Famulatur in Ghana – Anästhesie

23. Mai 2020

in Anästhesie, Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Ghana, Land

Ghana, Accra, Greater Accra Regional Hospital (29.02.-17.03.2020 – geplant 01.03.-31.03.2020)

Nach vorherigen Auslandserfahrungen hatte es mich dieses Mal nach Afrika gezogen, da dieser Kontinent schon eine ganze Weile eine besondere Faszination auf mich ausübte. So ging es zu einer Famulatur in der Anästhesie an das Greater Accra Regional Hospital in Ghana. Tatsächlich endete meine Famulatur jedoch bereits nach zwei kurzen Wochen. Rund um Corona hatte sich die Lage in Deutschland zugespitzt und auch in Ghana wurden damals die ersten Maßnahmen getroffen. Ein schöner und interessanter Aufenthalt in Ghana, der aber leider natürlich viel zu kurz ausfiel. 

Entscheidung für Ghana

Weite in Afrika – Steppenlandschaft in Ghana 

Für mich gibt es viele Gründe, eine Famulatur im Ausland zu absolvieren. Es ist der Reiz des Neuen, des Unbekannten und auch der Herausforderung, der diesen Wunsch hervorruft. Ich möchte mir neue Horizonte eröffnen. Nach vorherigen Auslandserfahrungen hatte es mich dieses Mal nach Afrika gezogen, da dieser Kontinent schon eine ganze Weile eine besondere Faszination auf mich ausübte. Da ich allein dorthin reisen wollte und ich noch „Afrika Anfängerin“ war, fiel meine Entscheidung auf Ghana, da dieses Land zu den sichersten Ländern Afrikas zählt. Ein weiteres wichtiges Kriterium war zudem, dass die Amtssprache in diesem Land englisch ist und dies eine weitere Motivation für mich war, mein medizinisches Vokabular im Englischen bei diesem Aufenthalt zu vertiefen. Ich denke, dass dies in meinem späteren Arbeitsleben immer wieder von großem Nutzen sein wird. 

Da ich zudem ein sehr outdoor-begeisterter Mensch bin, hatte ich mich ferner insbesondere darauf gefreut, die große Artenvielfalt und die abwechslungsreiche Landschaft Ghanas zu entdecken. In diesem Land gibt es unterschiedliche Biome. So befindet sich im Süden tropischer Regenwald, während der Norden vorwiegend durch eine Savannenlandschaft gekennzeichnet ist. So hätten mich unter anderem Tiere wie Waldelefanten, Flusspferde und Krokodile erwartet. Leider muss ich an dieser Stelle den Konjunktiv verwenden, denn mein eigentlicher Aufenthalt (01.03-9.4.2020) wurde aufgrund der sich im März 2020 durch die Corona–Pandemie verschärfenden Lage auf zwei Wochen verkürzt, sodass ich in diesem Erfahrungsbericht nur den Einblick beschreiben kann, den ich in dieser kurzen Zeit erhalten konnte. 

Bewerbung

Das Greater Accra Regional Hospital in Ghana

In Ghana gibt es eine One-man-Organisation, die man im Internet unter dem Begriff „Elective Ghana“ finden kann. Sefa, ein Ghanaer, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Medizinstudierenden einen Praktikumsaufenthalt, sei es für Pflegepraktika, Famulaturen oder PJ-Abschnitte, inklusive Unterkunft an einem Hospital in Ghana zu organisieren. Über diese Organisation stehen acht Krankenhäuser zur Auswahl, für die man sich bewerben kann. Dazu gehören sowohl das Universitätsklinikum in Accra als auch kleinere regionale Krankenhäuser in ländlicher Umgebung. So kann man je nach Auswahl sehr unterschiedliche Facetten des ghanaischen Gesundheitswesens als auch der dortigen Lebensweise kennen lernen, da es noch ein großes Stadt-Landgefälle im Niveau der medizinischen Versorgung in Ghana gibt. 

