PJ in der Schweiz – Chirurgie

8. Oktober 2021

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Fachgebiet, Land, Praktisches Jahr im Ausland, Schweiz

Schweiz, Zofingen, Spital Zofingen (12.07.-05.09.2021)

Ein Chirurgie Tertial im Aargau oder ein Kompaktkurs der Chirurgie verpackt in eine wunderschöne Reise in die Schweiz. Nachdem ich bereits einige Male innerhalb meines Medizinstudiums im Ausland Erfahrungen sammeln durfte, so zum Beispiel bei einer Famulatur in den USA, zog es mich zum Ende meines Studiums noch einmal in ein neues Land – die Schweiz. Dieses Land war für mich zunächst gänzlich neu, doch durfte ich es während meines achtwöchigen PJ-Abschnitts intensiv kennen und schätzen lernen. Im Folgenden möchte ich berichten, warum ich dies heute sagen kann.

Meine Wahl – die Schweiz!

Mein Chirurgie Tertial fand statt im Spital Zofingen, welches in der Stadt Zofingen des Schweizer Kantons Aargau liegt. Der Kanton Aargau liegt eher nordwestlich in der Schweiz, angrenzend u.a. an die Kantone Bern, Luzern und Zürich. Geographisch bietet Zofingen daher eine sehr gute Ausgangslage für alle Fahrten in angrenzende, aber auch weiter entfernte Gebiete in der Schweiz.

Die Schweiz selbst ist einzigartig innerhalb Europas und ein Land, das sich mit einem starken Föderalismus, direkter Demokratie und wirtschaftlicher Liberalität bemerkbar macht. Landschaftlich sowie vom Stadtbild bietet die Schweiz eine hohe Lebensqualität mit bemerkenswert gepflegten, sauberen Städten und einer ebenfalls sehr geschätzten, alpinen Natur. Natürlich nutzte ich an den freien Wochenenden die Zeit auch zum Wandern und für Städtetrips, hierzu später mehr.

Das Spital Zofingen

Das Spital Zofingen im südlichen Aargau – Lehrkrankenhaus der Universität Basel

Das Spital Zofingen ist ein Krankenhaus der Regel- und Grundversorgung und gewährleistet zudem die durchgehende medizinische Notfallversorgung der Region. Es ist als akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Basel und als Verbundpartner dem Kantonsspital Aarau (KSA) angegliedert, zu welchem Zu- und Rückverlegungen bei medizinisch aufwendiger bzw. gewünschter heimatnaher Versorgung stattfinden kann.

Das Spital bietet in zwei Departements, nämlich dem Departement für Innere Medizin sowie dem für Operative Medizin, die direkte medizinische Versorgung an. Ergänzt werden diese insbesondere durch die ansässige Radiologie und die Pathologie des Kantonsspitals Aarau. Im Departement für Operative Medizin, in welchem mein Einsatz stattfand, wird insbesondere mit Belegärzten, u.a. für Gynäkologie, Urologie, HNO und weiteren Fachrichtungen, das Angebot elektiver Eingriffe ausgebaut.

Dieses breite Therapiespektrum war genau das, was ich mir mit diesem Auslandsaufenthalt erwünscht hatte, nachdem die erste Hälfte meines Tertials in der Chirurgie, Beginn 17.05.2021, am Universitätsklinikum meiner Heimatuniversität Essen sehr auf die jeweiligen chirurgischen Spezialgebiete fokussiert war. Diese Mischung aus Maximalversorgung in meinen ersten acht Wochen in der Chirurgie und Regelversorgung über die gesamte Bandbreite der Chirurgie in der zweiten Hälfte des Tertials war für mich die optimale Mischung. Des Weiteren konnte ich durch meine vielseitige Einteilung sowohl auf der Station, auf welcher ich insbesondere für Patientenaufnahmen zuständig war, als auch in der Notaufnahme in der Primärversorgung aktiv und sehr selbstständig arbeiten sowie im Operationssaal assistieren. Gerade diese Erfahrungen bei der Arbeit im PJ sind besonders wertvoll.

Bewerbung und Verdienst

Der Kontakt zum Spital Zofingen war direkt per Mailverkehr mit dem dortigen chirurgischen Sekretariat zustande gekommen, an welche ich danach meine Bewerbung richtete. Hingewiesen auf dieses Spital wurde ich allerdings von einer Kommilitonin, die ich in einer Famulatur kennengelernt hatte und die mir diese Klinik empfahl. Ich bewarb mich daher im März 2020, wobei scheinbar auch spätere Bewerbungen möglich sind. Eine Freundin von mir bewarb sich nämlich kurzfristig im Frühsommer 2021 ebenfalls in Zofingen und wurde sogleich angenommen. Bei der Bewerbung ist die direkte Kontaktaufnahme mit dem Sekretariat empfehlenswert. Ein aussagekräftiges Bewerbungsschreiben über seine eigenen Fähigkeiten und dem, was man sich von einem Tertial erwünscht, sind natürlich ratsam.

