Famulatur in Südafrika – Traumatologie

22. September 2020

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Land, Südafrika, Traumatologie

Südafrika, Johannesburg, Chris Hani Baragwanath Academic Hospital (25.02-31.03.2019)

Die Meisten, die diesen Erfahrungsbericht lesen, wissen schon, warum sie zu einer Famulatur oder einem PJ-Abschnitt an das Chris Hani Baragwanath Academic Hospital in Johannesburg wollen. Für Alle, die es nicht wissen: Nirgendwo kann man so viel über Traumatologie und Notfallmedizin lernen, nirgendwo kann man als Medizinstudent so viel Verantwortung übernehmen, nirgendwo wird einem so viel Verantwortung in so kurzer Zeit zugemutet. Natürlich war die Arbeit am „BARA“ sehr belastend, teilweise eine Grenzerfahrung. Ich habe viel Medizin, viel über das Land und viel über mich gelernt!

Das „BARA“!

Schockraum am Chris Hani Baragwanath Academic Hospital in Johannesburg

Die Meisten, die diesen Erfahrungsbericht lesen, wissen schon, warum sie an das Chris Hani Baragwanath Academic Hospital in Johannesburg wollen. Für Alle, die es nicht wissen: Nirgendwo kann man so viel über Traumatologie und Notfallmedizin lernen, nirgendwo kann man als Medizinstudent so viel Verantwortung übernehmen, nirgendwo wird einem so viel Verantwortung in so kurzer Zeit zugemutet. Das Chris Hani Baragwanath Academic Hospital, genannt „BARA“, liegt im ehemaligen Township Soweto Johannesburg und gilt mit über 3.200 Betten als das größte Krankenhaus Afrikas und der südlichen Hemisphäre sowie das drittgrößte der Welt. Es ist neben dem Charlotte Maxeke Hospital das zweite große Lehrkrankenhaus der University of the Witwatersrand in Johannesburg.

Unter südafrikanischen Medizinstudenten und Ärzten hat das Chris Hani Baragwanath einen nahezu legendären Status, da es als einziges Krankenhaus für den Problembezirk Soweto, mehr als eine Million Einwohner, zuständig ist und es deswegen ein selbst für südafrikanische Verhältnisse enorm hohes Aufkommen an Akutpatienten und Schwerverletzten gibt. So kann es durchaus vorkommen, dass man in einer Nacht 15 bis 20 durch Schuss- und Stichwaffen verletzte Patienten behandeln muss. Nicht ohne Grund schickt die Bundeswehr ihre Chirurgen zu Ausbildungszwecken an das Chris Hani Baragwanath Academic Hospital, um sie auf spätere Auslandseinsätze z.B. in Afghanistan vorzubereiten. Manchmal kommt es wegen der Fülle an Medizinstudenten zu „deutschen Abenden“, an denen deutsche Medizinstudenten und Bunderwehr-Chirurgen und Anästhesisten die Notaufnahme allein betreuen.

Kombiniert man dieses einmalige Patientenaufkommen mit dem Personalmangel in Südafrikas Krankenhäusern, einem funktionierenden multinationalen Team aus Ärzten und Studenten, dann erhält man ideale Voraussetzungen, um aus nächster Nähe Traumatologie zu lernen.

Bewerbung und Vorbereitung

Vor der Bewerbung muss man sich im Klaren sein, ob man wirklich an das „BARA“ möchte, andernfalls lohnt sich der Aufwand nicht. Die Zeit in Südafrika wird nicht erholsam sein und ist keinesfalls ein Urlaub!

Man bewirbt sich direkt im Admission Office der University of the Witwatersrand auf ein „Clinical Elective“. Dafür muss man folgende Unterlagen anfügen:

  • CV
  • Letter of Recommendation der Heimatuniversität
  • HPCSA Form 8
  • Form A der Wits University
  • Kopie des Reisepasses

Die Formulare stehen auf der Seite der University of the Witwatersrand zum Download bereit. Anschließend schickt man die Unterlagen im Original nach Südafrika an das Admission Office, am besten zusätzlich als digitale Kopien per E-Mail. Der Versand kann wegen der sehr unzuverlässigen südafrikanischen Post sehr lange dauern, bis acht Wochen, teilweise kommen Pakete gar nicht an. Es ist deswegen zu empfehlen, zumindest einen Versand mit Versicherung und Sendungsverfolgung auszuwählen. Ganz wichtig ist es, sich von der Heimatuniversität eine zweite HPSCA Form 8 ausstellen zu lassen, damit man sich notfalls auch mit dieser in Pretoria als Medizinstudent registrieren kann – doch dazu später mehr.