Ich kann diese Organisation sehr empfehlen. Man hat von Anfang an Sefa als persönlichen und zuverlässigen Kontakt vor Ort, der einem bei allen Problemen behilflich ist. Er selbst holt einen am Flughafen ab und bringt einen zur Unterkunft. Zumindest mit denen, die ein Praktikum in Accra absolvieren, geht er auch persönlich am ersten Tag mit ins Krankenhaus und organisiert alles für einen reibungslosen Praktikumsstart. Diejenigen, die sich für ein Hospital außerhalb Accras entschieden haben, müssen ein wenig mehr Eigeninitiative aufbringen, da er dort nicht immer direkt vor Ort sein kann, aber auch dies ist zu schaffen.

Daneben organisiert Sefa auch einmal im Monat einen Ausflug für alle, die derzeit über seine Organisation im Land sind. Außerdem findet man in ihm einen Ansprechpartner, der einem bei Fragen rund um Wochenendreisen zur Seite steht, sodass einem der Start insgesamt sehr erleichtert wird. Die ganze Organisation ist natürlich mit Kosten verbunden, aber diese sind in meinen Augen fair. Sefa erhält 180$ von jedem. Des Weiteren fallen Gebühren für die Unterkunft und für das jeweilige Krankenhaus an, die je nach Krankenhaus variieren.  

Ich hatte mich damals für das Greater Accra Regional Hospital in Accra entschieden, da ich in einem kleineren Krankenhaus famulieren wollte. Dies zum einen, da ich die Erfahrung gemacht hatte, dass es viele Vorteile mit sich bringt, wenn man das Team schnell kennen lernen kann und andersherum. Zum anderen ist dieses Hospital in Accra gelegen und bietet somit viele gute Verkehrsanbindungen, sodass ich am Wochenende viele Möglichkeiten hatte, das Land zu erkunden. Beide Erwartungen bestätigten sich für mich vor Ort. Neben der Gebühr für Sefa bezahlte ich an diesem Krankenhaus insgesamt 200$ für die Unterkunft, die sich direkt auf dem Klinikgelände befindet und 180$ Registrierungsgebühr für die Klinik. Meine Bewerbung hatte ich neun Monate vor Famulatur Beginn abgeschickt und schon bald darauf eine Zusage erhalten.

Rechtzeitige Vorbereitung

Tropenlandschaft in Ghana

In der Vorbereitung gibt es viel zu bedenken und man sollte rechtzeitig damit anfangen! Zunächst einmal gilt es, einen Reisepass zu beantragen, wenn dieser nicht schon vorhanden ist und einen obligatorischen Termin zur reisemedizinischen Beratung zu vereinbaren. Man braucht sehr viele Impfungen für Ghana und außerdem eine Malariaprophylaxe. Die Gelbfieberimpfung ist außerdem eine Voraussetzung für den Visumsantrag. Je nach Impfstatus fällt diese Rechnung am Ende nicht ganz billig aus. Schon für die Malariaprophylaxe habe ich für meinen eigentlich geplanten 42-tägigen Aufenthalt 150€ bezahlt. 

Ist der Reisepass vorhanden, die Gelbfieberimpfung injiziert und sind die Flüge gebucht, kann das Visum beantragt werden. Dieses muss mehrere Wochen im Voraus geschehen und geht am besten über die Seite der Botschaft in Berlin: https://ghanaemberlin.de/ . Das Visum ist mit 110€ auch nicht ganz günstig. 

Als Reiseführer für Ghana mit vielen Hintergrundinformationen über das Land kann ich das Buch „Ghana. Praktisches Reisehandbuch für die „Goldküste“ Westafrikas“ von Jojo Cobbinah, erschienen im Peter Meyer Verlag, empfehlen. 

Das Auslandsstipendium, welches ich im Vorfeld über Medizinernachwuchs.de erhalten hatte, hat mir sehr dabei geholfen, die notwendigen finanziellen Mittel für meine Reise zusammenzusammeln. Vielen Dank an dieser Stelle für die Unterstützung!  

