Famulatur in Tansania – Innere Medizin und Chirurgie

3. März 2020

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Innere Medizin, Land, Tansania

Tansania, Kigoma, Matyazo Health Centre (04.08.-13.09.2019)

 „Karibu sana“ – Herzlich willkommen! Zu einer Famulatur ging es für mich an ein christliches Hospital in Tansania. Mein Name ist Jonas Zimmer, ich bin 22 Jahre alt und studiere im 7. Semester Medizin an der Ruprecht-Karls-Universita?t in Heidelberg. Für mich war die Famulatur am Matyazo Health Centre in Tansania ein voller Erfolg. Es hat mir wieder den Blick darauf gegeben, worauf es im Leben und im Beruf des Arztes wirklich ankommt. Mir hat diese Famulatur in einem afrikanischen Land auch wieder bewusst gemacht, wie privilegiert wir in Deutschland leben und was es für ein kostbares Geschenk ist, Medizin studieren zu dürfen.

„Karibu sana“ – Herzlich willkommen!

Wir zwei Famulanten zusammen mit einem Teil des Ärzte-Teams des Matyazo Health Centre in Tansania

Im letzten Sommer war ich für sechs Wochen im wunderschönen Tansania, um dort im „Matyazo Health Centre“ meine erste Famulatur vom 04. August bis zum 13. September 2019 zu absolvieren. Es handelt sich um ein christliches Krankenhaus, das der evangelischen Kirche von Tansania angehört. Es trägt als eines von vier Gesundheitszentren im Bezirk „Kigoma“ mit ca. 120 Betten zur gesundheitlichen Versorgung der rund 240.000 Einheimischen bei. Täglich werden ca. 40 ambulante und 100 stationäre Patienten betreut. Dabei werden jährlich ca. 1.500 operative Eingriffe durchgeführt. Es wird unterteilt in eine Männer-, Frauen-, Kinder- und Schwangerenstation.

Es sind quasi alle Krankheitsbilder vertreten. Als Fachärzte gibt es im Krankenhaus einen Internisten, eine Chirurgin und eine Gynäkologin. Sie sind alle Deutsche. Zusätzlich gibt es noch sechs einheimische „Clinical Officer“, die in Zusammenarbeit mit den deutschen Fachärzten sehr viele medizinische Aufgaben übernehmen und vor allem sehr praktisch ausgebildet sind. Das Hospital wird, in enger Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung, von der deutschen Chirurgin geleitet.

Neben ihr leben auch noch andere Deutsche auf dem Krankenhausgelände. Zum einen ein Ärzteehepaar, sie Gynäkologin und er Internist, mit ihren drei Kindern. Zudem ein weiteres Ehepaar mit ihren zwei Kindern. Letztgenanntes Ehepaar leitet den schrittweisen Neubau des Krankenhauses. Ferner eine Krankenschwester und eine Hebamme.

Meine Motivation

2015 war ich nach dem Abitur für sieben Monate in Uganda und habe dort ein freiwilliges halbes Jahr absolviert. Ich habe erkannt, dass Bildung und Gesundheit ein enormes Privileg sind und viele Menschen auf der Welt keinen freien Zugang zu einem guten Gesundheitssystem haben. So hat sich in dieser Zeit für mich der Wunsch konkretisiert Medizin zu studieren, mit dem Gedanken, später einmal als Arzt in die Entwicklungshilfe zu gehen. Um diesen Gedanken wieder aufzugreifen, wollte ich unbedingt eine Famulatur in einem afrikanischen Land absolvieren. Mir war es wichtig, einen realistischen und authentischen Einblick in die tägliche Arbeit eines deutschen Arztes zu bekommen, der in einem armen Land mit seiner Familie lebt und dort medizinische Entwicklungshilfe anbietet.

Weil der christliche Glaube in meinem Leben eine große Rolle spielt, war mir außerdem wichtig, die Famulatur in einem christlichen Krankenhaus zu absolvieren. Das Matyazo Health Centre ist ein regionales Krankenhaus, das sich der einfachen Bevölkerung widmet. Medizinische direkte Hilfe ist für mich ein wunderbares Konzept von gelebter Nächstenliebe.

Daneben hat mich auch sehr interessiert, wie das Gesundheitssystem in einem afrikanischen Land aussieht und wie man die bestmögliche Medizin mit den vorhandenen, oft nur sehr wenigen medizinischen und technischen Möglichkeiten, umsetzen kann. Auf das Matyazo Health Centre in Kigoma war ich im Internet gestoßen. Meine genannten Wünsche hatte das Krankenhaus alle erfüllt, weshalb ich mich schließlich dort mit Erfolg für meine Famulatur beworben hatte.

