Famulatur in Tansania – Innere Medizin, Pädiatrie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Chirurgie

19. Oktober 2019

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Tansania, Dodoma, Christian Medical Centre (16.08.-09.10.2018)

Es war auf jeden Fall eine der besten Entscheidungen, für eine Famulatur nach Tansania zu reisen. Um ein breites Spektrum an Patienten und Krankheitsbildern kennen lernen zu können, hatte ich mich entschieden, in möglichst viele Fachbereiche des Christian Medical Centre Einblick zu nehmen. Während meiner Zeit in Tansania durfte ich viele schöne Situationen miterleben und auch viel lachen, aber habe auch Vieles mitbekommen, das mich traurig und zum Nachdenken veranlasst hat. 

Meine Motivation 

Ab dem Physikum war für mich klar, dass ich eine Famulatur gerne im Ausland machen will. Einerseits, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern, aber auch um einen Einblick in die medizinische Praxis in einem anderen Land zu bekommen. Da ich in der Schule als Fremdsprache Latein hatte, kamen für mich nur Länder in Frage, die englischsprachig sind, bzw. in denen die englische Sprache weit verbreitet ist. Schnell rückte auch Afrika in mein Blickfeld, da ich die offene und lebensfrohe afrikanische Mentalität sehr mag.

Meine Mitbewohnerin, die im gleichen Semester Medizin studiert, teilte meine Begeisterung für eine Famulatur in Afrika. So entschieden wir uns, die Famulatur gemeinsam zu planen. Sie konnte schließlich über ihre Tante einen Kontakt zum Christian Medical Centre in Dodoma, Tansania, herstellen, weshalb die Wahl dann auf dieses Krankenhaus fiel. 

Bewerbung und Vorbereitung 

Blick auf das Dodoma Christian Medical Centre in Tansania

Die Bewerbung war ziemlich unkompliziert. Der erste Kontakt zum Krankenhaus war im November 2017. Wir sendeten dem Ansprechpartner einen Lebenslauf und einen Fragebogen zu unserer Motivation zu und bekamen auch recht zeitnah eine Zusage. Später reichten wir noch einen „Letter of Recommendation“ nach, den wir im Auslandsbüro unserer Universität beantragt hatten. 

  • Literaturempfehlungen

Zur Vorbereitung des Aufenthalts in Tansania benutzte ich den Reiseführer „Tanzania“ von Lonely Planet. Außerdem legte ich mir den „Reise Know-How Sprachführer Kisuaheli – Wort für Wort plus Wörterbuch“ zu, um die Landessprache ein bisschen zu lernen. 

  • Visum

Für das Visum gibt es zwei Optionen. Man kann schon ca. 3-4 Wochen vor Abreise seine Unterlagen zur Tansanischen Botschaft in Berlin schicken, um ein Visum zu erhalten oder man holt sich das Visum direkt bei Ankunft in Tansania. Ich entschied mich dafür, das Visum vor Ort zu besorgen, weil auch nicht ganz klar war, ob ein normales Touristenvisum oder ein erweitertes Studentenvisum benötigt wurde. Am Flughafen in Daressalam holten wir uns schließlich ein normales Touristenvisum, gültig für drei Monate bei einmaliger Einreise, für 50 USD. Dabei war es auch sehr hilfreich, eine Bestätigung für die Famulatur vom Krankenhaus vorzeigen zu können.

(Anm.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird). 

  • Impfungen & geforderte ärztliche Untersuchungen 

 Um Informationen über empfohlene Impfungen zu bekommen, machten meine Mitbewohnerin und ich einen gemeinsamen Termin in der reisemedizinischen Impfambulanz des Universitätsklinikums Frankfurt am Main. In drei Folgeterminen wurde ich schließlich gegen Meningokokken, Gelbfieber, Hepatitis A, Tollwut und Typhus (Schluckimpfung) immunisiert. Außerdem bekamen wir Informationen und Tipps zur Malariaprophylaxe und zum Mückenschutz. 

Nach reiflicher Überlegung, welche Art der Malariaprophylaxe für uns am sinnvollsten ist, entschieden wir uns gegen eine vorbeugende regelmäßige Einnahme, sondern lediglich für eine Mitnahme von Malarone® als Notfallmedikament. Für den Mückenschutz besorgte ich mir Repellents mit dem Wirkstoff DEET für Haut und Kleidung, außerdem ein Moskitonetz. 