Bewerbungsgebühren musste man zum Glück nicht entrichten, allerdings fielen vor Ort Studiengebühren an, die zwar vom Wechselkurs abhängen, aber bei meinem Aufenthalt um die 500 Euro pro Monat betrugen. Empfehlen möchte ich an dieser Stelle das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de!

Ein Visum musste ich bei meiner Famulatur im Frühjahr 2019 nicht beantragen. Ich empfehle aber trotzdem, unbedingt vor der Einreise bei der Südafrikanischen Botschaft nachzufragen. Auch bezüglich der notwendigen Impfungen, z.B. gegen Gelbfieber, sollte man sich rechtzeitig beim Tropeninstitut informieren.

(Anm.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird). 

Wegen der Sicherheitslage in Südafrika und dem Arbeitsumfeld am „BARA“ sollte man zudem auf jeden Fall auch eine Auslandskrankenversicherung haben, die im Notfall den Rücktransport nach Deutschland übernimmt. 

Wichtig! Die fachliche Vorbereitung!

Brandverletzung

Notfallmedizinisches Wissen ist natürlich wichtig: ATLS, Advanced Life Support, Zugänge (arterielle und venöse), Röntgenthorax Auswertung, Sonografie (insbesondere FAST) und Nahttechniken. Orthopädische und neurologische Untersuchungen sollten beherrscht werden. Internistisch sollte man BGAs zuverlässig interpretieren können. Man kann am Chris Hani Baragwanath auch vieles neu lernen, allerdings ist eine solide Grundlage gerade in den ersten Tagen hilfreich, um nicht nutzlos herumzustehen. Auch sind die Ärzte im „BARA“ praktisch sehr erfahren, müssen aber aus Ressourcengründen häufig von der lege artis abweichen und kennen das nach westlichem Standard korrekte Vorgehen nicht mehr. Eine solide theoretische Grundlage erlaubt, dies zu erkennen und im Hinterkopf zu behalten.

Wegen der häufigen Nadelstichverletzungen empfehle ich dringend, HIV-Postexpositionsprophylaxe aus Deutschland mitzubringen! Diese sollte man während einer Schicht immer mit sich führen. Die PEP sollte wenigstens für drei Tage reichen; in der Zeit kann man sich ein Medikament in Südafrika besorgen.

Ankunft in Südafrika und Sicherheit

Blick auf die Downtown von Johannesburg

Wegen der schwierigen Sicherheitslage gehe ich auf diesen Punkt besonders ein.  Südafrika ist ein gefährliches Land mit hoher Kriminalitätsrate und vielen Gewaltverbrechen. Die Bedrohung durch Gewalt ist allgegenwärtig. Deshalb sollte man schon zu Beginn der Reise vorsichtig sein und sich vom Flughafen abholen lassen oder einen Mietwagen nehmen. Es empfiehlt sich Avis: „Car where you are“, ungefähr 10 Euro pro Tag. Sobald man sich etwas akklimatisiert hat, Johannesburg liegt auf 1.800 Metern Höhe, sollte man sich um eine Sim-Karte und einen Mietwagen bemühen. Der öffentliche Personenverkehr ist in Südafrika wenig ausgebaut und nicht sicher. Die vielen privaten Sammeltaxis, meist weiße Toyota Vans und Kleinbusse, fahren aggressiv und verursachen ein Viertel des Patientenaufkommens in der Trauma Notaufnahme am „BARA“.

