Famulatur in Peru – Allgemeinmedizin und Innere Medizin

30. Juni 2022

in Allgemeinmedizin, Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Innere Medizin, Land, Peru

Peru, Urubamba (23.02.-30.03.2022)

Famulieren in Peru, genauer gesagt in „Urubamba“, im heiligen Tal der Inka. Und dies mit Hilfe des ins Leben gerufenen tollen Hilfsprojekts „Zahnärzte helfen e.V.“! Ich kann es jedem nur empfehlen, während seiner Studienzeit eine solche Famulatur zu absolvieren.

Unser Ziel – eine Famulatur in Peru!

Durch das unstillbare Fernweh und dank einem Online-Vortrag von Medizinernachwuchs.de zum Thema „Famulatur und PJ im Ausland“ planten wir eine gemeinsame vierwöchige Auslandsfamulatur. Hierbei stießen wir auf die im Online-Vortrag angesprochene Internetseite von „Zahnärzte helfen e.V.“ Das Projekt, die Berichte und Bilder sagten uns sehr zu, sodass wir kurzerhand Kontakt mit Dr. Norbert Reiß aufnahmen. Glücklicherweise bietet dieses Projekt die Möglichkeit, dass Zahn- und Humanmediziner dort famulieren können. Dies war für unseren persönlichen Fall die Grundvoraussetzung.

Zusage und Vorbereitungen

Faszinierender Blick von der Isla del Sol auf den Titicaca-See

Die Zusage für unseren gewünschten Zeitraum der Famulatur kam prompt – allerdings noch
etwas vage, aufgrund des nicht vorhersagbaren Coronaverlaufs. Zum Glück bewahrheiteten sich die Befürchtungen von einem Nicht-Stattfinden nicht und wir hatten im Endeffekt keinerlei Probleme bei der Ein- oder Ausreise aus dem Land. Im Frühjahr 2021 hatten wir dann schon die Zusage für den Zeitraum Februar/März 2022. Diesen Vorlauf
an Zeit sollte man als Student*in im besten Fall auch einplanen, da gerade für uns nur begrenzte Zeiträume in den Semesterferien möglich sind. Für Zahnärzt*innen ist dies bestimmt auch wesentlich kurzfristiger und flexibler möglich.

Wir hatten anschließend genügend Zeit, alle Reisevorbereitungen zu treffen. Da dieses Projekt von Spenden lebt, gehört dazu auch das Anschreiben und Erfragen der
Spendenbereitschaft von Dentalfirmen. Erfreulicherweise erhielten wir von zahlreichen Firmen großzügige Spenden, sodass wir am Ende Mühe hatten, alles nach Peru zu bekommen. Da wir am Schalter der Airline erwähnt haben, dass wir Spenden für eine gemeinnützige Organisation transportieren, wurden unsere Spendengepäckstücke erfreulicherweise komplett kostenlos transportiert.

Ankunft in Urubamba, im heiligen Tal der Inka, und Unterkunft

Atemberaubende Eindrücke auf dem Weg zur Arbeit im heiligen Tal der Inka

Angekommen in Peru, hatten wir dann einen Tag in Lima, ehe wir nach Cusco weiterflogen.
Von dort war unsere Unterkunft in „Urubamba“ noch ca. eine Autostunde entfernt. Die nächsten vier Wochen lebten wir dann bei Jennie, bei der wir eine schöne Unterkunft mit anderen Famulanten in einer Art WG bewohnten. Die Wohnung war super zentral in „Urubamba“, im heiligen Tal der Inkas, und nicht weit von unserem hauptsächlichen Arbeitsplatz gelegen.

Nachdem wir eine Führung durch das Kinderdorf „Munaychay“ bekommen hatten, besuchten wir noch das angrenzende „Centro Agricola Ecologico“, ein ebenfalls von der Organisation geführtes ökologisches Dorf mit nachhaltigem Gemüse- und Pflanzenanbau, Bienenvölkern, Meerschweinchen Stall (zum Essen versteht sich) und einer Tischlerei als Ausbildungszentrum für die Jugendlichen des Kinderdorfes. Beide Einrichtungen liegen wunderschön gelegen im „Chicon Tal“ am Fuße des gleichnamigen
Gletschers, der mit über 5.600m Höhe über allem thront.

Verteilt auf sieben Häuser leben in dem Kinderdorf ca. 70 Kinder, die verwaist sind, verlassen wurden, aus schwierigen Verhältnissen stammen oder z.T. nicht mehr von ihrer Familie ernährt werden konnten.

Famulatur in der Allgemeinmedizin und Inneren Medizin in Peru

In einem unserer Untersuchungszimmer während der Famulatur in Peru

Ab der zweiten Woche unseres Aufenthaltes in Peru waren wir dann im „Piscina Palquaracci“, in einem Stadtteil von Urubamba, mit zwei mobilen Einheiten stationiert. Wie der Name schon verrät, arbeiteten wir direkt in einem Freiluft-Schwimmbad, dessen Badebetrieb für vier Wochen auf Zahnarztbetrieb und Allgemeinarztbetrieb umstellte. Die Trübung des Wassers ließ aber vermuten, dass dort schon längere Zeit keine Badegäste mehr empfangen wurden, sodass unsere Präsenz sicherlich für
willkommene Abwechslung sorgte.

