PJ in der Schweiz – Kardiologie

23. August 2022

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Kardiologie, Land, Praktisches Jahr im Ausland, Schweiz

Schweiz, Davos, Hochgebirgsklinik Davos (30.08.-28.10.2021)

Als Unterassistentin in der Kardiologie der Hochgebirgsklinik Davos. Die Klinik hält, was sie mit ihrem Namen verspricht. Sie liegt mitten im Kanton Graubünden auf 1.600m gelegen, wenige Gehminuten vom Davoser See entfernt und eingerahmt von unzähligen Gipfeln. Ich kann von einer guten Zeit in Davos berichten und wünsche viel Spass bei Deinem Aufenthalt in der Hochgebirgsklinik Davos!

Als Unterassistentin in der Kardiologie der Hochgebirgsklinik Davos

Traumhafter Blick auf den Davoser See vom Berg hinter der Hochgebirgsklinik Davos

Die Klinik hält, was sie mit ihrem Namen verspricht. Sie liegt mitten im Kanton Graubünden auf 1.600m gelegen, wenige Gehminuten vom Davoser See entfernt und eingerahmt von unzähligen Gipfeln, die für Berg-Verliebte auch viele Freizeitmöglichkeiten bieten. Medizinhistorisch ist Davos bekannt als Luftkurort mit hypoallergenem Klima. In Davos wurden die ersten Lungensanatorien für Tuberkulose-Erkrankte erbaut. Thomas Mann verfasste während seines mehrjährigen Aufenthalts in Davos seinen bekannten Roman „Der Zauberberg“, der in der Lungenheilanstalt Schatzalp spielt. Auch die Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums WEF führen zu grosser Bekanntheit des relativ kleinen Bergortes Davos, in dem zudem der Hauptsitz der orthopädischen AO-Foundation liegt.

Vor Tertial-Beginn

Wie ich in Davos gelandet bin, würde ich eher dem Zufall zuschreiben, da im Spätsommer 2021 Covid-bedingt immer noch viele Auslandstertiale nicht möglich waren. Da ich dennoch gerne erneut ein anderes Gesundheitssystem in meinem PJ kennenlernen wollte, hatte ich mich in der Schweiz beworben. An der Hochgebirgsklinik Davos explizit nach Durchsicht der guten Klinik-Homepage und insbesondere wegen der Lage in den Bergen, um nach Feierabend eine schöne Zeit in der Natur zu haben.

In Sachen Bewerbung hatte ich Glück, da ich nur zwei Monate vor Tertial Beginn eine Zusage erhalten hatte. Davon würde ich aber nicht pauschal ausgehen. Der Bewerbungsprozess verlief unkompliziert per E-Mail. Die zuständige Ansprechperson im Personalmanagement war – wie die meisten Schweizer – auffallend freundlich, professionell und antwortete zügig. Im Gegensatz zu deutschen Kliniken freut man sich hier über Unterassistent*innen, die sogenannten „UHUs“, vgl. PJler*innen. Innerhalb weniger Tage hatte ich sämtliche Unterlagen und den Arbeitsvertrag im Briefkasten und schon vor Arbeitsantritt war ich namentlich bekannt.

Zur Klinik

Die Hochgebirgsklinik Davos mit Blick auf den Davoser See

Die Hochgebirgsklinik Davos ist ein Lehrkrankenhaus der UZH (Universität Zürich) und eine Reha-Klinik.

Sie umfasst folgende Disziplinen:

  • Kardiologie
  • Pneumologie
  • Allergologie / Dermatologie
  • Psychosomatik
  • Pädiatrie

Insgesamt verfügte die Klinik über 190 Betten, wobei die Kardiologische Abteilung mit ca. 60 Patient*innen die grösste ist.

Die Patient*innen kommen meist ca. sieben Tage nach folgenden Interventionen bzw. mit folgenden Krankheitsbildern in die kardiologische Reha-Klinik:

  • MKR, MKE (Mitralklappenrekonstruktion, -ersatz)
  • Bypässe
  • AKE (Aortenklappenrsatz)
  • n. Myokardinfarkt
  • Herzinsuffizienz
  • Stent-Anlage(n)
  • Aortenaneurysma
Leseecke und Kaffee-Lounge für die Patienten auf den Stationen der Hochgebirgsklinik Davos

Kurz nach den o.g. Operationen sind die Patient*innen oft noch sehr labil und schwer krank und bedürfen einer engen internistischen Betreuung. Ein großer Teil der Patient*innen entwickelt nach den herzchirurgischen Eingriffen (via Sternotomie oder minimalinvasiv) Pleuraergüsse, die gezielt diuretisch behandelt oder über Pleura Punktion drainiert werden. Die Hochgebirgsklinik Davos wurde im Sommer 2021 nach 6-monatiger Komplettsanierung und teilweisem Neubau wiedereröffnet und ist demnach innnenarchitektonisch absolut ansprechend – um nicht zu sagen, dass einem bei Anblick der Privatzimmer der Mund offenstehen kann. Die Klientel ist zu 90 Prozent Schweizer*innen, zumeist sehr nett und dankbar. Auch in der Schweiz gibt es ein gestuftes Krankenversicherungssystem in Allgemein, Halbprivat und Privat, welche alle in der Hochgebirgsklinik Davos behandelt werden.

