Famulatur Schweiz – Plastische Chirurgie

24. April 2021

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Land, Schweiz

Schweiz, Winterthur, Kantonsspital Winterthur (01.01-31.01.2021)

Eine Famulatur und eventuell auch ein späteres PJ-Tertial in der Schweiz zu absolvieren, war schon seit längerer Zeit mein Ziel. Nach meiner Bewerbung im Department der Chirurgie am Kantonsspital Winterthur habe ich schließlich relativ kurzfristig eine Zusage für eine Stelle in der Plastischen Chirurgie erhalten. Insgesamt war meine Famulatur trotz der erschwerten Corona-Situation eine tolle Zeit, aus der man viel mitnehmen konnte.

Mein Ziel: Die Schweiz

Ausflug an den Zürichsee in der Schweiz

Bereits vor längerer Zeit hatte ich mir vorgenommen, eine Famulatur und eventuell auch ein späteres PJ-Tertial in der Schweiz zu absolvieren. Da mein Bruder seit einigen Jahren in Zürich wohnt und ich mich dadurch schon von der einmaligen Landschaft überzeugen konnte, war es für mich naheliegend, auch eine Famulatur dort zu absolvieren.

Bewerbung und Organisation

Ausblick vom Kantonsspital auf Winterthur

Ich hatte mich ca. neun Monate vorher bei der zuständigen Ansprechpartnerin im Department der Chirurgie am Kantonsspital Winterthur beworben und doch noch relativ kurzfristig diese Stelle erhalten können. Bewerbungen können jederzeit an die entsprechende Abteilung der Klinik gerichtet werden.

Neben einem kurzen Anschreiben benötigt man den klassischen CV sowie eine Kopie der aktuellen Immatrikulationsbescheinigung seiner Heimatuniversität. Zudem wird man zusätzlich nach einer Kopie des Reisepasses bzw. Personalausweises gefragt und bekommt relativ zügig auch den Vertrag mit dem zugehörigen Personalbogen zugesendet. Ferner sollte ein aktueller Impfstatus, insbesondere was Hep B und Tetanus betrifft, vorliegen. Eine Influenza Impfung ist nicht obligatorisch. Alles in einem verlief die Bewerbung und die Kommunikation recht unkompliziert und zügig.

Anders als in den meisten anderen Ländern wird man in der Schweiz relativ gut bezahlt und erhält auch die Möglichkeit, kostengünstiger ein Personalzimmer in direkter Nähe der Klinik anzumieten. Besonders bei einem längeren Aufenthalt wie beim PJ ist dies sehr empfehlenswert, vor allem, wenn man doch kurze Arbeitswege bevorzugt und mehr Kontakt zu den anderen Medizinstudierenden sucht. Ich habe bei meinem Bruder gewohnt und bin täglich mit der S-Bahn aus Zürich nach Winterthur gependelt.

Klinikalltag am Kantonsspital Winterthur

Das Kantonsspital Winterthur in der Schweiz

Im PJ ist es üblich, eine Rotation in fast alle chirurgischen Abteilungen zu absolvieren – das Angeben von Präferenzen war aber jederzeit möglich. Ich hatte mich speziell für die Plastische Chirurgie beworben, da ich nur für eine einmonatige Famulatur nach Winterthur gekommen bin. Zudem hatte ich die Möglichkeit, auch eine Woche in die Urologie zu rotieren.

Im Gegensatz zu Deutschland erhält man in der Schweiz zumeist feste Aufgaben als Unterassistenz. Neben einem PC-Zugang zu den Patientendaten und einer eigenen E-Mail-Adresse erhält man auch ein Dosimeter, Diensthandy und eine Personalkarte mit Zugang zum OP.

Die genauen Aufgaben unterscheiden sich innerhalb der Abteilungen, meistens war man jedoch für die Patienten-Eintritte des kommenden Tages zuständig. Dies beinhaltet u.a. Indikation der OP mit einer kleinen anamnestischen Zusammenfassung. In der Urologie musste man nichts digital dokumentieren, sondern war primär in der Mittagsbesprechung für die Vorstellung der morgigen OPs und der Abklärung etwaiger operativer Risikofaktoren wie NOAK, Metformin-Einnahme etc. zuständig. Zudem war man fast täglich fest in den OPs eingeteilt.

Da nicht ausreichend Unterassistenzen zur Verfügung standen, wurde man auch häufiger in fachexterne OPs eingeteilt. Bei mir war dies hauptsächlich in der Orthopädie/Traumatologie der Fall. Obwohl das OP-Programm generell wegen Corona stark reduziert war, gab es in dieser Abteilung besonders viele geplante OPs als auch Notfall-OPs. In der Regel hat man im Monat zwei bis drei, manchmal auch vier Pikettdienste (einer am Wochenende für Notfall-OPs), für die ich auch als Famulantin fest eingeplant wurde. Diese Pikettdienste gingen von 7:00 Uhr bis 18:00 Uhr – meistens wurde man aber nicht angerufen.

Auf meinen beiden Abteilungen konnte man meistens jederzeit die Ärztinnen/Ärzte auf die Visite oder in die Ambulanz mitbegleiten. Einige Einschränkungen gab es wegen Corona. Frühbesprechungen fanden in der Plastischen Chirurgie weiterhin regulär statt.

