Famulatur in Tansania – Pädiatrie, Gynäkologie und Geburtshilfe

11. Februar 2022

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Tansania, Wasso, Wasso Hospital (06.08.-04.09.2021)

Fernab von sämtlichen Großstädten und touristischen Attraktionen begab ich mich mit zwei Freundinnen aus Würzburg für eine Famulatur in das kleine Wasso, welches mitten im Nirgendwo im Norden des Landes und am Rande der Serengeti liegt. Ohne große Erwartungen ließen wir das Land, die Leute und besonders das Gesundheitssystem auf uns zukommen.

Motivation für eine Famulatur im Wasso Hospital

Schon zu Beginn meines Medizinstudiums wuchs in mir der Wunsch, eine Famulatur im Ausland zu absolvieren, fernab von westlichen Standards und luxuriösen Krankenhäusern. Meine Wahl fiel auf Afrika, da ich hier die Chance sah, ein völlig neues Gesundheitssystem und eine neue Kultur kennenzulernen. Durch eine Bekannte in Würzburg stieß ich auf das Wasso Hospital im Norden Tansanias. Einerseits war ich neugierig und wollte wissen, wie es im wahren „Busch“ wohl sein mag, anderseits hatte ich größten Respekt vor dieser Reise und war ab Tag eins dankbar, meine beiden Freundinnen bei mir zu haben, um diese Reise gemeinsam erleben zu dürfen.

Ich sah in der Auslandsfamulatur die einmalige Möglichkeit, zwei Leidenschaften miteinander zu verbinden: die Medizin und das Erkunden neuer Kulturen.

Abenteuer Anreise – der lange Weg nach Wasso

Wanderung zum Dorf unseres Massai Freundes in Tansania

An einem Dienstagnachmittag ging unsere Reise unter den aktuellen Coronabedingungen vom Frankfurter Flughafen los und wir erreichten nach ca. 16h endlich Sansibar, mit einem kurzen Zwischenstopp in Dubai. Von dort aus ging es auf einem einstündigen Flug weiter Richtung Arusha.

Generell ist ein direkter Flug zum Kilimandscharo Airport (JRO) in Arusha zu empfehlen. Aufgrund der Corona-Situation entschieden wir uns jedoch gegen den JRO, da wir auf dem Hin- und Rückflug gerne mit der gleichen Airline fliegen wollten und das Ende unserer Reise bereits auf Sansibar geplant war.

In Arusha angekommen, mittlerweile seit über 24h unterwegs und völlig erschlagen von der langen Reise, hofften wir nun darauf, dass jemand mit unseren Namen auf einem Blatt Papier auf uns wartete und wir in ein Auto Richtung Unterkunft einsteigen konnten. Kaum zu glauben, aber es wartete tatsächlich jemand auf uns.

Während der Fahrt hatten wir zum ersten Mal die Möglichkeit, in Ruhe ein bisschen tansanische Luft zu schnuppern und das Leben aus dem Auto heraus zu beobachten. Es war tatsächlich kälter als gedacht und die frischen Temperaturen hielten sich auch noch die ersten zwei Wochen. Am gleichen Tag konnten wir uns noch mit unserer Organisatorin auf tansanischer Seite treffen, die für uns die Weiterfahrt nach Wasso am nächsten Morgen mittels öffentlichen Busses organsierte sowie drei Sim-Karten. Rückblickend war dies die schlechteste und teuerste Unterkunft zugleich auf unserer zweimonatigen Reise (1 Monat Famulatur + 1 Monat Reisen). Aber selbst daran störten wir uns nicht, denn alles, was wir zu diesem Zeitpunkt brauchten, waren ein Bett und etwas zu essen.

