Famulatur Dänemark – Innere Medizin

15. September 2022

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Dänemark, Kopenhagen, Rigshospitalet-Glostrup (01.08-30.08.2022)

Die Gesundheitssysteme Nordeuropas wurden mir immer als sehr fortschrittlich beschrieben, die Arbeits- und Lebensbedingungen als sehr forschungs- und familienfreundlich. Als mich dann schließlich während meiner Arbeit im Labor im Rahmen meiner Promotion eine dänische Wissenschaftlerin davon überzeugte, in Kopenhagen zu famulieren, stand meine Entscheidung fest. Dänemark – ich komme!

Wie alles begann

Bereits zu Beginn meines Medizinstudiums hatte ich den Wunsch, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Dieser Wunsch wurde durch die Corona-Pandemie noch bestärkt. Daher entschied ich mich, eine Auslandsfamulatur zu absolvieren und meine Wahl fiel auf die Stadt Kopenhagen.

Die Gesundheitssysteme Nordeuropas wurden mir immer als sehr fortschrittlich beschrieben, die Arbeits- und Lebensbedingungen als sehr forschungs- und familienfreundlich. Während meiner Arbeit im Labor im Rahmen meiner Promotion lernte ich eine dänische Wissenschaftlerin kennen, welche mich bereits nach wenigen Gesprächen davon überzeugte, in Kopenhagen zu famulieren.

Meine Bewerbung

Die Corona-Pandemie war zu dieser Zeit in vollem Gange und es war daher schwer, einen Platz zu bekommen. Viele Kliniken hatten Ihre Austauschprogramme im Rahmen der Pandemie komplett eingestellt oder stark minimiert. Durch die Unterstützung erwähnter Wissenschaftlerin wurde der Kontakt zum Rigshospitalet Glostrup in Kopenhagen hergestellt. Meine Ansprechpartner waren der Leiter der Inneren Medizin und seine Sekretärin. Da er plante, kurz vor Beginn meiner Famulatur sein „Paternity leave“ zu beginnen, übernahm eine andere Ansprechpartnerin des Krankenhauses meine Betreuung.

Da ich Monate vorher mit der Planung meiner Famulatur begonnen hatte, war der Prozess entspannt und es gab keine zeitlichen Engpässe. Nach der Bestätigung, meine Famulatur am Rigshopitalet Glostrup, einem Lehrkrankenhaus der Universität Kopenhagen, absolvieren zu dürfen, waren nun einige obligatorische Schritte notwendig. Ich übersendete einige Unterlagen, Impfnachweise und weiteres. Alles in allem war der Prozess aber nicht aufwendig und schnell erledigt.

Wohnen und leben in Kopenhagen

Die berühmte Kleine Meerjungfrau an der Uferpromenade Langelinie in Kopenhagen

Der nächste Schritt war die Wohnungssuche. Durch Freunde wusste ich, dass die Mietsituation in Kopenhagen, wie in vielen Städten im Moment eher schwierig war. Es bietet sich an, auf Seiten wie „Findroommate“ zu suchen, wenn man ein Zimmer in einer WG möchte. Dennoch gab es hier wenige passende Angebote, da meistens erst ab einem Zeitraum von drei Monaten vermietet wurde oder die Zimmer weit vom Krankenhaus entfernt lagen. Eine andere Möglichkeit war „AirBnB“. Dies erlaubte eine Planung weit im Voraus, war aber entsprechend teurer. Für mich ergab sich die Gelegenheit, eine gerade renovierte Wohnung von Bekannten zu mieten, diese war einigermaßen gut gelegen und der Mietpreis angemessen. Die Schlüsselübergabe war problemlos und die Wohnung mit allem Notwendigen eingerichtet.

Da die Lebenshaltungskosten in Kopenhagen sehr hoch sind, hatte ich mich umso mehr gefreut, eine Unterstützung in Form eines der Auslandsstipendien von Medizinernachwuchs.de zu erhalten. Dies hat es mir ermöglicht meine Zeit in Kopenhagen unbeschwert zu genießen und mich auf meine Famulatur zu konzentrieren.