Mit einer deutschen Oberärztin/einem deutschen Oberarzt ist die Schweizer Kaderärztin/der Schweizer Kaderarzt vergleichbar.

Die kaderärztlichen Tätigkeiten enthalten u.a.:

  • Echokardiographien auswerten
  • Langzeit-EKG auswerten
  • Belastungs-EKG auswerten
  • Postoperative Medikamentöse Einstellung der Patient*innen
  • Pleura Punktion
  • TEE
  • Medikamentöse oder elektrische Kardioversion
  • Herzinsuffizienz-Therapie
  • Austrittsgespräche

Assistenzärztliche Tätigkeiten sind z.B.:

  • Eintrittsgespräche
  • Belastungs-EKG durchführen
  • Sprechstunde mit jedem Patienten 2x wöchentlich
  • Postoperative Medikamentöse Einstellung der Patienten
  • EKGs auswerten
  • Therapieprogramm erstellen (Sport-, Physio-, Ergo-, Psychotherapie, Ernährungsberatung)
  • Bei Kaderärztlichen Tätigkeiten assistieren
  • Pleura-Sonographien

Meine Arbeit als Unterassistentin in der Kardiologie

Generell gilt hier für Unterassistent*innen: Du kannst alles machen, was Du möchtest, musst aber nicht. Außerdem zeigten sich alle offen bzgl. „in andere Bereiche/Fachabteilungen reinschnuppern“. So stand es mir offen, z.B. in folgenden Disziplinen ein paar Tage zu verbringen: Pneumologie, Sporttherapie, Ernährungsberatung, Atemtherapie, Patientenschulungen (z.B. Diabetes, COPD), Physiotherapie.

Meine Tätigkeiten als Unterassistentin beinhalteten:

  • Aufnahmegespräche führen (inkl. ausführlicher Anamnese und körperlicher Untersuchung)
  • Pleura-Sonographie
  • ABI-Messung
  • Wöchentliche Patientengespräche führen
  • Assistieren bei Pleura-Punktion
  • Assistieren bei Kardioversion

Ablauf und Klinikalltag

Mein Arbeitstag in der Hochgebirgsklinik Davos begann mit dem Morgen-Rapport um 8:00 Uhr und endete mit dem Abend-Rapport um 16:50 Uhr. In den Rapporten waren meist alle Disziplinen anwesend, die an der Behandlung der kardiologischen Patienten beteiligt waren – (Pflege, Ärzt*innen, Sporttherapeut*innen etc. Jede Ärztin, jeder Arzt hatte seinen eigenen Terminplan, in welchem von der Verwaltung Patient*innengespräche und -untersuchungen terminiert und pünktlich ausgeführt wurden. Im Prinzip konnte man sich als PJlerin/PJler alle Terminpläne anschauen und dazu kommen, wo man mochte.

Nachmittags fanden die Eintrittsgespräche und -untersuchungen statt. Die durchschnittliche Aufenthaltslänge betrug drei Wochen pro Patient*in. Dies ermöglichte eine engere Patient*innenbindung und bot zudem die Möglichkeit der Beurteilung des Reha Fortschritts. Tatsächlich war es spannend zu sehen, wie die Patient*innen postoperativ meist sehr geschwächt und unsicher eintraten, um dann nach einer Woche Reha Training objektiv fitter zunehmend Selbstvertrauen gewannen.

In der Hochgebirgsklinik Davos gab es drei Fortbildungen pro Woche: Montagabends eine interdisziplinäre ärztliche Weiterbildung, Mittwochmittags den „Journal Club“ (Vorstellung eines aktuellen Papers) und freitags eine allgemeine Fortbildung für das gesamte Klinikpersonal. Die Referent*innen rotierten bzw. beruhten auf freiwilliger Basis.

Während meiner Zeit waren eine weitere PJlerin in der Pädiatrie und zwischenzeitlich zwei Famulant*innen an der Klinik. Die Klinik liegt abgelegen. Entweder freundet man sich während seines Aufenthalts mit etwaigen anderen PJler*innen an oder man genießt die Zeit auch alleine und in der Natur. Man sollte keine Partynächte oder Großstadtfeeling erwarten.

Wohnen und finanzielle Seite

Meine Unterkunft – 1-Zimmer-Appartment mit Balkon, Badezimmer und kleiner Küchenzeile

Es gab die Möglichkeit, in der leckeren Klinikküche zu essen. Im ganzheitlichen Konzept wurde den Patient*innen gesunde mediterrane Küche geboten und auch im Speisesaal für die Mitarbeiter*innen wurde ähnliche Kost angeboten. Diese wurde mit Wert Bons bezahlt, welche für Schweizer Verhältnisse und für die Lebensmittelqualität sehr günstig waren. Dies waren zu meiner Zeit 3,50 CHF für Frühstück, 7,50 CHF für Mittagessen und 4,50 CHF für Abendessen.

