PJ in der Schweiz – Allgemeinchirurgie

21. Februar 2022

in Allgemeinchirurgie, Chancen im Ausland, Fachgebiet, Land, Praktisches Jahr im Ausland, Schweiz

Schweiz, Frauenfeld, Kantonsspital Frauenfeld (17.05.-05.09.2021)

Eigentlich war jeweils ein Tertial in der Schweiz, in den USA und in England geplant. Aufgrund der COVID-19 Situation musste ich umplanen und entschied mich dafür, alle drei Tertiale in der Schweiz zu absolvieren. Das Ziel meines ersten Tertials wurde das Kantonsspital Frauenfeld und als Fachgebiet die Allgemeinchirurgie. Das Team der Allgemeinchirurgie hat mich sehr freundlich aufgenommen, mir sehr viel erklärt und gezeigt. Es war eine wirklich gute Zeit!

Motivation!

Mit der Planung für mein Praktisches Jahr im Ausland hatte ich ca. zwei Jahre im Voraus begonnen, eigentlich war jeweils ein Tertial in der Schweiz, in den USA und in England geplant. Aufgrund der COVID-19 Situation musste ich umplanen und entschied mich dafür, alle drei Tertiale in der Schweiz zu absolvieren.

Für die Schweiz hatte ich mich entschieden, da ich viele positive Berichte von Freunden gehört und auch auf der Website von Medizinernachwuchs.de gelesen hatte. Die wichtigsten Gründe für das PJ in der Schweiz waren die niedrigen Hierarchien, die feste Einplanung in den Stationsalltag und die bessere personelle Besetzung. Nicht ganz nebensächlich war für mich die idyllische Landschaft und dass sich das Tertial durch den Verdienst im Krankenhaus selbst tragen konnte.

Die Anreise nach Frauenfeld

Ich war von Hamburg nach Zürich geflogen und von dort mit dem Zug weitergefahren. Verschiedene Busse fahren direkt vor die Tür des Kantonsspitals Frauenfeld, was die Anreise recht komfortabel machte. Es bietet sich jedoch an, nach Möglichkeit ein Auto mitzubringen, da man so deutlich komfortabler die Gegend erkunden kann. Glücklicherweise fanden sich oft Unterassistent*innen mit Auto, die einen mitnehmen konnten.

Mein PJ-Abschnitt in der Allgemeinchirurgie am Kantonsspital Frauenfeld

Ergebnis eines Osteosynthese-Kurses, der eigentlich für Oberärzte gedacht war, wir Unterassistenten aber herzlich eingeladen wurden.

Das Kantonsspital Frauenfeld ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Zürich.

Das PJ-Äquivalent in der Schweiz sind die Unterassistent*innen, wobei hierbei nicht zwischen Medizinstudierenden im PJ und Famuli unterschieden wird. Die Aufgaben sind dieselben.

Traditionell werden die neuen Unterassistent*innen, auch „UHUs“ – „Unterhunde“ genannt, von den Unterassistent*innen, die schon länger da sind, eingearbeitet. Jeden Montag gab es am Kantonsspital Frauenfeld eine Fortbildung für die Assistenzärzt*innen, bei welcher die Assistent*innen abwechselnd Themen vorstellten. Am Dienstag gab es einen Journalclub, der von den Unterassistent*innen bespielt wurde. Hierbei wurde man bei der Ausarbeitung von einem Oberarzt unterstützt, zudem war die Abteilung dabei zu Pizza vom Spital eingeladen. Donnertags fand eine Vorbildung für die Unterassistent*innen statt, bei der sich eine Oberärztin Zeit nahm und sich den Wunschthemen der „UHUs“ annahm. Dies konnten Wundversorgung, prä- und postoperative Patientenversorgung, ein Naht-Kurs oder alle möglichen anderen Themen sein.

Die „UHUs“ der Allgemeinchirurgie kümmerten sich darum, dass zu jeder Tag- und Nachtzeit ein Unterassistent für die Ober- und Assistenzärzt*innen zur Unterstützung im OP abrufbar war. Dies war im Rahmen des „Pikett-Dienstes“ organisiert, bei dem Unterassistent*innen von 16:00 Uhr des ersten Tages bis 8:00 Uhr des Folgetages abrufbereit sein mussten. Je nachdem, wie viele Unterassistent*innen anwesend waren, war dies 1-4 x die Woche der Fall. Zudem musste die Notaufnahme von 15:00 Uhr bis 22:00 Uhr unter der Woche und von 8:00 Uhr bis 22:00 Uhr am Wochenende besetzt werden. Die Arbeit auf Station ging von 7:30 Uhr bis ca. 16:00 Uhr.

