Forschungsaufenthalt in Neuseeland – Endokrinologie

13. August 2020

in Chancen im Ausland, Endokrinologie, Fachgebiet, Forschung im Ausland, Land, Neuseeland

Neuseeland, Auckland, The Liggins Institute, University of Auckland (01.09.-13.11.2019)

Der Weg zum Arzt ist zunächst einmal durch ein gut gefülltes Curriculum geprägt. Deswegen eignen sich Auslandspraktika, um ein wenig über den „Tellerrand des deutschen Medizinstudiums“ hinauszuschauen: Wie sieht die Facharztausbildung in anderen Ländern aus? Möchte ich später klinisch und/oder in der Forschung tätig sein? Um meine persönliche Antwort auf diese Fragen zu finden, entschied ich mich, vor Beginn des Praktischen Jahres für ein Forschungspraktikum ins Ausland zu gehen.

Etwas Geduld ist gefragt – Die Bewerbung

Der Campus der Medizinischen Fakultät der University of Auckland

Nachdem der Entschluss gefasst war, nach dem 2. Staatsexamen für ein Forschungspraktikum ins Ausland zu gehen, begann der Bewerbungsprozess. Zunächst hatte ich mir Gedanken gemacht, was ich von dem Forschungsaufenthalt erwarte. Im Rahmen meiner Doktorarbeit in Deutschland konnte ich Erfahrungen in grundlagenwissenschaftlicher, experimenteller Forschung sammeln, nun wollte ich einen Einblick in klinische Forschung erhalten. Da ich mir eine Weiterbildung zum Facharzt für Endokrinologie und Diabetologie vorstellen kann, suchte ich gezielt nach Forschungsprojekten mit endokrinologischem Bezug.

Da ich zudem mein Englisch in einem beruflichen Kontext aufbessern wollte, begann ich, Initiativbewerbungen nach Neuseeland, Australien und in die USA zu schicken. Ein Forschungspraktikum außerhalb des universitären Curriculums scheint in diesen Ländern nicht allzu üblich zu sein, sodass etwas Geduld und Ausdauer in der Bewerbungsphase gefragt waren. Umso größer war daher meine Freude über die positive Rückmeldung einer Professorin der University of Auckland. Sie erkundigte sich nach zwei Referenzpersonen und lud mich, nachdem sie mit meinem Doktorvater und einem Professor, in dessen Praxis ich famuliert hatte, in Kontakt getreten war, zum Skype-Interview ein. Danach erhielt ich die finale Zusage.

Vorbereitung

Da ich während eines Schüleraustauschs bereits für sechs Monate in Auckland gelebt hatte, war der Plan, in diese Stadt zurückzukehren, natürlich mit der Vorfreude behaftet, meine Gastfamilie und meine High-School-Freunde wiederzusehen. Zudem erleichterten meine Kontakte nach Neuseeland auch die Vorbereitung des Auslandsaufenthalts.

Weil ich weniger als drei Monate in Neuseeland war und keine Vergütung erhalten habe, musste ich kein Visum beantragen. Die Bestimmungen haben sich allerdings noch während meines Aufenthalts geändert, sodass inzwischen ein Visum notwendig ist.

(Anm.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird).

Spezielle Versicherungen oder ein Gesundheitszeugnis musste ich für das Praktikum nicht nachweisen. Ich hatte aber natürlich eine Auslandskrankenversicherung (über die Barmenia) abgeschlossen.

Von neuseeländischen Freunden wurden mir neben Facebook-Gruppen die Internetseiten www.trademe.co.nz und www.canz.co.nz zur Wohnungssuche empfohlen. Ich habe allerdings schnell festgestellt, dass WG- und Wohnungsinserate sehr kurzfristig eingestellt werden und somit dankend das Angebot meiner Gasteltern angenommen, die ersten Wochen bei ihnen zu wohnen. So konnte ich mir in Ruhe vor Ort ein WG-Zimmer suchen. Leider sind die Mietpreise in Auckland hoch und die freien Wohnungen rar. Aber auch hier gilt: Mit etwas Geduld findet man auch etwas.

Um mich inhaltlich auf das Praktikum vorzubereiten, habe ich verschiedene Publikationen der Forschungsgruppe gelesen. Im Rahmen des Skype-Gesprächs hatte sich bereits herauskristallisiert, in welcher klinischen Studie ich mitarbeiten würde, sodass ich mich gezielt darauf vorbereiten konnte.