Am nächsten Morgen ging für uns der eigentliche Teil der abenteuerlichen Anreise erst los. Aus einer geplanten 12-stündigen und erhofften 10-stündigen Busfahrt wurden letztendlich 14 Stunden mit FFP2-Maske in einem völlig überfüllten Bus, ohne auch nur eine Sekunde zu wissen, wann und ob wir wirklich jemals ankommen werden. Nach einer scheinbar nicht allzu überraschenden Panne, einem netten englischsprechendem Einheimischen und 14 Stunden Schotterweg kamen wir endlich in Wasso an. Glücklich und erschöpft ging diese wirklich lange Anreise zu Ende und wir waren an unserem neuen Zuhause für die nächsten vier Wochen angekommen – dem Wasso Hospital.

Das Wasso Hospital – „Karibu sana“ – Herzlich willkommen!

Das Wasso Hospital in Tansania

Eine lange Allee führte vom Zentrum des Dorfes zum Wasso Hospital. Auf dem Gelände befanden sich neben dem Krankenhaus unter anderem eine Apotheke, Häuser für die Mitarbeitenden und ein Gästehaus, in dem wir gelebt haben. Auch wenn das Hospital von außen einen modernen Eindruck machte, waren die medizinischen Möglichkeiten mindestens genauso weit von der westlichen Medizin entfernt wie Tansania von Deutschland. Viele Ärzt*innen waren zwar sehr motiviert, sahen aber kaum Chancen, an dem Zustand der medizinischen Versorgung etwas ändern zu können.

Da das Wasso Hospital weit ab von Großstädten liegt, waren die gängigsten Disziplinen zur Basisversorgung dort vertreten, wie z.B. die Pädiatrie, Gynäkologie („Maternity“ und „Labour Ward“) und eine Intensivstation, welche einen besonders hohen Anteil der Versorgung einnehmen. Der Funktionsbereich gliederte sich in eine Ambulanz (OPD = „Outpatient Department“), einen großen OP sowie einen kleinen OP, der für die Wundversorgung und kleine Eingriffe genutzt wurde. Besonders häufig bekamen wir dort die kleinen Patient*innen zu Gesicht, da diese durch das Kochen über dem offenen Feuer teils großflächige Verbrennungen aufwiesen.

Diagnostisch standen ein Röntgen, ein Ultraschallgerät sowie ein relativ gut aufgestelltes Labor zur Verfügung. Die Indikation für eine bildgebende Diagnostik wurde aber deutlich sparsamer gestellt, da die Patient*innen die Kosten selber trugen. Einerseits hatte ich das Gefühl, dass dadurch der klinische Blick deutlich erweitert wurde, da die Ärzt*innen sich nicht allzu sehr auf unterstützende Diagnostik verließen. Anderseits hatte ich das Gefühl, dass Diagnosen häufig allein auf Vermutungen basierten und somit eine adäquate Therapie nicht möglich war.

Der Großteil der Patient*innen waren Massai, ein auf traditionelle Weise dort lebender Stamm. Sie leben abseits der Städte und Dörfer in selbstgebauten Hütten, welche „Boma“ genannt werden. Massai leben polygam, haben meist sehr große Familien und die Frauen haben nicht selten bis zu 12 Kinder. Das Alter der jungen Mütter ließ sich häufig nur abschätzen, aber einige waren definitiv unter 16 Jahren. Auch mit den Traditionen wie Beschneidungen und deren Komplikationen sind wir während der Famulatur immer wieder in Kontakt gekommen.

Ein typischer Tag am Wasso Hospital

Meine zwei Freundinnen und ich (links) auf dem Weg zum Wasso Hospital

8:00 Uhr Als Medizinstudent*in, auf Swahili „wanafunzi daktari“, begann die Morgenbesprechung meistens pünktlich mit einem Gebet auf Swahili. Besonders schön war es, wenn morgens gesungen wurde. Anschließend haben die Pflege und die Ärzt*innen aus der Nachtschicht die Übergabe gemacht und es wurden noch einige aktuelle Fälle besprochen. Meistens fand die Besprechung auf Englisch statt, manchmal sind die Diskussionen aber fließend in Swahili übergegangen. In unserer zweiten Woche gab es Seminare zur Etablierung fester Diagnostik- und Therapiepfade zu den Themen wie Eklampsie und Schock.

