PJ in Tansania – Chirurgie

9. April 2021

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Fachgebiet, Land, Praktisches Jahr im Ausland, Tansania

Tansania, Moshi, Kilimanjaro Christian Medical Centre (11.01.-07.03.2021)

Nach lehrreichen und großartigen acht Wochen in der Chirurgie in der Schweizer Metropole Zürich war es für mich nicht wieder zurück nach Berlin gegangen, sondern nach Tansania! Es war die richtige Entscheidung, die zweite Hälfte meines chirurgischen Tertials am Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi verbracht zu haben. Ich habe fachlich viel gelernt und gesehen. Und ich habe mein handwerkliches Geschick am OP-Tisch deutlich schärfen können.

Beweggründe und Ziel – Tansania 2021

Malerische Stimmung in der Umgebung von Moshi – Tansania

In der Welt herrschte Chaos, als ich meine Turbinenreise nach Moshi im nördlichen Tansania antrat. Corona ließ die Welt mittlerweile seit fast einem Jahr ein wenig langsamer drehen und nationales oder internationales Reisen wurde kaum möglich, dauernd wurden Grenzen geschlossen, erneut geöffnet, neue Bestimmungen und Regeln verhängt, kurz, ich sah schon alle meine PJ-Pläne, die mich nochmalig ins Ausland führen sollten in Gefahr, förmlich klinisch tot.

So überraschter war ich, dass ich bereits die erste Hälfte meines chirurgischen Tertials in Zürich absolvieren konnte und noch mehr war ich überrascht, dass ich mich nach lehrreichen und großartigen acht Wochen in der Schweizer Metropole nicht wieder auf dem Heimweg nach Berlin sah, sondern in einem A350 der Qatar Airways, welcher mich komfortabel und mit sehr wenigen Mitreisenden via Doha zum Kilimanjaro International Airport bringen sollte. Beim Landeanflug sah man schon die schneebedeckten Berge des Kilimanjaro Massivs und musste unweigerlich an die gleichnamige Kurzgeschichte von Hemingway denken. In Zeiten, in welchen internationales Reisen und das damit verbundene, nicht zu merkende Überfliegen der weltpolitischen Bruchlinien zu einem westlichen Standard-Lebensentwurf verkommt, ist ein PJ in Tansania mit Sicherheit immer noch aufregend, doch das Einmalige an dieser Erfahrung ist abhandengekommen. Doch durch die Coronakrise hielt das Gefühl des Besonderen wieder Einzug. Es hatte schon etwas Rührendes, so ergriffen von dem Abenteuer gewesen zu sein, welches vor mir lag.

An dieser Stelle sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der damals, mittlerweile verstorbene Präsident Tansanias die Existenz von Corona verleugnete, indem er meinte, dass durch hinreichendes Beten nach einem landesweiten Gebetsmarathon, das Coronavirus besiegt worden sei. Natürlich ein Irrglaube und ein absolutes medizinisches Desaster, wie ich später ausführen werde.

Auch die Frage, warum ich für einen Teil meiner Ausbildung in den globalen Süden reisen musste und dies ausgerechnet zu Corona-Zeiten möchte ich kurz anreißen. Zum einen sehe ich mich später ehrlicherweise wohl als einen Arzt, der ein MRT und CT sehr schätzt und nahezu braucht, um eine Diagnose sicher stellen zu können. Gerade in finanziell weniger gut ausgestatteten Kliniken, wie etwa in Moshi/Tansania, sind aber diese zum westlichen Standard gehörenden Ausstattungen mitnichten in Bandbreite verfügbar und die klinische Diagnostik ist einer der wichtigsten Parameter, welcher über eine Therapie entscheidet.

Wenn der Patient fiebert, so brauche ich natürlich kein CRP, was mir dies verrät, was in Deutschland natürlich oft einfach standardmäßig mitgeklickt wird. Klinische Untersuchung und das Vertrauen auf dessen Ergebnisse sind Teile des ärztlichen Handlungsfeldes, welche in der Medizinlandschaft der Industrienationen immer blasser erscheinen. Die Errungenschaften und ständige Verfügbarkeit von Maximaldiagnostik hat mich in meinem Medizinstudium teilweise der diagnostischen Sicherheit am Krankenbett beraubt bzw. nie vermittelt und genau dies ist einer der Gründe, warum ich nach Moshi ging. Mehr „Hands on“ in der körperlichen Untersuchung unter Anleitung von Ärzten und Ärztinnen, die wirklich sehr gut in diesem sind.

