3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung M3 – Herbst 2017 – Erst kamen der Schock und dann das Glück!

23. Februar 2018

in Examen, Ratgeber

Es ist Ende Mai 2017! Die Anmeldung für das dritte Staatsexamen, den 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, steht an und es wird mir erstmals wirklich klar, dass es so langsam Ernst wird. Aber zur Beruhigung sage ich mir, dass noch mindestens fünf Monate bis zur Prüfung Zeit sind. Also kein Grund zur Panik.

Der 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung rückt näher!

Anfang August 2017: Die zweite Rotation des dritten Tertials beginnt und damit so langsam der Endspurt. Das schlechte Gewissen ruft mir immer wieder die guten Vorsätze in Erinnerung, die ich für die Prüfungsvorbereitung hatte. Also beginne ich mit dem Lernen, natürlich zunächst erst einmal Alibi-mäßig mit der Wiederholung der alt bekannten Lernkarten für die Chirurgie von „Amboss“. Das läuft.

Ende September 2017: Der letzte PJ-Tag. Wie, das soll es jetzt gewesen sein? Ist das eine Jahr tatsächlich schon um? Es kommt mir schon ein bisschen seltsam vor, dass ich beim nächsten Betreten eines Krankenhauses wahrscheinlich Arzt bin und für alles selber verantwortlich sein soll. Keiner mehr, mit dem man nach der Ursache der so häufigen und genauso häufig ungeliebten Hyponatriämie suchen kann. Keiner mehr, der einen daran erinnert, für den Pneumonie-Patienten noch Physiotherapie anzumelden. Keiner mehr, der einem hilft, die Flexüle beim schon völlig zerstochenen Gefäßpatienten zu legen. Keiner mehr, der …

Im Lernplan bin ich jetzt zumindest schon so weit, dass ich die Innere Medizin und die Chirurgie wiederholt habe. Ich rechne mir vor, dass die frühestmöglichen Prüfungstermine in sechs Wochen sind, da ist mein Stand jetzt doch gar nicht so schlecht.

Er ist da – der Oktober 2017!

Anfang Oktober 2017: Die Woche mit der Bekanntgabe der Prüfer sowie der Prüfungstermine und Losfächer steht an. Mit jedem Tag, an dem ich keine Email bekomme, werde ich unruhiger. Haben die meine Anmeldung verschlampt? Fehlt irgendeine PJ-Bescheinigung? Was ist da los?

Dann am Freitag kommt endlich die E-Mail, ein bisschen unruhig bin ich beim Öffnen schon. Und noch unruhiger bin ich, als ich den Inhalt der Email lese. Schock Nummer eins: Los Fach Radiologie. Ich als „Radio-Spezie“, der gerade so ein Infiltrat im Röntgen erkennen kann, hätte, außer Augenheilkunde oder Dermatologie gefühlt, kein schlechteres Los bekommen können. Schock Nummer zwei: Prüfung in der vorletzten Woche vor Weihnachten, also noch fast zweieinhalb Monate Zeit. Was soll ich mit der ganzen Zeit anfangen?

Mitte Oktober 2017: Zumindest ein bisschen habe ich mich von den vermeintlichen Schocknachrichten erholt und mir Bücher und medizinisch vorgebildete Familienmitglieder organisiert, mit denen ich Radiologie ein bisschen besprechen und „üben“ kann.

Per Mail entsteht der erste Kontakt zu den anderen Prüfungsgruppenmitgliedern und wir verständigen uns, wer sich um welche Prüfungsprotokolle kümmert. Eine besonders große Sammlung an Prüfungsprotokollen bekommen wir, die Medizinstudierenden der Charité – Universitätsmedizin Berlin, von Medizinernachwuchs.de zur Verfügung gestellt. Die meisten Protokolle lesen sich erst einmal gar nicht so schlecht: Alle Prüfer sollen sehr freundlich sein, keiner will die Studenten vorführen. Das ist schon einmal erleichternd. Aber jedes Mal, wenn ich in den Protokollen eine Frage lese, die ich nicht beantworten kann, zucke ich innerlich so ein bisschen zusammen. Das musst du jetzt aber bald drauf haben. Ich bastele mir anhand der Schwerpunkte der Prüfer in den Protokollen einen Plan an Themen zusammen, die ich mir detaillierter ansehen will. Außerdem frage ich vorsichtig bei den Prüfern wegen eines Vorgesprächs an und es tut sich erst einmal gar nichts. Super! Aber Zeit haben wir ja noch genug bis zur Prüfung, also entscheide ich mich, erst einmal ein paar Wochen auf eine Antwort zu warten.