9:00 Uhr Nach der Besprechung, die meistens nicht länger als eine Stunde ging, hieß es in Wasso anstelle von Arbeiten erstmal Frühstücken und Kräfte stärken. Jeden Morgen gab es von unserer Gastmama Triphonia Pancakes. Kaum zu glauben, aber wir hatten nach vier Wochen immer noch nicht genug davon.

10:00 Uhr Die Tage im Krankenhaus waren meistens nicht sehr lang und stark abhängig davon, ob es gerade spannende Fälle gab oder nicht. Prinzipiell konnten wir uns überall blicken lassen, jedoch verschlug es uns die meiste Zeit in die „Labour Ward“ (Gynäkologie) zu Dr. Angelina, da sie mit Ihren Visiten einigermaßen zuverlässig begann. Neben Diskussionen bezüglich der Diagnose, Pathophysiologie und Therapie untersuchten wir die Frauen und ihre Neugeborenen in Hinblick auf die Uteruskontraktion, Milchproduktion, Nahrungsaufnahme und ggf. die Sectio-Narbe. Auf der überschaubaren Neugeborenen-Intensivstation hörten wir regelmäßig die Herztöne und die Lunge ab und beurteilten den Fortschritt unter der Therapie, bestehend aus Antibiotika, Sauerstoff und einer Wärmelampe.

Mit etwas Glück lag morgens eine werdende Mutter in den Presswehen und wir konnten problemlos zuschauen und assistieren. Die Geburt selbst schien uns sehr emotionslos und unpersönlich. In den Wehen liegende Frauen waren nur durch Vorhänge voneinander getrennt, teilweise befanden sich 5-10 Mitarbeitende im Kreißsaal. Die Frauen wurden nie durch die Väter begleitet und die Familie wartete hinter den Vorhängen im nächsten Raum.

Nach der Visite auf der Gynäkologie schauten wir manchmal in der Pädiatrie vorbei und begleiteten dort ebenfalls die Visite und sahen viele Fälle mit Pneumonien, Unterernährungen, Infektionskrankheiten sowie schweren Verbrennungen.

12:00 Gegen Mittag schauten wir meistens im kleinen OP vorbei und halfen dort bei der Versorgung von offenen Wunden, Frakturen, Entzündungen und Kindern mit großflächigen Verbrennungen oder Fremdkörpern in Ohren und Nase. Anfangs wurden wir hier ins kalte Wasser geschmissen, als es hieß: „Kümmert Euch um die Wundversorgung, ich komme gleich wieder“. Letztendlich konnten wir nicht viel falsch machen, denn außer einer Säuberung mit sterilen NaCl, anschließender Benetzung der Wunde mit Iod und das Anlegen eines neuen Verbandes gab es kaum Alternativen.

14:00 Nach dem Mittagessen schauten wir dann nochmal im Krankenhaus vorbei, um in der Wundversorgung, in der Ambulanz oder bei größeren Operationen assistieren zu können.
Die Ärzt*innen sind zwar meist auf ein Fachgebiet spezialisiert, haben aber einen sehr breiten Wissenstand, sodass ein Orthopäde auch gynäkologische oder viszeralchirurgische Operationen durchführte.

Im OP wurden die meisten Materialen wiederverwendet – nach dem Abkochen. Sterilität wurde nicht 100prozentig großgeschrieben und der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt, wenn es mal nicht das richtige Material gab, die Schläuche zur Beatmung undicht waren oder sonstige Gerätschaften nicht ganz funktionierten.

Zwischen 15:00 und 17:00 Uhr haben wir dann meistens Feierabend gemacht, da auch im Krankenhaus nicht mehr viel los war. Manchmal sind wir jedoch abends nochmal zurück, wenn eine Frau in den Wehen lag und wir bei der Geburt assistieren wollten. Wie lange wir schlussendlich jeden Tag gearbeitet haben, war uns selbst überlassen. Am Wochenende hat uns niemand im Krankenhaus erwartet.