Während meiner Zeit in Johannesburg habe ich mehrfach in nächster Nähe Überfälle gesehen. Überfälle in Südafrika werden mit einem unglaublich hohen Maß an Gewalt ausgeübt. Die Hemmschwelle, einen Menschen schwer zu verletzen oder sogar zu töten, ist sehr niedrig. Es gibt sehr liberale Waffengesetze, vergleichbar mit denen in den Vereinigten Staaten. Sollte man in einen Überfall geraten, ist es deswegen wichtig, ganz ruhig zu bleiben und keinerlei Gegenwehr zu leisten, um eine Gewalteskalation nicht zu provozieren.

Ebenso wichtig ist es aber natürlich, gar nicht erst in solche Situationen zu kommen. Man muss wachsam sein, wenn man sich außerhalb von gesicherten Orten bewegt. Hier bietet ein eigenes Fahrzeug einen gewissen Schutz gegen Überfälle, allerdings kann man auch unter Brücken, an Ampeln und Kreuzungen angegriffen werden. Auch Reißleinen gegen die Reifen werden ausgezogen. Besonders perfide sind Kartons, die scheinbar leer auf der Straße liegen, aber mit Beton gefüllt sind. Deswegen ist die Streckenauswahl wichtig. Man darf sich nicht auf Google Maps verlassen, denn Google weiß nicht, welche Viertel gefährlich sind. Wenn man sich verirrt hat, auf keinen Fall einfach am Seitenstreifen halten, sondern auf einen gesicherten Parkplatz oder in eine Garage einfahren. Nachts hält man an roten Ampeln nicht mehr an. Niemals darf man Leute mitnehmen. Auch sollte man bei Straßenverkäufern und Bettlern sehr vorsichtig sein und die Fenster immer oben lassen.

Auch wenn Südafrika gefährlich ist, darf die Vorsicht nicht dazu führen, dass man sich in der Reiseerfahrung massiv einschränkt oder vor Angst nichts von Südafrika erlebt. Das Risiko gehört bei so einer Auslandserfahrung einfach dazu.

Die Unterkunft! 

Hier kann ich die Unterkunft „Elective Accommodation“ von Christine Loukakis in der Nähe des „BARA“ vorbehaltlos empfehlen. Dort sind sehr viele Medizinstudenten und ausländische Ärzte untergebracht, die einem gerade in den ersten Tagen weiterhelfen können und mit denen man schnell Kontakte knüpft. Christine organisiert häufig Grillabende, man backt Pizza zusammen und feiert Geburtstage oder den wohlverdienten Feierabend.

Von unschätzbarem Wert ist aber die Hilfe, die Christine einem anbietet. Von der Frage, wie man nach Pretoria kommt, um sich für das HPCSA, Health Professions Council of South Africa, als Medizinstudent zu registrieren bis hin zu einem Ausflug in den Krüger Nationalpark oder nach Kapstadt. Christine kennt überall Menschen und hat für alles eine Empfehlung und für jedes Problem eine Lösung:

http://www.elective-accommodation.co.za/

Wer für ein ganzes PJ-Tertial nach Johannesburg geht, sollte sich überlegen, ob nicht eine richtige Wohnung sinnvoller ist, um wirklich im Land anzukommen und nicht die ganze Zeit von ausländischen Medizinstudenten umgeben zu sein.

Egal, wo man unterkommt, ein Waschservice oder zumindest der Zugang zu einer Waschmaschine ist wichtig, da man die vollgesauten Scrubs nach der Schicht mit nach Hause nimmt und selbst reinigen muss.

Der erste Tag!

Angeketteter Patient am BARA

Der erste Tag beginnt nicht in der Klinik, sondern im „Admission Office“ in Braamfontein, Johannesburg, wo man sich seine ausgefüllte HPCSA Form 8 abholt, mit der man dann nach Pretoria muss. Die Einzelheiten werden im „Admission Office“ erklärt, allerdings war es für mich enorm hilfreich, dass ein anderer Medizinstudent aus meiner Unterkunft diesen Trip mit mir gemacht hat. Gerade die Orientierung und der Linksverkehr sind den ersten Tagen doch sehr herausfordernd. Die Wartezeit in Pretoria kann gerne auch mal 6 – 8 Stunden betragen. Wenn es möglich ist, kann man diesen Schritt auch vor Beginn seiner Famulatur durchführen und dann am ersten Tag pünktlich anfangen. 