Meine Famulatur in der Plastischen Chirurgie

Der Beginn meiner Arbeitszeit war 7:30 Uhr mit der Frühbesprechung. Einmal pro Woche um 7:15 Uhr mit einer vorher stattfindenden Assistenzarztfortbildung. Die Frühbesprechung ging meistens ca. 20 min. Danach ist man mit den Ärztinnen/Ärzten erstmal einen Kaffee trinken gegangen. Warme Getränke aus dem Automaten waren wegen der Pandemie kostenlos. Danach konnte man direkt mit auf Visite gehen, die fast täglich von einem anderen Arzt übernommen wurde, daher einfach gut nachfragen und mitlaufen, oder es ging in den OP-Saal. Zuschauen war jederzeit erlaubt, auch wenn man nicht direkt für eine OP eingeteilt wurde.

Zusätzlich hatte die Plastische Chirurgie 1-2-mal pro Woche einen separaten ambulanten Saal mit kleineren Eingriffen, wobei man auch assistieren konnte. Alternativ konnte man auch die jeweiligen Oberärztinnen/Oberärzte oder Assistenzärztinnen/Assistenzärzte in die Ambulanz begleiten. Dabei gab es die Möglichkeit, entweder mit in die Hand oder in die Plastische Sprechstunde zu kommen. Das Eintragen der Eintritte für den kommenden Tag konnte man sich flexibel am Tag erledigen. Gegen kurz vor 12:00 Uhr ist man meistens direkt mit den Ärztinnen/Ärzten auf Station oder aus der Ambulanz essen gegangen. Im OP hatte man die Möglichkeit, im Aufenthaltsraum kostenlos Suppe zu essen oder sich gar etwas aus der Mensa bestellen zu lassen. Den Nachmittag konnte man relativ frei gestalten und durfte sofern alle Aufgaben erledigt waren und es keine Fortbildung gab, durchaus auch mal etwas früher gehen. Offizielles Arbeitsende war ansonsten stets gegen 17:00 Uhr.

Absolutes Highlight in der Plastischen Chirurgie bleiben die verschiedenen Lappenplastiken insbesondere im Rahmen einer Brustrekonstruktion. Daher sollte man die Assistenz bei einer solchen OP unbedingt mal gemacht haben! Der Arbeitsalltag in der Urologie verlief recht ähnlich. Hierbei kann ich empfehlen besonders bei einer Pigtail-Katheter Entfernung zu assistieren. Fragen konnten immer gestellt werden.

Aufgrund von Corona hatte sich der tatsächliche Patientenkontakt auf ein Minimum beschränkt. Entsprechende Untersuchungen/Anamnesen wurden meist direkt von den Assistenzärztinnen/Assistenzärzten übernommen. Im OP war die Atmosphäre meist sehr angenehm und man durfte, abhängig vom Operateur, auch zunähen, Drainagen legen etc.

Mindestens einmal in der Woche gab es eine Assistenzarzt- oder eine Unterassistenzweiterbildung, an denen man teilnehmen konnte. Präsenz wurde bei der letzteren auch erwartet. Diese wurden sehr interaktiv gestaltet und es gab zudem die Möglichkeit, auch an einem wirklich guten Nahtkurs teilzunehmen. Dieser ist auch trotz Vorerfahrung definitiv zu empfehlen, um mehr Routine zu erhalten.

Generell sind die Hierarchien in einer Schweizer Klinik flacher als in Deutschland. So ist man, wenn nichts anderes explizit erwähnt wurde, mit dem Chefarzt per Du. Somit wird eine deutlich entspanntere Arbeitsatmosphäre geschaffen, auch wenn die Arbeitszeiten in der Schweiz für Famuli/PJler etwas länger sind als in Deutschland.

Und die Freizeit!

Ein Traum für Skifahrer – Lenzerheide im Kanton Graubünden in der Schweiz

Die Schweiz eignet sich im Winter wunderbar zum Skifahren. Die meisten kleineren Skigebiete sind gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und eignen sich bestens für einen Tagesausflug, ein Auto ist aber dennoch zu empfehlen. Trotz Corona blieben die Skigebiete bis auf die Gastronomie weiterhin geöffnet. Preistechnisch konnte man teilweise auch ein Skitagesticket für 30-35 Franken ergattern. Laut Arbeitsvertrag stehen den Unterassistenten am C auch zwei Urlaubstage pro Monat zu. Es waren auch einige PJler aus Deutschland hier, wodurch man schnell Anschluss gefunden hat.

Am Wochenende bin ich meistens mit meinem Bruder Skifahren gegangen. Hierbei eignen sich u.a. „Flumserberg“, „Pizol“, „Engelberg“ und „Lenzerheide“. Letztere sind größere Skigebiete. Freizeittechnisch ist Zürich von Winterthur aus innerhalb von 20 min gut zu erreichen.  Im Sommer kann man u.a. im Zürichsee schwimmen oder am „Limmat“, einem Fluss, der durch Zürich fließt, Gummiboot fahren gehen. Aufgrund von Corona waren im Winter die Freizeitaktivitäten innerhalb der Stadt leider deutlich eingeschränkter als sonst.

Mein Fazit

Willkommen in der Schweiz – Blick auf das Skigebiet in Lenzerheide im Kanton Graubünden

Insgesamt war meine Famulatur am Kantonsspital Winterthur trotz der erschwerten Corona-Situation eine tolle Zeit, aus der man viel mitnehmen konnte. Das Schweizer System unterscheidet sich doch in einigen Punkten von dem in Deutschland. Daher kann ich eine Famulatur oder ein PJ-Tertial dort unbedingt empfehlen, da man auch ein paar Fähigkeiten wie zum Beispiel Patientendokumentation und Vorstellung etc. hinzulernt, die in einer deutschen Famulatur doch etwas untergehen.

Carolin Jamros

Frankfurt, April 2021

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