Formen von Lernprogrammen auf elektronischer Basis zum Einsatz, die mittels organisierter oder vermittelter Präsenzphasen ergänzt werden. Folgende Inhalte werden u.a. vermittelt:

– Unterstützung der fachlichen Weiterbildung in deutscher Sprache;
– Strukturen und Prozesse der Gesundheitsversorgung in Deutschland;
– Strukturen und Prozesse in deutschen Krankenhäusern;
– Finanzierung von Krankenhausleistungen in Deutschland;
– die Prozedur der Krankenhausaufnahme und der Entlassung;
– die Anamnese und Patientendokumentation;
– wesentliche Prozesse (SOP) in der Arbeit der Ärztin/des Arztes;
– die Visite;
– über Deutschland: Wichtiges aus Kultur und Gesellschaft;

Wie können sich an einer Weiterbildung in Deutschland interessierte junge Ärztinnen und Ärzte aus EU Staaten am besten bei Ihnen melden?

Rolf Rossbach – Gesundheits- und Kongressmanager, Ideengeber und Initiator DOC JOB EU

Am besten über unsere Website: www.docjobeu.com/de bzw. www.docjobeu.com/en . Wir freuen uns über Anfragen ebenso über Anregungen und Kritik.

Das Interview führte Peter Karle, Medizinernachwuchs.de

 

 

 


 

English Translation

DOC JOB EU: Agency for further training in German clinics for young EU assistant doctors. 

An interview with Heinz Kölking, one of the founders of the Initiative DOC JOB EU and the Presiding Member of the European Organization of Hospital Managers (EVKM).

The number of unoccupied Assistant Doctor positions in Germany is increasing, and with it the unused capacity of many German clinics for further training of doctors. This is the situation in our country. We see a completely different picture in other EU countries, as occasionally there are more medical school graduates than positions for further training for Assistant Doctors. With the new initiative „DOC JOB EU,“ a really interesting solution for both sides is emerging. 

Mr. Kölking, you are one of the founders of DOC JOB EU. Who is behind this new initiative, and how did this project come to be? 

Heinz Kölking – Board member of the European Association of Hospital Managers EVKM

The initiative and idea came from Rolf Rossbach, the health and congress manager. The entire team of DOC JOB EU brings with them a lot of experience and knowledge in the field of healthcare, from very different perspectives. In addition to the medical perspective, this includes, in particular, the consideration of the enormous challenges in the health care of our country as well as in Europe. The biggest demographic challenges are still ahead and we will need all kinds of efforts to come up with solutions and find new ways.

One component is the effective and qualitatively superb education and training of young doctors. The initiators of DOC JOB EU all share the quality of continuing education and the focus on the European dimension for the further development of medical education. The aim is the creation of cross-border medical education in the EU for the optimal use of existing capacities.

What could a win-win situation or strategy look like for both sides, that is, for the German clinics as well as for the dedicated young assistant doctors from other EU countries? 

One could describe the strategy as providing excellent practical training for the assistant physicians on the one hand and contributing to the security of supply of the clinics on the other. This enables young medical school graduates to plan and implement a wide range of medicine for their own development.

This way, an individual training plan coordinated across several hospitals (in Germany and possibly also in the home country with rotations between different hospitals) is created. In addition to mediation and planning, participants are offered qualified support for their work in Germany. The aim is to present physicians with the basic conditions of a welcoming culture, as experience shows that these factors are an essential and necessary guarantor for successful work and further education in a foreign country.

Young doctors from EU countries who are interested in continuing education in Germany must have two essential questions: What is the legal foundation for this? And what are the requirements for a successful course of further education? 

The foundations are within the EU, as there are no legal restrictions. One of the freedoms of EU citizens is the free movement of workers. These include the right of workers to move and settle freely, the right of access and residence for family members, and the right to work and receive treatment in another EU Member State, just like the citizens of that Member State. There are already some examples of the placement of applicants in EU countries in medical positions for further education. However, most of these previous examples of cross-border mobility were specialist physicians.

Nevertheless, there are prerequisites that must be met. These include in particular:

– coordination with the State Chambers of Physicians regarding recognition of education programs and benefits catalogs in the home country;

– overcoming linguistic barriers and the examination of medical and general language skills;

– preparing and accustomization of the participants in terms of linguistic, professional, organizational, social and cultural aspects;

The special, indeed unique, feature of the DOC JOB EU initiative is the all-round care and all-round support of the young doctors in preparing for work in Germany – from the individual planning of further education to their placement in a German clinic.

 The goal is to provide physicians from the EU in Germany with further training options tailored to personal goals in order to become specialists.

Beyond the mediation and planning, the participants are offered qualified support for their work in Germany. The aim is to give both the doctor and the hospital as much security as possible for the successful continuing education path. This offer has different dimensions. They are medically professional, linguistically, organizationally and culturally aligned. The range of services covers the entire training process and begins even before their deployment in Germany.

Appropriate forms of electronics-based learning programs are used, supplemented by organized or mediated attendance periods. The following contents are taught, among others:

– Support of professional training in German language;

– structures and processes of health care in Germany;

– structures and processes in German hospitals;

– financing of hospital services in Germany;

– the procedure of hospital admission and discharge;

– the anamnesis and patient documentation;

– essential processes (SOP) in the work of the doctor;

– the visit;

– about Germany: important aspects of culture and society;

What is the best way for young doctors from EU countries who are interested in further education in Germany to get in touch with you? 

Rolf Rossbach – Health and congress manager, Initiator DOC JOB EU

The best way is through our website: http://www.docjobeu.com/ or www.docjobeu.com/en . We look forward to inquiries as well as suggestions and criticism.

The interview was conducted by Peter Karle, Medizinernachwuchs.de

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.