Famulatur in den USA – Nephrologie

22. März 2019

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Innere Medizin, Land, Nephrologie, USA

USA, Chapel Hill, University of North Carolina at Chapel Hill (27.08.-21.09.2018)

Im nachfolgenden Bericht werdet Ihr meine Erfahrungen lesen, die ich als Elective Student an der University of North Carolina at Chapel Hill in den USA bei meiner Famulatur gemacht habe. Die Arbeit ist nicht nur lehrreich, sondern macht zudem unglaublichen Spaß. Man lernt exzellente Ärzte kennen, die einen lange prägen werden! Daher kann ich jedem ein „Elective“ im Internal Medicine Program der UNC nur ans Herz legen!

Warum überhaupt USA? Warum gerade die UNC?

Ich hatte schon immer ein großes Interesse an den USA und nach meinem zuvor absolvierten Elective am MD Anderson Cancer Center in Houston/Texas, siehe mein damaliger Erfahrungsbericht, wollte ich unbedingt weitere Erfahrungen in diesem faszinierenden Land sammeln.

Ich hatte für meine erneute Famulatur in den USA Zusagen für mehrere amerikanische Universitäten gehabt, aber ich wollte unbedingt an die University of North Carolina at Chapel Hill (UNC), da diese Medizinische Fakultät ein hervorragendes Internal Medicine Program besitzt und dort einige der weltweit besten Nephrologen arbeiten. Chapel Hill ist zudem eine wunderbare Studentenstadt, in der man auch sehr gut leben kann!

Wie lief die Bewerbung ab?

Die Bewerbung lief deutlich unkomplizierter ab als bei meinem letzten elective am MD Anderson Cancer Center in Texas. Sie geht an das „Office of International Activities“.  Auf der Internetseite der UNC ist alles sehr klar beschrieben, was man benötigt. So braucht man ein englisches „Medical Transcript“, meine Universität in Deutschland hatte mir ein solches englisches Zeugnis ausgestellt, einen guten USMLE Step 1 oder für deutsche Medizinstudierende ein Physikum, eine Immunisierungsbestätigung, gute Referenzschreiben und einen erfolgreichen TOEFL-Test. Die restlichen Dinge bzw. Schritte sind auf der Seite der UNC erklärt.

Es ist natürlich wichtig, sich vorher sehr genau zu informieren, wann die heimischen Studenten ihre „third year oder fourth year rotations“ haben. Jedes Fachgebiet bietet eine Statistik an, die zeigt, wann man sich am besten bewerben sollte. Die University of North Carolina at Chapel Hill ist sehr lokal organisiert und bevorzugt als „elective student“ ihre eigenen Studenten. Dies bedeutet, dass man bei einer Bewerbung in direkter Konkurrenz mit den heimischen Medizinstudierenden ist. Es ist wichtig zu verstehen, dass, nur weil man ausländischer Student ist, nicht in Watte gepackt wird! Bei der Bewerbung wird man mit den Amerikanern verglichen. Wenn man sich mit einem bereits abgeschlossenen USMLE Step 1 (United States Medical Licensing Examination) bewirbt und dieser durchschnittlich ist, würde ich eher das Physikums-Zeugnis nehmen, denn die USMLE Step 1 Durchschnittsnoten der UNC Studenten sind sehr hoch! Die UNC liegt weit oben im amerikanischen Ranking.

Des Weiteren sollte man die Fächerwahl beachten. Ich hatte mich bewusst für die Innere Medizin entschieden, da dies die Fächer sind, die mich am meisten interessieren. Ich denke, man sollte bei der Fächerwahl immer nach Interesse gehen und nicht danach, welche Fächer die höchsten Chancen bei der Bewerbung ermöglichen. Dennoch sollte man ehrlich sein und sich vorher informieren, ob man überhaupt Chancen bei bestimmten Fachgebieten hat. Einige Fachrichtungen, insbesondere Dermatologie, Orthopädie, Chirurgie („Subinternships“), „Acting Internships“, Radiologie etc. sind sehr kompetitiv und eigentlich eher den Studenten der UNC vorbehalten. Dennoch denke ich, dass auch diese „electives“ für internationale Studenten möglich sind, wenn man sich vorher informiert und die Zeiten möglichst schlau wählt.

Ich kann allen an einer Famulatur oder einem PJ-Abschnitt im Ausland interessierten Medizinstudierenden nur empfehlen, den Vortrag von Herrn Peter Karle, Chefredakteur von Medizinernachwuchs.de, zum Thema „Famulatur und PJ im Ausland“ anzuhören und auch seine Auslandssprechzeit wahrzunehmen, denn dort habe ich hervorragende Ratschläge zum Thema Auslandspraktika erhalten. Der Vortrag und die Sprechzeit ermöglichen Euch nicht nur einen Einblick in das klinische Arbeiten in den USA, sondern auch zu vielen anderen Ländern wie zum Beispiel Australien, Südafrika, Schweiz, England etc. Daher sind beide Veranstaltungen extrem sinnvoll für jeden, der überlegt, im Ausland eine Famulatur und/oder einen Teil des Praktischen Jahres zu absolvieren.

Ich bin dem gesamten Team von Medizinernachwuchs.de zudem sehr dankbar für die Unterstützung durch das Auslandstipendium, das ich erhalten habe. Eine Famulatur in den USA ist sehr teuer und auch die Lebenshaltungskosten sind in bestimmten Städten hoch. Ich wurde durch Medizinernachwuchs.de daher nicht nur durch hervorragende Fachkenntnis, sondern auch finanziell unterstützt, wofür ich Herrn Karle und dem gesamten Team sehr dankbar bin.            