Dann kommt Schock Nummer drei: Eine nette und säuselnde Email aus dem „LAGESO“ (Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin) verklickert mir und meiner Prüfungsgruppe, dass es einen Prüferwechsel gab. Der Chirurgie Prüfer ist nun ein anderer. Also geht es in Chirurgie wieder von vorne los: neue Protokolle bei Medizinernachwuchs.de anfordern, sich einen neuen Lernplan basteln, sich Aufklärungsbögen und OP-Videos ansehen, denn anstelle von Hernien- und Schilddrüsenchirurgie geht es jetzt um Leber-, Pankreas- und Transplantationschirurgie und das alles auf einem sehr klinischen Level (OP-Techniken, Komplikationen, …).

November 2017 – Es wird ernst!

Mein größter Freund während der Lernphase
Mein größter Freund während der Lernphase

Anfang November 2017: Wir haben die ersten Vorgespräche mit den Prüfern und ich kann die Berichte aus den Protokollen bestätigen, alle machen einen sehr angenehmen Eindruck. Der Internist und der Chirurg scheinen zwar von der fachlichen Seite her nicht anspruchslos zu sein (um es mal vorsichtig auszudrücken), aber das ist ja auch in Ordnung, solange es fair bleibt. Immerhin geht es ja um das dritte Staatsexamen und damit die Zulassung als Arzt. Bei dieser Gelegenheit lerne ich auch erstmals meine anderen Prüfungsgruppenmitglieder kennen. Wir sind eine bunte Truppe aus Jung und Alt, Männern und Frauen, „Modellis“ und Regelstudenten. Etwas beruhigend ist, dass zumindest kein Querulant oder Schönschwätzer dabei zu sein scheint und wir unser Leid mit dem Los Fach Radiologie, dem späten Prüfungstermin und so manchen möglichen Prüfungsthemen teilen.

Lerntechnisch habe ich den Eindruck, jetzt in ganz gute Bahnen zu kommen. In der Inneren Medizin fühle ich mich nach dem Durcharbeiten von „Amboss“, dem „Herold“ und dem „MEX“ ganz gut aufgestellt. Für Radiologie habe ich mittlerweile das Röntgen- und CT-Tutorium des Lernzentrums der Charité belegt und mir ein Fall-Buch mit 70 Bildern besorgt, in dem ich nun täglich fünf bis sechs Fälle bewältige. So trainiere ich mir ein systematisches Vorgehen in der Befundung an, womit ich doch mittlerweile die meisten Pathologien erkenne. In der Allgemeinmedizin lassen sich die Lernthemen dank des Vorgesprächs durchaus etwas eingrenzen, sodass ich mich auf die wichtigsten allgemeinmedizinischen Krankheitsbilder und Beratungsanlässe beschränke.

Einzig die Chirurgie macht mir noch etwas zu schaffen, gerade weil Operationstechniken und Eingriffskomplikationen kein allgemeines Geschwafel zulassen und man wahrscheinlich die OPs schon ein paar Mal erlebt, wenn nicht gar selber operiert haben muss, um das alles zu überblicken. Also schiebe ich einen Intensivkurs Chirurgie von zwei Wochen ein, während dem ich mir die wichtigsten viszeral chirurgischen Eingriffe von der OP-Vorbereitung, über die Aufklärung, den OP-Ablauf bis hin zur postoperativen Kontrolle ansehe. „YouTube“ und „webop“ sei Dank.

Mitte November 2017: Der Tag mit unseren Epikrisen Patienten im Virchow-Klinikum steht an, welche zugelost werden. Da ich mein Glück beim Losen kenne, lasse ich erst allen anderen den Vortritt, vielleicht habe ich ja damit diesmal etwas Fortune. Nein, habe ich nicht, denn es folgt Schock Nummer vier! Mein Patient ist gerade zur Dialyse und nachdem ich eine halbe Stunde über den Campus im Virchow-Klinikum geirrt bin, um die Dialyse zu finden, kehre ich auf die Station immer noch mit leeren Händen zurück, da mein Patient – verständlicherweise – nicht so begeistert davon ist, sich während der Dialyse mit Fragen und Untersuchung behelligen zu lassen.

