Famulatur in Schweden – Innere Medizin

10. Juni 2021

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Innere Medizin, Land, Schweden

Schweden, Avesta, Avesta Lasarett (12.04.-11.05.2021)

Schon nach dem Abitur hatte ich zwei Monate lang bei einer schwedischen Familie verbracht, und dieses Land als auch seine Sprache hatten schon damals mein Interesse geweckt. Also sollte es für mich zu meiner letzten Famulatur in die Innere Medizin nach Schweden gehen. Der Bewerbungsweg gestaltete sich jedoch als nicht einfach. Der Lohn war eine großartige Zeit in Avesta als auch am Avesta Lasarett. Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen.

Mein Ziel – Schweden!

Das größte Dalahäst der Welt steht in Avesta!

Bereits nach dem Abitur hatte es mich nach Schweden gezogen und ich hatte damals zwei Monate lang bei einer schwedischen Familie gewohnt und im Haushalt sowie bei der Kinderbetreuung geholfen. Damals sprach ich leider noch kein Schwedisch, aber mein Interesse für diese Sprache wurde geweckt und so begann ich nach bestandenem Physikum mit Sprachkursen an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Diese hatten mir so viel Spaß gemacht, dass in mir der Wunsch wuchs, meine neuen Sprachkenntnisse in der Praxis anzuwenden.

Daher wollte ich meine letzte Famulatur in Schweden absolvieren, um die Anwendung der schwedischen Sprache mit dem Kennenlernen eines anderen Gesundheitssystems, von dem man hierzulande ja viel Gutes hört, zu kombinieren. Grund genug, um mit der Suche nach einem Famulatur Platz zu beginnen.

Bewerbung und Vorbereitung

Eins vorneweg: Falls Eure Heimatuniversität in Deutschland eine Partnerschaft mit einer schwedischen Universität pflegt, solltet Ihr versuchen, darüber eine Famulatur zu organisieren, da Euch dies einiges an Aufwand ersparen kann. Da die Goethe Universität Frankfurt am Main momentan leider keine Partneruniversität in Schweden hatte, musste ich es auf eigene Faust versuchen.

Fast ein Jahr vor Beginn meiner Famulatur begann ich, mich im Internet zu informieren, Adressen von Krankenhäusern herauszusuchen, teilweise wirklich nicht einfach, und Ansprechpartner*innen zu finden. Natürlich las ich auch viele Erfahrungsberichte zu Auslandspraktika wie Famulatur, PJ etc. in Schweden. Wenn Ihr an einer Famulatur in Schweden interessiert seid, seid Ihr sicher auch schon auf die Information gestoßen, dass es sehr schwierig sein kann, einen Platz dafür zu ergattern. Dies kann ich leider bestätigen. Ich hatte als erstes sehr vielen schwedischen Krankenhäusern Bewerbungen in Form von Briefen und E-Mails geschrieben. Häufig kam entweder gar keine Antwort oder eben ein „Tut uns leid, aber so etwas bieten wir leider nicht an“.

Nach vielen erfolglosen Bemühungen startete ich einen zweiten Versuch und verfasste meine gesamte Bewerbung in meinem holprigen Schwedisch. Dies kann ich Euch wirklich ans Herz legen! Auch wenn Euer Schwedisch nicht perfekt ist, zeigt dies doch, dass Ihr zumindest rudimentäre Kenntnisse der Sprache besitzt und Ihr beweist zudem guten Willen. Es ergibt natürlich auch einfach mehr Sinn, eine Auslandsfamulatur in einem Land zu absolvieren, dessen Sprache man auch einigermaßen verstehen kann, da man so auch am meisten lernt.

Auf meine schwedischen Bewerbungen erhielt ich zumindest ein paar positive Rückmeldungen und diese wurden von einigen Ärzt*innen, die mir selber aus verschiedenen Gründen zum gewählten Zeitraum kein solches Praktikum anbieten konnten, weitergeleitet und so gelangte meine Bewerbung auf einigen Umwegen ins Avesta Lasarett. Aus dem Avesta Lasarett erhielt ich schließlich im Oktober 2021 eine sehr herzliche E-Mail mit einer Zusage, worüber ich mich sehr freute. Damit konnten die Vorbereitungen auf meine Famulatur in Schweden beginnen.

Eine Vorbereitung auf das Praktikum selbst war an sich nicht gefordert, ich denke aber, dass ein paar medizinische Vokabeln nie schaden, da alles im Krankenhaus ausschließlich auf Schwedisch ablief. Ab und zu wurde ich zwar auch gefragt, ob mir Englisch lieber sei, aber dies war eher die Ausnahme und ich wollte ja auch mein Schwedisch verbessern. Wenn man aber mal etwas nicht versteht, ist das natürlich kein Problem. Alle können sehr gut Englisch sprechen und übersetzen. Das medizinische Vokabular wächst aber mit der Zeit ganz automatisch!