Die recht hohe Arbeitsbelastung wurde am Kantonsspital Frauenfeld mit 1.300.- Schweizer Franken als Basisgehalt und mit Zuschlägen für Zusatzdienste wie „Pikett“, Spätdiensten sowie Wochenenddiensten vergütet, sodass ich einen Lohn von 1.800.- Schweizer Franken erreichen konnte. Nach Abzügen hatte ich pro Monat ca. 900.- bis 1.200 Euro zur Verfügung.

Das sehr gute Mittagessen kostete für Mitarbeiter 9.- Schweizer Franken, was sich sehr lohnte. Beim Mittagessen bot sich Zeit, das freundliche Team kennenzulernen und Patient*innen zu besprechen.

Auf der Station, in den Sprechstunden und im OP

Die Arbeit auf der Chirurgie war traditionell dreigeteilt in Stationsarbeit, den OP und die Notaufnahme.

Der Arbeitstag begann um 7:30 Uhr mit dem Morgenrapport. Hier wurden alle neuen viszeralchirurgischen und traumatologischen Patient*innen vorgestellt, die sich in der Notaufnahme vorgestellt und eine Bildgebung bekommen hatten oder direkt in die Station aufgenommen worden waren. Hier hörten Unterassistent*innen nur zu und probierten möglichst viel anhand der Röntgenbilder, des Ultraschalls und des CTs zu rekapitulieren. Die Blutentnahmen, das Legen von Venflons und Magensonden wurde komplett von der Pflege übernommen und war keine Aufgabe der PJler*innen. Auf Nachfrage konnte man jedoch immer gerne diese Tätigkeiten mit der Pflege oder allein übernehmen. Es war auffällig, wie gut die Pflege ausgebildet war und wie sich die im Vergleich zu Deutschland geringere Arbeitsbelastung in der besseren Laune der Pflegekräfte widerspiegelte.

Je nachdem, wie viele Unterassistent*innen anwesend waren, bestand die Möglichkeit, die Sprechstunden der Oberärzt*innen zu besuchen und selbst unter der erfahrenen Supervision Patient*innen zu betreuen. Hierzu konnte man einfach die gewünschte Oberärztin bzw. den gewünschten Oberarzt einen Tag zuvor ansprechen und am nächsten Tag mitlaufen.

Ab 8:30 Uhr begann die Arbeit im OP. Die Unterassistent*innen waren hier fest am Tisch als erste und zweite Assistenz eingeplant und durften die Kamera führen, nähen und assistieren. Je nach Tag konnten es mehr oder weniger Operationen werden. Parallel startete gegen 8:00 Uhr die Visite, bei denen die Unterassistent*innen zum Teil eigene Patient*innen betreuten, bei der Visite dokumentierten und sich in die Therapieplanung mit einbrachten. Je nach Tag blieb mehr Zeit übrig für das Bedside-Teaching. Am Montag zur Chefarztvisite und am Freitag aufgrund der Vorbereitung für das Wochenende fiel es etwas kürzer aus.

In der Notaufnahme

In der Notaufnahme war die Zielgrade des Medizinstudiums am besten sichtbar. Als Unterassistent*in nahm man hier eigenständig Patient*innen auf, sicherte die Diagnosen mittels Bildgebung und konnte, wenn alles gut lief, sogar „den eigenen“ Patienten mit operieren. Kleinere Schnittverletzungen durften die Unterassistent*innen unter enger Supervision der Assistenz- oder Oberärzt*innen selbst nähen, den Austrittsbericht, das Rezept und die Krankschreibung fertig machen und die Patient*innen entlassen.

Ansonsten waren die Unterassistent*innen teils dafür zuständig, die Anamnese und den Status der Patient*innen zu erheben, die Patient*innen vorzustellen und eine Rapportliste für die Assistenzärzt*innen anzufertigen. Diese wird von den Assistenzärzt*innen bei dem jeweiligen Rapport vorgestellt. Spannend war, dass traumatologische Patient*innen fast immer zuerst von der Allgemeinchirurgie gesehen wurden. Urologische, plastische und handchirurgische Patient*innen wurden nur am Wochenende zuerst allgemeinchirurgisch gesehen.

Das Team

Ich hatte zu Beginn Probleme, mich sprachlich im Kanton Thurgau zurechtzufinden. Das Schweizerdeutsch war deutlich schwieriger zu verstehen, als ich angenommen hatte. Nach einer Woche konnte ich das Meiste verstehen und musste nicht jedes Mal nachfragen, ob extra für mich hochdeutsch gesprochen werden könnte.

