Famulatur in den USA – Pädiatrische Neurochirurgie

19. August 2019

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Land, Neurochirurgie, Pädiatrie, USA

USA, St. Petersburg, Johns Hopkins All Children’s Hospital (02.03.-31.03.2019)

„Pediatric neurosurgery is all about passion and perfection, which you can only reach by successfully cooperating as a team. […] Everyone is really trying his or her best to make the patients happy and healthy again.“ Dies war mein Fazit, das ich am Ende meiner Famulatur im Sunshine State Florida im Rahmen eines Interviews mit der Marketingabteilung des Johns Hopkins All Children’s Hospital in St. Petersburg gezogen habe. Meine vier Wochen in den USA waren eine überwältigende Erfahrung durch beeindruckende Patienten mit seltensten Erkrankungen, die von hochengagierten Ärzten und anderen Berufsgruppen einfühlsam und mit größter Sorgfalt behandelt werden.

Vom Fachrichtungsmosaik zur Pädiatrischen Neurochirugie

Da sich im Laufe der ersten Semester meines Medizinstudiums und der Praktikumserfahrungen sehr schnell herauskristalisierte, dass mich sowohl chirurgische Fächer als auch die Neurologie faszinierten und ich insbesondere im Umgang mit pädiatrischen Patienten nie merkte, wie schnell die Zeit verging, fragte ich mich eines Nachmittags, ob sich aus diesem Mosaik an verschiedensten in Frage kommenden Spezialisierungen nicht eine konkrete Fachrichtung herleiten ließe. Kurz entschlossen googlete ich „Pädiatrische Neurochirurgie Charité“ und siehe da: Diese Fachrichtung existiert tatsächlich.

Ich ergriff sofort die Gelegenheit und meldete mich zum Mentoring-Programm der Charité – Universitätsmedizin Berlin an, gab als Spezialwunsch einen Mentor aus der Pädiatrischen Neurochirurgie an und bekam wenig später den Leiter der Abteilung zugeteilt. Er nahm mich direkt mit zu einer OP und bot mir Unterstützung bei meinen Auslandsfamulaturplänen an. Aufgrund der hohen Spezialisierung innerhalb der Pädiatrischen Neurochirugie müssen die Kliniken zu Forschungszwecken weltweit intensiv kooperieren, um ausreichend Datenmaterial zu generieren und sind dementsprechend gut vernetzt.

Bewerbungsprozess für ein Rotation Elective

Da mir bekannt war, dass es insbesondere in den USA schwierig sei, einen Famulaturplatz zu erhalten, habe ich meinen Mentor hierfür nach Tipps gefragt. Mein Mentor verwies mich an den leitenden Neurochirurgen des renommierten Johns Hopkins All Children’s Hospital in St. Petersburg, Florida. Dieser antwortete mir, dass er mich gerne annehmen würde, die Klinik Medizinstudenten allerdings nur über den offiziellen mehrstufigen Auswahlprozess ihres „Office of Medical Education“ zulasse. Nun begann ein monatelanges Bewerbungsverfahren und ein Kampf mit dem Bürokratiedschungel, den ich mir nie derart zeitintensiv vorgestellt hätte. Daher kann ich nur jedem empfehlen, sich mindestens ein Jahr vor dem  Wunschdatum der Famulatur mit verschiedenen Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

Auch wenn ich mich trotz „Connections“ einem standadisierten Bewerbungsprozess unterziehen musste, habe ich von einigen Kommilitonen gehört, dass sie durch Kontakte diese komplizierten Prozesse an anderen Krankenhäusern in den USA überspringen konnten. Daher empfehle ich generell, sich auf jeden Fall für ein Mentoring-Programm anzumelden, sofern ein solches an der jeweiligen Heimatuniversität existiert, und/oder frühzeitig einen Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei einem möglichst auslandsaffinen Professor anzunehmen.

