1. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung – Eine Medizinstudentin und ihr Physikum Frühling 2017

24. Juli 2017

in Physikum, Ratgeber

Ihr schafft das! Die Vorklinik des Medizinstudiums endet ja bekanntermaßen mit dem Physikum nach dem vierten Semester. Schon von Anfang an ist das Physikum das „große Schwarze“, das man irgendwie bewältigen muss. Viele Ärzte sagen, es sei die schwerste und die am meisten belastende Zeit im ganzen Medizinstudium. Schon im ersten Semester wurden immer wieder Verweise auf diesen 1. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung gemacht und somit war es zu jeder Zeit allgegenwärtig.

Die Vorbereitung

Die medizinische Bibliothek am Universita?tsklinikum des Saarlandes in Homburg
Die medizinische Bibliothek am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg

Wie die meisten Studenten, die kurz vor dem Physikum stehen, hatte ich sehr wenig Zeit gehabt, um mich vorzubereiten. Am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg haben wir im vierten Semester nur Physiologie und die Klausur wurde ungefähr 30 Tage vor dem schriftlichen Physikum geschrieben. Man musste sie bestehen, um fürs Physikum zugelassen zu werden, was für mich ein sehr großes Druckpotenzial mit sich brachte. Als ich das dann also geschafft hatte, habe ich mir noch zwei Tage Pause gegönnt und dann ging es los mit der Vorbereitung.

Da die Physiologie Klausur ja erst kurze Zeit zurücklag, habe ich Physiologie nicht mehr gelernt, sondern kurz vor dem Schriftlichen nur noch wiederholt. Ansonsten habe ich den „MEDI-LEARN“ Plan von vorne bis hinten durchgearbeitet. Dieser Plan von „MEDI-LEARN“ ist an sich eine wirklich gute Sache, da jede Woche ein Tag Pause eingeplant ist. Mein Problem war allerdings, dass ich diese Pausen nicht wirklich eingehalten und somit auch an den lernfreien Tagen gelernt habe, was im Nachhinein ein Fehler war, da ich so keine Zeit zum Durchatmen hatte, ich deswegen immer unproduktiver wurde und somit auch immer nervöser. Deshalb empfehle ich wirklich jedem von Euch: „Macht Pausen!“ Dies ist mindestens genauso wichtig wie das Lernen.

Im „MEDI-LEARN“ Plan ist auch ein Kreuzplan mitinbegriffen. Auch diesen habe ich durchgearbeitet und in manchen Fächern sogar noch mehr gekreuzt als auf dem Plan stand. Wenn Ihr also irgendwie noch die Zeit findet, würde ich Euch empfehlen, so viel wie möglich zu kreuzen. Das ist meiner Meinung nach mit das Wichtigste, da man sich erst einmal an den Fragenstil gewöhnen muss. Außerdem werden im Physikum immer wieder dieselben Fakten geprüft, nur in abgewandelter Fragenform. Wenn man viele Aufgaben gekreuzt hat, erkennt man die Inhalte der Fragen besser und kommt somit auch leichter auf die Antworten. Gekreuzt habe ich mit dem Lernportal „examen online“ von Thieme.

Wie ich ja schon erwähnt habe, habe ich nur den „MEDI-LEARN“ Plan gemacht, da man in knapp 30 Tagen auch nicht mehr Zeit hat, um noch viel mehr durchzugehen. In Anatomie habe ich allerdings eine Ausnahme gemacht! Ich habe zwar die Zeit, die vom „MEDI-LEARN“ Plan für Anatomie eingeplant war, eingehalten, allerdings habe ich nicht mit den „MEDI-LEARNS“ gelernt, sondern habe die „Endspurt“ Skripten von Thieme verwendet. Diese finde ich in Anatomie um einiges besser strukturiert und auch etwas informativer.

Gelernt hatte ich immer in der Bibliothek, weil ich mich dort besser auf das Lernen konzentrieren konnte. Außerdem hat man dort immer andere Leidensgenossen getroffen und hat, ganz nach dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, nicht mehr so an sich gezweifelt, sobald man gesehen hat, dass es anderen genauso ging.

