PJ in Großbritannien – Innere Medizin

30. April 2020

in Allgemein, Chancen im Ausland, Fachgebiet, Großbritannien, Innere Medizin, Land, Praktisches Jahr im Ausland, Pulmologie

Großbritannien, Newcastle upon Tyne, Royal Victoria Infirmary (18.11.2019-13.01.2020)

Nachdem mich das britische System bereits bei meiner Famulatur in London begeistert hatte, wollte ich für das PJ zurück nach Großbritannien gehen. Die ausgezeichnete Lehre und die flachen Hierarchien hatten mich motiviert, mir einen PJ-Platz in England zu suchen. Es ist mir eine große Freude gewesen, einen Teil meines PJs in Newcastle upon Tyne zu absolvieren. Ich kann es nur empfehlen.  

Motivation und Bewerbung

Ich hatte die Möglichkeit, im Rahmen meines Praktischen Jahres zwei Monate im ,,Royal Victoria Infirmary“ Krankenhaus der University of Newcastle upon Tyne in Großbritannien zu verbringen. Nachdem ich bereits eine Famulatur in London absolviert und mich das britische System begeistert hatte, wollte ich für das PJ zurück nach Großbritannien gehen. Die ausgezeichnete Lehre und die flachen Hierarchien hatten mich motiviert, mir einen PJ-Platz in England zu suchen. 

Die Suche und die Bewerbung waren relativ aufwendig, da die festen PJ-Zeiträume und die Begrenzung der britischen Universitäten auf nur acht Wochen Praktikum oft ein Hindernis dargestellt hatten. So kam es, dass ich mich an fast alle Universitäten des Landes gewendet hatte. Zu guter Letzt bin ich auf Newcastle upon Tyne gestoßen. Die Bewerbung war einfach und die zuständige Sekretärin sehr bemüht und schnell, sodass ich meine Zusage kurz nach meiner Bewerbung erhielt. 

Für die Bewerbung benötigte ich einen Sprachnachweis (TOEFL – Test of English as a Foreign Language), ein Motivationsschreiben, ein Empfehlungsschreiben des Dekans meiner Fakultät, eine Scheinliste, Impfnachweise, ein polizeiliches Führungszeugnis und den Nachweis über eine Berufs- und Privathaftpflichtversicherung. Außerdem musste ich mir selber einen „Consultant“ suchen, der als mein Supervisor fungieren sollte. Ich schrieb mehrere Consultants in der Inneren Medizin an und erhielt eine Zusage eines Pulmonologen. 

Nach vollständiger Bewerbung und fester Zusage der Universität fiel eine Gebühr von 75 Pfund an. Diese wurde in den letzten Monaten auf 200 Pfund erhöht. Kurz vor Beginn des PJ-Abschnittes benötigte die Medizinische Fakultät der University of Newcastle upon Tyne ein aktualisiertes Führungszeugnis und ein neues Empfehlungsschreiben des Dekans meiner Heimatuniversität. 

Während meines PJ-Abschnittes war ich als Studentin der Universität immatrikuliert.  

Das Royal Victoria Infirmary in Newcastle upon Tyne 

Das Hauptgebäude des Royal Victoria Infirmary in Newcastle upon Tyne

Das Royal Victoria Infirmary in Newcastle upon Tyne befindet sich inmitten der Stadt und ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung. Es verfügt über eine große Notaufnahme, welche die Anlaufstelle für Unfälle der ganzen Region ist. Während der acht Wochen habe ich auf der ,,Respiratory Unit“ des Krankenhauses gearbeitet. Diese besteht aus einer Station für die stationären Patienten und einer großen ambulanten Klinik, auch ,,Outpatient Clinic“ genannt. 

Der Arbeitsalltag beginnt um 9:00 Uhr morgens und geht bis 17:00 Uhr. Im Krankenhaus ist man den britischen Medizinstudenten im letzten Studienjahr gleichgestellt und nimmt als Teil der Ärzteteams am Stationsalltag teil. 

Die medizinische Weiterbildung ist in Großbritannien anders als die Deutsche. Nach fünf Jahren Medizinstudium verlassen die Absolventen die Universität und erhalten eine beschränkte Zulassung. Mit dieser arbeiten sie ein Jahr als „F1“. In diesem Jahr fallen viele administrative Aufgaben an. Nach dem „F1“ folgt das „F2“. Wenn dieses erfolgreich gemeistert wurde, können verschiedene Wege eingeschlagen werden – so z.B. ein spezialisiertes Training oder ein „Teaching/Research Fellow“. Auf Grund dieser Einteilung ist die medizinische Weiterbildung sehr strukturiert und in allen Schritten der Weiterbildung wird den Ärzten ein Supervisor zugeteilt, der sich um sie kümmert. 

Dabei hat die Lehre in England einen höheren Stellenwert als in Deutschland und die Hierarchien sind deutlich flacher. Ich hatte ausreichend Gelegenheit, Patienten zu untersuchen, vorzustellen und mit den behandelnden Ärzten zu besprechen. Dabei wurden mir oft Fragen zu den Patienten und Krankheitsbildern gestellt. Dadurch konnte ich mein Wissen vertiefen und erweitern.

Mein PJ-Abschnitt in der Pulmonologie – Outpatient clinic und Ward 52 

Die Respiratory Medicine am Royal Victoria Infirmary ist eine große Abteilung. Sie bietet ein breites Spektrum an Behandlungen an, da sie ein Zentrum für Mukoviszidose, Asthma, COPD, Tuberkulose, Bronchialkarzinom und interstitielle Lungenkrankheiten ist. 