Nach dem sehr aufmunternden Kommentar der Stationsärztin, dass ich mich dann eben damit abfinden müsse, entschließe ich mich, den chirurgischen Prüfer anzurufen und ihm die Situation zu schildern. Dieser zeigt sich zum Glück sehr verständnisvoll, entschuldigt sich sogar und teilt mir dann einen anderen Patienten zu. Der ist zwar da und auch sehr entgegenkommend und auskunftsfähig. Er entpuppt sich aber als äußerst komplexer Fall, da es sich um einen Patienten zur Retransplantation einer Niere nach bereits erfolgter Transplantation mit Abstoßungsreaktion und Entwicklung eines Nierenzellkarzinoms als wahrscheinliche Komplikation der Immunsuppression handelt. Um die gesamte Geschichte zu durchsteigen und den Patienten zu untersuchen, brauche ich dann schon etwas Zeit, was dazu führt, dass der chirurgische Stationsarzt bereits im Feierabend ist, als ich mir noch kurz die Akte und die PC-Dokumentation des Patienten zu Gemüte führen will.

Nach längerem Suchen und Betteln finde ich dann aber zum Glück einen auch auf der Transplantationsstation arbeitenden Internisten, welcher mich einen kurzen Blick in die Vorgeschichte des Patienten werfen lässt. Wobei „kurz“ an dieser Stelle wohl eher relativ zu sehen ist, denn bei gut fünfzig Seiten an Vorbefunden aus dem Transplantationszentrum und ebenso vielen PC-Dokumenten die wichtigsten Informationen herauszufiltern, geht eben mal nicht so ganz schnell. Nach der Heimfahrt, während der ich mir den Kopf darüber zerbreche, wie ich aus dem Wust an Informationen eine ordentliche Epikrise basteln soll, beginne ich noch am Abend mit dem Schreiben, bis ich am nächsten Morgen um zwei Uhr beschließe, doch wenigstens noch ein bisschen zu schlafen.

Am darauffolgenden Tag setze ich Baustein für Baustein der Epikrise zusammen, bis am Ende tatsächlich ein langes, aber doch recht rundes Werk entstanden ist. Nach den kritischen und wohlwollenden Anmerkungen meiner Familie gebe ich der Epikrise noch einen letzten Schliff, bevor ich sie dann an unseren Prüfungsvorsitzenden schicke. Natürlich nicht, ohne erschrocken und mit Herzrasen in den Folgetagen auf dieses oder jene Detail zu stoßen, welches hätte vielleicht noch erwähnt werden müssen.

Ende November 2017: Schock Nummer fünf! Abermals erreicht mich eine nette und säuselnde Email aus dem LAGESO, in der nun der radiologische Prüfer ausgetauscht wird. Jetzt, kurz vor der Prüfung! Noch dazu kommt, dass es zu unserem neuen Prüfer de facto keine Prüfungsprotokolle gibt und der frühestmögliche Termin für ein Vorgespräch fünf Tage vor unserer Prüfung liegt. Ich versuche also, alles so weit zu lernen, dass ich nach dem letzten Vorgespräch noch einmal Zeit habe, um auf eventuelle Überraschungsthemen reagieren zu können. Zum Glück halten die sich aber in Grenzen.

13.12.2017 – Mein erster Prüfungstag!

Ich habe kaum geschlafen, fühle mich aber trotzdem topfit. Vorbereitet habe ich mich intensiv und lange genug allzumal. Die Bahn fährt wie geplant, sodass ich mit ausreichend Ruhe im Virchow-Klinikum ankomme. Eine halbe Stunde vor Prüfungsbeginn treffen wir uns als Prüfungsgruppe, um die Reihenfolge auszulosen. Ich will nicht als erster und nicht als letzter dran sein, alles andere ist mir egal. Doch es kommt, wie es kommen muss. Schock Nummer sechs: Ich ziehe das Los mit der Eins. Keine Zeit, sich zu sammeln. Keine Zeit zum Runterkommen. Es geht direkt auf Station.

Meine Patientin ist eine junge Frau, was sich als Glücksgriff herausstellt, da sie kurz und prägnant auf meine Anamnesefragen antwortet, keine Vorerkrankungen hat und auch keine Medikamente einnimmt. Sie hat aufgrund einer IPMN an der Pankreas eine Pankreasschwanzresektion inklusive Splenektomie und Pfortaderteilrekonstruktion erhalten und ist nun zur transgastralen Punktion da, weil sich als Komplikation der OP ein Flüssigkeitsverhalt im Bereich der Milzloge gesammelt hat. Nach der Anamnese soll ich die Patientin wie zur Chefarztvisite vorstellen. Das wird mit einem „sehr gut“ kommentiert, der Einstieg ist also gelungen.