Besondere Momente während der Famulatur

Unterwegs mit dem Flying Medical Service in medizinisch unterversorgten Regionen Tansanias

Während unserer Famulatur im Wasso Hospital haben wir wirklich viel erlebt, sodass ich noch Stunden über die unfassbar tolle Zeit berichten könnte. Ein paar besondere Eindrücke möchte ich aber an dieser Stelle mit Euch teilen.

Das Highlight während der Famulatur war für mich auf jeden Fall der Flug mit dem „Flying Medical Service“ (FMS) in den Busch zu den Massai. Alle zwei Wochen flog der FMS morgens mit einer kleinen Cessna und medizinischem Personal aus dem Wasso Hospital in unterversorgte Regionen rund um Wasso. Dort wurden Säuglinge und Kleinkinder geimpft, das Gewicht dokumentiert und schwangere Frauen gynäkologisch untersucht.

Natürlich gab es aber auch Momente, in denen ich trotz der Vorbereitung und dem Wissen über die mangelnde Versorgung schockiert war und immer wieder gemerkt habe, wie dankbar ich bin, in Deutschland leben zu dürfen. Dazu zählen unter anderem der irrationale Antibiotika-Gebrauch, unzureichende Desinfektion vor invasiven Eingriffen, eine mangelhafte Akutschmerztherapie sowie von Teilen des Personals ein strenger Umgang und fehlende Empathie gegenüber den Patient*innen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Fehlen einer konstanten Stromversorgung im Krankenhaus, sodass ein sauerstoffpflichtiges Neugeborenes gestorben ist, weil keine Beatmung mehr möglich war. Anderseits war es immer wieder schön zu sehen, wie engagiert einzelne Mitarbeitende trotz mangelnder Möglichkeiten waren und sich für ihre Patient*innen einsetzen.

Unterkunft

Unser Gästehaus auf dem Gelände des Wasso Hospitals in Tansania

Das Gästehaus am Wasso Hospital ist wirklich sehr schön und ich habe mich dort jederzeit wohl gefühlt. Wir hatten ein Zimmer mit einem eigenen Bad und einer Dusche, aus der auch manchmal warmes Wasser floss.

Wir haben die bereits vorhandenen Moskitonetze genutzt, obwohl Malaria aufgrund der Höhe (2.000m) keine Bedrohung zu sein schien. Die Höhe war auch der Grund für die anfänglich sehr frischen Temperaturen, sobald die Sonne weg war. Wir waren also froh über ein bis zwei lange Hosen, unseren Fleece und eine winddichte Jacke.

Des Weiteren gehören zum Gästehaus ein Aufenthaltsraum mit einer kleinen Küche, in der dreimal täglich leckeres Essen, auf Wunsch vegetarisch, gezaubert wurde, eine Waschmaschine, die manchmal ihren Geist aufgab, und unsere unbezahlbare Gastmama Triphonia, durch die sich Wasso wie ein Zuhause angefühlt hat.

Für den Monat haben wir 500 USD pro Person bezahlt, was bei Weitem die Kosten für eine Unterkunft inklusive Essen und Trinken in Tansania übersteigt. Der Rest ist jedoch eine Spende für das Hospital.

Leben in Wasso

Das farbenfrohe und bunte Treiben auf einem Massai Markt in Tansania

Wasso ist ein recht kleiner Ort in Tansania, der im Norden des Landes liegt. Die Anbindung an größere Städte ist schwierig und nur über eine stundenlange Fahrt über einen Schotterweg zu erreichen.

Wir haben unsere Freizeit mit den Kindern von Triphonia‘s Familie verbracht, sind auf den Wasso Hill gestiegen, waren auf einer Schulabschlussfeier, haben Zeit mit den Einheimischen verbracht, die wir im Krankenhaus kennen gelernt hatten, und sind mit einem befreundeten Massai in sein Dorf gelaufen, welches außerhalb von Wasso liegt. Dort hatten wir die Möglichkeit, in eine typische selbstgebaute kleine Hütte („Boma“) hineinzuschauen, in denen sich das traditionelle Leben der Massai abspielt.