Das Dodoma Christian Medical Centre in Tansania

Hauptgebäude des Dodoma Christian Medical Centre in Tansania

Das Dodoma Christian Medical Centre ist ein christlich geprägtes, nicht-staatliches gemeinnütziges Krankenhaus etwas außerhalb von Dodoma in „Nytuka Village“. Es wurde 2003 von dem „Dodoma Tanzania Health Development“ gegründet, eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Minnesota in den USA. 

Seitdem hat sich die Klinik stetig weiterentwickelt und besteht mittlerweile aus folgenden Fachbereichen: Gynäkologie/Geburtshilfe, Innere Medizin, Chirurgie, Physiotherapie, Pädiatrie, Augenheilkunde und einer Zahnklinik.

Meine  Famulatur in Tansania 

  • Operating Theater mit OP-Tisch und Beatmungsmaschine am Dodoma Christian Medical Centre in Tansania

    In der Inneren Medizin

Um ein breites Spektrum an Patienten und Krankheitsbildern kennen lernen zu können, entschied ich mich, in möglichst viele Fachbereiche der Klinik Einblick zu nehmen. So verbrachte ich die erste Woche hauptsächlich im „Outpatient Department“ der Inneren Medizin. Es handelt sich hierbei um eine Mischung aus Notaufnahme und Ambulanz. Zuerst erfolgte eine kurze Anamnese, die leider auf Swahili gemacht wurde, weil die meisten Patienten kein oder nur wenig Englisch sprechen. Die Dokumentation in einer Akte wurde dann aber in Englisch verfasst, zusätzlich übersetzten die Ärzte aber unklare Infos oder Fragen. 

Danach folgte noch eine kurze körperliche Untersuchung, die man auch oft allein durchführen durfte, um danach die Befunde durchzusprechen. Je nach Krankheitsbild wurde der Patient mit einem Rezept zur klinikinternen Apotheke oder zu einem Spezialisten der Klinik (Chirurg, Pädiater, usw.) geschickt. Die meisten Krankheitsbilder, die man hier sehen konnte, unterschieden sich nicht sonderlich von denen in Deutschland. Es gab viele Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes, und Magenschleimhautentzündungen. Aber auch viele Patienten mit Fieber, die für einen Malaria-Schnelltest kamen. 

  • In der Pädiatrie

In der zweiten Woche durfte ich in der pädiatrischen Sprechstunde hospitieren. Hier kamen viele Kinder mit Infekten der oberen Luftwege, Mandelentzündungen, aber auch Hautausschlägen, welche sich nicht selten als Pilz (Tinea capitis) herausstellten, welcher vor allem bei engem Kontakt mit Tieren übertragen werden kann. 

Jeden Tag erfolgte auch eine „Ward Round“, entsprechend der deutschen Visite, für jede Fachdisziplin einzeln. Die pädiatrische „Ward Round“ bestand aber im Gegensatz zu einer typischen Visite in Deutschland hauptsächlich aus der Stillberatung der Frauen. Dabei wurde den Frauen genau gezeigt, wie sie das Kind am besten halten, um es zu stillen, ohne dass es dabei viel Luft schluckt. Hier hat es mich sehr verwundert, dass die Kinder nach der Geburt nicht noch einmal von Kopf bis Fuß untersucht wurden. Vorsorgeuntersuchungen, vergleichbar mit denen in Deutschland, gibt es in Tanzania nicht. Die Kinder werden nur bei Auffälligkeiten untersucht. 

Nachdem ich bei einigen Kaiserschnitten bei der Erstversorgung der Neugeborenen zuschauen durfte, war für mich eines der schönsten Erlebnisse während der Famulatur, das frisch entbundene Kind allein entgegen nehmen und versorgen zu dürfen. Dazu gehörte das Abtrocknen des Kindes, eventuell verbliebendes Fruchtwasser aus dem Mund abzusaugen und wie in Deutschland das Erheben des APGAR-Scores zur Beurteilung des Zustands des Kindes. Dann ging man mit dem Kind wieder zur Mutter in den OP-Saal und zeigte ihr das Geschlecht/den Genitalbereich ihres Kindes. Die Mutter musste daraufhin das Geschlecht des Kindes bestimmen. Dies erschien mir erstmal etwas ungewöhnlich. Der Arzt erklärte mir dann aber, wenn es zu genitalen Fehlbildungen käme und man das Geschlecht nicht genau bestimmen könnte, so wäre dies ein eleganter Weg, dann einfach die Mutter entscheiden zu lassen, welches Geschlecht das Kind habe. 

