Famulatur in Tansania – Chirurgie

23. Juni 2022

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Land, Tansania

Tansania, Litembo, Litembo Diocesan Hospital (28.02.-02.04.2022)

Sowohl medizinisch als auch kulturell und sozial konnte ich bei meiner Famulatur in Tansania sehr stark von der gemachten Erfahrung profitieren. Den Einblick in ein anderes Krankenhaussystem, aber auch zeitgleich hautnah zu erfahren, wie anders die Menschen in Tansania leben, werde ich nie vergessen! Für mich war es definitiv eine der besten Entscheidungen, nach Tansania zu gehen!

Mein langgehegter Wunsch – eine Famulatur in Afrika!

Die Umgebung rund um Litembo

Eine Famulatur in Afrika, beziehungsweise in Tansania, zu absolvieren, ist für viele Medizinstudierende ein Traum! So hatte auch ich schon seit Beginn meines Medizinstudiums den Wunsch, einen Teil meiner Krankenpflegepraktika oder meiner Famulaturen im Ausland zu absolvieren. Da ich zuvor noch nie in Zentralafrika gewesen war und mich die Kultur dort sehr interessierte, hatte ich mich für Tansania entschieden.

Suche nach einer Klinik, Bewerbung und weitere Vorbereitungen

Der Krankenhauseingang des Litembo Diocesan Hospitals in Tansania

So begann ich zunächst, mich über mögliche Krankenhäuser in Tansania zu informieren. Dabei stieß ich recht schnell auf das Litembo Diocesan Hospital. Es gab relativ wenig Berichte zu dieser Klinik, aber die wenigen, die ich im Internet finden konnte, fand ich sehr spannend. Nach kurzem Mail-Kontakt mit dem dortigen Geschäftsführer erhielt ich die Zusage für eine Famulatur im März 2022 in Litembo. Der Kontakt war hierbei sehr unkompliziert und mir wurde auf meine Anfragen stets zügig geantwortet.

Das Visum konnte ich ganz leicht online beantragen. (Am.d.Red.: Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird).

Vor der Reise hatte ich mich noch gegen Gelbfieber, Meningokokken, Typhus und Tollwut impfen lassen.

Ankunft in Litembo

Unsere Unterkunft im Doctor’s House des Litembo Diocesan Hospitals in Tansania

Ende Februar 2022 brach ich schließlich nach Tansania auf. Ich flog mit „Turkish Airlines“ über Istanbul nach Dar es Salaam. Dort schlief ich eine Nacht und nahm dann den Bus, der einige Stunden dauerte, bis nach „Mbinga“. Von dort aus waren es nochmals zwei Stunden Busfahrt, und schon war man da – in „Litembo“. Ein kleines, sehr hoch gelegenes Dorf in der Nähe des Malawisees („Lake Nyasa“).

Ich wurde sehr freundlich durch den Geschäftsführer begrüßt und dann gleich in meine Unterkunft gebracht. Dies war das sogenannte „Doctor’s house“, also ein kleines Haus, mit mehreren Schlafzimmern, zwei Bädern, einem Wohnzimmer mit Terrasse und einer gemeinschaftlichen Küche. Die Unterkunft dort kostete 20€ pro Tag. Zeitgleich mit mir waren noch eine deutsche Ärztin mit ihrem Mann und zwei deutsche Krankenschwestern anwesend.

Um das Essen musste man sich dabei nicht kümmern, da man mit drei Mahlzeiten am Tag versorgt wurde. Meistens gab es morgens Brot, mittags und abends Spinat, Bohnen und Reis oder manchmal Kochbananen. Das Essen war geschmacklich gut, jedoch auf Dauer sehr einseitig. Für die dortigen Verhältnisse haben wir aber sehr gut gespeist.

Meine Famulatur in der Chirurgie am Litembo Diocesan Hospital

Krankenhausgelände mit gewaschener OP-Kleidung

Am nächsten Morgen durfte ich mich dann für eine Abteilung im Litembo Diocesan Hospital entscheiden. Ich wählte die Chirurgie. Die anderen Möglichkeiten wären Pädiatrie, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Innere Medizin gewesen.

