Famulatur in Tansania – Gynäkologie und Geburtshilfe

27. Juli 2022

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Gynäkologie und Geburtshilfe, Land, Tansania

Tansania, Litembo, Litembo Diocesan Hospital (28.02.-02.04.2022)

Meine Famulatur in Litembo hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen! Das gemeinsame Leben und Arbeiten mit den Ärzt*innen, „Interns“ und Krankenschwestern auf dem Gelände des Litembo Diocesan Hospitals hat mir die Kultur, die Wertevorstellungen und das Leben der Menschen in Tansania in einer Art und Weise nahegebracht, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Auch in Bezug auf die medizinischen Tätigkeiten, konnte ich Erfahrungen und Eindrücke sammeln, die ich in Deutschland niemals hätte machen können.

Mein Traum – eine Famulatur im Ausland!

Litembo und seine Umgebung – Afrika pur!

Einen Teil der praktischen Ausbildung des Medizinstudiums in Form von Famulaturen oder dem PJ im Ausland zu absolvieren, war schon seit Beginn meines Studiums ein Traum von mir. 

Der Grund hierfür ist zum einen die Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen und anders als bei anderen Fernreisen durch die Arbeit im Krankenhaus einen Einblick in den Alltag und die Routinen der Menschen zu gewinnen. Zudem bietet es einem die Chance, die Arbeit in unterschiedlichen Gesundheitssystemen kennenzulernen und vergleichen zu können.

Für eine Famulatur in Afrika hatte ich mich entschieden, da ich diesen Kontinent zuvor noch nicht bereist und außerdem einige Erfahrungsberichte gelesen hatte, in welchen viele Medizinstudierende begeistert von den praktischen Erfahrungen berichteten, die sie während ihrer Famulatur in einem afrikanischen Land machen durften. Der Grund für meine Bewerbung speziell in Litembo war die Tatsache, dass nicht allzu viele Erfahrungsberichte vorlagen, woraus ich schloss, dass vermutlich nicht sehr viele deutsche Medizinstudent*innen auf einmal dort famulieren würden. Zudem waren die vorhandenen Berichte durchweg sehr positiv und von der Tatsache, dass es sich beim Litembo Diocesan Hospital in Tansania nicht um ein Universitätskrankenhaus handelte, versprach ich mir, dass weniger einheimische Medizinstudentinnen und Medizinstudenten vor Ort sein würden und ich dadurch die Möglichkeit hätte, selbst mehr Arbeiten zu übernehmen. 

Zusage! Die Bewerbungen konnten beginnen!

Meine Bewerbung schickte ich im Januar 2022 ab und bekam einige Tage später eine Zusage. Von diesem Zeitpunkt an begannen meine Vorbereitungen. Für eine Reise nach Tansania werden diverse Impfungen empfohlen. Neben den allgemein in Deutschland angeratenen Impfungen kamen die Impfungen gegen Tollwut, Hepatitis A, Gelbfieber, Typhus und Meningokokken hinzu. Außerdem empfiehlt es sich, eine Malaria Prophylaxe einzunehmen, da in Litembo besonders die Malaria tropica, die gefährlichste Form der Malaria, vorherrschend ist. 

Das Visum hatte ich ungefähr vier Wochen vor der geplanten Anreise beantragt und es wurde problemlos genehmigt. (Am.d.Red.: Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird).

Tansania – ich komme!

Blick auf die Unterkünfte für Medizinstudierende und medizinisches Personal aus dem Ausland auf dem Krankenhausgelände des Litembo Diocesan Hospital

Die Anreise nach Litembo nahm einige Zeit in Anspruch. Angekommen in Dar Es Salam, nahm ich einen Inlandsflug nach „Songea“ und von dort einen Bus nach „Mbinga“. Von „Mbinga“ gab es dann die Möglichkeit, einen Bus nach Litembo zu nehmen oder sich von einem Shuttle der Klinik abholen zu lassen. Insgesamt verlief die Anreise aber ohne Probleme. 

In Litembo angekommen, wurde ich sehr herzlich vom Leiter des Hospitals empfangen und bekam zunächst einmal eine Führung über das Klinikgelände. 

Die Unterkunft, das sogenannte „Doctor’s house“, in welcher ich während meiner Famulatur untergebracht war, lag auf dem Klinikgelände und verfügte über mehrere Schlafzimmer, eine Küche, ein Wohnzimmer, zwei Bäder und eine große Terrasse. Zur gleichen Zeit waren in der Unterkunft noch eine deutsche Ärztin mit ihrem Mann und zwei deutsche Krankenschwestern untergebracht. 

Dreimal am Tag wurde etwas zum Essen bereitgestellt. Zum Frühstück gab es meist Weißbrot mit Marmelade oder Honig. Mittags und abends gab es dann etwas Warmes zu essen wie z.B. Reis, Bohnen, Spinat, Kartoffeln oder Nudeln. In der nahegelegenen Krankenhauskantine gab es jedoch auch die Möglichkeit, selbst etwas einzukaufen und auf dem Herd in der Küche zu kochen. Insgesamt kostete die Unterkunft inklusive Verpflegung 20€ pro Tag. 

Meine Famulatur in der Gynäkologie und Geburtshilfe am Litembo Diocesan Hospital

Kaiserschnitt Operation in einem der beiden OP-Säle

Gleich am Tag nach meiner Anreise begann dann meine Famulatur. Der Tag startete morgens mit einer Frühbesprechung. Montags wurden dabei die Patienten vom Wochenende vorgestellt. An den anderen Tagen hielten die Ärzt*innen und einheimischen „Interns“ (PJler) der einzelnen Abteilungen im Wechsel Vorträge zu verschiedenen medizinischen Themen.