  • In der Gynäkologie & Geburtshilfe 

In der dritten Woche war ich bei gynäkologischen Untersuchungen und Operationen dabei. Dort spielt vor allem die Kinderwunschmedizin eine große Rolle. Oft wird zum Beispiel eine sogenannte Hysterosalpingographie durchgeführt. Das ist eine Röntgen-Untersuchung, bei der die Form der Gebärmutterhöhle und vor allem die Durchgängigkeit der Eileiter beurteilt werden kann. Damit lässt sich die Fruchtbarkeit der Frau beurteilen. Viele Patientinnen versuchen vergeblich schwanger zu werden und die Untersuchung kann Aufschluss darüber geben, ob die Eileiter eventuell verklebt und damit nicht mehr durchgängig sind. In Tansania spielt das Kinderkriegen eine große Rolle, daher ist ein unerfüllter Kinderwunsch eine starke Belastung für die Frauen. 

Nachdem ich einige dieser Röntgen-Untersuchungen gesehen hatte, durfte ich sie auch unter Aufsicht selbst durchführen. Dementsprechend wird im OP auch häufig eine sogenannte „Hydrotubation“ durchgeführt, wobei die Eileiter wieder durchgängig gemacht werden. Bei diesen Eingriffen wie auch bei den oft durchgeführten Kaiserschnitten und anderen gynäkologischen Operationen durfte ich als 2. Assistenz mit operieren. Ein besonders schöner Moment war die Ultraschalluntersuchung einer schwangeren Frau, die nach mehreren Fehlgeburten in der 7. Schwangerschaftswoche erneut auf Verdacht einer Fehlgeburt untersucht wurde. Ich durfte den Ultraschall durchführen und fand nach einigem Suchen endlich eine Herzaktivität und durfte ihr zeigen, dass ihr Baby am Leben war.

Was mich in meiner Zeit in Tansania sehr schockiert hat, war die hohe Rate an weiblicher Genitalverstümmelung. Der englische Fachbegriff dafür ist „Female Genital Mutilation“. Bei der „FGM“ werden ohne medizinische Indikation die äußeren Geschlechtsorgane eines Mädchens oder einer Frau verletzt oder entfernt. Die Prävalenz liegt in Tansania bei ca. 15 Prozent, ist aber vor allem in der Region Dodoma weit verbreitet (bis zu 60 Prozent).

  • Verbandswechsel bei Petro nach einem Schlangenbiss

    In der Chirurgie  

Während der letzten Woche meiner Famulatur begleitete ich den Chirurgen bei seiner Arbeit. Zweimal in der Woche ist chirurgische Sprechstunde und die restlichen Tage einschließlich Samstag werden operative Eingriffe vorgenommen. In der Sprechstunde kamen viele voroperierte Patienten zum Verbandswechsel, neue Patienten für Operationen und Patienten für kleinere Eingriffe. So wurden im Behandlungszimmer auch unkomplizierte Beschneidungen bei kleinen Jungen vorgenommen. Der Chirurg war sehr nett und ich durfte ihm viel assistieren. Auffallend war, dass sich viele Patienten mit großen offenen Wunden vorstellten, unter anderem durch Diabetes bedingt, aber auch Verbrennungen und einen Schlangenbiss lernte ich zu versorgen. 

Im OP wurden alle möglichen Eingriffe vorgenommen, von Leistenhernien über Lipom Entfernung, Hämorrhoiden Entfernungen bis zur Prostatektomie. Besonders berührt haben mich in meiner letzten Woche zwei Kinder, die ich kennenlernen durfte. Jerida, ein 8-jähriges Mädchen, das ich direkt zu Beginn meiner Famulatur auf Station kennenlernte. Beim Versuch allein über offenem Feuer zu kochen, geriet ihre Kleidung in Brand. Sie trug großflächige Verbrennungen an beiden Beinen als auch im Gesäß- und Genitalbereich davon, weswegen sie sich schon fast ein Jahr in stationärer Behandlung im Dodoma Christian Medical Centre befunden hatte. Bei ihr stand alle zwei Tage ein für sie sehr schmerzhafter Verbandswechsel an.