Die Vorbereitung konnte beginnen!

Der Blick aus meinem Zimmer während meiner Famulatur am Matyazo Health Centre in Tansania

Ich hatte mich im März 2019 um die Planung meiner Famulatur gekümmert. Allgemein sind für eine Famulatur in Afrika in einem regionalen Krankenhaus sechs Monate eine gute Vorlaufszeit. Bei größeren oder internationalen Krankenhäusern in den großen Städten sollte man eher ein ganzes Jahr Vorlauf einplanen.

Ich hatte das Hospital im Internet gefunden und die es leitende Ärztin direkt angeschrieben. Nach ein paar Tagen bekam ich eine Antwort mit einer potenziellen Möglichkeit einer Famulatur. Nach einem kennenlernenden Gespräch übers Internet erhielt ich die Zusage. Wichtige organisatorische Schritte waren jetzt noch das Visum, die Buchung des Fluges und vor allem die Auffrischung und Ergänzung der empfohlenen Impfungen.

Beim Visum handelt es sich um ein „Student-Visa C2“. Dies muss man mehrere Wochen vorher online beantragen. Dafür braucht man ein Einladungsschreiben vom dortigen Bischof. Dieses wurde mir per Post vom Krankenhaus zugeschickt. Die Kosten für das Visum belaufen sich auf 50 USD.  Für die Impfungen sollte man vorher einen Termin in Deutschland bei einem Tropenmediziner oder einem Tropeninstitut ausmachen.

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Ich musste an das Krankenhaus für die Famulatur quasi nichts bezahlen. Weil ich täglich bei der deutschen Familie drei Mal gegessen habe, habe ich ihnen nach den sechs Wochen 100€ gegeben. Die Unterkunft war umsonst. Ich hatte ein eigenes Zimmer und habe mir das Badezimmer mit dem anderen Famulanten geteilt. Die einzigen Kosten, die anfielen, waren also der Flug, das Visum, ggf. die Impfungen und was man alles noch so mitnehmen möchte.

Meine Famulatur am Matyazo Health Centre

Die Ambulanzstation am Matyazo Health Centre in Tansania

Insgesamt habe ich sechs Wochen im Matyazo Health Centre gearbeitet. Mein typischer Tagesablauf sah wie folgt aus: Um 7:30 Uhr fand die tägliche Morgenandacht mit dem ganzen Krankenhausteam für 30 Minuten statt. Es wurden mehrere tansanische Kirchenlieder zusammen gesungen, aus der Bibel vorgelesen und zusammen für den Tag und die Patienten gebetet. Die Teilnahme war natürlich freiwillig, ich empfand es als ein sehr schönes, bereicherndes tägliches Ritual.

Gegen 8:00 Uhr war die Übergabe der Nachtschicht für die Tagesschicht. Es wurden bestimmte Patientenfälle und der anstehende Tag besprochen. Gegen 8:30 Uhr begann die Visite. Diese erfolgte durch einen Arzt, einem Clinical Officer und einer Krankenschwester bzw. einer Hebamme auf der Schwangerenstation. Je nachdem, ob noch ein weiterer Arzt parallel Visite gemacht hat, dauerte die Visite zwischen eineinhalb bis drei Stunden, um alle stationären Patienten anzuschauen. Die Visite war immer sehr spannend, weil man sehr viele verschiedene Krankheitsbilder sah, einen täglichen Follow-Up von jedem Patienten hatte und man zusammen mit dem Team über das weitere Vorgehen überlegen und diskutieren konnte. Außerdem hatte man während der Visite auch oft die Möglichkeit, körperliche Untersuchungen durchzuführen.

Nach der Visite hat sich der deutsche Internist der Ambulanz gewidmet und täglich um die        20 – 50 ambulante Patienten gesehen, untersucht und behandelt. Die deutsche Chirurgin hatte am Dienstag und Donnerstag immer OP-Tag und hat an diesen Tagen von morgens bis abends durchoperiert. Die deutsche Gynäkologin hat immer ausgeholfen, wo Bedarf war, weil sie neben ihren ärztlichen Tätigkeiten auch Mutter von drei Kindern ist.