Wir haben uns tansanische Kleider für einen Gottesdienst am Sonntag nähen lassen, der definitiv viel fröhlicher und mit viel mehr Gesang gestaltet war als bei uns in Deutschland. Freitags fand der Massai-Markt statt, wodurch Wasso durch die vielen Massai und ihre bunte Kleidung auf einmal ganz bunt und lebhaft erschien. Der Markt war voll mit kleinen Ständen, an denen alles für den täglichen Bedarf gekauft werden konnte – von Obst und Gemüse über Kleidung bis hin zu Rindern, Ziegen und Schafen.

Ebenso war es möglich, mit einem Angestellten des Krankenhauses am Wochenende eine Safari in der „Serengeti“ zu scheinbar bezahlbaren Preisen zu machen. Wir haben dieses Angebot allerdings nicht genutzt, da wir im Anschluss an die Famulatur eine mehrtägige Safari mit einem Massai-Freund geplant hatten.

Mit ein wenig gesundem Menschenverstand haben wir uns in Wasso zu jedem Zeitpunkt sehr sicher gefühlt, auch wenn man als weiße junge Frau die Hauptattraktion darstellt und wir jederzeit als „Mzungu“, die/der Weiße, bezeichnet wurden, ohne zu wissen, ob es sich hierbei um eine positive oder negative Assoziation handelte. In der Dunkelheit haben wir das Krankenhausgelände nicht mehr verlassen, konnten aber ohne Probleme abends mit den Angestellten des Krankenhauses Zeit verbringen, die ebenfalls auf dem Gelände wohnten.

Bewerbung, Vorbereitungen und Organisatorisches

  • Bewerbung

Wir waren ca. eineinhalb Jahre zuvor mit der Koordinatorin Constanze in Kontakt getreten, was wirklich viel zu früh war, besonders, weil in Afrika sowieso alles viel entspannter gesehen wird als in Deutschland. Trotzdem wollten wir die Chance nicht verpassen, nur weil wir zu spät dran waren. Constanze hatte uns dann aber relativ schnell mitgeteilt, dass wir uns frühestens nochmals im Spätsommer, also ca. ein Jahr vorher, melden sollten, wenn sie von ihrer Tansania-Reise zurück sei. Sie selbst wohnt in Süddeutschland und koordiniert ehrenamtlich sehr viel für das Wasso Hospital und die St. Clare Clinic Foundation in Mwanza – unter anderem eben sämtliche Angelegenheiten von uns Studierenden.

Für die Bewerbung möchte Constanze gerne ein ausführliches Motivationsschreiben, ca. eine Seite, und einen Lebenslauf haben. Hierzu gibt sie Dir gerne Feedback und lässt Dich auch nochmal einiges überarbeiten, denn es ist ihr wichtig, dass Du Dich damit befasst, warum Du nach Tansania an das Wasso Hospital möchtest und was deine Vorstellungen und Erwartungen von der Famulatur sind. Es reicht vollkommen, ihr das Motivationsschreiben sowie den Lebenslauf auf Deutsch zu schicken.

  • Impfungen, ärztliche Untersuchungen & Medikamente

Vor der Reise war ich in Würzburg zum Tropeninstitut gegangen und hatte mich dort beraten lassen, was ich an dieser Stelle nur weiterempfehlen kann, da ich somit nicht nur Impfungen bekommen habe, sondern zudem eine komplette reisemedizinische Beratung bezogen auf die Region rund um Wasso.

Zu den empfohlenen Impfungen gehörten:

– sämtliche Standardimpfungen

– Tollwut, Hepatitis A/B, Typhus, Meningokokken ACWY

– Gelbfieber à Nur notwendig, wenn man aus einem Risikogebiet nach Sansibar reisen möchte.

(Weitere Informationen sind auf der Website des Auswärtigen Amtes zu finden.)