Kurz vor dem Schriftlichen habe ich dann die letzten drei Examina als Generalprobe gekreuzt. Dadurch bin ich auch jedes Fach nochmal kurz durchgegangen.

Der schriftliche Teil des Physikums…

Und dann war es auch schon so weit und der erste Tag des schriftlichen Physikums (14.-15.03.2017) war gekommen. Die Lernzeit geht so schnell um und auf einmal muss man abliefern. Ich hatte das Gefühl, noch überhaupt nicht bereit zu sein und trotzdem musste es irgendwie klappen – und das hat es auch! Man wird im Physikum nie das Gefühl haben, perfekt vorbereitet zu sein, aber man schafft es dann trotzdem! Also bleibt ruhig und verlasst Euch auf das, was Ihr die letzten Wochen gelernt habt. Man weiß meistens mehr, als man sich bewusst ist.

Die Prüfung an sich war eigentlich total unspektakulär. Ungefähr 15 Minuten vor Beginn sollten wir uns langsam an unsere Plätze begeben. Der Leiter des Landesprüfungsamtes hatte dann noch kurz ein paar allgemeine Sachen erklärt und danach wurden uns die Hefte mit den Aufgaben ausgeteilt, die wir aber natürlich bis Prüfungsbeginn nicht öffnen durften. Der Antwortbogen lag schon auf unserem Platz. Nachdem dann alles gesagt und ausgeteilt war, warteten wir, bis die Uhr auf 9:00 Uhr umschlug. Wir schauten alle ganz gebannt auf die Uhr an der Wand und es kam mir vor wie eine gefühlte Ewigkeit, bis es dann endlich losging.

Die vier Stunden der Prüfung gingen sehr schnell um. Ich finde aber, dass die Zeit vollkommen ausreicht und man keinerlei Zeitdruck hat. Ich habe sogar noch zwei Mal meine Kreuze auf dem Antwortbogen verglichen, um sicher zu gehen, dass ich dort keine Übertragungsfehler gemacht habe.

Nach dem ersten Tag der Prüfung habe ich am Nachmittag nochmal ein bisschen gelernt.

…und der mündliche Teil des Physikums

Wir hatten schon eine Woche vor dem schriftlichen Teil des Physikums Bescheid bekommen, wann unsere mündliche Prüfung sein würde und welche Prüferkombination wir haben würden. Bei mir war die mündliche Prüfung genau eine Woche nach dem Schriftlichen. Am zweiten Tag des schriftlichen Teils konnten wir alle in die Fachschaft am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg gehen und dort Altprotokolle von unseren Prüfern abholen.

Da ich zwischen dem Schriftlichen und Mündlichen nicht mehr besonders viel Zeit hatte, bin ich fast nur noch die Altprotokolle durchgegangen und habe versucht die Themen, welche die Prüfer immer wieder gefragt hatten, gut zu können. Die meisten Prüfer haben ihren Lieblingsbereich und oft fragen sie diese dann auch ab. Diese Themen hatte ich mir auch nochmal in dickeren Büchern als den „MEDI-LEARNS“ durchgelesen, um die Zusammenhänge zu verstehen, was beim Mündlichen wirklich wichtig ist.

Bei uns in Homburg muss eigentlich jeder zwei Präparate in Histologie unter dem Mikroskop erkennen. Daher bin ich einen Tag vor dem Mündlichen noch einmal in den Mikroskopier Saal und bin die wichtigsten Präparate durchgegangen. Ich hatte dann auch wirklich Glück und hatte meine Lieblingspräparate Trachea und Niere.