Da ein Auslandsaufenthalt natürlich mit Kosten verbunden ist, lohnt es sich, sich frühzeitig Gedanken über eine entsprechende Finanzierung zu machen. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich bei meiner Auslandserfahrung durch das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de unterstützt wurde.

In neuseeländischen Krankenhäusern werden keine Kittel getragen und der Kleidungsstil ist eleganter als die neuseeländische Alltagskleidung. Wenn man also im Krankenhaus arbeitet, sollte man daran denken, ein paar Blusen/Hemden einzupacken. Neuseeländische Häuser sind sehr schlecht isoliert und eine Zentralheizung gibt es i.d.R. auch nicht, deswegen sollte man, falls man nicht im Hochsommer nach Neuseeland fährt, warme Kleidung für zuhause/zum Schlafen einpacken.

Meine Arbeit am The Liggins Institute in Auckland

Das Auckland City Hospital, eines der größten Krankenhäuser des Landes

Das Liggins Institut ist ein Forschungsinstitut der University of Auckland, das sich mit den Langzeitfolgen und der Prävention von sogenannten „early life events“ beschäftigt. Wie im Voraus mit der zuständigen Professorin abgesprochen, war ich hauptsächlich in eine große randomisierte klinische Studie über Schwangerschaftsdiabetes involviert. Meine Aufgabenbereiche waren sehr abwechslungsreich. So führte ich Untersuchungen von Studienteilnehmern – also Müttern und Babys – durch, half bei der Datenextraktion aus Patientenakten und der Verwaltung der Datenbank.

Mindestens einmal pro Woche fuhr ich in ein Krankenhaus im südlichen Teil von Auckland, wo ich neben meiner Arbeit im Rahmen der klinischen Studie auch an Visiten und Konsilen auf der Neugeborenen Intensivstation teilnehmen konnte. Der zuständige Oberarzt hat sich viel Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten und Untersuchungen von Patienten unter seiner Supervision ermöglicht. Das Arbeitsklima in der Klinik war sehr angenehm und durch flache Hierarchien geprägt. Auch Patient und Arzt begegnen sich auf Augenhöhe. Positiv aufgefallen ist mir auch, dass die wöchentlichen Fortbildungen gemeinsam von Ärzten, Krankenschwestern/-pflegern und Hebammen besucht wurden. So konnten aufkommende Fragen direkt im Team und aus der Perspektive verschiedener Professionen erörtert werden.

Das The Liggins Institut gehört zur University of Auckland und liegt auch räumlich in direkter Nachbarschaft zu ihrer Medizinischen Fakultät und dem Auckland District Health Board Hospital. So konnte ich häufig an institutsübergreifenden Vorträgen und Fortbildungen teilnehmen und bekam einen guten Einblick in die aktuelle (medizinische) Forschung der University of Auckland.

Einmal wöchentlich hatte ich ein Gespräch mit meiner betreuenden Professorin. Da ich mir das Praktikum in Eigeninitiative gesucht hatte und es keinen Regularien meiner Universität entsprechen musste, war sie sehr offen für meine Vorstellungen und Erwartungen an das Praktikum. So lieh sie mir Bücher aus, wenn ich mehr Informationen zu einer Thematik haben wollte und meldete mich für Fortbildungen im Krankenhaus an, die für einen Medizinstudenten im letzten Studienjahr interessant sein könnten.

Da ich den größten Anteil meiner bisherigen Arbeitserfahrung in deutschen Krankenhäusern gewonnen habe, war ich am Anfang fast ein bisschen überrascht, wie entspannt das Arbeitsklima sowohl im Krankenhaus als auch im Institut war. Auch wenn ich zuvor schon

einige Zeit in Neuseeland verbracht hatte, musste ich mich im Arbeitsumfeld zunächst an den Kommunikationsstil der Neuseeländer gewöhnen.

Wenn ich montagmorgens in einer Klinik in Deutschland wäre, hätte ich das Gefühl, es wird von mir erwartet, dass ich mich zunächst an die Arbeit mache, bevor ich anfange, mit einem anderen PJler über das Wochenende zu plaudern. In Neuseeland hatte ich eher das Gefühl, es wäre unhöflich, mit der Arbeit zu beginnen, bevor man sich nicht bei den nächsten Kollegen erkundigt hätte, wie das letzte Wochenende gewesen wäre. Auch ist die Kommunikationsweise in Neuseeland so „positiv“ und eher indirekt, dass es teilweise herausfordernd sein kann, herauszufinden, was eigentlich genau von einem erwartet wird. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es gemerkt hätte, falls jemand unzufrieden mit meiner Arbeit gewesen wäre. Das ist auf jeden Fall ein Unterschied, den man zwischen der Arbeitswelt in Deutschland und Neuseeland nennen kann.

