2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung M2 – Erfahrungen und persönliche Tipps einer Examenskandidatin Herbst 2016

27. Januar 2017

in Examen, Ratgeber

Gar nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt! Nach bestandenem Examen ist das natürlich einfach zu sagen, aber mit Hilfe von „AMBOSS“, einer guten Zeitplanung und Durchhaltevermögen ist das Examen wirklich gut zu meistern. In diesem Bericht möchte ich meine Erfahrung mit Euch teilen und Euch mit einigen Tipps und Tricks für die bevorstehende Lernzeit behilflich sein. 

Zeitplanung und Auswahl des Lernprogramms

Im Rahmen eines Stipendiums habe ich ein Jahr Vollzeit an meiner experimentellen Doktorarbeit gearbeitet, sodass sich mein 2. Staatsexamen nach hinten verschob. Zwar war ich bereits Ende 2015 scheinfrei, allerdings wäre es zeitlich mit der Anmeldung zur M2 im Frühjahr 2016 zu knapp geworden, da noch eine Famulatur ausstand. So nutzte ich die Zeit, um an meiner Dissertation zu schreiben und eine Famulatur im Ausland zu verbringen. Mitte Juni fing ich schließlich mit der Vorbereitung auf das Examen an. Im Nachhinein war dies für mich die richtige Entscheidung, da ich so ohne Stress an die Examensvorbereitung gehen konnte.

Etwa vier Monate hatte ich nun Zeit, um mich auf das Examen vorzubereiten. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich das Online-Lernprogramm „AMBOSS“ von miamed.de (https://www.miamed.de/amboss) zum Lernen nutzen würde. Fast alle meine Freunde und Kommilitonen hatten sich mit diesem Programm auf das Examen vorbereitet und waren mit dem Aufbau des Lernprogramms als auch dem letztendlich erzielten Prüfungsergebnis sehr zufrieden. „AMBOSS“ bietet einen 100-Tage-Lernplan, der meiner Meinung nach optimal auf das Examen vorbereitet. Zum genauen Aufbau von „AMBOSS“ folgt später genaueres…

Man sollte daran denken, dass der 100-Tage-Lernplan keine freien Tage beinhaltet, sodass man entsprechend etwas mehr Zeit einplanen sollte, um auch genügend Freizeit und Abwechslung vom Lernen zu haben. Ich hatte also etwa 20 Tage extra, die ich zwischendurch nutzte, um den einen oder anderen Tag frei zu haben oder auch mal ein ganzes Wochenende wegzufahren. Wann ich die freien Tage nutzte, entschied ich spontan von Woche zu Woche.

Am Anfang hatte ich mich gefragt, ob „AMBOSS“ vom Inhalt und Umfang her ausreichend ist, um eine gute oder sehr gute Note zu erreichen und kann im Nachhinein ganz klar sagen, ja! Ich habe zwar ab und zu z.B. für das Themengebiet Innere Medizin nochmal im Herold oder anderen Büchern nachgelesen, allerdings mehr um mal eine Abwechslung von den Lernkarten zu haben.

Im Internet bin ich auf „Meditorium“ (http://www.meditorium.de/ ) aufmerksam geworden. Die App für Handy oder Tablet beinhaltet Audio-Podcasts für das Staatsexamen zu IMPP-relevanten Themenbereichen. Ich habe zwar keine neuen Inhalte damit gelernt, aber zum Wiederholen von bereits bei „AMBOSS“ gelesenen Themen fand ich die App durchaus hilfreich. Ich hatte das Gefühl, mein Wissen damit festigen zu können. Bei gutem Wetter habe ich den einen oder anderen Nachmittag im Garten mit „Meditorium“ im Ohr verbracht. Im Internet kann man einzelne Podcast Probe hören – also einfach mal ausprobieren!

Mit wem und wo lernen?