Finanziell werden die Unterassistent*innen, sprich die PJler*innen, in Zofingen im Schweizer-Vergleich gut vergütet. Mit 1.500 CHF/Monat stehen sie besser da als in allen grösseren Spitälern wie zum Beispiel den Universitätsspitälern, welche mitunter nur bei etwa 900 CHF/Monat liegen. „Nur“ sage ich, da die Lebenshaltungskosten in der Schweiz deutlich höher liegen. So liegt z.B. ein Restaurantbesuch gut und gern einmal bei 40–50 CHF pro Person. Dennoch lebte ich gut von meinem Schweizer Lohn und kam mit relativ wenig eigenem Kapital gut aus.

Mein PJ-Abschnitt in der Chirurgie am Spital Zofingen

Wie oben bereits beschrieben, bietet die Arbeitsstruktur des Spitals Zofingen innerhalb der Chirurgie ein breites Spektrum. Dies bot mir, auch aufgrund des guten Verhältnisses zu Kolleg*innen sowie den leitenden Ärzt*innen, eine gute Möglichkeit, einen vertieften Einblick zu häufigen unfall- und allgemeinchirurgischen Krankheitsbildern zu bekommen. Da ich häufig für die Neuaufnahmen zuständig war, lernte ich viele Patient*innen bereits bei der Aufnahme in die Klinik kennen. Ebenso wohnte ich der operativen Therapie als Assistent am Tisch bei, wobei ich mir weitere OP-Techniken aneignen konnte. Zudem konnte ich in der Notaufnahme mitarbeiten und dort die Erstversorgung der eintreffenden Patient*innen übernehmen, wie zum Beispiel das Nähen von Schnittwunden und anderen Verletzungen.

Die Lehreinheiten der Oberärzte und des Chefarztes fanden insbesondere durch die direkte Lehre an den Patient*innen statt. Insgesamt war es ein sehr kollegiales Klima, vor allem der Draht zu den Assistenzärzt*innen war sehr gut. Als Unterassistent wurde ich sehr direkt in den Arbeitsablauf eingebunden. Wenn man seine Arbeit also nicht gut erledigt, wirkt sich dies auf den Behandlungsablauf aus. So kommen einem mit dem Abarbeiten der Neuaufnahmen oder dem regulären Assistieren im OP sowie der Patient*innenaufnahme in der Notaufnahme wichtige Aufgaben zu.

Mein Arbeitstag in der Klinik dauerte von etwa 6:45 Uhr bis 16:00 Uhr. In der Notaufnahme konnte man besonders viel Hand anlegen, das Nähen von Schnittwunden oder Assistieren beim Reponieren von Gelenken war eher üblich. Auch im OP wurde einem mehr und mehr zugetraut. Vor allem die orthopädischen OPs erforderten oft einen Studenten und man wurde stets sehr freundlich aufgenommen.

Die Unterkunft

Das Wohnheim des Spitals Zofingen

Untergebracht war ich im Wohnheim des Spitals Zofingen, welches nur drei Gehminuten vom Spital entfernt lag. Hier gab es alle nötige Infrastruktur zum Wohnen (Wäsche, Küche, Parkplatz). Man wohnte hier mit den meisten anderen Unterassistent*innen zusammen und konnte dadurch auch gemeinsame Aktionen planen, wie wir es an so manchem Abend taten. Eine Terrasse und ein Garten mit schöner Aussicht ins Tal verschönerten das Wohnen dort ungemein.

Was die Miete betraf, musste man zu meiner Zeit mit 450 CHF im Monat rechnen, was vergleichsweise sehr günstig war. Die anderen Unterassistent*innen waren zum Teil Deutsche und zum Teil Schweizer, der Umgang war schon nach kurzer Zeit sehr freundschaftlich.

Leben in der Schweiz

Traumhafte Wandermöglichkeiten im Kanton Wallis – Schweiz

Der direkte Kontakt mit den Schweizer Kolleg*innen und Ärzt*innen sowie den Einheimischen war für mich sehr wertvoll, nicht nur zum Austausch über meine kommenden Berufsziele, z.B. als Arzt in der Schweiz, sondern auch der kulturelle Kontakt. Der Freiheitsgedanke, den man bei den Schweizern immer wieder antrifft, ist äusserst angenehm.