Das Kilimanjaro Christian Medical Centre, in welchem ich meine Zeit zubrachte, ist ein überregionales universitäres Lehrkrankenhaus, welches internationale Partnerschaften pflegt. Man kam also nicht als „Westler“ nach Moshi, sondern als Student, welcher offen in das Kollektiv der Studierenden aufgenommen wurde, aufgenommen auf Augenhöhe. Ebenfalls handelt es sich bei Tansania um ein tropisches Land. Kolibri-Erkrankungen, die ich nun alle für das schriftliche Examen lernen musste, geraten jetzt schon wieder schnell in Vergessenheit und sind in Deutschland meist nur bei Reiserückkehrern zu diagnostizieren. Ich erhoffte mir hier mein Auge zu schärfen und die Grundlagen vieler häufiger, eher tropischer Erkrankungen besser zu erkennen und zu verstehen, sodass ich später im Zweifel solch eine Erkrankung eher nicht übersehe oder falsch deute.

Neben den oben aufgeführten medizinischen Gründen war mit Sicherheit auch das landschaftliche Spektakel einer der Gründe, nach Tansania zu reisen. Das Land wird ja immer als so reich und prachtvoll an Natur beschrieben, sodass ich Lust bekam, eine Weile in diesem wunderschönen Land zu leben und in den Austausch mit den Menschen und dem Land zu treten.

Meine Gründe sind somit keinesfalls sozialvoyeuristischen Ursprungs, sondern fußen auf dem Wunsch nach Wissenszuwachs und der Neugierde auf kulturellen Austausch.

In der Chirurgie am Kilimanjaro Christian Medical Centre

Blick auf das Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi und auf den Kilimanjaro in Tansania

Das Kilimanjaro Christian Medical Centre, kurz K.C.M.C., in Moshi, Tansania, ist ein überregionales Universitätsklinikum am Fuße des Kilimanjaro Massivs. Es bot sich sehr oft, wenn die Wolken nicht zu tief hingen, ein sehr imposanter Ausblick auf den schneebedeckten Berg und ließ einen sehr oft nur im Staunen zurück. Die Klinik selbst ist eine große Campusuniversität, an der die unterschiedlichen Fachdisziplinen und Labore auf eine Vielzahl von Gebäuden verteilt sind. Da zudem viele der Medizinstudierenden auf dem Campus leben, war jener immer recht belebt.

Für meinen achtwöchigen PJ-Aufenthalt war ich auf der allgemeinchirurgischen Station und wurde an meinem ersten Arbeitstag warm aufgenommen. Die Visite startete täglich um 7:00 Uhr und dann setzte sich ein ganzer Haufen von etwa 20 Menschen über die Flure der Station in Bewegung. Natürlich war der erste Tag auf dieser Station ein großer Schock. Man kannte zwar Bilder und Berichte von Stationen in anderen Ländern, doch anfänglich gab es doch einen recht großen Kulturschock in dieser Hinsicht. Die Zimmer waren klein und es lagen etwa 10 Patienten dicht an dicht in einem Zimmer. Die Betten waren in die Jahre gekommene Spenden aus Übersee und die elektrischen Fernbedienungen der Betten wurden nur als Klammer für die Krankenakten verwendet. Es standen überall Sauerstoffflaschen für die sauerstoffpflichtigen Patienten herum und es lag ein Stöhnen und Leiden in der Luft.

Primäres Patientengut auf dieser Station waren Kopfverletzungen nach Motorradunfällen, Verbrennungen, Amputationen, viel durch mangelnde Diabetesschulung, und Ösophagus-/Kolon-/Magen-Carcinom. Zudem lagen viele Patienten auf den Fluren. Der Flur war meist eine Zwischenstation, bis das Geld aufgebraucht war und man sich das Zimmer nicht mehr leisten konnte. Alles musste nämlich in Vorkasse bezahlt werden, egal ob Antibiose oder OP, was gerade bei der Tumorchirurgie ein Problem darstellt, da die Patienten beispielweise kommen, eine Diagnose erhalten und dann die Angehörigen das Geld für die OP etc. zusammensuchen müssen, was mitunter auch einige Wochen dauern konnte.