Ich habe die 100 Tage komplett alleine gelernt. Für mich persönlich macht das beim schriftlichen Examen auch mehr Sinn, da ich so mein eigenes Lerntempo einhalten konnte, freie Tage legen konnte, wann ich wollte und außerdem bislang für alle meine Klausuren alleine gelernt hatte. Allerdings denke ich, dass man seiner bisherigen Lernstrategie treu bleiben sollte. Wenn man vielleicht immer mit einer Freundin/einem Freund zusammen gelernt hat und weiß, dass man in etwa gleich lernt, wird es sicherlich auch hier klappen.

Auch für die Wahl des Lernortes gilt das Gleiche: Was hat während des Studiums am besten funktioniert? Wo konnte ich mich am besten konzentrieren? Ich habe zuhause am Schreibtisch gelernt, kenne aber natürlich auch sehr viele Kommilitonen, die die Bibliothek bevorzugen.

Lernen mit „AMBOSS“

Vorbereitung auf den 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung M2
Vorbereitung auf den 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung M2

Ich persönlich bin überzeugt von „AMBOSS“ und kann jedem empfehlen, sich mit diesem Lernprogramm auf das Examen vorzubereiten. Ein wichtiger Punkt, der für das Lernen mit „AMBOSS“ sprach, war neben positiver Erfahrungen von Kommilitonen, dass ich mich in den letzten klinischen Fachsemestern ebenfalls damit auf die Klausuren vorbereitet hatte. So kannte ich das Programm und die Lernkarten zu bestimmten Themen bereits und das Lernen fiel mir dadurch deutlich einfacher. Jedem, der vorher noch nicht mit „AMBOSS“ gelernt hat, würde ich empfehlen, sich ein paar Stunden Zeit zu nehmen und sich ausführlich mit diesem Programm und allen Funktionen vertraut zu machen, bevor man richtig mit der Vorbereitung auf das Examen startet.

Wie bereits im vorherigen Abschnitt erwähnt, bietet dieses Lernprogramm einen 100-Tage-Lernplan, der so gegliedert und strukturiert ist, dass man pro Tag bestimmte Themengebiete mit Hilfe von Lernkarten erarbeitet und anschließend aus dem gesamten Themenbereich alte Examensfragen kreuzt. Diese einzelnen Lernsitzungen werden ausgewertet und man bekommt seine erreichte Prozentzahl angezeigt. Das ist wichtig und hilfreich, um seine Lernerfolge kontrollieren zu können. Man bekommt durch das tägliche Kreuzen alter „IMPP-Fragen“ außerdem ein Gefühl für die Art der Fragestellung des „IMPPs“, wodurch sich manchmal tatsächlich schon einige Antwortmöglichkeiten ausschließen lassen. Gleich zu Beginn startet man mit 22 Tagen Innere Medizin, was wiederum bedeutet, dass man bereits an Tag 1 aus dem gesamten Bereich der Inneren Medizin Fragen kreuzt. Für mich war dies ziemlich frustrierend, da man natürlich viele Fragen nicht beantworten konnte. Mein Tipp: „Augen zu und durch, es wird von Tag zu Tag besser“.

Nachdem man 85 Tage Lernkarten lesen und alte „IMPP“-Fragen kreuzen überstanden hat, ist ab Tag 86 das Kreuzen von kompletten Examina vorgesehen. Die ersten Tage bearbeitet man zwei Wiederholungsexamina, deren Fragen bereits zuvor im Examens-Kreuzplan vorgekommen sind. Anschließend stehen drei Examina als „Generalprobe“ an, deren Fragen bisher nicht im Examens-Kreuzplan abgefragt wurden. So bekommt man, meiner Erfahrung und der Erfahrung meiner Kommilitonen nach, eine realistische Einschätzung über seine mögliche Leistung im bevorstehenden Staatsexamen. Außerdem bekommt man ein Gefühl dafür, wie es ist, alle Fächer durcheinander zu kreuzen. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, sich im „AMBOSS“ Online-Shop eine Papierversion eines der aktuellen Examen zu bestellen. Nachdem man nun die letzten Monate ausschließlich am PC gekreuzt hatte, ist es doch ein ganz anderes Gefühl, ein Fragenheft vor sich zu haben und ich kann jedem empfehlen, ein Examen in Papierversion zu bearbeiten.