Die nordöstliche Region rund um Newcastle upon Tyne ist geschichtlich geprägt vom Bergbau und der Schiffswerftindustrie. Auch arbeiten viele Einheimische in Lagerhallen. Die Arbeitsmedizinische Versorgung in dieser Region nimmt daher einen hohen Stellenwert ein, da es viele Personen mit Asbestose, interstitiellen Lungenerkrankungen und Silikose gibt. 

Die Bandbreite dieser Krankheitsbilder durfte ich besonders in der ,,Outpatient Clinic“ sehen, da hier die Patienten für ihre Routinevisite kamen. 

Jeder „Consultant“ leitet eine Clinic mit einem unterschiedlichen medizinischen Schwerpunkt. So gab es viele verschiedene Clinics wie z.B. Tuberkulose, Interstitelle Lungenerkrankungen, COPD/Asthma. Die Oberärzte haben viel zu den Krankheitsbildern erklärt und es war sehr spannend, die verschiedenen Verläufe zu sehen. Ich durfte die Patienten immer nachuntersuchen, sodass ich viele verschiedene Aukultationsbefunde erheben konnte. 

Im Gegensatz zu der eher passiven Arbeit meinerseits in der „Outpatient Clinic“ konnte ich mich auf Station mehr einbringen. Nach der Übergabe am Morgen, in der Pflegepersonal, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten, Pharmazeuten und Ärzte alle Patienten auf Station besprechen, war es mir möglich, mit den Oberärzten auf Visite zu gehen. Anschließend habe ich zusammen mit den „Junior Docs“ Patienten aufgenommen, untersucht, Arztbriefe geschrieben und die Patienten vorgestellt. Ich habe mich angeboten, Blut abzunehmen und Viggos zu legen. Anders als in Deutschland wird dies nicht erwartet und es freut alle, wenn man ihnen so hilft. 

Alle Ärzte, von den „Junior Docs“ bis zu den „Consultants“ waren sehr nett und hilfsbereit. Die Stimmung auf Station war trotz der hohen Arbeitsbelastung immer super und es wurde ganz natürlich interprofessionell gearbeitet. Die starke Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Professionen hat mich beindruckt und mir gezeigt, dass die Patienten sehr davon profitieren. Wir sind als Team immer zusammen Mittagessen gegangen. Wenn einer noch beschäftigt war, haben die anderen ausgeholfen. 

Die flachen Hierarchien in den Krankenhäusern in Großbritannien sind sehr erfrischend, es ist immer erwünscht, Fragen zu stellen und sich aktiv einzubringen. 

Unterkunft 

Meine Unterkunft in Newcastle upon Tyne – in 10minütiger Entfernung vom Krankenhaus

Meine Unterkunft in Newcastle upon Tyne hatte ich über die „University Accommodation“ gefunden. Auf dieser Webseite https://www.ncl.ac.uk/accommodation/staff-and-visitors/ findet man die verschiedenen Unterkunftsarten. Es werden sowohl ,,Single“ als auch ,,Double Room with shared Bath Room and Kitchen“ angeboten, aber auch private Wohnungen. 

Die Unterkunft war relativ teuer. Da ich jedoch bei anderen Anbietern für den kurzen Zeitraum von acht Wochen keine Alternative außer AirBnB gefunden habe, hatte ich mich hierfür entschieden. Zudem lag die Unterkunft in 10minütiger Entfernung zum Krankenhaus. 

Newcastle upon Tyne, Northumberland und Yorkshire 

Einen Besuch wert – Die Kathedrale von Durham – hier im Cloister Garden wurden Szenen von Harry Potter gedreht

Newcastle upon Tyne ist eine Stadt, die in Großbritannien als Partystadt bekannt ist. Es gibt sehr viele Bars und Clubs. Die meisten Studenten leben in „Jesmond“, hier befinden sich verschiedene Cafés und Restaurants. Das Meer ist nicht weit weg von der Stadt und gut mit der Metro erreichbar. In „Tynemouth“, dem angrenzenden Küstenstädtchen, gibt es das beste Fish and Chips. 

Keine 10 Minuten Zugfahrt von Newcastle upon Tyne entfernt, befindet sich Durham, eine malerische mittelalterliche Universitätsstadt, die bei Harry Potter Fans bekannt ist, da hier einzelne Szenen gedreht wurden. Außerdem liegt südlich von Newcastle upon Tyne die ehemalige Grafschaft Yorkshire, mit York als Hauptstadt. Diese Stadt ist definitiv einen Besuch wert und verfügt über eine der schönsten Kathedralen des Landes und eine sehr schöne Altstadt. 

Außerdem sollte man einen Wochenendtrip nach Edinburgh einplanen. Die Hauptstadt Schottlands ist innerhalb von zwei Stunden mit dem Zug erreichbar und ebenfalls einen Besuch wert! 

Fazit

Der Aufenthalt in Großbritannien hat mir die Möglichkeit gegeben, mein medizinisches Englisch zu vertiefen und zu verbessern. Das NHS ist ein Gesundheitssystem, das unter starkem finanziellem Druck steht, gleichzeitig leistet es sehr gute Arbeit. Die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem britischen System waren sehr interessant zu erleben.

Es war mir eine große Freude, einen Teil meines PJs in Newcastle upon Tyne zu absolvieren. Ich kann es nur empfehlen. 

Vielen Dank für die großzügige Unterstützung durch das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de! 

D., E.

München, Februar 2020

Stipendiatin der Auslandsstipendien 2018-2019

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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