Es herrschten niedrige Hierarchien, man konnte immer nachfragen und lediglich der Chef wurde gesiezt.

Die Unterbringung

Einrichtung des Personalzimmers ohne eigene Küche und Bad

Als Unterassistent*in am Kantonsspital Frauenfeld war man im Haus BEO untergebracht. Die Zimmer waren recht spartanisch eingerichtet und kosteten 390.- Schweizer Franken – ohne Küche und eigenes Badezimmer. Der Wäscheservice, bei dem man jede Woche frische Handtücher und alle drei Wochen frische Bettwäsche erhielt, ist für 10.- Schweizer Franken pro Monat zu empfehlen.

Die Küche war sehr spartanisch mit Geschirr und Küchenutensilien eingerichtet, jedoch dafür, dass eigentlich nichts vorhanden sein sollte, immerhin etwas. Die zwei Badezimmer und drei Toiletten teilte man sich mit ca. 8 anderen Unterassistent*innen oder anderen Bewohner*innen. Das Wohnheim bietet die perfekte Gelegenheit, andere Unterassistent*innen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich kennenzulernen und ggf. etwas zusammen zu unternehmen.

Frauenfeld, der Kanton Thurgau und die Schweiz

Der Rheinfall bei Schaffhausen – ein lohnendes Ausflugsziel

Frauenfeld ist eine kleine Stadt mit der Möglichkeit, etwas trinken zu gehen, einzukaufen und zu schwimmen. Für mehr Möglichkeiten bietet es sich an, ins teure Zürich oder ins günstige Konstanz zu fahren. Der Kanton Thurgau und die ganze Bodenseeregion ist perfekt zum Rennradfahren. Der Kanton Thurgau bietet eine atemberaubende Landschaft, Badeseen wie den „Nussbaumer See“ mit Feuerstelle, an der sogar das Feuerholz gestellt wurde.

Die Schweiz an sich hat enorm schöne Wanderrouten. Wer viel mit der Bahn fahren will, sollte sich möglichst früh ein „Halbtaxticket“ zulegen, um nur noch die Hälfte auf alle öffentlichen Verkehrsmittel zu zahlen. Hierzu zählen nicht nur Fernzüge, sondern auch Busse und Seilbahnen.

Im Kanton Thurgau sollte man auf jeden Fall den Rheinfall bei Schaffhausen, Schaffhausen selbst als auch Stein Am Rhein besuchen.

Gebühren Kantonsspital Frauenfeld

Es wird eine Umtriebigkeitsgebühr von 100.- Euro bei Annahme der Bewerbung verlangt, die bei regulärem Antritt der Unterassistentenstelle zurückerstattet wird. Zudem müssen für den Ausländerausweis, den das Kantonsspital Frauenfeld für einen beantragt, 150.- Schweizer Franken bei der Stadtverwaltung bezahlt werden. Zudem wird für das Ausstellen der Bescheinigungen eine Gebühr von 50.- Schweizer Franken verlangt. Ein Stellplatz für das Auto kostet 120.- Schweizer Franken pro Monat.

Anrechnung des PJ-Abschnittes in der Schweiz

Für die Anrechnung des PJ-Tertials durch das LPA sind eine Äquivalenzbescheinigung sowie eine Bescheinigung über den absolvierten PJ-Abschnitt zu bescheinigen. Hierzu sollten die Dokumente aus der Universität Zürich, das Kantonsspital Frauenfeld ist akademisches Lehrkrankenhaus dieser Universität, und des Heimat LPAs in der Universität Zürich eingereicht werden. Um das Einreichen kümmerte sich die Chefarzt Sekretärin des Kantonsspitals Frauenfeld persönlich.

Danksagung

Der Blick von der Dachterrasse des Personalhauses (Haus BEO) auf Frauenfeld

Ich möchte mich herzlich bei Medizinernachwuchs.de für die finanzielle Unterstützung in Form eines Auslandsstipendiums und das freundliche Gespräch mit Herrn Christian Schuchert, Ärzteberater der Barmenia in Berlin, bedanken und bei Herrn Peter Karle, Chefredakteur von Medizinernachwuchs.de, für den sehr informativen Vortrag über Möglichkeiten, im Ausland Famulaturen und PJ-Abschnitte zu absolvieren.

Zudem danke ich dem Team der Allgemeinchirurgie am Kantonsspital Frauenfeld, das mich sehr freundlich aufgenommen hat und mir sehr viel erklärt, gezeigt und mich machen lassen hat. Es war eine wirklich gute Zeit!

T., P.

Solothurn/Schweiz, September 2021

Stipendiat der Auslandsstipendien 2021

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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