Wer mal keine Lust mehr hat, nur am PC zu lesen, kann sich im Online-Shop die gedruckte Version der Top-120-Lernkarten sowie die Top-Tabellen bestellen. Ich hatte mir auch das sogenannte Examenspaket bestellt, in die Top-120-Lernkarten aber selten reingeschaut. Die Top-Tabellen fand ich gedruckt deutlich übersichtlicher als am PC.

Ein typischer Lern-Tag

Meist startete ich gegen 9:00 Uhr mit dem Lernen. Den Vormittag verbrachte ich damit, die Lernkarten zu lesen und nachmittags kreuzte ich dann die dazugehörigen Fragen. Mal war ich am frühen Nachmittag fertig, mal aber auch erst gegen Abend. Gerade bei Themen und Fächern, die mich nicht so sehr interessierten, war das Lernen sehr zäh und anstrengend. Wenn ich dann keine Lust hatte, mich einen ganzen Tag damit zu beschäftigen, teilte ich mir die entsprechenden Lernkarten manchmal auch auf andere Lern-Tage auf. Meist wiederholte ich nach dem Kreuzen nochmal kurz die Lernkarten vom Vortag und konnte so mein Wissen festigen.

Freizeit nicht vergessen!

Da das Pensum der Lern-Tage an einem Tag wirklich gut zu schaffen ist, hat man meist abends noch Zeit, sich mit Freunden zu treffen, zum Sport zu gehen oder einfach zu entspannen. Für mich war das Joggen gehen zwischen den Lerneinheiten ein guter Ausgleich. So habe ich, wie beschrieben, bis etwa mittags/früher Nachmittag die Lernkarten gelesen, bin dann eine Runde laufen gegangen und konnte mich danach viel besser auf das Kreuzen konzentrieren. Ein bisschen frische Luft tut immer gut und ein bisschen Sonne abzubekommen, ist ja auch nicht so verkehrt!

Endspurt – Die letzten Tage vor dem Examen

Die letzten 15 Tage kreuzt man nach dem „AMBOSS“-Lernplan alte Examina. Ich war damit meist gegen Mittag fertig und habe nachmittags die Top-100-Lernkarten, d.h. Lernkarten, zu denen vom „IMPP“ besonders häufig etwas gefragt wird, oder Themen, bei denen ich mich noch nicht so sicher fühlte, wiederholt. Ich habe mir dann ebenfalls Fragesitzungen zu den entsprechenden Themen erstellt. Am Wochenende vor dem Examen habe ich nochmal wichtige Medikamente, Antibiotika und Zytostatika wiederholt. Es lohnt sich diese gut zu können – es wird auf jeden Fall etwas dazu gefragt (meist recht ähnliche Fragen) und die Punkte sind leicht zu holen. Deshalb alles nochmal ins Kurzzeitgedächtnis!

Die richtige Aufregung kam auch erst am Wochenende vor dem Examen. Dass ich gut vorbereitet war, wusste ich. Allerdings war es schwer, sich vorzustellen, dass man bei so viel gelerntem Stoff alles auf einmal abrufen kann. Wichtig ist, sich die letzten Tage nicht verrückt zu machen und nicht bei jeder Kleinigkeit auf den Lernkarten, an die man sich vielleicht aktiv in dem Moment nicht erinnern kann, in Panik zu verfallen. Alles was man gelernt hat, ist irgendwo abgespeichert und im Examen war ich erstaunt, was ich alles abrufen konnte.

Am Tag vor dem Examen habe ich nicht mehr so viel gemacht. Ich war beim Sport und habe mir noch ein paar Lernkarten zu Tumoren durchgelesen, weil mindestens einer eigentlich immer drankommt. Ob dies noch etwas gebracht hat? Wahrscheinlich eher nicht, aber mein Gewissen war zumindest beruhigt.