Folgende Unterlagen musste ich im Laufe meines Bewerbungsprozessses einreichen:

  • Online-Bewerbungsbogen mit Eckdaten und kurzem Motivationsschreiben. Darin habe ich auch von der vorausgesetzten Famulatur in der Pädiatrie, in meinem Fall in einer Kinderarztpraxis, berichtet, da diese nicht wie in anderen Ländern mit auf der Notenübersicht erscheint.
  • Unterzeichnete „Honor Codes“ zum Thema Daten- und Patientenschutz
  • Eine direkt vom Referat für Studienangelegenheiten an die Klinik versendete Notenübersicht. Eigentlich sollte diese von der Heimatuniversität ins amerikanische Notensystem übersetzt werden, aber da das Referat sich weigerte, habe ich mein Glück mit einer Notenübersicht im deutschen System versucht…
  • „Medical School Elective Approval Form“: ein von der Heimatuniversität ausgefüllter Fragebogen zu mir als Studentin, wobei mich das International Office der Charité unterstützt hat. Zum Beispiel wurde dort erfragt, ob der Universität von mir ein polizeiliches Führungszeugnis vorliegt, was nicht der Fall war und offensichtlich kein Hindernis darstellte.
  • Vollständiger Impfpass: Es werden die Impfungen erwartet, die uns auch in Deutschland als Medizinstudent empfohlen werden. Obligatorisch ist auch die Grippeimpfung, kann man nachreichen, wenn der Bewerbungszeitraum außerhalb der Impfsaison liegt, sowie ein positiver Varizellentiter, falls man die Erkrankung schon hatte und daher nicht geimpft wurde.
  • Vier Wochen vor Famulaturbeginn musste ich einen negativen Tuberkulosetest liefern. Da bei mir durch die BCG-Impfung das Ergebnis des typischerweise durchgeführten Intrakutantests falsch positiv gewesen wäre, habe ich von vornherein den Gamma-Interferontest (Bluttest) durchführen lassen. Dies ging in der Hausarztpraxis mit etwas Überzeugungskunst. Der Test kostet 38 Euro und wird nicht von der GKV übernommen.

Ich musste mehrfach per E-Mail nachhaken, ob meine Unterlagen angekommen sind und um eine Rückmeldung bitten. Außenstehenden erschien dieses „Procedere“ im Verhältnis zu dem vierwöchigen Aufenthalt sehr übertrieben, aber auch hier hat sich die Hartnäckigkeit ausgezahlt.

Als endlich die Zusage aus Florida kam, konnte ich mein Glück kaum fassen. Laut dem „U.S. News & World Report“ zählt das Johns Hopkins All Children’s Hospital in St. Petersburg, Lehrkrankenhaus der University of South Florida, zu den besten Kinderkrankenhäusern der USA.

Visum, Versicherungen, Unterkunft und Überleben ohne öffentlichen Nahverkehr

Malerischer Sonnenuntergang in Key West - Florida
Malerischer Sonnenuntergang in Key West – Florida

Bezüglich des Visums war ich zuerst sehr verunsichert, da ich von anderen Studenten gehört hatte, dass ein B-Visum erforderlich sei, das Office of Medical Education des Krankenhauses mir aber sagte, dass europäische Studenten generell mit einer ESTA-Reisegenehmigung  kommen würden. Diese ist ganz einfach online zu beantragen und kostet lediglich 14 USD im Gegensatz zum B-Visum, für das man beim Honorarkonsulat vorstellig werden muss.

Da in den Regularien der ESTA-Reisegenehmigung die Option „attend short-term training (you may not be paid by any source of the United States with the exception of the expenses incidental to your stay)“ angegeben ist, erschien mir diese Variante plausibel.

(Anm.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Zudem ist es wichtig, sich rechtzeitig um eine Auslandskranken-, Privat- und Berufshaftpflichtversicherung zu kümmern. Bescheinigungen können auf Anfrage auf Englisch ausgestellt werden.

Da ich die erste Woche in Florida lieber mit Reisen als mit Wohnungssuche verbringen wollte, hatte ich mich für eine Buchung über „Airbnb“ entschlossen, was mir sogar vom Krankenhaus empfohlen wurde. Da der Monat März zur Haupturlaubssaison Floridas zählt, waren die Preise demententsprechend hoch. Für einen Wohnwagen mit Zugang zu den Gemeinschaftsbädern und -küchen des zugehörigen internationalen Gästehauses habe ich für vier Wochen 755 USD bezahlt. Damit lag ich vergleichsweise günstig. An dieser Art der Unterbringung habe ich sehr geschätzt, dass man dort nicht auf sich allein gestellt war, sondern in Alltagsfragen immer jemand gern geholfen hat.