Ich durfte täglich entscheiden, mit welchem Arzt oder Clinical Officer ich mitlaufen möchte. So war ich dienstags und donnerstags immer mit im OP und durfte dort steril mit am Tisch helfen. Die anderen Tage habe ich vor allem in der Ambulanz verbracht und durfte zusammen mit dem Arzt die ambulanten Fälle bearbeiten. Jeder Tag hatte zwar seine Grundstrukturen, doch trotzdem sah jeder Tag anders aus, je nachdem, was wir gerade für Patienten und Notfälle hatten. Mir war relativ freigestellt, wie lange ich täglich im Krankenhaus bleiben wollte. Im Durchschnitt habe ich ca. von 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr gearbeitet, mit einer einstündigen Mittagspause.

Was durfte ich machen?

Zusammen mit dem OP-Team am Matyazo Health Centre in Tansania

Ich durfte relativ viel machen und meinen Ideen und Vorschlägen wurden auch Gehör gegeben. Bei den täglichen Visiten konnte ich mit den Ärzten und Clinical Officer über das weitere medizinische Vorgehen bezüglich des Patienten mitdiskutieren. Ich durfte auch alle körperlichen Untersuchungen beim Patienten durchführen. Außerdem bekam ich die Möglichkeit, mehrere Ultraschall-Untersuchungen unter Aufsicht des Arztes durchzuführen. Des Weiteren durfte ich auch mehrere Blasenkatheter und venöse Zugänge legen. Im OP hatte ich die Rolle des 1. Assistenten. Dies beinhaltete das Anreichen der Werkzeuge, das Halten von Haken, aber auch das Zunähen nach erfolgreicher OP.

Insgesamt habe ich die medizinischen Möglichkeiten, die mir geboten wurden, als sehr umfassend bewertet. Ich durfte vieles machen, aber immer in einem ethisch-vertretbaren Rahmen, weil es unter der Leitung und Aufsicht von den sehr netten deutschen Ärzten geschah, die meine Kompetenzen, Fähigkeiten und mein Wissen gut einschätzen konnten. Dadurch kam ich nicht in ethisch-fragwürdige Situationen, so wie sie manchmal von Famulanten in Afrika beschrieben werden – z.B. eigenständig einen Kaiserschnitt durchführen…

Was beinhaltet der christliche Aspekt des Krankenhauses?

Das Matyazo Health Centre wird von der evangelischen Kirche in Tansania getragen. Die genannten deutschen Mitarbeiter leben für mehrere Jahre auf dem Krankenhausgelände aufgrund einer tiefen Überzeugung zum christlichen Glauben. Die meisten einheimischen Mitarbeiter verkörpern dies auch. Dies spürt man auch im Krankenhausalltag. Deshalb findet jeden Morgen eine freiwillige Morgenandacht statt. Es kam auch regelmäßig vor, dass während der Visite mit dem Patienten am Krankenbett gebetet wurde. Vor jeder OP wurde jedem Patienten ein persönliches Gebet angeboten. Für mich war es total schön und inspirierend zu erleben, wie Medizin und christlicher Glaube verbunden werden.

Falls Du mit dem christlichen Glauben nichts anfangen kannst, ist das Matyazo Health Centre trotzdem eine gute Adresse für Dich. Ich möchte nur transparent und ehrlich beschreiben, was Dich erwarten wird. Eine offene Einstellung dazu kann aber sicherlich hilfreich und wahrscheinlich auch bereichernd für Dich sein.

Das Leben um den Krankenhausalltag herum

Ausflug an den Lake Tanganyika in Tansania

Ich habe direkt auf dem Krankenhausgelände gelebt. Neben dem Hospital befindet sich dort außerdem noch ein Kinderheim für Neugeborene bis 3-jährige Kinder. Manchmal war ich am Wochenende oder noch am frühen Abend im Kinderheim, um mit den Kindern zu spielen. Außerdem gab es noch die insgesamt fünf Kinder der beiden deutschen Familien, die sich auch immer riesig gefreut haben, wenn ich mit ihnen Zeit verbracht habe. Oft habe ich die Abende bei den deutschen Ärzten und Mitarbeitern zuhause verbracht. Wir haben Filme geschaut, Spiele gespielt, zusammen gegessen, über den Tag, das Leben, die Liebe und über Gott philosophiert. Für mich waren diese täglichen Gespräche sehr wertvoll.