Ich bin dem Rat anderer Medizinstudenten gefolgt und habe meinen ersten Dienst am Chris Hani Baragwanath Academic Hospital nicht Montagmorgen, sondern Sonntagabend begonnen. Um 19:00 Uhr war ich in der Trauma-Notaufnahme am „BARA“. Um 19:10 Uhr kamen sechs Schwerverletzte aus einer Schießerei in einer Bar. Für lange Vorstellungen oder Einweisung blieb deswegen keine Zeit. Ich habe einfach sofort mitgeholfen und versucht, nicht zu viel im Weg zu stehen. Der Abend ging für mich so weiter, so dass ich morgens um 7:00 Uhr völlig erschöpft meine erste Übergabe erlebt habe.

Ein typischer Arbeitstag am „BARA“! 

Schockraum am Chris Hani Baragwanath Academic Hospital in Johannesburg

Ein typischer Arbeitstag am Chris Hani Baragwanath beginnt um 07:00 Uhr morgens und endet am nächsten Morgen gegen 10:00 Uhr nach der Übergabe (27Stunden Dienst). Es wird erwartet, dass man drei solcher Schichten pro Woche macht. Als ausländischer Medizinstudent ist man natürlich nicht in der gleichen Weise dazu gezwungen, wie es bei einheimischen Studenten der Fall ist. Allerdings sollte man schon mindestens zwei Schichten die Woche übernehmen, da man sonst ganz schnell Ansehen innerhalb des Teams verliert und man als Drückeberger dasteht. Wenn man aber regelmäßig guten Einsatz zeigt, kann man auch absprechen, dass man mal über ein verlängertes Wochenende in den Krüger Nationalpark oder nach Durban oder Kapstadt möchte. Überhaupt ist der Zusammenhalt im Team unglaublich stark; jeder springt für jeden ein! Die enorme Belastung schweißt die Studenten, PJler und Assistenzärzte zusammen.

Zu Schichtbeginn findet die Übergabe statt, die erst in der Trauma Notaufnahme beginnt und dann auf der chirurgischen Station endet. Danach übernehmen die Medizinstudenten Aufgaben wie Blutabnahmen, BGAs, Verbandswechsel und Dokumentation auf der Station. Sobald diese Arbeit abgeschlossen ist, geht man wieder zurück in die Trauma Notaufnahme. Dort gibt es zwei Bereiche. Einerseits den Schockraum für maximal 18 Schock-Patienten und den „Surgical PIT“, kurz „SPIT“ genannt, in welchem in 15 Kabinen kleinere und größere! Eingriffe außerhalb des OP vorgenommen werden können. In diesen Kabinen habe ich unglaublich viel in gekrümmter Körperhaltung bei schlechtem Licht, pseudosteril, genäht. Das war einerseits enorm lehrreich, weil auch tiefe, viellagige Nähte an gefährdeten Strukturen (Gesicht, Hals) von Studenten durchgeführt werden, andererseits aber auch enorm anstrengend. Ich habe selten so viel geflucht. Die anstrengendste Arbeit ist aber sicherlich das „Scrubbing“, das Entfernen von Haut bei Brandverletzten.  

Für alle Eingriffe erschwerend, ist die teils miserable Kommunikation mit den Schwestern. Die Schwestern am „BARA“ stehen den größtenteils europäischen Medizinstudenten sehr negativ gegenüber. Das ist sicherlich auch und darauf zurückzuführen, dass die Schwestern häufig das Gefühl haben, das ihnen teilweise ahnungslose Studenten aus dem Ausland als Übergeordnete vorgesetzt werden. Die Arbeitsverweigerung der Schwestern betrifft jedoch auch ausgebildete ausländische Fachärzte. Es ist unverständlich, dass man ewige Diskussionen darum führen muss, Schmerzmittel und Lokalanästhesie ausgehändigt zu bekommen, auch wenn Patienten dafür offensichtlichen Bedarf haben. Die Schwestern geben vielen Patienten selbst die Schuld für ihre Verletzung, insbesondere dann, wenn die Patienten aus dem Problembezirk „Soweto“ stammen und in gewaltsame Auseinandersetzungen verwickelt waren oder intoxikiert sind. 