Ein Visum war nicht erforderlich. Aufgrund der Corona-Pandemie war zum Zeitpunkt meiner Famulatur ein negatives Testergebnis für SARS-CoV-2 notwendig, um nach Schweden einreisen zu können. Außerdem ist man als Praktikant*in nicht über das Krankenhaus in Avesta versichert, man sollte jedoch eine Haftpflichtversicherung vorweisen können. Meist ist man über die eigene Universität auch im Ausland versichert. Dies sollte man im Vorfeld allerdings prüfen.

Das Krankenhaus sowie Inhalt und Ablauf der Famulatur

Der Haupteingang des Avesta Lasarett in Schweden

Das Avesta Lasarett ist ein kleines Krankenhaus in der gleichnamigen Stadt Avesta in der Region Dalarna. Es ist als Lehrkrankenhaus der Universität Uppsala angegliedert und gilt bei den schwedischen Medizinstudierenden als sehr gutes Ausbildungshaus. Es verfügt über Stationen der Geriatrie, inklusive Stroke-Station, und der Inneren Medizin, über eine Dialysestation, Endoskopie, ein Schlaflabor sowie Poliklinik und Notaufnahme.

Bereits einige Tage vor Beginn meiner Famulatur erhielt ich per E-Mail einen vielversprechenden Rotationsplan. Ich durfte in so gut wie jede Abteilung einmal reinschauen und war an jedem Tag einer Person zugeteilt, d.h. ich hatte immer feste Ansprechpartner*innen, an die ich mich wenden konnte. Am ersten Tag bekam ich morgens direkt eine Führung durch das gesamte Haus, mir wurde eine Mitarbeiterkarte gegeben, mit welcher ich alle Stationen betreten konnte und ich erhielt ein Handbuch mit wichtigen Krankheitsbildern, aber auch wichtigen Tür-Codes, Telefonnummern und Tipps.

In meiner Zeit im Avesta Lasarett durfte ich an Visiten teilnehmen, Anamnesen erheben, körperliche Untersuchungen durchführen, arterielle BGAs abnehmen, an Knochenmarks-, Aszites- und Pleurapunktionen teilnehmen, bei TTEs und Kardioversionen dabei sein und es wurde wirklich so gut wie immer erklärt, was passiert und wie man dabei vorgeht, sodass ich viel gelernt habe. Auch das Bewerten von EKGs wurde mir erklärt, wenn es gerade ein spannendes EKG gab und Zeit dafür war. Manchmal wurde ich auch „abgefragt“, aber das war tatsächlich nie unangenehm.

Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass die schwedischen Medizinstudierenden eine deutlich praxisorientiertere Ausbildung haben als wir und dementsprechend schon sehr viel selbstständiger arbeiten können. Dies hat mich anfangs ein wenig eingeschüchtert, aber im Grunde profitiert man auch sehr davon, weil die schwedischen „AT-Ärzt*innen“, vergleichbar mit PJler*innen, allerdings um einiges selbstständiger, einem häufig etwas zeigen oder erklären können. Venöse Blutabnahmen gehören nicht zu den ärztlichen Aufgaben.

Leider hat es aufgrund administrativer/bürokratischer Hürden in meinem Fall nicht geklappt, einen eigenen Login für den Computer zu bekommen, um damit auch zu diktieren und alles lesen zu können. Eigentlich war dies aber ebenfalls vorgesehen, es könnte also auch sein, dass sich das in Zukunft nochmal ändert.

Ein typischer Tagesablauf meiner Famulatur am Avesta Lasarett

Jeden Morgen kam ich um zirka 7:30 Uhr ins Krankenhaus, habe mich dort umgezogen und anschließend an der Morgenbesprechung um 7:45 Uhr teilgenommen. Diese fand aufgrund der Corona-Pandemie verteilt auf mehrere Räume statt, die per Videokonferenz miteinander verbunden wurden. In der Morgenbesprechung wurden mitunter spannende Patientenfälle erläutert und diskutiert. Danach gab es erst einmal Kaffee. Um zirka 8:15 Uhr fing dann die Arbeit, auf der jeweiligen Station/Poliklinik oder wo man eben eingeteilt war, an. Wenn man neu auf einer Station eingeteilt war, konnte man sich erstmal in Ruhe die Krankengeschichte der Patient*innen durchlesen, um einen groben Überblick zu bekommen. Von Vorteil ist hierbei, dass alle Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte innerhalb einer schwedischen Provinz zentral gespeichert werden, sodass man auf alle Berichte Zugriff hat und sich so ein gutes Bild der Patient*innen machen kann.

Auf der Station folgte dann zunächst eine Besprechung mit den entsprechenden Oberärzt*innen, den Arbeitstherapeut*innen, Physiotherapeut*innen und dem Pflegepersonal über alle Patient*innen, woraufhin die Visite begann. Hierbei wurde sich für alle Patient*innen viel Zeit genommen. Oft halten die jungen Ärzt*innen enge Rücksprache mit den ihnen zugeteilten Oberärzt*innen, die sie jederzeit bei Fragen anrufen können. Ich habe nie erlebt, dass jemand deswegen genervt war.