Meine Famulatur in der Anästhesie

Das Greater Accra Regional Hospital in Ghana

Nach einem Tag der Akklimatisierung in Ghana begann meine Famulatur am Greater Accra Regional Hospital. Ich hatte mich für den Fachbereich Anästhesie entschieden und wurde am ersten Tag zunächst dem Chefarzt der Abteilung vorgestellt. Als ich das Hospital an dem Tag das erste Mal betrat, machte es einen sehr modernen Eindruck auf mich. Sehr angenehm war auch der Umstand, dass das Krankenhaus zu großen Teilen klimatisiert war. Die hohen Temperaturen zusammen mit der hohen Luftfeuchtigkeit in Accra machen selbst Einheimischen zu schaffen und so darf man nicht unterschätzen, wie sehr einem ein reguliertes Klima den Arbeitsalltag erleichtert.   

In der ersten Woche war ich mit einer Ärztin in der Voruntersuchung vor der OP. Zeitdruck schien hier nicht das Problem der Ärzte darzustellen. Während des gesamten Arbeitstags der Ärztin, die gegen halb 9:30 Uhr eintraf und um ca. 14:00 Uhr die Klinik wieder verließ, hatte sie in dieser Woche am Tag durchschnittlich drei Patienten. Zwar kamen insgesamt mehr Patienten in die Vorbesprechung, doch wurden die meisten bereits vollständig von der Anästhesiepflege untersucht und nur die schwierigen Fälle wurden an die Ärztin weitergeleitet. So blieb viel Zeit für Unterhaltungen über Gott und die Welt. Besonders ersteres nahm dabei einen großen Raum ein, da die Ärztin, mit der ich dort zusammengearbeitet habe, ein sehr gläubiger Mensch war. 

Der Glaube ist dort in der Gesellschaft allgemein stark verwurzelt und auch wenn in der Medizin bereits hohe wissenschaftliche Standards gelten, so spielt Gott doch auch in medizinischen Belangen eine große Rolle. So kam in einem Gespräch mit einer jungen Patientin, die ein Myom in der Gebärmutter hatte und dadurch bisher noch keine Kinder bekommen konnte, ganz selbstverständlich zur Sprache, inwiefern sie Gott dafür die Schuld gäbe und ob sie auch dafür bete, dass sie nach der Entfernung des Myoms Kinder zur Welt bringen könne. Für die meisten von uns europäisch ausgebildeten Mediziner mag dieser klare Einbezug Gottes in medizinische Problematiken nicht immer nachvollziehbar sein. Man sollte sich deswegen darauf einstellen und einlassen können. 

In meiner zweiten Woche ging ich in den OP. Auch dort fiel sofort auf, dass Stress durch Zeitmangel hier unbekannt ist. Um 8:00 Uhr waren zunächst einmal nur wenige Anästhesie Pfleger da, die die OP-Räume vorbereitet haben. Mit der Zeit füllte sich der OP mit weiterem Personal und so konnte die erste OP beginnen. Die hohen Standards im OP überraschten mich auch hier sehr positiv. Die Hygienevorschriften schienen mit denen in Europa vergleichbar und auch die Materialausstattung entsprach derer, die man aus deutschen Krankenhäusern kennt. Ich habe mich in dieser ersten Woche im OP in erster Linie mit den Abläufen der Anästhesie erneut vertraut gemacht und mir vieles erklären lassen. Das Personal dort war wirklich sehr nett und bereit, mir vieles zu erklären und zu zeigen. Praktisches Arbeiten beschränkte sich in dieser Woche leider nur auf das Aufziehen von Medikamenten, aber ich bin mir sicher, dass ich nach weiteren Tagen mehr hätte machen dürfen.  

Sehr gut für mich war auch der Umstand, dass englisch tatsächlich die Hauptsprache im Hospital war. Auch das Personal spricht in der Regel englisch untereinander. Manchmal wird dennoch eine Lokalsprache verwendet, insbesondere im Gespräch mit älteren Patienten. Am Anfang musste ich mich noch ein wenig in den Dialekt reinhören, aber im Grunde hatte ich mit niemandem Kommunikationsschwierigkeiten. 