Auch die Wundversorgung war natürlich nicht astrein. Wundinfektionen waren an der Tagesordnung. Man gab zwar sein Bestes, jene zu vermeiden, doch waren es einfach zu viele Patienten auf engem Raum, als dass man diesem Problem wirklich Herr wurde. So wurden Reserveantibiotika eher als Standard verwendet. Besonders eindrücklich ist mir auch der Stomabeutel eines kleinen Kindes in Erinnerung geblieben, bei Zustand nach chirurgischer Versorgung einer Darmatresie. Der Stomabeutel war eine alte Tüte für Babyfeuchtigkeitstücher. Aber man gewöhnte sich doch schnell an diese Zustände und auch im OP war es kein großer Störfaktor, wenn das Licht kurzfristig ausfiel oder nicht die richtigen Instrumente verfügbar waren. Man musste improvisieren und man tat dies auf wunderbare Weise auch.

Alle Ärzte und Ärztinnen waren fachlich sehr stark und man war bemüht, dieses Wissen auch weiterzugeben. So gab es regelmäßige Lehrvisiten und auch am Tisch wurde gezeigt und erklärt. Das chirurgische Programm war zudem enorm. Eine Person beherrschte nahezu die gesamte Kinder-, Abdomen-, Rekonstruktionschirurgie sowie leichtere neurochirurgische Eingriffe, wie etwa Trepanationen. So gab es wenig Dopplung in meiner Zeit und wenn man morgens kam und auf den OP-Plan schaute, war immer ein spannender Fall aufgeführt, bei welchem man zusehen konnte oder auch, wenn man nett fragte, assistieren durfte.

Assistieren hieß hier zudem die erste Assistenz sein, also wirklich teilweise selbstständig medial zu laparotmieren oder Stoma nähen etc., oder auch mal als OP-Pflege die Instrumente anreichen, was anfänglich gar nicht so leicht war. Händisch hat man aber wirklich einiges gelernt. Vor allem bei großen Bauchchirurgischen Eingriffen durfte man viel selbst machen und hat ein Gefühl bekommen, was es heißt, chirurgisch zu arbeiten – nämlich mit den Händen. Minimalinvasive Eingriffe, wie sie in Europa Standard sind, gab es zwar auch, doch waren dies sehr wenige und selten und wurden dann nur vom Chef persönlich durchgeführt.

Im OP war es zudem immer voll. Etwa zehn Medizinstudierende aus unterschiedlichen Jahrgängen versuchten einen Blick zu erhaschen oder waren eingewaschen. Die Anästhesie war meist zu dritt und dann gab es noch 1-2 Personen in der Saalpflege. Es war also immer „Full House“ und manchmal fühlte es sich gar nicht so an, als wäre man in einem OP, so ausgelassen war die Stimmung. Steril wurde aber immer gearbeitet. Die Abdecktücher und Kittel wurden zwar nach dem Waschen wiederverwendet und es gab auch nur die Handschuhgröße 7 sowie eine eingeschränkte Auswahl an OP-Besteck, wobei die Scheren meist alle recht stumpf waren, doch ging es sich eigentlich immer aus.

Mein Arbeitstag auf der Chirurgie am K.C.M.C. in Moshi

Im OP

Ein normaler Arbeitstag sah wie folgt aus: Man konnte um 7:00 Uhr zur Visite mitgehen, was ich jedoch ab der 3. Woche nicht mehr machte. Zum einen, weil jene nicht wirklich lehrreich waren, da man zu 20 Personen um ein Patientenbett stand und dabei hier auch eine gewisse Hierarchie bestand, nämlich: je dichter, desto wichtiger. Man stand meistens recht abseits und da kulturell bedingt, auch leise gesprochen wird, verstand man so ziemlich nichts. Ebenfalls waren einige Ärzte doch recht lax mit der Maskentrageordnung, was entgegen der landesweiten Ansicht, nämlich, dass es kein Corona in Tansania gäbe, in der Klinik Pflicht war. So entschied ich mich, die Visite auszusetzen und erst zum Frühstück in die Klinik zu laufen.