Weiter geht es mit dem chirurgischen Prüfer, der mich den Bauch untersuchen lässt und mir noch ein paar Fragen zum Fall stellt, die ich allesamt ganz gut beantworten kann. Damit ist er zufrieden und gibt an den nächsten, den Internisten, ab. Der lässt mich den Kopf-Hals-Bereich untersuchen, inklusive Fragen zur Fazialisparese und den Trigeminusaustrittspunkten. Das habe ich bei ihm zwar jetzt nicht unbedingt erwartet, ist aber natürlich ein dankbares Thema und lässt sich ebenso gut bewältigen wie die danach folgenden Aufgaben zur Halsvenenstauung, Karotidenpulsation und zum Aszites. Die beiden härtesten Brocken liegen also zur Hälfte des ersten Tages schon hinter mir.

Als Dritte folgt die Allgemeinmedizinerin. Hier geht es um Hörminderung mit Differentialdiagnosen, Diagnostik, Demonstration der Otoskopie und ein paar theoretische Fragen. Alles gut zu bewältigen. Zuletzt ist der Radiologe an der Reihe, der sich allerdings sehr kurz hält. Er fragt mich einiges rund um die erfolgte transgastrale Punktion bei meiner Patientin und lässt sich von mir das Vorgehen bei einer transkutanen Punktion erklären. Manchmal weiß ich bei ihm nicht so richtig, was er hören will, er scheint aber mit meinen Antworten zufrieden zu sein.

„Gut, das war’s.“ Als ich diese Worte des Prüfungsvorsitzenden höre, bin ich fast ein wenig erschrocken und während ich noch etwas benommen in den Aufenthaltsraum am anderen Ende der Station wanke, verschwinden die Prüfer schon zum nächsten Prüfling.

14.12.2017 – Mein zweiter Prüfungstag!

Ich habe besser geschlafen und fühle mich auch heute fit. Doch schon auf dem Weg folgt Schock Nummer sieben! Auf den Gleisen ist eine Bahn liegen geblieben und meine Straßenbahn muss umgeleitet werden. Ich merke, wie ich anfange, unruhig zu werden. Ständig wandert mein Blick zur Uhr. Ich tigere an den Haltestellen auf und ab, sodass mich die anderen Fahrgäste wahrscheinlich eher für einen Psychiatriepatienten als einen angehenden Arzt halten. Glücklicherweise bin ich mit fast einer Stunde Puffer losgefahren, sodass ich trotz Umleitung immer noch zwanzig Minuten vor Prüfungsbeginn  im Virchow-Klinikum der Charité ankomme.

Da wir der Fairness halber vereinbart hatten, am zweiten Tag in umgekehrter Reihenfolge zu starten wie am ersten Prüfungstag, bin ich in der ersten Runde als Letzter dran und zwar mit dem Chirurgen. Doch wie am ersten Tag scheinen sich meine Befürchtungen vor der Chirurgie wie im Nu in Luft aufzulösen. Los geht es mit meinem Epikrisen Patienten, also alles rund um die Nierentransplantation, das habe ich ganz gut drauf. Thema zwei sind „hepatische Raumforderungen“, das läuft fast noch besser.

Dann die zweite harte Nuss, der Internist. Als erstes ein Fallbeispiel zum Bronchialkarzinom. Auch das erkenne ich schnell und durch systematisches Abarbeiten von Anamnese, Untersuchung, histologischer Sicherung, Staging-Diagnostik und Therapie kann ich den Fall gut bewältigen. Dann geht es an das Eingemachte. „Junger Patient mit rezidivierenden Thrombosen. Was machen sie?“, fragt mich der Prüfer. Ich schlage Thrombophiliediagnostik, Tumorsuche und TEE zum Ausschluss septischer Embolien bei Endokarditis vor. Schock Nummer acht: Alles unauffällig. Stehe ich jetzt total auf dem Schlauch? Ich überlege ein paar Sekunden und bitte den Prüfer, mir einen anderen Anhaltspunkt zu geben.

„Zusätzlich hat er intermittierende Hämaturie“, erwidert dieser. Das bringt mich nicht wirklich weiter, eher wird mir noch unklarer, wohin die Reise geht. „Kennen sie die Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie?“ fragt mich der Prüfer. Alle, inklusive der Prüfer, müssen lachen, denn mit einem derartig abgefahrenen Krankheitsbild hat keiner von uns gerechnet und man merkt, dass der Internist hier einmal testen wollte, wie weit er gehen kann. Zum Glück kenne ich die Krankheit grob und kann ein bisschen etwas zum Pathomechanismus und der Therapie sagen. Fall Nummer drei läuft dann wieder rund, respiratorische Alkalose bei Hyperventilation, das ist machbar.