Demgegenüber steht aber ein enormer Teamgeist beim ärztlichen Personal, unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft. Alle waren jederzeit bereit, für andere einzuspringen und ich habe es mehrfach erlebt, dass Assistenzärzte an sehr stressigen Tagen noch einmal abends zurück in die Klinik gekommen sind, obwohl sie bis zum Morgen schon 30 Stunden gearbeitet hatten. Dieser Teamgeist erstreckt sich auch auf die internationalen Medizinstudenten. Die Ärzte danken nach einem Dienst immer den Studenten, da sie wissen, dass ohne den Einsatz der einheimischen und ausländischen Studenten der Klinikbetrieb nicht aufrechterhalten werden kann. Vor allem die jungen südafrikanischen Ärzte, die sich selbst noch sehr gut an den Druck in ihrer eigenen Ausbildungszeit erinnern können, sind sehr hilfsbereit und erklären auch in Stressphasen mit hohem Patientenaufkommen viel.

In der Trauma Notaufnahme kann man intubieren, Pleura Drainagen und ZVKs legen. Desweitern übt man ständig Sonografien und Thorax- und CT-Befundung. Natürlich sind auch orthopädische und neurologische Fähigkeiten gefragt. Man kann einen Patienten aus dem Schockraum auch weiter in den OP begleiten.

Arbeitsbelastung

Die Notaufnahme am BARA morgens – leer

Die Arbeit ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch sehr belastend. Einerseits möchte man keine Fehler machen, andererseits wird ein Patient möglichweise nicht versorgt, wenn man es nicht selbst übernimmt. Dieser Konflikt begleitet einen ständig im Krankenhaus und man muss sich fragen, ob man den Eingriff, den man vornehmen möchte oder vornehmen soll, mit dem eigenen Gewissen vereinbaren kann. Die Patienten sprechen kein Englisch, haben wenig Bildung, keine Ressourcen und sind Ärzten, Medizinstudenten und Schwestern in gewisser weiser Weise hilflos ausgeliefert.

Ich habe hohen Respekt vor einem Kommilitonen, der sein PJ in Südafrika abgebrochen hat, weil er die teilweise entwürdigende Behandlung der Patienten nicht tolerieren konnte. Der Einsatz und die Leistungsbereitschaft der Studenten sorgen leider auch dafür, dass sich nichts ändern wird, weil es ja so funktioniert.

Letztendlich muss man sich ein bisschen entrücken, um den Klinikalltag auszuhalten; man kann nicht 27 Stunden unter hohem Druck einfühlsam sein. Rückblickend, erlebt man den ganzen Tag menschliche Tragödien – von getöteten Angehörigen, verlorenen Gliedmaßen und verbrannten Kindern. Und trotzdem berührt einen das nach ein paar Tagen nicht mehr so. Man trinkt eine Cola, während daneben ein Kind vor Schmerzen wimmert oder jemand einen Angehörigen verloren hat. Das „BARA“ bietet vielen armen Menschen den einzigen Zugang zu halbwegs moderner Medizin, es hinterlässt aber in vielen Psychen eine Spur der Verwüstung.

Johannesburg

Djala Ne – Tour durch Hillbrow und Ponte Tower in Johannesburg

Johannesburg ist die größte Metropole Südafrikas und das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum des Landes. Man kann an der Stadt selbst die Entwicklung Südafrikas und die Geschichte der Apartheit nachvollziehen. Es gibt ein Stadtzentrum (Downtown), das von vielen als „No-Go-Area“ angesehen wird, schicke „Suburbs“ , früher vor allem für die Weißen, heute auch für die schwarze Mittel- und Oberschicht, und die „Townships“, ehemalige Gebiete für Schwarze unter der Apartheid.