Insgesamt habe ich es natürlich als sehr angenehm erlebt, wie freundlich und offen der Umgang in Neuseeland ist. So wurde ich z.B. vom Institut mit Karte, Kuchen und Jade-Kette sehr herzlich verabschiedet.

Leben und Wohnen in Neuseeland

Besuch im Auckland Domain, Aucklands größter öffentlicher Park

Als größte Stadt Neuseelands ist Auckland die Heimat von etwa einem Drittel der gesamten Bevölkerung des Landes. Auch wenn viele Neuseeländer Auckland belächeln, weil es nicht „das wahre Neuseeland sei“, finde ich einfach, dass es eine Stadt mit sehr hoher Lebensqualität ist. So kann man im Auckland CBD (Central Business District) Großstadtluft schnuppern und ist trotzdem nie weit von schöner Natur entfernt.

Auckland ist auf Vulkanen erbaut und dadurch ziemlich hügelig, wodurch sich tolle Aussichten z.B. vom „Mount Eden“ ergeben. Man kann sich nach der Arbeit für „Fish and Chips“ am Strand in „Mission Bay“ verabreden, durch die „Auckland Domain“ laufen und am Wochenende das Nachtleben der „K’Road“ erkunden.

Als Tagesausflug ist man mit der Fähre in 15 min bei der Vulkaninsel „Rangitoto“ und kann dort den Krater hinaufwandern oder man fährt etwa 40 min mit der Fähre nach „Waiheke Island“, einer Insel, die in Auckland für ihr gutes Klima und die vielen Weingüter bekannt ist. Mit dem Auto lassen sich zahlreiche weitere Tagesausflüge unternehmen, z.B. zu den dschungelartigen „Waitakere Ranges“.

Ein weiterer Vorteil Aucklands ist das milde Klima, wobei das Wetter in Neuseeland insgesamt sehr wechselhaft ist. So ist es nicht ungewöhnlich, dass man an einem Tag morgens in Regenjacke zur Arbeit läuft und es am Nachmittag so schönes Wetter ist, dass man im Meer schwimmen geht.

Die Mietpreise in Auckland sind leider unverhältnismäßig hoch. Zentrale WG-Zimmer fangen bei etwa 200 NZD pro Woche an. Auch Lebensmittelkosten sind im Schnitt höher als in Deutschland. Dafür ist der Preis bei Takeaways verhältnismäßig gut und die Auswahl riesig. Vor allem als Fan der asiatischen Küche wird man in Auckland glücklich aufgrund des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses!

Nicht nur fehlen in Neuseeland alle giftigen Tiere, die man in Australien findet, auch sonst ist es ein verhältnismäßig sicheres Land. Aber wie in jeder anderen Großstadt sollte man sich auch in Auckland mit gesundem Menschenverstand durch die Stadt bewegen.

Reisen in Neuseeland

Auf Bootstour im Doubtful Sound, einem Meeresarm im Fiordland National Park auf der Südinsel von Neuseeland

Neuseeland ist zurecht für seine beeindruckende und abwechslungsreiche Natur bekannt. Deswegen würde ich auf jeden Fall empfehlen, vor oder nach einem Praktikum Zeit zum Reisen einzuplanen.

Zu meinen persönlichen Highlights in Neuseeland zählten eine viertägige Hüttenwanderung im „Tongariro National Park“, die schwarzen Sandstrände und hohe Wellen der Westküste, eine Bootstour im „Doubtful Sound“, die Sonne in der „Bay of Islands“ genießen, Delfine und Wale in „Kaikoura“ beobachten und noch vieles mehr.

Wenn man etwas über die Kultur und Geschichte Neuseelands erfahren möchte, empfehle ich den „Treaty of Waitangi“ in der „Bay of Islands“ und das „TePapa National Museum“ in Wellington.

Mein Fazit

Piha Beach, westlich von Auckland und ein Ziel von Surfern

Aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen, dass man, wenn man eine experimentelle Doktorarbeit gemacht hat, keine Ahnung von klinischer Forschung hat und vice versa. Ich fand es auf jeden Fall sehr interessant, beides kennen zu lernen.

Zudem ist Neuseeland ein wunderschönes Land mit tollen Arbeitsbedingungen, also ziehe ich ein sehr positives Resümee von meinem Forschungspraktikum down under.

H., A.

Aachen, Juli 2020

Stipendiatin der Auslandsstipendien 2019

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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