Eine andere Beschäftigung, die ich für mich schon früh entdeckt hatte, war das Joggen. Es fing an mit einem Lauf durch das Dorf zusammen mit dem einheimischen Verwaltungsdirektor und einem anderen Famulanten. Als wir nach dem 45-minütigen Lauf durch das Dorf wieder am Krankenhausgelände ankamen, waren mittlerweile ca. 100 Kinder und Jugendliche hinter uns, weil sie uns einfach hinterhergelaufen sind. Dies war eines meiner schönsten Momente in meiner Zeit in Tansania. Ohne jegliche sprachliche Kommunikation sich zusammen mit einer so großen Gruppe verbunden zu fühlen und Spaß zu haben. Ich bin alle drei Tage laufen gegangen und habe mich dabei sehr mit dem Verwaltungsdirektor, dem weiteren Famulanten und den Kindern als auch Jugendlichen des Dorfes angefreundet.

Am Wochenende hatten der weitere Famulant und ich immer frei und wir sind mehrmals in die nächst größere Stadt Kigoma gefahren. Kigoma hat ca. 215.000 Einwohner und bietet neben großen Märkten, einem super schönen Hotel mit fantastischer Aussicht auch einen wunderschönen „Beach“ direkt am „Lake Tanganyika“. Hierher kommen am Wochenende mehrere internationale Familien und auch ein paar Einheimische, um sich zu erholen und zu schwimmen (Bilharziose-frei – so sagen jedenfalls alle).

Sonntags war natürlich Kirche. Die Kirche ist in vielen Regionen Afrikas das Herz eines Dorfes. Hier treffen sich gefühlt alle und feiern zusammen Gottesdienst. So ein Gottesdienst kann auch oft mal mehrere Stunden dauern, weil neben dem klassischen Gottesdienst mit viel Gesang, Tanz und Musik auch alle möglichen Informationen und Geschehnisse des Dorfes und der Region verkündet werden. Es ist neben dem christlichen Glauben aber auch ein sehr interessanter kultureller Aspekt, sich so einen Gottesdienst mal anzuschauen.

Tansania – das Land und seine Bewohner

Mittlerweile war ich auf fünf Kontinenten. Tansania ist das schönste Land, in dem ich je war. Ich liebe die offene, herzliche, fröhliche Ostafrikanische Kultur. Nach meiner sechswöchigen Famulatur bin ich noch zwei Wochen durch Tansania gereist. Ich habe eine Safari gemacht, bin bis zum Base Camp des Kilimandjaros gewandert, war in heißen Quellen baden und war auf Sansibar. Tansania bietet so viel. Für jeden ist etwas dabei! Seid offen und lasst Euch auf das Abenteuer, die Menschen und die Kultur ein und Ihr werdet vielleicht genauso verzaubert werden, wie ich es wurde.

Unsicher habe ich mich während meiner acht Wochen in Tansania eigentlich nie gefühlt. Natürlich braucht man einen natürlichen Menschenverstand, etwas Achtung und Respekt, niemals aber Angst und Panik. Das Risiko besteht immer, dass etwas passieren kann – dieses besteht aber auch in Deutschland.

Fazit meiner Auslands-Famulatur

Auf der Kinderstation am Matyazo Health Centre in Tansania

Für mich war die Famulatur am Matyazo Health Centre in Tansania ein voller Erfolg. Es hat mir wieder den Blick darauf gegeben, worauf es im Leben und im Beruf des Arztes wirklich ankommt. Ich habe erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man sein Leben anderen widmet und als Arzt den individuellen Patienten im Mittelpunkt hat. Für mich war diese Famulatur enorm motivierend für mein weiteres Medizinstudium – dass ich nicht nur für die Prüfungen lerne, sondern für meine Patienten in der Zukunft. Außerdem war es ein tolles Gefühl, sein vorhandenes Wissen anzuwenden.

Mir hat diese Famulatur in einem afrikanischen Land auch wieder bewusst gemacht, wie privilegiert wir in Deutschland leben und was es für ein kostbares Geschenk ist, Medizin studieren zu dürfen. Die Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse, die sich mit den deutschen Ärzten und Mitarbeitern des Krankenhauses in Tansania und den vielen Einheimischen vor Ort ergeben haben, haben mich sehr geprägt, inspiriert und bereichert. Zum Teil haben sich auch echte Freundschaften entwickelt, die ich weiterhin aufrechterhalte.

Ich kann Euch nur ermutigen, auch so eine Famulatur zu absolvieren, wenn Euer Herz dafür schlägt. Lass Eure Angst vor dem Unbekannten nicht der Grund sein, weshalb Ihr es nicht tun werdet. Stellt Euch Eurer Angst, öffnet Euch dem Abenteuer und Ihr werdet mit einem größeren Horizont zurückkehren und viele Dinge anders sehen als vorher! Ich wünsche Euch alles Gute!

Jonas Zimmer

Heidelberg, November 2019

Stipendiat der Auslandsstipendien 2019

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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