Anschließend ging es für mich auf die gynäkologische Station bzw. in den Kreißsaal. Auf Station wurde mit der Visite gestartet. Daran nahmen der Chef der gynäkologischen Abteilung, eine Krankenschwester und zwei einheimische „Interns“ teil. Während der Visite waren sowohl der Chefarzt als auch die einheimischen Medizinstudierenden, die „Interns“, sehr bemüht, mir die einzelnen Krankheitsbilder ins Englische zu übersetzen und nach einiger Zeit wurde ich dann wie die tansanischen Medizinstudierenden zu einigen Patient*innen und deren Krankheitsbildern vom Chefarzt befragt. Es war hierbei nie schlimm, wenn man etwas nicht wusste und auch viele Fragen eher auf bestimmte Techniken oder die Ausstattung in deutschen Krankenhäusern bezogen waren. 

Im Anschluss an die Visite ging die Arbeit dann im Kreißsaal und in der gynäkologischen Ambulanz weiter. In der Ambulanz wurden vor allem Ultraschalls durchgeführt und HPV-Tests gemacht. Ab und zu wurde auch eine Biopsie der Zervix entnommen.

Mittwochs und freitags fanden zudem die elektiven gynäkologischen Operationen statt. Zu den häufigsten Operationen zählten Kaiserschnitte, die Entfernung von Ovarialzysten und die Entfernung von Vulva Tumoren. Natürlich wurde auch an den anderen Tagen der eine oder andere Notfall operiert. 

Aufgrund des Mangels an Ärzt*innen leiteten die einheimischen „Interns“ die meiste Zeit die Station und ließen mich bereits nach der ersten Woche viele Arbeiten auf Station übernehmen. Nachdem ich einige Male bei spontanen Geburten assistiert hatte, durfte ich dann unter Aufsicht eines „Interns“ auch selbst Geburten durchführen und anschließend versorgen. 

Auch bei den Operationen, besonders bei den Kaiserschnitten, durfte ich von Beginn an assistieren. Nachdem ich bei ein paar Operationen assistiert hatte, durfte ich dann in der dritten Woche unter Aufsicht des Chefarztes der gynäkologischen Abteilung selbst einen Kaiserschnitt durchführen. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Ärzt*innen sowie die „Interns“ sehr daran interessiert waren, einem besonders die praktischen Tätigkeiten in der Gynäkologie nahezubringen. 

Anders als während meiner Famulaturen in Deutschland wurde ich von Beginn an als Teil des Teams betrachtet und dementsprechend eingebunden. Ich hatte auch die Möglichkeit, mich nach Ende meiner Arbeit von dem diensthabenden „Intern“ anrufen zu lassen, sollte etwas für mich Spannendes während des Dienstes passieren. Da der Weg von meiner Unterkunft zur Station keine drei Minuten dauerte, konnte ich schnell auch mal für einzelne Operationen oder Untersuchungen dazukommen, was aber natürlich stets freiwillig war.

Was mir von meiner Zeit in der Gynäkologie und Geburtshilfe in Litembo besonders in Erinnerung bleiben wird, war die entspannte Stimmung sowie der immer nette und wohlwollende Umgang miteinander, sowohl auf Station als auch im OP. 

Leben in Litembo

Traumhafter Ausblick auf Litembo und seine Landschaft

Neben dem Klinikalltag wurde in Litembo sehr viel Wert auf gemeinsame Tätigkeiten außerhalb des Hospitals gelegt. Der Tag in der Klinik endete für die meisten gegen 15.30 Uhr und so gab es nachmittags häufig die Möglichkeit, Volleyball oder Fußball mit den Ärzt*innen und „Interns“ der verschiedenen Abteilungen zu spielen. 

An den Wochenenden hatte man außerdem die Möglichkeit, Wanderungen auf einen der umliegenden Berge zu unternehmen, bei denen man häufig ein Stückchen von einheimischen Kindern aus den Dörfern um Litembo begleitet wurde, oder nach „Mbinga“ zu fahren und dort den Markt zu besuchen. Sollte man etwas mehr Zeit zur Verfügung haben, lohnt es sich auch, für ein Wochenende an den nahegelegenen „Lake Nyasa“ zu fahren, der Tansania und Malawi trennt oder eine Safari in einem der Nationalparks zu machen. 

Mein Fazit

Litembo und seine Umgebung – Afrika pur!

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Famulatur in Litembo meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat und ich immer gerne als auch etwas wehmütig daran zurückdenken werde. Das gemeinsame Leben und Arbeiten mit den Ärzt*innen, „Interns“ und Krankenschwestern auf dem Gelände des Litembo Diocesan Hospitals hat mir die Kultur, die Wertevorstellungen und das Leben der Menschen in Tansania in einer Art und Weise nahegebracht, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. 

Auch in Bezug auf die medizinischen Tätigkeiten, konnte ich Erfahrungen und Eindrücke sammeln, die ich in Deutschland niemals hätte machen können.

Ich bin wahnsinnig froh und dankbar, dass ich diese Erfahrung in Tansania machen durfte und würde jedem dazu raten, eine Famulatur im Ausland zu absolvieren.

L., I.

Erlangen, Juni 2022 

 

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