Um 12:00 Uhr, spätestens um 13:00 Uhr und dies wirklich nur in Ausnahmefällen, gab es Mittagessen. Danach wurde hauptsächlich diktiert und administrative Aufgaben erfüllt. Mein Arbeitstag endete meist zwischen 16:00 Uhr und 17:00 Uhr. Manchmal bin ich auch länger geblieben, wenn noch eine spannende Untersuchung anstand, genauso durfte ich aber auch an manchen Tagen, wenn es nichts Spannendes mehr zu sehen gab, schon etwas früher nach Hause gehen. Die Mittagspause war aber auch immer ausreichend lang, sodass man den Tag sehr gut durchhalten konnte. Nach Rücksprache durfte man auch an Spätdiensten in der Notaufnahme teilnehmen.

Unterkunft in Avesta

Ich habe in einer WG auf dem Krankenhausgelände gewohnt, meist aber mit nur einer weiteren Person zusammen. Neben der WG gibt es auch Einzelzimmer, Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsbad, sowie eigene Wohnungen zu mieten. Ich würde die WG empfehlen, weil man dann so nach Feierabend noch ein wenig dazu kommt, Schwedisch zu sprechen. Die Unterkunft verfügt über eine Waschmaschine und einen Trockner, Handtücher und Bettwäsche bekommt man gestellt. Insgesamt hat mich die Unterkunft für einen Monat knapp 400 Euro gekostet. Außerdem kann man sich über das Krankenhaus kostenfrei ein Fahrrad leihen. Das ist sehr praktisch, weil die Einkaufsmöglichkeiten mit dem Rad um einiges schneller zu erreichen sind.

Finanzierung des Auslandsaufenthaltes

FIKA-Pause am Wasser beim Reitausflug in Schweden

Eine Auslandsfamulatur in Schweden ist eine nicht allzu preiswerte Angelegenheit. Wenn man aber die Möglichkeit dazu bekommt, lohnt sich das auf alle Fälle! Ich persönlich hatte vor der Famulatur, so gut es ging, gespart, meine Eltern haben mich unterstützt und ich habe mich natürlich auch sehr über das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de gefreut.

Neben den Flügen nach Stockholm und den Zugtickets von dort nach Avesta kommen die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und evtl. einige Freizeitaktivitäten auf einen zu. Am Wochenende bietet es sich beispielsweise an, mit dem Zug nach Uppsala und Stockholm zu fahren. So kommt man u.U. schon auf einen vierstelligen Betrag.

Leben in Schweden

Traumhafter abendlicher Spaziergang am Fluss – Älvpromenaden – in Schweden

Ich wurde sehr freundlich im Avesta Lasarett aufgenommen und alle waren begeistert, dass ich Schwedisch spreche. Dass es in schwedischen Krankenhäusern sehr flache Hierarchien gibt, kann ich nur bestätigen. Alle duzen sich und die Atmosphäre ist sehr entspannt und freundlich. Die jungen Ärzt*innen haben die Möglichkeit, alle Patient*innen mit den ihnen zugeteilten Oberärzt*innen zu besprechen. Bei Fragen, beispielsweise bezüglich des Praktikums oder der Unterkunft, hatte ich immer eine Ansprechperson. Auch privat hatte ich Kontakt mit einigen Kolleg*innen, was vermutlich noch mehr gewesen wäre, wenn ich nicht zu Pandemie-Zeiten in Schweden gewesen wäre. Aber da man so viele neue Eindrücke und Erfahrungen macht, ist es auch gar nicht schlimm, an einem Tag am Wochenende einfach mal nur einen großen Spaziergang alleine zu machen, finde ich. Es gibt eine empfehlenswerte Route am Fluss entlang. Die findet Ihr sogar im Internet, wenn Ihr „Älvpromenaden“ sucht.

In der Freizeit bietet es sich an, die Natur in und um Avesta zu genießen oder Uppsala und Stockholm zu besuchen. Es kann aber auch gut sein, dass man von Kolleg*innen zu einer „FIKA“ eingeladen wird. Was das ist, muss ich den Schwedenbegeisterten vermutlich nicht erzählen. Ein besonderes Highlight für mich war ein Reitausflug auf Islandpferden. Ich war noch nie zuvor geritten, aber die Pferde waren gut trainiert, sehr lieb und geduldig. Es war eine superschöne Erfahrung, durch die Wälder Schwedens zu reiten und ich kann es Euch, egal ob Reitprofi oder nicht, nur empfehlen!

Mein Fazit

Ich hatte eine großartige Zeit in Avesta und kann es wirklich nur jedem empfehlen, der sein Schwedisch verbessern will und gleichzeitig eine tolle und lehrreiche Famulatur in der Inneren Medizin absolvieren möchte.

W., S.

Frankfurt am Main, Mai 2021

Stipendiatin der Auslandsstipendien 2021

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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