Für die Fortbewegung in Kopenhagen eignete sich ein Fahrrad mehr als alles andere. „Swapfiets“ bot hier gute Konditionen und da ich die Firma kannte, entschied ich mich wieder dafür. Es empfiehlt sich, ein Fahrrad mit Schaltung zu wählen, da es abseits des Stadtzentrums in Kopenhagen bergiger wird. Kopenhagen ist wohl die Fahrradstadt schlecht hin, eigene Fahrradstraßen und von der Fahrbahn abgetrennte Radwege machen das Fahrradfahren sehr angenehm. Da es aber auch oft und ordentlich regnet, ist eine verkehrstechnische Alternative sinnvoll. Ich hatte im August Glück und wenig Regen, deswegen hatte ich mir, nur wenn es notwendig war, eine Fahrkarte gekauft. Diese ist dann aber auch etwas teurer. Ansonsten bietet es sich an, eine Monatskarte für Studierende zu kaufen.

Taxis hatte ich in Kopenhagen nicht benutzt und kann hier keine Erfahrungen teilen. „Scooter“ waren in einer Vielzahl vorhanden und boten ebenfalls eine gute und schnelle, wenn auch etwas kostspieligere Alternative.

Die Arbeit im Krankenhaus

Meine einmonatige Famulatur verbrachte ich im Rigshospitalet Glostrup. Dieses liegt im Stadtteil Glostrup und wurde im Jahr 2015 in die „Rigs-Gruppe“ eingegliedert. Das Krankenhaus ist vor allem für seine große Augenklinik bekannt und hat ansonsten eher ein Minimum an Spezialisierungen. Sehr komplexe Fälle werden im zentralen „Rigshospitalet“ behandelt und

Vor dem Rigshospitalet Glostrup – einem Lehrkrankenhaus der Universität Kopenhagen

Meine erste Woche verbrachte ich auf einer geriatrischen Station und an den Nachmittagen in der Notaufnahme. Ein typischer Tag begann um 8:00 Uhr mit einer morgendlichen Konferenz. Hier trafen sich alle Ärztinnen/Ärzte der gesamten Inneren Medizin und besprachen wichtige Fälle. Diese wurden von den diensthabenden Assistenzärztinnen/Assistenzärzten vorgestellt.

Die Hierarchien in Kopenhagen sind sehr flach, jeder kann sich äußern, Fragen stellen und Probleme anbringen. Zudem ist es üblich, sich mit dem Vornamen anzusprechen und auf Titel oder Positionen zu verzichten. Dies spiegelt sich auch in der Bekleidung wider, welche für alle Ärztinnen/Ärzte aus weißer Hose, T-Shirt und kurzärmligem Kittel besteht. Das Pflegepersonal trägt die gleiche Kleidung, sodass lediglich das Namensschild in verschiedenen Farben einen Unterschied darstellt. Das Arbeitsklima war sehr angenehm und Probleme wurden gemeinsam und im Konsens gelöst.

Nach der Besprechung ging es auf die geriatrische Station. Von 8:30-9:00 Uhr war Zeit, um sich in die Patientenakte einzulesen und das weitere Vorgehen zu planen. Um 9:00 Uhr erfolgte eine weitere Konferenz mit der leitenden Krankenschwester, Ärztinnen/Ärzten und den Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten der Station. Hier wurden alle Fälle besprochen und die Behandlungspläne umfassend adaptiert. Von 9:00-12:00 Uhr erfolgte die tägliche Arbeit. Diese war sehr schreibintensiv, es gab aber bei guter Planung auch viel Zeit, Patientinnen und Patienten zu sehen.

Die Station war in die Teams 1 bis 3 aufgeteilt und ein Team wurde von einer Assistenzärztin/einem Assistenzarzt betreut. Meistens waren es pro Ärztin oder Arzt zwischen 5-8 Patientinnen/Patienten. Diese wurden täglich untersucht und die Therapien angepasst. Für mich sehr interessant war das Konzept der Blutabnahme. Diese wurde von Krankenschwestern vorgenommen, welche über alle Stationen gingen. Weder die Ärztinnen/Ärzte noch die Krankenschwestern der Station nahmen dies vor. Insgesamt war die Arbeit der Ärztinnen/Ärzte auf die Anamnese, körperliche Untersuchung beschränkt, den Großteil der Zeit nahmen die Therapieplanung und Dokumentation ein. Um 12:00 Uhr gab es dann eine weitere Konferenz der Ärztinnen und Ärzte der Station und Fragen als auch Unsicherheiten konnten geklärt werden. Von 12:30-13:00 Uhr war die Mittagspause vorgehsehen und ein Arbeitstag endete um 15:00 Uhr.