Als drei Viertel des Textes in der Willkommens-E-Mail des Krankenhauses vom Zugang zu den Mitarbeiterparkplätzen handelte, musste ich zuerst laut lachen. Als ich jedoch feststellte, dass es anders als in europäischen Städten dort wirklich kaum eine andere zeitlich vertretbare Option als das Auto gab, um von A nach B zu kommen, blieb mir das Lachen im Halse stecken.

Zum Glück stellten meine Airbnb-Gastgeber mir kostenlos ein Fahrrad zur Verfügung, ohne das ich entweder jeden Morgen noch früher hätte aufstehen müssen, um zu Fuß zur Klinik zu laufen oder wie andere Praktikanten mit einem „Uber“-Taxi hätte fahren müssen. Diese sind in den USA zwar günstiger als in Deutschland, machen sich bei dauerhafter Nutzung preislich aber auch schnell bemerkbar.

Daher empfehle ich, sich unbedingt eine nahe am Krankenhaus gelegene Unterkunft auszusuchen, die Fahrradverfügbarkeit zu prüfen oder minutiös die Fahrpläne des – falls vorhandenen – öffentlichen Nahverkehrs vor der Buchung der Unterkunft zu studieren.

„Shunt like a Champion“: Auf der Pädiatrischen Neurochirurgie

Vor dem Research and Education Building des Johns Hopkins All Children's Hospital in Saint Petersburg – USA
Vor dem Research and Education Building des Johns Hopkins All Children’s Hospital in Saint Petersburg – USA

„Shunt like a Champion“ war das Motto, das auf einem großen Schild über dem OP-Tisch prangte. Und so kam es mir an einigen Tagen bei drei Shunt-OPs hintereinander im Akkord auch vor. Die Patienten kommen mit ihren Eltern von überall aus den Südstaaten her, um am John’s Hopkins All Childrens Hospital in St. Petersburg behandelt zu werden. Daher ist das Streben nach Exzellenz und Perfektionismus groß. Dabei kam das herzliche Miteinander auch unter Kollegen jedoch nie zu kurz.

Es herrschte sowohl im OP als auch in den Besprechungen immer eine keinesfalls hierarchische, sondern eher freundschaftlich lockere Atmosphäre. Als Famulantin wurde ich sofort sehr freundlich in das Team der Neurochirurgen integriert. Diese waren trotz extrem hoher Arbeitsbelastung, der 80h/Woche-Mythos ist tatsächlich Realtät, jederzeit bereit, mir komplexe Diagnosen und Krankheitsbilder zu erklären. Ich bekam Zugang zum Intranet, den relevanten Patientendaten, (OP-)Räumlichkeiten und Dienstkleidung, sodass ich mich überall frei bewegen konnte, eine eigene E-Mail-Adresse und sogar ein eigenes Research Office, da ich mich bereit erklärt hatte, an einer Studie zu Shuntinfektionen mitzuarbeiten.

Als Famulantin wurde von mir am Johns Hopkins All Children’s Hospital sehr viel Eigeninitiative abverlangt. Mir wurde komplett freigestellt, wen von den Ärzten ich wohin und wann begleite, was mir sehr viel Fingerspitzengefühl abverlangte. Schließlich wollte ich nicht immer dieselbe Person durch zu viel Nachfragen belasten. Dies lag vermutlich daran, dass im Johns Hopkins All Children’s Hospital nur äußerst selten Famulanten angenommen werden, wie mir die Koordinatorin des Chefarztes, meine persönliche Ansprechpartnerin, später berichtete, und es dadurch keinen „Masterplan“ für mich gab.

