Famulatur in Schweden – Chirurgie

14. April 2022

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Land, Schweden

Schweden, Hudiksvall, Hudiksvall Sjukhus (01.03.-31.03.2022)

Hudiksvall in Schweden – das Ziel meiner ersten Famulatur! Die schwedische Kultur, die wunderschöne Natur und das schwedische Gesundheitssystem waren die Gründe, warum ich mich gerade für dieses Land entschieden hatte. Es wurde eine wirklich wundervolle, lehrreiche und spaßige Zeit in Hudiksvall! Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich die Chance dazu hatte und ich kann Schweden als Ziel für eine Auslandsfamulatur nur empfehlen!

Warum gerade nach Schweden?

Traumhafter Ausblick vom Köpmansberg in Hudiksvall – Schweden

Schweden hatte mich schon aus der Ferne oft fasziniert. Nachdem ich auch einen Urlaub dort genießen durfte, war diese Faszination, vor allem für die schwedische Kultur und die wunderschöne Natur, nur noch gewachsen. Und nun wohnte ich auch noch im deutschen Norden, quasi nah an den sympathischen skandinavischen Nachbarn. Warum also nicht einmal auch einen Blick ins dortige Berufsleben werfen?

Ich hatte schon sehr viel Positives vom schwedischen Gesundheitssystem gehört und zudem, dass oft medizinisches Personal nach Schweden auswandert. Ich wollte mir unbedingt ein eigenes Bild davon machen und war neugierig. Nicht zuletzt war eine Auslandsfamulatur in diesem traumhaften Land auch eine große Belohnung nach einer sehr anstrengenden Physikums Zeit und ferner neben anderen Dingen ein Ziel, auf das ich mit Freude hinarbeiten konnte.

Planung meiner Famulatur und Bewerbung

Schwedische Rettungswagen

Mit der Planung meiner Famulatur hatte ich ein Jahr vorher und zwar im März 2021 zwischen meinem dritten und vierten Semester begonnen. Ein Jahr im Voraus zu planen, muss vielleicht nicht unbedingt sein, wenn nicht gerade ein Examen davor ansteht. Mir war es jedoch wichtig, dass ich genug Zeit für die Planung hatte. Ich kann mir aber vorstellen, dass ein halbes Jahr ausreicht.

Ich hatte mir im Internet mehrere Erfahrungsberichte zu mehreren Städten in Schweden durchgelesen. Lange überlegte ich, wohin es gehen sollte, Stadt oder ländliche Region, Norden oder Süden. Ein Erfahrungsbericht aus der Chirurgie aus Hudiksvall klang so gut, dass ich mir die Stadt genauer ansah. Eine Kleinstadt, 15.015 Einwohner, drei Stunden nördlich von Stockholm, direkt an der Küste. Warum eigentlich nicht?

Mein Gedanke dabei war, dass die Betreuung in einem kleineren Krankenhaus wahrscheinlich intensiver sei als an einem Universitätskrankenhaus, an dem der Alltag stressiger ist und immer viele weitere Medizinstudierende anwesend sind. Eine Famulatur in der Chirurgie in einem kleinen Krankenhaus bot sich für mich, es war meine erste Famulatur, perfekt an, um einen Einstieg zu haben und mich orientieren zu können. Am meisten interessierte mich die Gefäßchirurgie – und zu meinem Glück leitete diese ein deutscher Oberarzt! Nach einer E-Mail auf Deutsch an eben diesen Oberarzt erhielt ich schnell eine Rückmeldung mit vielen Informationen zu meiner Famulatur.

Der Oberarzt bot mir außerdem eine Hospitation auf der zum Krankenhaus gehörenden Rettungswache an, was ich als gelernte Rettungsassistentin natürlich sofort angenommen habe. Generell war der OA sehr zuvorkommend und für Fragen bezüglich der Organisation/der Anreise immer sehr gut per E-Mail erreichbar.

Die Vorbereitung für Schweden konnte beginnen

Zur Vorbereitung auf die Famulatur hatte ich mehrere Sprachkurse an meiner Universität belegen können. Lübeck bietet neben den A1/2 und B1/2 Kursen auch ein Wahlfach namens „Schwedisch für medizinische Berufe“ an, was mir enorm viel genutzt hat. Vor der Famulatur hatte ich also das Wahlfach und den Kurs A2 abgeschlossen. Es ist prinzipiell möglich, eine Famulatur in Schweden zu machen, ohne die Sprache zu können, weil beinahe alle Schweden, außer die ältere Generation, fließend Englisch sprechen. Ein solcher Auslandsaufenthalt macht aber wesentlich mehr Spaß, wenn man zumindest auf A-Niveau sprechen kann, denn es ist manchmal schwierig, wenn man ausschließlich Englisch spricht.