Unter der Woche in Accra hat man viele Möglichkeiten sich einen angenehmen Feierabend zu gestalten. Accra liegt direkt am Meer, das heißt, man kann an den Strand fahren, um zu baden, aber auch um Surfen zu gehen. Mit anderen Medizinstudenten aus der Organisation bin ich zudem des Öfteren essen oder in eine Salsa Bar gegangen. 

Tatsächlich endete meine Famulatur bereits nach diesen kurzen zwei Wochen. Als wir über das Wochenende mit allen gemeinsam verreisten, spitzte sich die Lage rund um Corona in Deutschland zu und auch in Ghana wurden die ersten Maßnahmen getroffen. Dazu gehörte auch die Schließung der Universitäten, sodass die Medizinstudierenden, die am Universitätsklinikum in Accra arbeiteten, nun schon nicht mehr zur Arbeit erscheinen durften. Mein Hospital hätte mich zunächst noch weiterarbeiten lassen, dennoch dämmerte uns allen bereits, dass es höchste Zeit werden würde, nach Hause zu fliegen. Und so ging alles ganz schnell und schon 48 Stunden nach meiner Entscheidung, wieder nach Deutschland zu fliegen, befand ich mich im Flieger Richtung Norden. 

Leben und Reisen in Ghana 

Weite in Afrika – Steppenlandschaft in Ghana

Immerhin hatte ich zwei Wochenenden Zeit, um im Land zu reisen. Man kann sich mit sehr wenig Geld weit fortbewegen, muss aber auch ein wenig Geduld mitbringen. Die einfachste und günstigste Reisemethode in Ghana ist die Benutzung sogenannter „Tro-Tros“. Dies sind Kleinbusse, die innerhalb Accras verkehren, aber auch größere Strecken zwischen Städten fahren. Für einen Europäer, der genaue Zeitpläne und Abfahrtsorte gewohnt ist, wirkt dies auf den ersten Blick völlig chaotisch, doch man ist am Ende erstaunt, wie schnell sich der richtige „Tro-Tro“ in die richtige Richtung finden lässt. In diesen Bussen lassen sich Strecken von 200km für umgerechnet ca. 5€ überwinden. 

Insgesamt ist das Leben in Ghana deutlich günstiger. In einfachen Restaurants und auf der Straße bekommt man recht günstig Essen, was ich auch meistens gut vertragen habe. Es gibt aber auch Restaurants mit hohen Standards, die sich mit denen in Europa hygienetechnisch und preislich vergleichen lassen. Bei Hostels gibt es ebenfalls eine große Preisspanne. Für 10-20€ pro Nacht findet sich aber immer eine passable Unterkunft. 

In Ghana werden wohl einige Festivals organisiert. An meinem ersten Wochenende gab es ein kleines Kultur-Techno-Reggae-Festival direkt am Strand. Neben der Musik auf den Strandbühnen konnte man auch Yoga- und Meditationskurse besuchen. Zudem hat Ghana einige Nationalparks, in denen man kleinere Spaziergänge oder auch größere Wanderungen unternehmen kann, sodass man die Natur des Landes näher kennen lernen kann.  

Ein Fazit 

Behausungen auf einem Strand in Accra

Insgesamt hatte ich einen schönen Aufenthalt in Ghana, der aber leider natürlich viel zu kurz ausfiel. Das Greater Accra Regional Hospital hat mich besonders durch seine moderne Ausstattung und das Personal durch seine gute Ausbildung positiv überrascht. Da es nicht sehr viele Patienten gab, aber dafür umso mehr Personal, fielen mir nicht viele Aufgaben zu, aber ich denke, dass sich das noch geändert hätte, wäre ich mit der Zeit dem Team noch bekannter geworden. 

Accra gefällt mir zwar nicht als Stadt, weil es eine laute, überfüllte und nicht besonders kulturreiche Stadt ist, aber die Lage direkt am Meer und die Verbindungen zu anderen Ausflugszielen machen die Stadt für einen kurzen Aufenthalt dennoch attraktiv. 

W., A. 

Hamburg, April 2020

Stipendiatin der Auslandsstipendien 2019-2020

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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