Nachdem Runde zwei vorbei ist, gibt es eine kurze Pause, die für alle nötig ist, denn man wird schon ein bisschen wirr im Kopf, wenn man immer im Wechsel eine Dreiviertelstunde den anderen zuhört und dann selber für fünfzehn Minuten wieder hochkonzentriert sein muss.

Jetzt kommen die beiden angenehmeren Parts. Los geht es mit der Allgemeinmedizinerin. Alles rund um das Thema Rückenschmerz: Einteilung, Diagnostik, abwendbar gefährliche Verläufe und Therapie. Dann Impfungen: Warum, welche, wann, welcher Stereotyp und so weiter. Alles machbar.

Nur noch der Radiologe, dann ist es vorbei! Also, konzentriert bleiben und die geübte Systematik beim Befunden der Bilder abarbeiten. Erstes Bild: Intensiv-Thorax Aufnahme mit Totalverschattung und einliegendem Fremdmaterial. Dann eine pulmonale Raumforderung, die mir erst beim zweiten Blick auffällt. Schwein gehabt! Das dritte Bild ist eine Abdomen-CT in koronarer Schnittführung. Schmerzen im linken Unterbauch und eine verdickte Darmwand mit Fettgewebsimbibierung, das kann eigentlich nur eine Divertikulitis sein. Das letzte Bild ist am einfachsten: Tibia Fraktur mit Kortikalisfragment im  Bruchspalt. In Ruhe beschreibe ich auch hier nach Schema meinen Befund und die Diagnose. Das ist es! Aus, vorbei!

Der 15.12.2017 – Mein erster Tag nach der Prüfung …

So langsam realisiere ich, was in den letzten beiden Tagen und vergangenen Monaten eigentlich passiert ist. Und mir wird bewusst, dass es eigentlich nicht besser hätte laufen können. Die Radiologie als Los Fach war sehr dankbar. Die lange Vorbereitungszeit erwies sich aufgrund der Prüferwechsel auch als nützlich. Mein Epikrisen Patient war zwar kompliziert, bot aber ausreichend Stoff für eine gute Epikrise und war ein dankbares Thema zur Prüfungsvorbereitung. Die Tatsache, dass ich am ersten Tag als Erster ran musste, entpuppte sich als Glücksgriff, da der Fall mir lag. Und der BVG-verschuldete Adrenalinpush mit der Verspätung am zweiten Prüfungstag war das perfekte Doping für eine gute Prüfung.

… schließlich der 16.01.2018!

Ich habe meinen ersten Arbeitsvertrag für eine Anstellung als Assistenzarzt der Inneren Medizin unterschrieben und ich erinnere mich an meine Gedanken vom letzten PJ-Tag: Beim nächsten Betreten eines Krankenhauses bist du Arzt und für alles selber verantwortlich. Keiner mehr, der …

Was für mich bleibt!

  • Es ist geschafft!
    Es ist geschafft!

    Die meisten Prüfer sind ausgesprochen fair und bemüht, für die Studenten ein gutes Ergebnis zu erreichen. Wenn die Fragen sehr speziell und knifflig werden, geht es meist nicht mehr um das Bestehen, sondern um das Austesten, wie weit das Wissen reicht.

  • Ein gewisser Anteil der Prüfung lässt sich gut vorbereiten: Die Bausteine einer strukturierten Anamnese, das Erklären der körperlichen Untersuchung und das Wissen zu den Lieblingsthemen der Prüfer laut Altprotokoll kann man sich parat legen.
  • Zweifel und Sorge in der Zeit des Lernens sind ganz normal. Aber den Kopf in den Sand zu stecken, wenn es mal nicht so läuft oder sich von vermeintlichen Schocknachrichten aus der Bahn werfen zu lassen, sind keine guten Ideen. Nicht selten sieht die Welt ein paar Tage später wieder ganz anders aus und stellt sich so mancher Schock beim zweiten Blick als Glücksgriff dar.
  • Es gibt nicht das eine richtige Rezept für die Prüfungsvorbereitung. Jeder lernt unterschiedlich: eher tagsüber oder abends, eher alleine oder in der Gruppe, eher zu Hause oder in der Bibliothek, eher mit Buch oder dem PC. Was einem hilft, weiß jeder nach den vielen Lernphasen während des Studiums selber am besten. Nach meiner Erfahrung sind Basics, klinisches Wissen und praktische Fertigkeiten gleich wichtig.
  • Das Wichtigste zum Schluss: Auch das mündliche Staatsexamen ist gut machbar. Bei guter Vorbereitung und nicht ganz verschlafenen zehn Semestern Medizinstudium und dem PJ kann jeder es schaffen.

B., G.

Berlin, Januar 2018

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