Außer der Sprache waren nicht wirklich viele Vorbereitungen notwendig, die nicht auch für eine Famulatur in Deutschland nötig gewesen wären – also Impfungen checken und auffrischen lassen (Hepatitis!) zum Beispiel.

Mir war außerdem noch die Auslandskrankenversicherung wichtig!

Meine Unterkunft

An dieser Stelle muss man sagen: Eine Unterkunft konnte vom Krankenhaus in Hudiksvall nicht gestellt werden, auch keine Verpflegung. Die Kleidung wurde gestellt, ein Stethoskop sollte man sich mitbringen. Einen Kittel brauchte man nicht, denn in Schweden werden keine getragen. Es gab eine kleine Wohnung von der Stadt, die man für 4.700 Kronen/Monat mieten konnte, direkt gelegen hinter dem Krankenhaus und fünf Minuten Fußweg entfernt.

Die Wohnung hatte alles, was man benötigte. Eine Küche mit der nötigsten Ausstattung, Couch, Esstisch, Bett, eigenes Badezimmer mit Dusche/Badewanne. Diese Unterkunft reichte mir vollkommen aus, zumal ich eigentlich auch nur nachts dort war. Im Keller des Mietshauses gab es zudem die Möglichkeit zu waschen.

Hudiksvall in Schweden – ich komme!

Der alte Hafen in Hudiksvall

Und dann ging es nach dem fünften Semester auch schon los. Ich hatte mich für einen Flug von Hamburg nach Stockholm entschieden, um dann von Stockholm aus mit dem Zug weiter nach Hudiksvall zu reisen. Vorher hatte ich einige andere Möglichkeiten gecheckt (Zug, Fähre etc.), allerdings sprengten alle anderen Reisearten meinen zeitlichen oder finanziellen Rahmen. Meine Reisekosten konnten durch das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de vollkommen gedeckt werden, was mich sehr gefreut hat.

In Hudiksvall angekommen, fiel es mir nicht besonders schwer, mich zu orientieren, denn es war nun einmal eine Kleinstadt – eine goldige Kleinstadt! Ich bezog meine Wohnung und am nächsten Tag startete ich in meine vier Wochen Famulatur.

Meine Famulatur in der Chirurgie im hohen Norden

Hudiksvall Sjukhus

Vom erwähnten Oberarzt wurde ich allen bei der Morgenbesprechung als neue Famulantin vorgestellt, wurde wirklich sehr nett empfangen und war gefühlt sofort Teil des Teams. Zu meinem Glück war noch eine weitere deutsche Famulantin aus Göttingen da, mit der ich mich super verstand. Ich war allgemein sehr überrascht, dass doch relativ viel deutsches Fachpersonal in Hudiksvall arbeitete. Außerdem waren die ganze Zeit über sehr nette „AT-läkare“ (ähnlich PJler*innen) mit den Chirurg*innen unterwegs, mit denen man sich austauschen konnte.

Ich war nun also in der Chirurgie, aber nicht fest irgendwo eingeteilt. Wenn z.B. abends/nachts der Hubschrauber mit einem Notfallpatienten landete, das konnte man von der Wohnung aus hören, war ich auch auf der Notaufnahme spontan willkommen. Manchmal durfte ich auch nachmittags früher gehen, wenn nichts mehr los war. Ich hatte an meinem ersten Tag eine Zugangskarte zum Krankenhaus bekommen und dadurch war es problemlos möglich, mir den Arbeitstag selbst zu gestalten.

In meiner gesamten Zeit war ich stets um 7:30 Uhr im Krankenhaus und nahm jeden Morgen um 7:45 Uhr an der Frühbesprechung/Videokonferenz der Chirurg*innen mit den Radiolog*innen teil, bei der alle Patient*innen und tagesaktuellen Dinge besprochen wurden. So bekam ich immer mit, was es den Tag über zu tun gab und konnte mir meinen eigenen Plan stricken. Nach der Besprechung gingen einige Chirurg*innen auf die Station, einige in die Notaufnahme und andere in den OP. Je nachdem, was mich interessierte, folgte ich nach kurzer Absprache verschiedenen Ärzt*innen. Absolut jede*r war bereit, mir etwas beizubringen und mich mitzunehmen, ich fühlte mich jederzeit sehr willkommen!

