PJ in Australien – Innere Medizin

2. April 2020

in Australien, Chancen im Ausland, Fachgebiet, Innere Medizin, Land, Praktisches Jahr im Ausland

Australien, Melbourne, Monash Clayton Hospital (09.03.-27.06.2020 – geplant)

Geplant war es, zwei Rotationen von jeweils sechs Wochen – Hämatologie und Gastroenterologie – in Australien zu absolvieren. Die Organisation des Monash Clayton Hospital und der Monash University in Melbourne war reibungslos und gut vorbereitet. Nach drei bis vier Tagen in der Klinik brach dann aber aufgrund der Corona Pandemie große Ungewissheit aus.

Studienplanung 

Die Monash University in Melbourne ist eine Partneruniversität der Charité – Universitätsmedizin Berlin, sodass sich der Bewerbungsprozess recht unkompliziert darstellte. Neben geforderten Notennachweisen, Motivationsschreiben und Empfehlungsschreiben, musste ich ein kleines, englischsprachiges Bewerbungsgespräch absolvieren. Nach der Zusage stand ich in Kontakt mit der Monash University, musste einige Dokumente bereitstellen und konnte die Themen meiner Tertiale wählen. 

Finanziell wurde die Studienplanung mit einem Auslandsstipendium von meinem regulären Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes sowie von Medizinernachwuchs.de mit einem Auslandsstipendium unterstützt. Vielen Dank an beide Stipendiengeber an dieser Stelle! 

Impfungen/Gesundheitscheck 

Für das Studium in Melbourne sind einige Formalien notwendig. Neben negativen HIV- und Tuberkulose Nachweisen, musste ich diverse Impfungen vorweisen, die meisten sind jedoch vergleichbar mit den RKI Empfehlungen aus Deutschland. Von der Meningokokken Impfung hatte mein Hausarzt und Tropenmediziner mir abgeraten. 

Flug 

Um spontan nach dem PJ-Tertial entscheiden zu können, ob ich noch Urlaub in Australien oder einem Nachbarland anstrebe, kaufte ich ein Open-Return Ticket. Dies schien sowohl über die gängigen Flugportale als auch direkt über die Fluggesellschaften recht schwierig zu sein. Daher entschied ich mich für das Reisebüro „checkinreisen24“. Dieses bietet für Studierende Open Return Tickets an, bei denen auch Stop Over in verschiedenen Ländern möglich sind. Ein weiterer Pluspunkt des Tickets ist die Möglichkeit der Stornierung des Tickets bis zum Tag vor dem Abflug gegen eine Gebühr von 250€. Gerade mit Blick auf die Buschbrände und die Luftqualität, die im Januar 2020 noch recht unberechenbar waren, war dies für mich wichtig. Hin- und Rückflug dauerten jeweils ca. 23h bei einem Kostenpunkt von 1.100€, was im Vergleich zu gängigen Tickets ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis darstellt. 

Visum 

Da mein PJ-Abschnitt in Australien nur 12 Wochen dauern sollte, war es mir möglich, mit einem kostenlosen Touristenvisum für drei Monate einzureisen. In diesem Visum sind explizit Studien bis zu drei Monaten möglich und die Monash University akzeptierte auch auf Nachfrage hin dieses Visum. Nach drei Monaten ist man allerdings verpflichtet, das Land zu verlassen. Innerhalb von einem Zeitraum über 12 Monate könnte man jedoch wieder für drei Monate einreisen. Alternativ ist es möglich, ein zeitlich und finanziell deutlich aufwändigeres Studierendenvisum zu beantragen. 

(Anm.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird).   

Unterkunft 

Für den ersten Monat des Aufenthalts organisierte ich mir aus Deutschland über AirBnB ein Zimmer in der Nähe des Monash Clayton Hospital (Stadtteil Clayton, Mount Waverely). Auch ca. vier Wochen vor Abreise gab es dort noch ziemlich viele Angebote. Für die weitere Zeit wollte ich in Melbourne direkt entscheiden, wo ich wohnen wollte. 

Formalia 

Ebenso war es kurz vor Abreise nötig, ein „Fit2Work“ zu beantragen (Polizeicheck in Australien). Aus einer Vielzahl von möglichen Identifikationsdokumenten können deutsche Staatsbürger nur recht wenig auswählen, da viele nur für Australier bzw. dort lebende Menschen sind. Funktioniert hat der Check bei mir schließlich mit meinem Visum, meinem Reisepass, meiner Kreditkarte und meiner Debitkarte von jeweils zwei verschiedenen Banken. 

Bereits im Vorfeld konnte ich meinen Studierendenaccount der Universität installieren und die Monash Mailadresse nutzen – auch zum Beispiel für den „Fit2Work“ Antrag. Zudem hatte ich eine Auslandskrankenversicherung sowie eine Berufshaftpflichtversicherung, die auch im Ausland für Studienaufenthalte gilt, abgeschlossen. Ebenso war es notwendig, ein Online Learning Tool zur Hygienischen Händedesinfektion zu absolvieren, welches danach zertifiziert wurde. Dies dauerte in etwa 15 Minuten. Es ist empfehlenswert, im Voraus englisches Medizinvokabular und vor allem Abkürzungen zu lernen. 