Das schriftliche Examen

STEX Fragebögen Herbst 2016
STEX Fragebögen Herbst 2016

Das schriftliche Examen geht über drei Tage von jeweils 9:00-14:00 Uhr. Zu jedem Prüfungstag muss man seinen Prüfungsbescheid und Ausweis mitbringen. Den ersten Tag war ich etwa eine dreiviertel Stunde früher da, die anderen beiden Tage dann erst kurz vor Beginn der Prüfung. An ausreichend Verpflegung sollte man natürlich auch denken.

Man bekommt ein Prüfungsheft samt Bildbeilage sowie einen Antwortbogen. Pro Tag werden 106 bzw. 107 Fragen gestellt, sodass man zum Schluss auf insgesamt 320 Fragen kommt. Ich habe die Antworten immer direkt auf den Antwortbogen übertragen, aber da hat jeder sicherlich sein eigenes System.

Meist war ich gegen 11:30 Uhr mit allen Fragen einmal durch und hatte dann Zeit, alles nochmal durchzugehen. Wenn ich mir bei einigen Röntgen- oder CT-Bildern beim ersten Durchgehen der Fragen nicht sicher war, konnte ich mir diese in Ruhe erneut anschauen. Die Zeit war eigentlich bei keinem ein Problem. Noch ein kleiner Tipp: Schwankt man bei einer Frage zwischen zwei Antwortmöglichkeiten, ist tatsächlich meist der erste Gedanke der Richtige. Diese Erfahrung hatte ich bereits beim Probekreuzen gemacht und auch im Examen war dies fast immer der Fall.

Ich habe alle drei Tage die volle Zeit genutzt und habe mich zuhause erstmal entspannt und ausgeruht. Da man nach dem ersten Tag ja weiß, welche Fächer noch nicht gefragt wurden, habe ich mir kurz nochmal die Top-Lernkarten dazu durchgelesen. Das geht natürlich noch besser vor Tag 3. Mich hat das nochmal ein bisschen beruhigt. „Medi-Learn“ bietet, wie wahrscheinlich vom Physikum bekannt, einen Examensservice an. Nach der Prüfung kann man auf der Internetseite von „Medi-Learn“ seine Ergebnisse eingeben und die persönlichen Lösungen werden mit denen von Dozenten verglichen. Ich denke, jeder sollte für sich selbst entscheiden, ob er diesen Service direkt nach jedem Prüfungstag nutzt oder vielleicht erst nach dem gesamten Examen. Ich selbst war zu neugierig und habe jeden Abend nachgeschaut.

Fazit

So viel gelernt wie für das 2. Staatsexamen und vor allem so lange am Stück, hatte ich während meines gesamten Medizinstudiums noch nicht. Zu Beginn war es schwer vorstellbar, mich fast jeden Tag von morgens bis abends hinzusetzen und zu lernen. Ich war erstaunt, wie gut man sich doch daran gewöhnen kann! Mit fiel das Lernen von Tag zu Tag leichter, gute Kreuzergebnisse und Lernfortschritte machten mir zwischendurch immer wieder gute Laune und motivierten mich.

Zum Schluss ist es natürlich ganz normal, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem die Luft einfach raus ist. Ein gut strukturierter Lernplan wie von „AMBOSS“, freie Tage, um mal zu entspannen als auch Freunde zu treffen und ein Ausgleich zum Lernen wie z.B. Sport machen die Vorbereitungszeit auf das Examen dann doch erträglich. Und natürlich immer daran denken: Bald ist es geschafft und dies ist wirklich ein gutes Gefühl!

Ich wünsche allen, die ihr Examen vor sich haben, ganz viel Ausdauer und Kraft für die bevorstehende Lernzeit und für die Prüfung natürlich viel Erfolg, nette Fragen und Fälle sowie eine gute Portion Glück!

J., M.

Hamburg, Dezember 2016

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