So kam ich immer gegen 9:00 Uhr mit meinem Fallbuch bewaffnet und setzte mich in eins der vielen Krankenhaus eigenen Restaurants. Mein Liebling war das „Jakobs“. Man saß dort unter einem riesigen Baum und aß morgens schon recht deftig bei Kaffee und angenehmer Briese. Ich frühstückte meist etwa eine Stunde und oft traf ich dort Kollegen und Kolleginnen, die sich dazusetzten, denn für einen Plausch hatte man hier immer Zeit. Gegen 10:00 Uhr ging man dann in Richtung des Hauptkomplexes des Kilimanjaro Christian Medical Centre, wo die Operationssäle waren, schaute in den OP-Plan und stellte sich mit in den Saal oder fragte, ob man sich einwaschen dürfte. Sonst ging man auf Station, half dort aus und führte die Tätigkeiten aus, welche in der Morgenrunde für einige wenige verständlich aufgelistet wurden.

Man war jedoch auch recht frei, in die Ambulanz zu gehen und dort mit anderen Medizinstudierenden die klinischen Aufnahmen des Tages zu machen, also wirkliches „Hands On“, das, was ich mir erhofft hatte. Der Tag verging dann doch recht rasch und es gab zwischendrin immer noch die Spezialvisiten, welche oberärztlich geleitet wurden. Man wusste jedoch nie ganz genau, wann jene starteten. Man musste also dahingehend ein wenig auf Zack sein, aber das Hinterhersein lohnte sich meist. Besonders lohnend war die Kinderabteilung, da man dort mit mehr Muse und in einem angenehmeren Setting Fragen bereitwillig beantwortete und immer viel erklärte.

Ich muss aber sagen, dass der OP mein Lieblingsort war. Es war immer spannend, selbst, wenn man nur zusah, wobei selbst am Tisch zu stehen, immer das Highlight war. Es gab zudem drei parallellaufende Säle, wobei etwa jeder mit 2 OPs pro Tag bespielt wurde. Allerdings gab es für knapp drei Wochen eine Knappheit an Fluranen, sodass wir keine OPs außer den notfallmäßigen durchführen konnten, was natürlich einen unglaublichen Rückstau an Patienten bedeutete. Es gab zwar auch täglich immer eine Vielzahl an Notfällen, doch wurden die Stationen aufgrund des Staus noch voller und voller. Dienstende war dann immer recht flexibel, lag aber meist so gegen 17:00 Uhr, je nachdem, wo man gerade war.

Zum Thema Corona muss man an dieser Stelle sagen, dass ich mich wirklich oft über die Ignoranz in der Klinik ärgerte. Die täglich ankommenden Leichenwagen, welche die Toten aus dem K.C.M.C. abholten, wurden Tag täglich mehr und vor allem die Chirurgen, welche wirklich gut ausgebildet sind, haben das Problem eher wegignoriert und erst zum Schluss meiner acht Wochen wurde konsequent Maske getragen. Auf den internistischen Stationen sah dies jedoch anders aus. Dort trug man immer vorbildhaft Maske und die richtige Händedesinfektion war nicht nur ein vergilbtes Plakat an der Wand.

Zusammenfassend lässt sich über die Klinik sagen, dass es ein für Tansania sehr modernes Krankenhaus ist und ein sehr breites Therapiespektrum anbietet, was mich sehr überraschte. So werden Tumorpatienten teilweise interdisziplinär behandelt und dies leitliniengerecht, sofern man dies als Patient bezahlen kann. Dort zu arbeiten hat mich um viele Geschichten und Erfahrungen reicher gemacht, welche ich gar nicht hier alle erzählen kann. Ich kann nur einem jeden anraten, einmal in die Ferne zu gehen und den Austausch über Medizin zu wagen, denn das war meine Zeit in Tansania – eine Zeit des Austausches. An dieser Stelle sei jedoch noch erwähnt, dass durch Corona kaum Internationale als Arbeitnehmer oder Studierende an der Klinik tätig waren, was vielleicht mir das Glück verschaffte, dass alle eher neugierig und hilfsbereit waren. Ein Glück, welches ich ggf. nicht erfahren hätte, wenn es wie sonst etwa 20 internationale Medizinstudierende in ihrem Abschlussjahr am Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi wären.