Die freien Wochenenden nutzte ich zum Wandern in den Bergen und zum Bereisen der umliegenden Städte wie zum Beispiel Luzern, Zürich, Visp oder auch Vaduz im Fürstentum Liechtenstein. Letzteres war ein ganz besonderer Besuch in der letzten, wirklichen Monarchie Europas. Ausserdem war ich in der französischen Schweiz unterwegs. Neuchâtel, Montreux und die Wanderregion bei La Gruyère bieten eine Fülle an schönen Erlebnissen. Meine Highlights waren die Besteigung des „Augstbordhorn“, einem Berg in den Walliser Alpen, und des „Pilatus“, einem Bergmassiv, sowie der Besuch von Luzern und Montreux.

Da ich die meisten Wochenenden in meiner Zeit am Spital Zofingen frei hatte, an einem Wochenende hatte ich Dienst, konnte man diese optimal für Ausflüge nutzen. Auch der Besuch von Freunden war in der eigenen Unterkunft problemlos möglich.

Meine Empfehlungen für die Schweiz

Ein Blick in die malerische Altstadt des Städtchens Zofingen. Meine kulinarische Empfehlung – das Wirtshaus zur Markthalle

Es ist empfehlenswert, sich vor einem PJ-Abschnitt in der Schweiz mit der Frage zu beschäftigen, welche Ziele man innerhalb seiner Zeit an einem Schweizer Spital erreichen und welche Einblicke man sammeln will. Wie ich bereits beschrieb, fiel eben deshalb meine Wahl auf das Spital Zofingen.

Unbedingt sollte man sich mit der Schweiz und der dortigen Mentalität beschäftigt haben. Ein besonders höfliches und freundliches Auftreten sowie das Halten an manche Gepflogenheiten erleichtert das Leben vor Ort zusätzlich. Manche Schweizer Bürokratie ist als Ausländer eher umständlich, daher kann man sich hier gut im Vorhinein belesen oder auch das freundliche Sekretariat am Spital Zofingen kontaktieren.

Günstige SIM-Karten gibt es ebenso. Der Anbieter „digitalrepublic.ch“ fordert bspw. keinen Schweizer Wohnsitz. Das Aufmachen eines Kontos in der Schweiz ist zwar von der Zahlstelle des Spitals erwünscht, jedoch kein Muss. Gegen einen kleinen Aufpreis erhält man seinen Lohn auch auf das Deutsche Konto. Ein Visum muss man nicht selbst beantragen, Impfungen sind keine anderen als der Deutsche Standard gefordert. Natürlich sollte man eine Auslandsreisekrankenversicherung haben.

Mein Fazit

Natur pur im Kanton Wallis – Schweiz

Meine für diesen PJ-Aufenthalt in der Schweiz gesteckten Ziele habe ich erreicht. Ich konnte mein chirurgisches Verständnis nicht nur im Verständnis von Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie häufiger chirurgischer Krankheitsbilder verbessern, sondern auch meine praktischen Fertigkeiten ausbauen. Ich durfte Schweizer Mentalität und Lebensgefühl kennenlernen, dies erfuhr ich ganz besonders beim Bereisen der Schweiz. Zudem hat mir die professionelle Kontaktaufnahme mit Vorgesetzten einiges gebracht. Ich konnte somit ein weiteres Empfehlungsschreiben für mich erreichen, was eine tolle Anerkennung der eigenen Leistung ist.

Auch die Dauer meines PJ-Abschnittes in der Schweiz war korrekt gewählt, da ich nach meiner ersten chirurgischen Tertial Hälfte am Universitätsklinikum meiner Heimatuniversität Essen geübter und eingespielter in das chirurgische Arbeiten war, als ich es zuvor gleich nach meinem M2-Examen gewesen wäre. Insgesamt war es aber auch nicht zu lange, da ich mich in das Land und den Arbeitsort einleben konnte, ohne, dass es je zu sehr Alltag wurde. Durch die vorherige Zeit in der chirurgischen Universitätsklinik in Essen ging mir während meiner Zeit im PJ auch nicht die Erfahrung in hochspeziellen Eingriffen und universitärem Arbeiten verloren.

Insgesamt kann ich von einem grossen Erfolg meines Auslandsaufenthalts in der Schweiz sprechen, der mich nicht nur in meinen fachlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und meinem Wissen bereichert hat, sondern auch persönlich mit einem äusserst schönen letzten Sommer meines Studiums.

K., L.

Essen, September 2021

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