Auch was die Arbeitszeiten anbelangte, lautete das Motto: „Feel free to make the most of your opportunities“. Solange ich von montags bis freitags um 7:00 Uhr zur morgendlichen Besprechung erschien, durfte ich mir meine Tagesplanung selbst gestalten. Diese Form der auf mich zunächst verunsichernd, aber dann immer motivierender wirkenden übertragenen Eigenverantwortung führte sicherlich auch dazu, dass ich an manchen Tagen bis 21:30 Uhr in der Klinik blieb.

Mein Arbeitstag am Johns Hopkins All Children’s Hospital  

Die morgendliche Zusammenkunft um 7:00 Uhr aller Neurochirurgen, „Nurse Practitioners“, Berufsgruppe mit einer Qualifikation zwischen Arzt und Krankenschwestern, und dem Pflegepersonal stellte den Tagesauftakt dar. Dort schilderte der „Resident“ (Assistenzarzt) den von ihm ab 5:30 Uhr erhobenen Zustand aller Patienten, über deren Behandlungsoptionen im Anschluss diskutiert wurde. Zunächst verstand ich dabei kaum etwas, da sowohl viele der seltenen Diagnosen, z.B. Central Neurocytoma, für mich komplett neu waren, als auch die unendlichen Abkürzungen, von denen viele sogar innerhalb des Krankenhauses variierten. Trotz des vorher an der Charité besuchten Medical English Kurses stand ich dadurch vor einigen Herausforderungen. Ein Beispiel: MVA (= Motor vehicle accident) = MVC (= Motor vehicle collision). Ich legte deshalb ein Heft an, um jedes Mal mir unverständliche Begriffe und Buchstabenfolgen zu notieren und suchte nach Gelegenheiten, um den „Resident“ zwischendurch zu fragen.

Leichter wurde es für mich nach einer Woche, als eine Famulantin aus Schottland dazukam. Da sie schon auf PJ-Niveau war und davor bereits Erfahrungen in der Pädiatrischen Neurochirurgie gemacht hatte, konnte sie mir sehr viel erklären und ich  hatte das Gefühl, dadurch sowohl fachlich als auch sprachlich schneller Fortschritte zu machen.

Nach der Morgenbesprechung ging es mit einem Teil der Neurochirurgen zur Patientenvisite auf die Normal- und Intensivstation sowie auf die „NICU“ (Neonatal Intensive Care Unit) bzw. dienstags immer zum „Tumor Board“, einer Konferenz, bei der alle beteiligten Fachdisziplinen (Onkologen, Chirurgen, Pathologen, Radiologen) über schwierige Patientenfälle diskutieren, um gemeinsam einen Behandlungsplan aufzustellen.

Nach einer kurzen Frühstückspause in der „Physicians‘ Lounge“, in die wir Famulanten immer eingeladen wurden, ging es wahlweise im „OR“ (Operation Room, d.h. OP) oder der „Clinic“ (ambulante Vorbesprechung oder Nachsorge) weiter. In der „Clinic“ hatten die verschiedenen Neurochirurgen immer ihre gezielten Fachsprechstunden an bestimmten Tagen. Zum Beispiel gab es in der „Spine-Clinic“ viele Patienten mit Spina Bifida, die einem besonders schnell ans Herz wachsen, weil sie Beobachtungen zufolge häufig sehr gesprächig und anhänglich sind. In der „Head Shape Clinic“ haben die Ärzte nicht nur mit Kraniosynostose, sondern vor allem mit teils sehr ambitionierten Eltern zu tun, die auf einer Helmtherapie für ihre Kinder insistieren, selbst wenn diese medizinisch nicht indiziert ist.

Neben den besagten Hydrocephalus-Shunt-Operationen, Chiari-Dekompressionen, Spina-Bifida-OPs und Korrekturen der Kraniosynostosen gab es einen Fall, der alle in Aufruhr versetzte: Ein Jugendlicher, dem ein auf dem Boot unbefestigter Anker an den Kopf geprallt war, sodass er eine Subarachnoidalblutung erlitt, die sofort entlastet werden musste. Selbst in solchen kritischen Situationen achteten die Neurochirurgen stets darauf, dass wir Famulanten mit am OP-Tisch stehen durften, um in diesem Fall die dekompressive Kraniektomie direkt mitzuverfolgen.