Nach dem Ende des Apartheid Regimes kam es zu einem massiven Zuzug von Schwarzen in das ehemals der weißen Bevölkerung vorbehaltene Downtown. Die weiße Bevölkerung floh in die Vororte – zum Beispiel Sandton. Als dann in den 90er Jahren eine Flüchtlingswelle aus Zentralafrika nach Südafrika einsetzte, wurden die Viertel in Downtown zu Slums. In manchen Hochhäusern lebten 25.000 Menschen. Gewalt, Abhängigkeit und illegale Prostitution bestimmen auch heute noch den Alltag in vielen dieser Viertel, wie zum Beispiel „Hillbrow“. 

Inzwischen gibt es aber auch wieder Viertel im Zentrum, in denen sich Künstler und Studenten ansiedeln. Auch die in „Braamfontein“ nahe dem Zentrum gelegene University of the Witwatersrand hat viele Studenten in das Zentrum gezogen und sehr lebendige Viertel geschaffen. Es gibt sehr viele Cafés und Bars, Clubs, Food Courts, Märkte und Restaurants. Mich hat das Zentrum wegen seiner Multikulturalität immer mehr interessiert als die Vororte. Aus ganz Afrika kann man hier kulinarische Leckerbissen genießen und man erlebt eine ganz eigene Identität der Downtown Bewohner. Bei aller Begeisterung muss man aber natürlich daran denken, dass viele Viertel Downtowns gerade nach Einbruch der Dunkelheit wirklich gefährlich sind.  

Hier eine kleine Auswahl meiner Highlights:

  1. Bester Kaffee: „Bean There Coffee Company “, Milpark JHB. Ist locker 40 Minuten Autofahren nach einer langen Schicht wert.
  2. “Neighbourgoods Market” – sehr gutes Essen, Live Musik, wenig Touris
  3. „Apartheid Museum“ – sehr eindrücklich, sehr spannend, viele Bilder auch aus der Geschichte des „BARA“. Sollte man zu Beginn der Reise machen, da man die Gesellschaft besser versteht.
  4. “Northcliff Hill View Point” am alten Wasserturm
  5. „Djala Ne“ – Tour durch „Hillbrow“ und „Ponte Tower“. Beeindruckend! Auf jeden Fall machen!

Südafrika

Malerischer Sonnenuntergang in Kapstadt

Es droht den Rahmen dieses Artikels zu sprengen, deswegen sei kurz angemerkt, dass man nicht nur in Johannesburg bleiben sollte. Ich war während meiner Famulatur für vier Tage in Durban am Indischen Ozean, dies war eine wunderbare Erholung.

Nach meiner Famulatur bin ich noch nach Kapstadt geflogen und habe dort eine wunderbare, sehr erholsame Woche verbracht. Kapstadt, das darf man sich nicht entgehen lassen. Wer liberal eingestellt ist, dem kann ich das „Longstreet Backpackers“ empfehlen. Wenn man bei AVIS sein Auto gemietet hat, kann man sich am Flughafen in Kapstadt einfach ein neues holen. Dies erlaubt einem auch wirklich bis ans Kap in den Süden zu fahren und die einsamen, wunderschönen Strände des Atlantiks und des indischen Ozeans zu besuchen.

Fazit meiner Auslands-Famulatur

Auch wenn ich manches Negatives schreiben musste, denke ich mit Sehnsucht an meine Zeit in Südafrika zurück. Natürlich war die Arbeit am Chris Hani Baragwanath Academic Hospital in Johannesburg sehr belastend, teilweise eine Grenzerfahrung. Ich habe viel Medizin, viel über das Land und viel über mich gelernt. Nirgendwo kann man dieses Land und seine Konflikte so gut verstehen wie am „BARA“. Südafrika hätte das Potential, das Paradies auf Erden zu sein, leider ist es davon noch weit entfernt.

Letztendlich fällt es aber schwer, die gemachte Erfahrung einem Außenstehenden wirklich zu vermitteln. Deswegen: Wer sich in ein Abenteuer stürzen will, dem sei diese Reise empfohlen“.

L., C.

Berlin, Juni 2020

Stipendiat der Auslandsstipendien 2018

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.