Täglich ab 9:00 Uhr bis in den Nachmittag arbeiteten wir vor Ort und behandelten alle,
die sich vorstellten. Wir horchten Lunge und Herz ab, maßen die Sauerstoffsättigung und den Blutdruck, nahmen Blut ab, machten U-Untersuchungen an Kindern und verschrieben Medikamente. Schnell sprach sich unsere Anlaufstelle in der Umgebung herum, sodass wir nach kurzer Zeit nicht mehr alle Patient*innen behandeln konnten. Das Patient*innen Spektrum war sehr durchmischt, sodass sich von Kleinkindern bis hin zu älteren Menschen alles auf den Behandlungsstuhl setzte. Mindestens die Hälfte aller
Patient*innen waren aber auch hier Kinder.

Das Arbeiten im Schwimmbad war durchsetzt vonTageskampagnen, die uns in Dörfer oder Städte der näheren Umgebung führten. Unsere ersteKampagne ging in die Nähe der Stadt „Maras“ zu einem Dorf, ca. 45 Autominuten von „Urubamba“entfernt. Unsere zweite ging dann in das Dorf „Misminay“ auf fast 4.000m Höhe. Nacheinstündiger Autofahrt erreichten wir das Dorf und bauten unsere mobile Einheit in einem kleinenGemeindehaus auf. Auch dort gab es großen Bedarf, da jegliche ärztliche und zahnärztlicheVersorgung des Dorfes, wie in „Maras“ auch, von Besuchen wie unserem abhängt.

Farbenfrohe traditionelle Kleidung der ansässigen Bevölkerung in Peru

Die ansässige Bevölkerung unterschied sich deutlich von der städtischen in „Urubamba“. Alles war sehrviel traditioneller und wenig „verwestlicht“. Die Menschen trugen ihre traditionelle Kleidung mit bunten Ponchos und Hüten. Die Frauen schleppten ihre Babys in gebundenen Tüchern auf ihrenRücken. Die harte Feldarbeit sah man den Menschen an, da die gnadenlose Andensonne tiefe Faltenim Gesicht hinterlässt und die Leute älter aussehen, als sie eigentlich sind. Viele von ihnensprachen oftmals nur „Quechua“ – die alte Sprache der Inkas. „Brithz“ übersetzte uns das „Quechua“ insSpanische, sodass wir trotzdem mit den Leuten kommunizieren konnten.Immer zu spüren war die tiefe und ehrliche Dankbarkeit der Menschen nach einer Behandlung!

Unsere dritte und letzte Kampagne war dann in „Ollantaytambo“. Diese schöne Stadt mit ihren beeindruckenden Inka-Ruinen organisierte auf ihrem Hauptplatz, der wie in jeder von den Spaniern gegründeten Stadt „Plaza de Armas“ heißt, einen „Gesundheitstag“. Dabei waren neben unserer Allgemeinärztlichen Station auch Augenärzt*innen als auch Physio- und Psychotherapeut*innen in Zelten vertreten. Diese Kampagne war straff organisiert und wurde sogar durch die Polizei überwacht. Für Verpflegung war ebenfalls gesorgt.

Mein Blick zurück

Endlich am Ziel in 2.430m Höhe – die berühmte Ruinenstadt Machu Picchu in Peru, erbaut im 15. Jahrhundert von den Inkas

Ich kann es jedem nur empfehlen, während seiner Studienzeit eine solche Famulatur zu
absolvieren. Besonders dankbar bin ich Medizinernachwuchs.de. Es ist ausgesprochen hilfreich, bei einem solchen Vorhaben durch eines seiner Auslandsstipendien finanziell unterstützt zu werden. Ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen, diese Möglichkeit zu nutzen.

Während der gesamten vier Wochen hatte man neben den Arbeitszeiten auch Zeit, die Umgebung durch Wanderungen oder Ausflüge zu entdecken. Wir besuchten zahlreiche Inka-Ruinen wie sie in „Moray“, „Chinchero“, „Pisac“ oder „Ollantaytambo“ zu
finden sind. An den Wochenenden war dann Zeit für ausgedehntere Trips oder Wanderungen. So waren wir an einem verlängerten Wochenende im Dschungel in der Stadt „Iquitos“, um für drei Tage in einer Urwald Lodge zu übernachten und den Amazonas zu erkunden. Es blieb also durchaus Zeit, das Land auch während der Famulatur zu erkunden und zu entdecken.

Nach den vier Wochen Famulatur blieben uns noch zwei weitere Wochen zum Reisen. Nach Absolvieren des Inka-Trails und dem Besichtigen „Machu Picchus“ reisten wir noch nach „Arequipa“, zum „Titicaca-See“ und nach „Cusco“, der alten Hauptstadt des Inkareichs. Aber auch diese Zeit verging wie im Flug, sodass wir nach insgesamt sechs Wochen voller Eindrücke und wertvoller Erfahrungen die Heimreise antraten.

Für die Zeit in Peru sind wir allen Beteiligten, insbesondere Herrn Dr. Reiß sehr dankbar, der durch seine unermüdliche Arbeit dieses tolle Hilfsprojekt ins Leben gerufen hat.

C., A.

Jena, Mai 2022

Stipendiatin der Auslandsstipendien 2022

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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