Meine Unterkunft

Meine Unterkunft am Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi – Tansania

Ich lebte unweit der Klinik auf dem sogenannten Doctors Compound, einem großen eingezäunten Areal mit vielen freistehenden Häusern. Jedes Haus hatte einen riesigen und großen Garten, meiner hatte zudem einen Mango- und Avocado-Baum, sodass man immer frisches Obst für den Salat hatte. Nach der Klinik war dann zudem immer frei. Man hatte keine wirklichen Verpflichtungen und man konnte die freie Zeit vollkommen genießen. Da man auch kein Internet in der Klinik oder in seinem Haus hatte und sich immer nur per Prepaidkarte Internet auf das Handy laden konnte, was aber nicht reichte, um etwas groß zu streamen, genoss man vielmehr das warme Wetter und die Natur um einen herum. Ich saß viel in meinem Garten und las bis die Sonne unterging, oder ich flanierte zu Fuß mit einem Hörbuch oder Podcast nach Moshi-Town, was etwa eine Stunde dauerte. Man hätte natürlich für 10-20 Eurocents auch einen Motorroller nehmen können, doch fand ich die entschleunigende Wirkung des Flanierens sehr angenehm. Ferner konnte man gegen eine kleine monatliche Gebühr von etwa 20 US-Dollar den Pool einer nahegelegenen Schule mit nutzen. Es war herrlich.

Es gab zudem in fußläufiger Nähe von meinem Haus einige nette Bars und Restaurants, wie z.B. das „TamTam“, „Amuzz“ oder „Bikers“, in denen man abends für kleines Geld ordentlich essen konnte. Durch Corona waren die internationalen Medizinstudierenden vielfach ferngeblieben, sodass ich neben den einheimischen Studierenden, zu denen sich der Kontakt eher auf die Klinik beschränkte, nur zwei andere internationale Studierende kennenlernte, welche auch in der Chirurgie tätig waren. Wir trafen uns am Abend zum Kartenspielen oder machten am Wochenende den einen oder anderen Ausflug zusammen, was natürlich sehr schön war. Dennoch hatte ich unerwarteter Weise doch recht viel Zeit für mich, was ich sehr genoss. Man konnte sich an die dicken langen Klassiker wagen, welche man in Deutschland allzu oft wieder weglegte, weil das 1.000 Seitenwerk dann doch zu groß war für den Abend.

Leben in Moshi und Tansania

Blick auf den Mount Longido in der Region Arusha in Tansania

In Thomas Manns „Zauberberg“ sagt Hans Castrop Sätze wie: „Ich bin der Welt abhandengekommen.“  und ich würde sagen, im Kleinen ließe sich auch meine Zeit in Moshi ähnlich beschreiben.

Moshi selbst ist eine kleine trubelige Stadt mit vielen netten Cafés, Bars, Restaurants und einem großen Markt. Man kann dort seine Zeit zubringen und da sich zu meiner Zeit kaum Ausländer in der Stadt aufhielten, was ungewöhnlich war, da ab Moshi sonst viele Wanderungen zum Gipfel des Kilimanjaro starteten, war es angenehm, diesen Ort so fern von der sonst täglichen Geschäftigkeit des Tourismusbetriebes zu erleben. Auch die Wochenenden waren immer voll und ereignisreich, manchmal so voll, dass man sich fast schon nach der Ruhe seines Gartens sehnte, in welchem auch ab und zu Affenfamilien vorbeischauten.