Während ich in der „Clinic“ unter Aufsicht selbst Anamnesen erheben, Shuntlagen ertasten oder vorab Fragen stellen durfe, bevor die Ärzte dazukamen, hatte man als Famulantin im OP eine sehr passive Rolle. Zwar durften wir jederzeit Fragen stellen und mit durchs Mikroskop schauen, aber die meiste Zeit war Zuschauen angesagt. Diese bereits von anderen Famulanten in den USA festgestellte Beobachtung kann ich daher nur bestätigen, möchte die gemachte Erfahrung jedoch keinesfalls missen. Wenn man praktische Fertigkeiten erlernen möchte, ist ein „rotation elective“ in der Neurochirurgie am Johns Hopkins All Children’s Hospital sicher nicht die ideale Wahl. Nichtsdestotrotz wird man stark geschult, was die Phänotyp-Erkennung seltener Krankheitsbilder anbelangt, weil diese dort so häufig behandelt werden. Außerdem lernt man viel in puncto Bildgebung und OP-Verfahren, da die Ärzte jederzeit bereit sind, Einzelheiten zu erklären und die Lehre als sehr wichtig erachtet wird.

So hatten wir auch die Gelegenheit, an einem „Journal Club“ mit einem Special Guest von der University of Buffalo teilzunehmen, zu dem uns der „Resident“ in ein feines Restaurant im 30-Minuten entfernten Tampa mitnahm.

Bei der zweitägigen „Brain Series“ Schulung für Pflegekräfte lernten wir z.B. die Bedienung einer Externen Ventrikeldrainage. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, an den einmal wöchentlich stattfindenden „Pediatric Grand Rounds“ teilzunehmen. Dabei handelt es sich um vorlesungsartige Veranstaltungen mit Mittagsbuffet für Ärzte, bei denen aktuelle Themen kurzweilig vorgestellt werden. Das Impfgegner-Thema „Infectious Disease Wars“ wurde z.B. von als „Star Wars“ Charaktere auftretenden Dozenten präsentiert.

Nach dem „Daily Business“ auf der Pädiatrischen Neurochirurgie ging es dann für mich ins „Research Office“, um an der Studie zu Shuntinfektionen zu arbeiten – und ehe ich mich versah, war es nicht selten 21:30 Uhr. Als es mich dann irgendwann an Wochenenden ins Office zog, bekam ich eine Idee davon, was das Wort  „Berufung“ bedeuteten könnte. Da die Studienbetreuerin mir ausdrücklich erlaubt hatte, ihr auch sonntags Fragen zu stellen, mir gelegentlich die Neurochirurgen und der „Resident“ sowieso zu jeder Tageszeit über den Weg liefen, war ich auch dann in bester Gesellschaft.

Reisen im SunshineState: Umgeben von Disney World, Delfinen und endlos weißen Sandstränden

 Feuerwerkshow in Disney World's Magic Kingdom in der Nähe von Orlando in Florida

Feuerwerkshow in Disney World’s Magic Kingdom in der Nähe von Orlando in Florida

Da ich mich während meiner Famulatur voll und ganz auf die einmalige Chance am Johns Hopkins All Children’s Hospital konzentrieren wollte, ohne das Gefühl zu haben, dabei die touristischen Attraktionen Floridas zu verpassen, entschied ich mich dazu, gemeinsam mit meinem Freund eine Woche eher anzureisen und eine Rundreise durch den Sunshine State zu machen.

Hier mein nächster Tipp: Immer mal einen Tag Puffer einplanen, denn unser kompletter Hinflug wurde gecancelt und um einen Tag nach hinten verschoben. So sind wir abends um 23:00 Uhr todmüde in unserem Airbnb in Orlando angekommen und Jetlag-bedingt am nächsten Morgen  topfit um 6:00 Uhr aufgewacht. Daher waren wir am 1. Tag unserer Rundreise überpünktlich im „Magic Kingdom“ von Disney World – ein absolutes Must-See, weil dieser Themenpark den Inbegriff von Disney’s Perfektion darstellt mit dem berühmten Märchenschloss und all den Disney Charakteren, die in Form von Shows und Paraden vorgeführt werden. Am 2. Tag ging es zum Disney World‘s Epcot-Themenpark, der aufgrund seiner in den 1980er Jahren entsprungenden futuristischen Ideen leider schon etwas retro wirkt. Auch die „World Showcase“, eine repräsentative Nachbildung mehrerer Länder um einen großen See herum, war in den 80ern vor den Zeiten des Billigtourismus sicher noch spektakulärer. Attraktionen wie ein Weltraumkapsel-Simulator sowie das Konstruieren und Testen eines eigenen Rennautos sorgten jedoch auch hier für Spannung und Adrenalin.