Ich persönlich war vor der mündlichen Prüfung noch viel aufgeregter als vor der schriftlichen. Ich dachte mir die ganze Zeit, dass die Prüfer doch bestimmt merken würden, dass ich in manchen Teilgebieten nicht ganz so sicher bin und mir dies dann vielleicht einen Strich durch die Rechnung macht. Aber so ist das nicht! Bei uns waren im Nachhinein alle Anatomie-Testate etc. strenger als das Mündliche. Natürlich merken die Prüfer, wenn man mal nicht so sicher ist und ins Stocken gerät, aber das ist auch gut so, denn dann wechseln sie in den meisten Fällen ganz elegant das Thema oder helfen einem wirklich weiter. Die meisten Prüfer sind wirklich für die Studenten und wollen einen nicht durchfallen lassen. Also keine Angst, Ihr schafft das! Verlasst Euch auf Euch selbst!

Nachdem die zweite Hürde des Physikums, das Mündliche dann geschafft war, fiel mir ein riesen Stein vom Herzen. Ich konnte es anfangs gar nicht wirklich realisieren und dachte ein paar Tage lang, ich hätte vergessen, dass ich ja doch noch lernen muss. Aber in der Zeit nach dem Physikum kann man wirklich mal ohne schlechtes Gewissen nichts tun und das Leben genießen! Das hat sich jeder nach dieser Tortur verdient.

Meine Buchempfehlungen für das Physikum

Meine Buchempfehlungen auf das Physikum
Meine Buchempfehlungen auf das Physikum

Meine Buchempfehlungen auf das Physikum

Ich habe ja schon Verweise auf meine verwendeten Bücher gegeben, hier aber nochmal eine Übersicht.

Fürs schriftliche Physikum:
Physik, Chemie, Physiologie, Biochemie, Psychologie, Biologie: „MEDI-LEARN“ Skripte
Anatomie, Histologie: „Endspurt“ Skripte von Thieme

Fürs mündliche Physikum:
Biochemie: Thieme Kurzlehrbuch, Horn
Anatomie: Anatomieatlanten Prometheus
Physiologie: Duale Reihe Physiologie

Alle diese Bücher würde ich im Nachhinein genauso wieder verwenden.

Mein Fazit

Auch im Nachhinein war es für mich wirklich eine sehr, sehr anstrengende, schwere und belastende Zeit, die ich auf keinen Fall noch einmal durchmachen möchte. Aber denkt immer daran: „Es geht vorbei und es gibt ein Leben nach dem Physikum, das man dann so richtig genießen kann!“

Ich persönlich habe in dieser Zeit sehr an mir selber gezweifelt und bin teilweise wirklich in Panik verfallen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass das ganze Verzweifeln gar nicht nötig war, doch dies ist immer leichter gesagt, als getan – und im Nachhinein ist man immer schlauer.

Wie ich ja schon erwähnt habe, hatte ich zu wenig Pausen gemacht. Und das ist wirklich etwas, was ich im Nachhinein anders machen würde. Die Pausen sind mindestens genauso wichtig wie das Lernen. Gönnt Euch zwischendurch etwas Gutes, geht spazieren oder trefft Euch mit Freunden. Das ist so wichtig, ich kann es nicht oft genug betonen! Auch Euer Gehirn braucht mal Zeit zum Durchatmen.

Gerade das Mündliche, das vielen so große Angst macht, sollte man ganz entspannt angehen, denn wenn man gelernt hat, dann schafft man es! Ganz sicher!

Ausblick in die Zukunft

Die meisten Medizinstudenten sagen ja, dass in der Klinik alles viel besser wird und das hoffe ich nun auch wirklich. Der Teil, den ich bis jetzt in der Klinik verbracht habe, ist tatsächlich um einiges besser. Die Themen sind viel interessanter und die ganze Atmosphäre ist einfach entspannter. Ihr könnt Euch also auf die Klinik freuen!

Für eine meiner Famulaturen möchte ich gerne in ein englischsprachiges Ausland und eventuell werde ich auch noch ein Erasmus-Semester in Italien absolvieren. Es gibt also viel, auf was Ihr Euch nach dem Physikum freuen könnt. Also Augen zu und durch, danach ist es geschafft!

Theresa S.
Homburg, Mai 2017

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