Der Tag auf der chirurgischen Abteilung, geleitet von Dr. Fred Mwalutende, begann montags, mittwochs und freitags mit der Visite. Das Team bestand hierbei aus dem Arzt, vier „Interns“ (PJler), einer Schwester und einer deutschen Ärztin, die zeitgleich mit mir vor Ort war. Die Bedingungen auf Station sowie im OP waren dabei natürlich nicht mit den deutschen Zuständen zu vergleichen. In den Zimmern lagen zum Teil acht Patient*innen gleichzeitig. Körperhygiene und Verpflegung wurde durch die Angehörigen der Patient*innen übernommen. Die Pflege hatte hier andere Zuständigkeitsbereiche.

Nach der Visite ging es dann weiter mit der Stationsarbeit, das hieß Fäden ziehen, Drainagen ziehen oder Verbände wechseln. Anschließend gab es oft kleine Eingriffe im „Minor theatre“, wie zum Beispiel Lipom-Entfernung, Wundversorgung, Wundreinigung etc., bei denen man als Famulant auch einiges übernehmen durfte. Dies hat mir großen Spaß bereitet, weil man hier tatkräftig mithelfen konnte und dabei auch einiges gelernt hat.

Assistieren bei den Operationen in den beiden OP-Sälen

Dienstags und donnerstags waren am Litembo Diocesan Hospital die OP-Tage. Hier gab es je nach Tageslage zwischen fünf und zehn Operationen. Das Spektrum umfasste eigentlich alles von Frakturversorgung, über Laparotomien bis zu Schilddrüsenentfernungen. Die meisten Operationen waren sicherlich unfallchirurgische Frakturversorgungen. Dies lag an den sehr schlechten Bergstraßen. Diese werden bei Regen, welchen es zu meiner Zeit sehr häufig bzw. täglich gab, noch gefährlicher. Die Einheimischen fahren zumeist mit Motorrädern, sogenannte „Piki-Piki“, und es kommt dabei häufig zu Unfällen. Klassiker waren dann Oberschenkel- und Oberarmfrakturen.

Aber auch Bauchoperationen wie z.B. Appendektomie etc. wurden regelmäßig durchgeführt. Hierbei wurde alles offen-chirurgisch operiert, da es keine Laparoskopie gab. Auch die OP-Abdecktücher und OP-Kittel waren nicht wie in Deutschland Einmalprodukte, sondern bestanden aus Stoff, z.B. alte Kissen- oder Deckenbezüge, und wurden nach Wäsche und Sterilisation wiederverwendet.

Assistieren bei den Operationen in den beiden OP-Sälen

Als Famulant konnte man hier oft assistieren und bei den Eingriffen mithelfen. Ein anderer großer Unterschied zu Deutschland war hier zudem, dass der Arzt und Chirurg alle OPs durchgeführt hat. Also unfallchirurgische, viszerale oder HNO-Operationen wurden alle von ihm gemacht. Es gab also keine Subspezialitäten, sondern einen, der alles konnte und machte. Die Arbeitszeiten waren sehr frei einteilbar. Man konnte bis abends bleiben, wenn man wollte, aber auch schon mal früher gehen.

Leben in Litembo

Die Umgebung rund um Litembo

Freizeittechnisch bot es sich an, in der wunderschönen und zu unserer Zeit sehr grünen Landschaft Spaziergänge und Wanderungen bis auf 2.000 Meter Höhe zu machen. Auf diese Weise kam man auch leicht mit der neugierigen und äußerst freundlichen Dorfbevölkerung in Litembo in Kontakt.

An den Wochenenden konnte man zum nahegelegenen „Lake Nyasa“ (Malawisee) fahren oder eine Safari in einem der Nationalparks machen. Ich war zur Regenzeit in Litembo, das hieß, dass es fast jeden Tag geregnet hat und teilweise auch wirklich sehr heftig. Der Vorteil war aber, dass die Landschaft zu dieser Zeit super schön und fruchtbar aussah.

Mein Fazit

Abschließend ist zu sagen, dass diese Erfahrung eine enorme Bereicherung für mich war und ich sehr gerne an meine Zeit in Litembo zurückdenken werde. Dies habe ich natürlich vor allem den Menschen vor Ort zu verdanken, die mich herzlich willkommen hießen und mir durch ihre Offenheit direkt ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelten.

Sowohl medizinisch als auch kulturell und sozial konnte ich bei meiner Famulatur in Tansania sehr stark von der gemachten Erfahrung profitieren. Den Einblick in ein anderes Krankenhaussystem, aber auch zeitgleich hautnah zu erfahren, wie anders die Menschen in Tansania leben, werde ich nie vergessen! Für mich war es definitiv eine der besten Entscheidungen, nach Tansania zu gehen!

F. Lorenz
München, Juni 2022

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