Am 3. Tag ging es weiter nach Miami, wo jemand am 4. Tag beim Ausparken unserem Mietwagen eine große Schramme zugefügt hat. Daher lernten wir dort das Polizeipräsidium, aber auch die Hilfsbereitschaft der amerikanischen Polizeibeamten besonders gut kennen. Nach einer Übernachtung in Homestead sind wir am 5. Tag die „Keys“, eine Inselkette im Süden Floridas, entlang bis zum südlichsten Punkt der kontinentalen USA in „Key West“ gefahren. Von dort aus haben wir eine dreistündige „ Dolphin Watch & Snorkel Sunset-Tour“ gemacht, was mein persönliches Highligt war. Die Delfine sind direkt am Boot geschwommen, vor den „Keys“ sind farbenprächtige Korallen beim Schnorcheln zu entdecken und der Sonnenuntergang zwischen den kleinen Inseln ist ein wahrer Traum. Wir hatten dieses Angebot auf „Groupon“ entdeckt, was ich zur Ausflugsplanung sehr weiterempfehlen kann.

Da „Homestead“ als günstige Übernachtungsoption nicht nur in Reichweite zu den „Keys“ sondern auch zu den „Everglades“ liegt, sind wir am 6.Tag ins „Reich“ der Alligatoren gefahren, haben eine Airboat-Tour gemacht und Babyalligatoren, Schlangen und Schildkröten streicheln dürfen. Von dort aus ging es innerhalb von vier Stunden nach St. Petersburg.

St. Petersburg in Florida grenzt im Osten an die ruhige „Tampa Bay“, ein beliebtes Gebiet für Hobbyfischer und Yachtbesitzer, und im Westen an den gelegentlich wild anmutenden Golf von Mexiko mit endlos weißen Sandstränden. Das Wasser auf beiden Seiten verleiht der Stadt ihren ganz besonderen Charme. Zu den Geheimtipps gehört auf jeden Fall der „Fort de Soto Beach“ mit feinstem Sand und außergewöhnlichen Muscheln sowie ein Angelausflug zum „Weedon Island Preserve“.

Mein Blick zurück 

Traumstrand im Bahia Honda State Park in Florida
Traumstrand im Bahia Honda State Park in Florida

Auch wenn der Vorbereitungsaufwand für eine Famulatur in den USA auf den ersten Blick hoch erscheint, waren diese fünf Wochen in Florida angereichert mit einer enormen Dichte an Erfahrungen, die rückblickend auch ein halbes Jahr hätten füllen können. Wenn auch Ihr unbedingt in die USA gehen wollt,  lasst Euch diese Chance nicht entgehen. Werdet kreativ, hakt vermeindliche Rückschläge und Absagen einfach als Erfahrungswert ab und bleibt hartnäckig. Je mehr Ihr darum kämpfen müsst, desto glücklicher macht Euch am Ende der Erfolg.

An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich für die finanzielle Förderung in Form eines Auslandsstipendiums durch Medizinernachwuchs.de bedanken!

Weitere Informationen sowie ein Bild mit dem Chefarzt gibt es in dem anfangs erwähnten Interview auf der Homepage des Johns Hopkins All Children’s Hospital zu meinen Famulaturerfahrungen:

https://www.hopkinsallchildrens.org/ACH-News/General-News/Students-Come-from-Around-Globe-to-Work-with-Dr-G

Philine Behrens

Berlin, Mai 2019

Stipendiatin der Auslandsstipendien 2018-2019

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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