Die Arbeitszeiten in der Akutklinik variierten hier enorm. Der Tag begann ebenfalls um 8:30 Uhr, aber endete um 18:00 Uhr. Es gab viele Patientinnen/Patienten und aufgrund Personal- und Bettenmangels oft Schwierigkeiten der umfassenden ärztlichen Betreuung. Meetings wurden hier in unregelmäßigen Abständen, dafür kürzer und prägnanter, abgehalten. Die Wartezeiten der Patientinnen und Patienten waren meist nicht sehr lang und auch hier nahmen sich die Ärztinnen/Ärzte Zeit für eine ausführliche Behandlung. Der Nachtdienst musste daher immer noch Patientinnen/Patienten übernehmen, welche noch nicht aufgenommen worden waren. Insgesamt achteten die Ärztinnen/Ärzte sehr auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance und es war selten zu beobachten, dass nach der vorgesehenen Arbeitszeit noch gearbeitet wurde.

Für einige Tage hatte ich zudem die Möglichkeit, auf der Neurologie, Radiologie und einer weiteren Station für Innere Medizin zu hospitieren. Der Ablauf war hier sehr ähnlich und auch die Struktur der Stationen unterschied sich nur marginal.

Die Stadt Kopenhagen

Blick auf das turbulente Treiben und die bunten alten Häuser in Nyhavn – zentraler Hafen und eine der Sehenswürdigkeiten von Kopenhagen

Kopenhagen ist eine wunderbare Stadt, die man ungern wieder verlassen möchte. Die Stadt besticht durch Ihre Nähe zum Meer und ihre Architektur, die alt und neu wunderbar verbindet. Die bekannten Touristenspots wie „Nyhavn“, „Amalien“ und „Rosenborg Slot“ sind Klassiker, die man besichtigen sollte. Etwas außerhalb des Zentrums gibt es in „Kodbyen“ und „Refshaleoen“ viele schöne Cafés und Bars. Besonders lecker ist das dänische Gebäck. Wer hier einige gute Zimtschnecken oder anderes essen möchte, sollte unbedingt „Juno the bakery“ und „Hart bageri“ in Kopenhagen ausprobieren. Ich persönlich bin ein großer Fan des dänischen Softeises. Dieses ist besonders gut bei „Vaffelbageren“, hier sind, wie der Name vermuten lässt, auch Waffeln eine echte Spezialität.

Für den wöchentlichen Einkauf bieten sich bekannte Supermärkte wie „Netto“ oder „Lidl“ an, hier kann man zu vernünftigen Preisen einkaufen. Ansonsten ist Kopenhagen eine teure Stadt.

Die Fortbewegung in Kopenhagen ist mit dem Fahrrad am besten. Ob mit dem eigenen Rad oder auf dem Lastenrad von Freunden ist hier jedem selbst überlassen. Die Radwege sind meist von der Fahrbahn abgetrennt, wiederum aber auch vom Fußweg separiert. Dies erlaubt ein entspanntes und schnelles Vorankommen mit dem Fahrrad. Der öffentliche Nahverkehr funktioniert ebenso gut, ob Bus oder Metro, alles ist möglich. Für spontane und kurze Strecken eignen sich Scooter ebenso gut.

Die dänische Bevölkerung ist sehr freundlich und zuvorkommend. Viele sprechen gut Englisch und eine Kommunikation ist so einfach möglich.

Mein Fazit

Während meiner Zeit auf der Geriatrie am Rigshospitalet-Glostrup war die Kommunikation etwas schwieriger, da ältere Patientinnen/Patienten weniger sicher in der englischen Sprache waren. Hier war eine Übersetzung notwendig und der Kontakt mit den Patientinnen und Patienten eher beschränkt. Daher würde ich raten, ein eher operatives Fach oder eines mit vielen praktischen Komponenten zu wählen.

Zusammenfassend kann ich jedem eine Famulatur in Kopenhagen empfehlen. Während meiner Zeit am Rigshospitalet-Glostrup konnte ich sowohl mein klinisches Wissen als auch mein Verständnis des dänischen Gesundheitssystems vertiefen. Das Leben in Kopenhagen ist wirklich wunderbar und einige der „hyggeligen“ Gewohnheiten nehme ich sicher mit zurück nach Hause.

Mark Enrik Geißler
Kopenhagen, August 2022

Stipendiat der Auslandsstipendien 2022

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

 

 

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