Petro, 11 Jahre alt, wurde beim Spielen draußen von einer Schlange ins Bein gebissen. Einen Monat lang wurde er von einem „traditionellen Heiler“ in seinem Dorf behandelt. Als die Wunde aber immer größer und schlechter wurde, kam er zusammen mit seinem Vater ins Dodoma Christian Medical Centre. Er erschien alle drei Tage zum Verbandswechsel zum Chirurgen.  

Als der Chirurg mir erzählte, dass er bei den beiden, wie auch bei vielen anderen Patienten, gerne ein sogenanntes „Skin grafting“ (Hauttransplantation) durchführen würde, ihm aber die dazu benötigten Geräte fehlen würden, kam mir die Idee, für genau diese Geräte eine Spendenaktion zu starten. Mithilfe der evangelischen Martinsgemeinde Münster, in der ich Mitglied bin, konnte ich die Spendenaktion „Neue Haut“ ins Leben rufen. Mit dem gesammelten Geld konnten zwei benötigte Geräte für die Hauttransplantation dem Christian Medical Centre in Dodoma bereitgestellt werden! 

Schilderung eines typischen Tagesablaufes an der Klinik

Innenhof des Dodoma Christian Medical Centre während der Morning Devotion

Der Tag startete immer um 7:15 mit einer „Morning Devotion“, die im offenen Wartebereich des Krankenhauses stattfand. Dieser kleine Gottesdienst, an dem hauptsächlich Klinikpersonal, aber auch einige Patienten teilnehmen, besteht aus einer Predigt, Gebeten und Liedern. Auch neue Mitarbeiter oder Famulanten wie wir wurden hier vorgestellt. Das Ende bestand aus einem singenden Auszug des Klinikpersonals, bei dem jeder jedem die Hand gab und seinem gegenüber „Karibu Kazi“ wünscht. Damit wünscht man dem anderen einen erfolgreichen Arbeitstag. 

Danach sammelten sich alle Ärzte und die für die Übergabe zuständigen Schwestern und Pfleger in einem sehr engen Behandlungsraum. Besondere Vorkommnisse, neu aufgenommene Patienten wurden vorgestellt, die Zahlen, wie viele Röntgen- und Blutuntersuchungen gemacht wurden und wie viele Patienten jeder Arzt im „Outpatient-Department“ gesehen hatte, wurden besprochen. Aber auch Probleme in der Organisation wurden hier angesprochen. So dauerte diese Morgenbesprechung immer relativ lange und so manche hitzige Diskussionen entstanden, leider häufig auf Swahili. 

Im Anschluss fanden die fächerspezifischen „Ward-Rounds“ (Visiten) statt. Nach einer kurzen morgendlichen Chai-Pause wurden dann die ersten Patienten im „Outpatient-Department“ untersucht. Die Arbeit im OP startete meist schon direkt nach der Morgenbesprechung.
Mittags gegen 13:00 Uhr durften wir immer eine Mittagspause machen, um zu essen, obwohl die meisten Ärzte keine Mittagspause machen konnten, weil so viele Patienten auf die Behandlung warteten. 

Ende des Arbeitstags war, je nachdem, ob ich im OP oder im „Outpatient-Department“ war, um ca. 17:00 Uhr. Teilweise ging es aber auch zum Beispiel bei unvorhersehbaren Eingriffen wie Notkaiserschnitten bis 19:00 Uhr. 

Unterkunft und Finanzierung der Auslands-Famulatur

Unsere Unterkunft auf dem angrenzenden Compound

Es wurde uns eine wunderschöne Unterkunft für 10$ pro Person pro Tag zur Verfügung gestellt. Es war ein kleines Häuschen mit Küche, kleinem Wintergarten und drei Schlafzimmern auf einem bewachten „Compound“ direkt gegenüber der Klinik, auf dem auch viele der Ärzte wohnten. So konnten wir uns glücklicherweise oft selbst Frühstück, Mittag und Abendessen zubereiten und konnten dadurch etwas Geld sparen. 

Da sich das Christian Medical Centre mit angrenzendem „Compound“ ca. 5 km außerhalb von Dodoma befindet, nutzten wir oft klinik-interne „Dalla Dallas“, kleine Busse, „Bodaboda’s“, Motorräder, am liebsten aber „Bajaj’s“, Autorikschas, oder ließen uns vom Fahrer des Krankenhauses mit in die Stadt nehmen, um unsere Einkäufe zu erledigen. 