Auf dem Klinikgelände stehen Wohnhäuser für die Mitarbeiter*innen, die unkompliziert angemietet werden können. Für PJler*innen gab es verschiedene Kategorien: Zimmer mit Etagendusche für ca. 300-400 CHF und 1-Zimmer-Apartments mit eigenem Bad und kleiner Küchenzeile für 500-600 CHF. Das Monatsgehalt für Unterassistent*innen betrug ca. 900 CHF. Ich bin damit bei 500 CHF Miete, 50 CHF Steuern und dem Rest für Lebensmittel und Essen Bons gut ausgekommen.

Für Freizeitaktivitäten, Bergbahnen, Zugfahrten sollte man eventuell kleine finanzielle Puffer bereithalten, um die Gegend dann auch genießen zu können. Restaurantbesuche sind in der Schweiz sehr teuer und ich habe deshalb größtenteils darauf verzichtet. Hauptgerichte kosteten 20-35€, auch Alkohol war deutlich teurer als in Deutschland.

Klinikklima

Besonders auffallend positiv fand ich das zwischenmenschliche Miteinander und die interdisziplinäre Wertschätzung. Pflege, Ärzt*innen, Sporttherapeut*innen, Psycholog*innen etc. begegneten sich gänzlich auf Augenhöhe. Jede Disziplin hatte ähnliche Gewichtung und Redeanteil in den Besprechungen. Die Pflege arbeitete hier recht eigenständig als eigene Disziplin und gab viel Rückmeldung über das Erreichen der pflegerischen Ziele. Auch Blutentnahmen und Zugänge wurden von der Pflege gelegt.

Sonstige Punkte

  • Eine Auslandskrankenversicherung mit schriftlicher Bestätigung war notwendig, ansonsten müsste man sich in der Schweiz krankenversichern.
  • Dienste o.Ä. wurden von den Unterassistent*innen nicht erwartet.
  • Die Eröffnung eines Schweizer Kontos war nicht unbedingt notwendig. Die Überweisung auf ein deutsches Konto kostete ca. 10€
  • Direkt vor der Klinik gibt es eine Bushaltestelle. Die Linie bringt einen in wenigen Stationen nach Davos Dorf.

Sprachliche Schweizer Besonderheiten

  • Aufnahme und Entlassung = Eintritt und Austritt
  • Morgenessen und Nachtessen = Frühstück und Abendessen
  • Jeder wird immer gegrüsst! „Grüezi wohl“.
  • n. = St. n. (Status nach)
  • Kaderärzt*in = Oberärzt*in
  • „UHU“ Unterassistent*in = PJler*in
  • Rapport = Besprechung
  • „Gipfli“ / „Weckli“ = Hörnchen/Semmel

Freizeitwert

Einfach schön – die Jöriseen südöstlich von Davos

Der Freizeitwert in Davos lässt für Naturliebhaber*innen nichts zu wünschen übrig. Umzingelt von vielen Gebirgsketten ist Davos ein Mekka für Bergsport jeglicher Art: Wandern, Mountainbiken, Trails, Trailrunning und Wintersport jeglicher Art in Hülle und Fülle. Es gibt einige 3.000er-Gipfel in direkter Nähe und in den umliegenden Tälern auch Gletscher. Ein Muss ist zum Beispiel eine Tour zu den „Jöri-Seen“, der Panoramaweg, der Sonnenaufgang auf dem „Flüela Schwarzhorn“ u.v.m. Auch Schwimmen im Davoser See ist herrlich.

Malerischer Sonnenaufgang auf dem Schwarzhorn in der Schweiz

In nur zweieinhalb Stunden Zugfahrt erreicht man Zürich und somit eine unfassbar tolle, pulsierende Stadt für einen spannenden Wochenendausflug. In Sachen Aktivitäten mit kulturellem Hintergrund kann man den „Thomas-Mann-Weg“ und die „Schatzalp“ als ehemaliges Lungensanatorium nennen sowie das „Kirchner Museum“. Eine grosse Empfehlung möchte ich zudem für das Brunch-Buffet im „Kaffee Klatsch“ am Postplatz aussprechen.

Mein Fazit

Feierabend-Runde auf das Seehorn nach dem Arbeitstag an der Klinik

Alles in Allem kann ich von einer guten Zeit in Davos berichten. Das Arbeitsklima in der Hochgebirgsklinik Davos, der Reha-Klinik in den Bergen, stand in einem großen Kontrast zum typisch deutschen Krankenhausalltag. Am Anfang hatte ich die Abläufe als sehr langsam empfunden im Gegensatz zum „Standard-Stress“ in deutschen Kliniken. Mit der Zeit habe ich meinen Weg gefunden, indem ich viel in Eigeninitiative gelernt, Interesse gezeigt und mich eingebracht habe. Da man als Unterassistent*in keine fest zugeteilten Aufgaben hatte, stand einem Einiges offen. Man musste dies allerdings auch zu schätzen und zu nutzen wissen. Ich hatte eine tolle Zeit und habe auch die Berge in meiner Freizeit vollends genossen.

Viel Spass bei Deinem Aufenthalt in der Hochgebirgsklinik Davos!

Magdalena B.

Bonn, Februar 2022

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