Vom ersten Tag an meiner Famulatur am Hudiksvall Sjukhus durfte ich mit in den OP, teilweise unsteril zum Zuschauen, teilweise steril zum Assistieren – inklusive ausführlicher Erklärungen der Operateure und natürlich auch kleiner Anatomie Quizrunden. Ich hatte anfangs keine Ahnung, was zu tun war und habe dies auch offen kommuniziert, da es meine erste Famulatur war. Es war aber überhaupt kein Problem und ich wurde bei allem an die Hand genommen. Mit großer Geduld und gestelltem Übungsmaterial wurde mir zudem das Nähen und Knoten beigebracht. Nach ein bis zwei Wochen durfte ich bei verschiedenen Eingriffen assistieren, teilweise Untersuchungen selbst durchführen, so z.B. Cystoskopie im urologischen OP, und verschiedene Wunden nähen.

Es gab für mich Einblicke in den gefäßchirurgischen, urologischen, orthopädischen, plastischen und allgemeinen OP. Außerdem durfte ich immer mit in die Endoskopie. Für mich waren die großen gefäßchirurgischen Operationen die absoluten Highlights, wie z.B. die Implantation eines Aortengraft, PTA und vieles mehr. Aber auch die Einblicke in die anderen Fachbereiche waren faszinierend und äußerst interessant. Mir hat es besonders gut gefallen, dass ich als Famulantin sehr ernst genommen wurde und ich viel unter Anleitung selbst durchführen durfte.

Auf der chirurgischen Station habe ich an der Visite teilgenommen, die etwas anders ablief, als man es kennt. Die Patient*innen wurden unter den Stationsärzt*innen aufgeteilt und es wurde sich sehr viel Zeit für sie genommen. Ich durfte die Patient*innen stets mit Hinblick auf deren Krankheitsgeschichte selbst untersuchen und die einzelnen Fälle wurden auf Wunsch später mit mir durchgesprochen. Blut abnehmen und peripher-venöse Zugänge legen entfällt auf einer schwedischen Station, da dies Aufgabe der Pflege ist. Die „Runden“ fanden stets gemeinsam mit der Pflege statt und es herrschte ein sehr angenehmes Arbeitsklima auf Augenhöhe.

Die Arbeitsatmosphäre im Krankenhaus war generell sehr entspannt. Die Schweden halten Pausen für immens wichtig und dies spürte man auch im Arbeitsalltag. Es war etwas entschleunigt. So gab es immer zwischendurch eine „Fika“-Pause mit Kaffee und Keksen und die Zeit fürs Mittagessen war großzügig eingeplant. Dies ist wohl ein markanter Unterschied zum deutschen Klinikalltag.

Leben und Freizeit in Hudiksvall

Avholmsberg – Aussicht über den Dellen

An den Wochenenden konnte man in Hudiksvall auch etwas unternehmen. Es gab verschiedene nette Bars & Restaurants, Cafés und auch ein Kino, alles nur 10min Fußweg von der Klinik entfernt. Unter der Woche konnte man zudem zum Studentenpreis ins kleine Schwimmbad gehen – inklusive Sauna! Wenn man essen gehen wollte, musste man allerdings mit etwas saftigeren Preisen rechnen als in Deutschland. Dies galt vor allem beim Alkohol. Ein Bier konnte in einem Restaurant bzw. in einer Bar schonmal 9€ kosten.

An meinen freien Tagen habe ich meistens etwas mit der netten Famulantin aus Göttingen unternommen und manchmal ein paar Ausflüge gemacht, um etwas von der schwedischen Natur zu sehen. Mit dem Bus waren viele tolle Ziele relativ einfach zu erreichen, teilweise war sogar die Busfahrt schon schön. Im März muss man noch mit relativ viel Schnee im Wald rechnen, teilweise bis zur Hüfte! Man sollte daher eine entsprechende Ausrüstung dabeihaben. Ich kann mir deshalb vorstellen, dass so manche Wanderung im Sommer einfacher ist und man umso mehr entdecken kann. Wer sich für Wintersport begeistern kann, ist in dieser Region eindeutig richtig, denn hier gibt es dafür sehr viele Möglichkeiten.

Mein Fazit

Die glückliche Autorin

Es war alles in allem eine wirklich wundervolle, lehrreiche und spaßige Zeit in Hudiksvall! Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich die Chance dazu hatte und ich kann Schweden als Ziel für eine Auslandsfamulatur nur empfehlen!

V. Bös
Lübeck, April 2022

Stipendiatin der Auslandsstipendien 2021-2022

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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