Daher kann ich nur jedem mit Auslandsambitionen empfehlen, diese großartige Chance wahrzunehmen!

Und wie war die Wohnsituation in Chapel Hill?

Es ist leider sehr schwer, ein Studentenwohnheim zu finden. Ich hatte daher ein Zimmer über Airbnb gemietet, was aber ein absoluter Glücksfall war. Meine Mitbewohner haben alle an der UNC gearbeitet, so dass sie mich gut einweisen konnten. Insgesamt würde ich empfehlen, sich sehr frühzeitig zu informieren. Wenn man ein Auto mietet, kann man problemlos auch in den größeren Städten in der Umgebung wohnen. Da ich jedoch keines hatte, war es mir wichtig, eine gute Anbindung zu den Bussen zu haben. Dies ist grundsätzlich kein Problem gewesen, da die Busse zuverlässig fahren. Dennoch solltet Ihr Euch frühzeitig umschauen, wenn Ihr eine passende Wohnung in zentraler Lage sucht.

Meine Arbeit auf der Nephrologie

Eines der zahlreichen Forschungsinstitute der UNC - University of North Carolina at Chapel Hill
Eines der zahlreichen Forschungsinstitute der UNC – University of North Carolina at Chapel Hill

Der Arbeitsalltag in der Nephrologie an der University of North Carolina at Chapel Hill war unglaublich interessant. Ich hatte eigene Patienten und hatte gleichzeitig auch „Consult Service“. Somit habe ich ein unglaublich breites Spektrum an Patienten angetroffen. Die Lehre ist hervorragend und die Ärzte geben sich unglaublich Mühe, dass man so viel mitnimmt, wie es nur geht. Man sollte von Anfang an Engagement zeigen und aktiv mitarbeiten. Die Arbeit ist sehr zeitintensiv. Es kann daher schon mal sein, dass man um 07:00 Uhr beginnt und um 22:00 Uhr fertig ist. Es besteht die Möglichkeit im Krankenhaus zu übernachten, wenn es zu spät wird!

Es wird allgemein mehr erwartet als in Deutschland. Daher ist es wichtig, dass man täglich mitarbeitet und sich jeden Abend inhaltlich auf den nächsten Tag vorbereitet. Es gab täglich Fachkonferenzen, an denen man auf jeden Fall teilnehmen sollte. Die Vorträge sind klinisch und sehr interessant.

Man arbeitet auch gemeinsam mit amerikanischen Medizinstudierenden der UNC, die einem den Einstieg sehr vereinfachen können. Die Studenten der University of North Carolina at Chapel Hill sind hervorragend und oftmals im klinischen Wissen deutlich weiter als die deutschen. Daher empfehle ich dringend, dass man sich im Vorfeld sehr gut über sein Fach und das Patientenspektrum informiert. Ich hatte mich einen Monat vorher bei meinen „Attendings“ über das Krankheitsspektrum informiert und mich dann intensiv auf entsprechende Themen vorbereitet. Ich kann dazu an dieser Stelle nur empfehlen, die Datenbank „UptoDate“ zu nutzen, damit man auf den aktuellen Stand der Forschung und Leitlinien gebracht wird. Diese ist mittlerweile Goldstandard in den USA.

Die Arbeit an der University of North Carolina at Chapel Hill ist nicht nur lehrreich, sondern macht zudem unglaublichen Spaß. Man lernt exzellente Ärzte kennen, die einen lange prägen werden! Daher kann ich jedem ein „Elective“ im Internal Medicine Program der UNC nur ans Herz legen!

Und das Leben in Chapel Hill?

Der beste Burger in Chapel Hill
Der beste Burger in Chapel Hill

Chapel Hill ist eine reine Studentenstadt. Man wird daher größtenteils nur Studierende antreffen. Es gibt viele, denen die klassischen College Towns der USA nicht gefallen. Ich denke aber, dass Chapel Hill der perfekte Ort für ausländische Studenten ist. Die Menschen dort sind sehr offen und man kommt problemlos mit allen in Kontakt. Darüber hinaus ist die Natur in North Carolina wunderschön. Ich kann jedem nur empfehlen, dort wandern zu gehen.

Der Höhepunkt aber ist das Essen! Ich habe noch nie so interessante Restaurants gesehen. Die Südstaaten haben eine unglaublich interessante Küche und man sollte viel experimentieren und ausprobieren, wenn man dort ist

Mein Fazit

Blick auf einen Teil des Lehrkrankenhauses der UNC at Chapel Hill und einen Teil der Zahnklinik
Blick auf einen Teil des Lehrkrankenhauses der UNC at Chapel Hill und einen Teil der Zahnklinik

Insgesamt hat mir das „Elective“ sehr gut gefallen! Ich würde deutschen Medizinstudierenden jedoch nicht empfehlen, ein „Elective“ in den USA als Famulatur zu absolvieren. Aus meiner Sicht ist das klinische Wissen eines Medizinstudierenden in Deutschland im 3. bis 5. Studienjahr oftmals zu gering, um dort effektiv zu arbeiten – insbesondere bei komplexeren Subspecialties. Im PJ ist das deutlich besser.

Wenn Ihr an den USA interessiert seid und gerne intensiv arbeitet, kann ich die Abteilungen der Inneren Medizin dort empfehlen. Es ist sicherlich immer sehr arbeitsintensiv, aber man lernt unglaublich viel!
Ich werde definitiv irgendwann wieder dorthin zurückkehren!

Amir Mehdizadeh-Shrifi

Hannover, Februar 2019

Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2018

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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