Die Kosten für die Unterkunft während der Famulatur konnte ich unter anderem mit der Auslandsfamulatur-Förderung von Medizinernachwuchs.de, für die ich mich im Vorfeld beworben hatte, decken. Für diese großzügige Unterstützung möchte ich sehr herzlich bedanken.

Außerdem hatte ich im Vorfeld durch meinen Nebenjob Geld für den Flug und weitere Kosten gespart, um mir den Wunsch, eine Famulatur im Ausland absolvieren zu können, zu erfüllen. 

Land und Leute

Typischer kleiner Obst- und Gemüsestand in Nytuka Village in Tansania

Da das Christian Medical Centre etwas außerhalb von Dodoma in einem Dorf namens „Nytuka“ liegt, musste man zum Einkaufen der meisten Dinge irgendwie in die Stadt kommen. Die Straße zum Krankenhaus war ziemlich schlecht und staubig, sodass man schon nach einem kleinen Spaziergang, um Früchte in „Nytuka“ zu kaufen, völlig dreckig war. Ich fand es sehr beeindruckend zu sehen, wie die Menschen in dem kleinen Dorf in teilweise Lehmhütten-artigen Häusern gewohnt haben. Auf der anderen Seite war es durch die Lage nur selten möglich, nach dem Arbeitstag noch irgendetwas zu unternehmen. 

Außerdem ist weder Dodoma noch die nähere Umgebung eine Touristen-Gegend, in der man kleine Ausflüge hätte unternehmen können. Der nächste National Park wäre eine ca. 7-stündige Fahrt mit dem Bus gewesen, weshalb wir uns dagegen entschieden, einen Wochenendtrip dorthin zu machen.

Da ich noch genug Zeit nach meiner Famulatur hatte, um den Rest des Landes zu erkunden, ist dies kein wirklicher Minuspunkt für mich. Wenn man jedoch danach keine Zeit mehr hat herumzureisen, wäre dies natürlich ein Nachteil an einer Famulatur in der Region Dodoma. 

Eine Angst, die von Anfang an etwas mitgeschwungen hatte, war die der Sicherheit vor Ort als junge „weiße“ Frau. Dass wir zu zweit waren, dämmte diese Angst, so gut es ging, ein.
Trotzdem hielten wir uns möglichst an die Ratschläge, nicht mehr nach Sonnenuntergang draußen unterwegs zu sein. Wir waren nur ein paar Mal abends mit Klinikpersonal oder Medizinstudenten aus Holland in der Stadt, um etwas zu trinken. Da die Sonne schon um ca. 19:00 Uhr unterging, waren wir dementsprechend meistens früh zurück im Quartier. So habe ich mich rückblickend nie unsicher oder unwohl gefühlt. 

Auch wenn es anfangs ein bisschen befremdlich war, durch die Stadt zu laufen und aus allen Ecken „Mzungu“ zu hören, was so viel wie „Weißer“ oder „Europäer“ heißt und teilweise etwas abwertend aufgefasst werden konnte, konnte man vielen Menschen mit einigen Kisuaheli-Brocken, die man in der Zeit gelernt hatte, ein Lächeln aufs Gesicht zaubern und sie davon überzeugen, kein typischer Tourist zu sein. 

Fazit meiner Auslands-Famulatur 

Verbandswechsel bei Petro nach einem Schlangenbiss

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es auf jeden Fall eine der besten Entscheidungen war, für eine Famulatur nach Tansania zu reisen. Ich hatte im Vorfeld etwas Bedenken, von dieser Famulatur nicht so viel mitnehmen und lernen zu können, da ich auch von vielen gehört hatte, die in ihrer Auslands-Famulatur nicht viel Zeit in der Klinik verbracht und eher Urlaub gemacht hatten. Dies war bei mir definitiv nicht der Fall. Es war zeitlich vielleicht sogar mehr Aufwand, den ich aber auf keinen Fall als negativ wahrgenommen habe. Ich durfte viele schöne Situationen miterleben und auch viel lachen, aber habe auch Vieles mitbekommen, das mich traurig und zum Nachdenken veranlasst hat. 

Ich denke, dass ich in dieser Famulatur vielleicht weniger medizinisches Wissen, dafür aber umso mehr „Wissen fürs Leben“ gesammelt habe, zum Beispiel, an manche Dinge mit einer anderen Grundeinstellung und etwas mehr Leichtigkeit heran zu gehen. 

Leonie S.

Frankfurt am Main, August 2019

Stipendiatin der Auslandsstipendien 2018
Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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