Man kann in der Gegend rund um Moshi viel erleben, allerdings muss man wissen, dass die ganzen Ausflüge oft recht teuer sind. Man kann zwar viel mit Alfred, einem sehr netten Taxifahrer, seine Telefonnummer siehe unten, kostengünstig organisieren, doch sobald man in einen Nationalpark möchte, muss man offizielle Fees zahlen, die sich ordentlich gewaschen haben, teilweise hunderte von Dollar. Ich selbst habe keine Safari gemacht, da ich bereits durch Afrika mit dem Rucksack gereist bin, doch würde ich dies jedem empfehlen, wer zum ersten Mal in Afrika sein sollte. Die Serengeti ist schon sehr besonders! Sonst sind wir noch auf den „Mount Longido“ geklettert, mit Übernachtung im Zelt etc., ein wirkliches Highlight! Man lief dabei fern ab der sonst vielbesuchten Wanderwege inmitten des Gebietes der „Massai“ und erlebte die Natur in ihrer vollen Schönheit.

Auch zu den heißen Quellen sollte man fahren, am besten unter der Woche, da sind jene leer, aber auch am Wochenende gibt es dort viel zu erleben und es lohnt sich besonders, wenn die Einheimischen mit ihren Musikboxen die heißen Quellen zu einem Erlebnisort guter Stimmung machen.  Ebenfalls sollte man die Möglichkeit nutzen, eine Woche nach Sansibar zu reisen und dort ein Strandfeeling zu erleben, was Vergleichbares sucht. Aber wie gesagt, auch das Umland von Moshi lädt zum Entdecken ein und auch der Spaziergang nach Moshi-Town mit dortigem Kaffee ist ein Erlebnis.

Bewerbung und Vorbereitung

Frühstück im Garten des Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi – Tansania

Bewerbung:

  • Bewerbung ein halbes bis ein Jahr vorher, aber auch kurzfristig Anfragen sind möglich.

Kliniksprache:

  • Ärztlich stets English
  • Patientenkontakt eher Swahili, was im Chirurgie Tertial nicht ganz so dramatisch war.

Visum:

  • Lieber vorab ein J1- Studentenvisum (50$) beantragen und darauf achten, dass jenes auch bei der Ankunft in den Pass gestempelt wird. (Mir wurde fälschlicherweise ein Touristenvisum gestempelt.)

Impfungen, geforderte ärztliche Untersuchungen:

  • Gelbfieber, Tollwut Empfehlung
  • Malariaprophylaxe halte ich für überzogen, es gab wenig Mücken und mein Anti-Brum war völlig ausreichend.

Notwendige Versicherungen:

  • Auslandsreiseversicherung

Unterkunft vor Ort und anfallende Kosten:

  • 200 US-Dollar – Studiengebühr, einmalig, unabhängig von der Dauer
  • 150 US-Dollar – Miete für ein schönes Haus mit riesigem Garten und Haushaltskraft (Strom kostet extra, etwa 10$ im Monat)
  • 50 – 200 US-Dollar – Visagebühr (50$ bei vorheriger Organisation)
  • Sportclub der Internationalen Schulen mit Pool etc. etwa 20$ pro Monat (fakultativ)
  • Guter Taxifahrer für die Gegend sowie sicheren und bequemen Transport vom Flughafen etc. (50.000 TSH Stand: 2021)
    • Alfred +255 715 688 957

Mein Fazit

Einer der traumhaften weißen Strände auf Sansibar – Tansania

Abschließend möchte ich zusammenfassen, dass die Entscheidung nach Moshi zu gehen, sicherlich eine sehr richtige war! Ich habe fachlich viel gelernt und gesehen. Ich habe zwar nicht ganz, wie erhofft, meine klinische Untersuchungskompetenz ausbauen können, doch konnte ich dafür mein handwerkliches Geschick am OP-Tisch deutlich schärfen!

Es war somit die richtige Entscheidung mein chirurgisches Tertial teilweise hier am Kilimanjaro Christian Medical Centre verbracht zu haben. Da die Sprachbarrieren zu den einheimischen Patienten aber sicherlich das eine oder andere in der Klinik verpassen ließen, war es gut, ein Teil der Chirurgie hier absolviert zu haben. In der Inneren Medizin hätte ich mich wohl geärgert, wenn ich den Patienten oder die Patientin nicht verstanden hätte.

Moshi in Tansania bietet einen sehr guten Rundumschlag zwischen spannender Klinik, gemütlichem Leben und spektakulärer Natur. 10 von 10 Punkten!

K., H.

Berlin, April 2021

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