Des Weiteren haben wir während unserer gesamten Zeit in Tansania eine Malariaprophylaxe (Atovaquon und Proguanil) eingenommen, hauptsächlich aufgrund der anschließenden Reise nach der Famulatur. Wir hatten eine voll ausgestattete Reiseapotheke dabei, jede Menge Desinfektionsmittel und FFP2-Masken.

  • Visum

 Die Beantragung des Visums hätten wir sicherlich besser lösen können, denn wir haben dieses erst bei der Ankunft auf Sansibar beantragt, was im Nachhinein nur mit unnötigem Zeitaufwand verbunden war, da wir ein Student-Visa (50 USD) benötigt haben und kein normales Tourist-Visa (50 USD). Am Ende hat natürlich alles geklappt, es wäre aber mit einem im Vorhinein beantragten E-Visum deutlich einfacher gewesen: Wichtig: zeitlichen Vorlauf einplanen!

(Am.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird).

  • Literaturempfehlungen

An Literatur hatten wir vor Ort gar nicht so viel dabei, denn viele Bücher hätten gar nicht in unsere Backpacks gepasst, da wir wirklich viel medizinisches Material dabeihatten. Am hilfreichsten war für uns die „Amboss-App“, die man auch offline nutzen kann, um somit mal schnell ein paar exotische Krankheitsbilder nachzuschlagen.

Es lohnt sich, vor der Famulatur seinen medizinischen Wortschatz auf Englisch aufzufrischen, da viele lateinische Begriffe dann doch nicht so geläufig sind, wie wir vorher dachten.

Ansonsten hatten wir noch einen Tansania-Reiseführer von „Lonely Planet“ dabei, da wir im Anschluss an die Famulatur noch durch das Land gereist sind.

  • Sonstige Vorbereitungen

 Bevor es los geht, schickt Constanze den Famulant*innen ein ABC, in dem alles Wichtige für die Vorbereitung drin steht, wie z.B. Ideen für Gastgeschenke, damit man bei der Ankunft nicht mit leeren Händen dasteht.

Empfehlenswert ist es auf jeden Fall, einen „Swahili“ Sprachkurs im Vorhinein zu belegen, jedoch kein Muss, da viele Patient*innen nur Massai sprechen und sowieso kein Wort „Swahili“ verstehen. Leider hatten wir aufgrund von Corona keinen machen können und haben es auch mit ein paar Worten „Swahili“ gut durch die Famulatur geschafft.

Für die Arbeit am Wasso Hospital haben wir Arbeitskleidung (Kasack, Kittel, Hose), ein eigenes Stethoskop, Handschuhe, FFP2-Masken und eine Pupillenleuchte dabeigehabt. Ein EKG-Lineal war nicht nötig, da dort keine EKGs geschrieben wurden.

  • Finanzierung

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei Medizinernachwuchs.de für die Auswahl für eines der Auslandsstipendien bedanken, da ich dank der Förderung die anfallenden Kosten der Unterkunft (500 USD), des Fluges und weitere Ausgaben ein wenig senken konnte.

Mein Fazit

Improvisation ist alles – ein selbstgebauter Rollstuhl

Ich bin auch Wochen danach immer noch begeistert von meiner Famulatur am Wasso Hospital in Tansania und würde es genauso jederzeit wieder machen. Natürlich gab es Situationen, die ich nicht vermissen werde, jedoch blicke ich mit überwiegend positiven Erinnerungen auf diese einzigartige Famulatur zurück. Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich dort sammeln konnte, welche nicht nur medizinisch, sondern auch zwischenmenschlich und interkulturell besonders wertvoll sind.

Eine Famulatur im Ausland hat mir ermöglicht, als Gast und nicht als Touristin in eine fremde Kultur einzutauchen, ein wenig entwickeltes Land und sein Gesundheitssystem kennenzulernen und tollen Menschen zu begegnen, an die ich mich noch lange zurückerinnern werde.

Marie Wulfheide

Würzburg, November 2021

Stipendiatin der Auslandsstipendien 2021

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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