Inhalt und Ablauf meines PJ-Abschnittes in Australien

Geplant war es, zwei Rotationen von jeweils sechs Wochen – Hämatologie und Gastroenterologie – zu absolvieren. Die Organisation des Hospitals und der Universität war reibungslos und gut vorbereitet. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass unser PJ den australischen „Pre-Interns“, das heißt dem 5. Studienjahr, gleichgesetzt wird. Diese sind formal vom Aufgabenbereich her mit dem Blockstudierenden in Deutschland zu vergleichen. Die ersten Tage erschienen so, dass deutlich weniger selbstständiges Arbeiten gefordert wird, sondern eher bei Visiten mitgelaufen und bei Untersuchungen wie Knochenmarkspunktionen zugeschaut wird. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass man durch motiviertes Auftreten, diesen Zustand hätte „verbessern“ können. 

Nach drei bis vier Tagen in der Klinik brach dann aufgrund der Corona Pandemie große Ungewissheit aus, durch welche die sonst sehr gut geplanten Strukturen des Krankenhauses ins Wanken gerieten und stundenweise neue Regulationen erlassen wurden. Nach zahlreichen Gesprächen mit Ärzten und Verantwortlichen der Medizinischen Fakultät wurde uns gesagt, es sei das Beste, so schnell wie möglich nach Deutschland zurück zu reisen. Die weitere Arbeit auf Station wurde uns untersagt und die Lehre könne uns für die kommenden Wochen nicht garantiert werden. 

Ich buchte schnellstmöglich meinen Flug um, damit ich noch nach Deutschland einreisen konnte, denn zu der Zeit verkündeten bereits zahlreiche Airlines, nicht mehr nach Deutschland zu fliegen. In Deutschland konnte ich das PJ-Tertial wieder aufnehmen. Der erzwungene Abbruch meines Tertials in Australien ist sehr ärgerlich, aber natürlich nicht mit den vielen anderen gesundheitlichen Schrecken der Corona Krise zu vergleichen! 

Eindrücke von Land und Leuten 

Vor der Abreise wurde mir von vielen erzählt, dass Melbourne die europäischste Stadt in Australien sei. Nach knapp einer Woche steht mir zwar kein Urteil zu, aber ich möchte meinen persönlichen Eindruck schildern. Clayton ähnelt meiner Meinung nach in vielen Hinsichten einer US-amerikanischen Vorstadt. Bei den meisten kleinen Einfamilienhäusern stehen zwei dicke SUVs vor der Tür. Ausflüge werden entweder in den perfekt angelegten Park oder in die Mall unternommen. 

Melbourne City hingegen ist viel belebter und hat eine interessante Kulturszene, alternative Denk- sowie Clubszene, nicht im Berliner Ausmaß, die aber auch deutlich leichter mit Freunden vor Ort erschlossen werden kann. Beim australischen „Aldi Süd“ lässt es sich vergleichsweise günstig einkaufen. Ansonsten sind die Lebensmittelpreise, Restaurants und Alkoholika deutlich teurer als in Deutschland. 

Mein großer Tipp: Man sollte sofort ein Fahrrad über „gumtree.com“ kaufen und dabei beachten, dass es in Australien eine Helmpflicht gibt. Ich kaufte dort ein Klappfahrrad, das mir in den 10 Tagen meines Aufenthaltes eine große Hilfe war! Das Rad konnte jederzeit im Nahverkehr, inklusive Bus und Nachtbus, mitgenommen werden! Der Nahverkehr ist zwar vergleichsweise günstig und gut ausgebaut, fährt aber gerade in den Suburbs und nachts teilweise nur ein- bis zweimal die Stunde, sodass ein Fahrrad große Hilfe leisten kann!

Studierende, Berlin, März 2020

Stipendiatin der Auslandsstipendien

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

Ähnliche Artikel:

  • PJ in Australien – Innere Medizin – Kardiologie/RheumatologiePJ in Australien – Innere Medizin – Kardiologie/Rheumatologie Australien, Melbourne, Monash University (18.05.-06.09.2015) „Down under“! Australien ist für zahlreiche Medizinstudierende eines der beliebtesten Ziele, wenn es darum geht, eine […]
  • PJ in Australien – Gastroenterologie und InfektiologiePJ in Australien – Gastroenterologie und Infektiologie Australien, Melbourne, Monash Medical Center (11.03.-02.06.2019) Von Ressourcenknappheit zu Überfluss – ein medizinischer Kulturschock! Hinter mir liegen ein PJ-Abschnitt in der Chirurgie […]
  • PJ in Australien – OrthopädiePJ in Australien – Orthopädie Australien, Melbourne, Royal Children’s Hospital, University of Melbourne (14.10.-06.12.2013) PJ in Australien. Von diesen Eindrücken werde ich lange profitieren! Schon zu Beginn meines […]
  • PJ in Australien – ChirurgiePJ in Australien – Chirurgie Australien, Sydney, Royal Prince Alfred Hospital (25.02.-21.04.2013) Nach 20 Stunden Flug landete ich in Australien, mit dem Ziel, einen Abschnitt meines PJ am Royal Prince Alfred […]
  • PJ in Uganda – ChirurgiePJ in Uganda – Chirurgie Uganda, Gulu, Gulu Regional Referral Hospital (14.01.-10.03.2019) Wir sind alle „Lagums!“ Die 2. Hälfte meines Chirurgischen Tertials absolvierte ich am Gulu Regional Referral Hospital […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.