M3 – Frühjahr 2016 – Eine frischgebackene Ärztin berichtet über Ihre Erfahrungen beim 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung

24. Juni 2016

in Examen, Im Fokus, Ratgeber

Das PJ ist zu Ende und dann kommt sie, die letzte Prüfung im Medizinstudium – der 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung. Noch ein letztes Mal im Studium heißt es, die Zähne zusammen zu beißen. Es ist sicher keine Prüfung, die ich noch einmal würde machen wollen, aber das Gefühl, danach endlich fertig zu sein, ist wunderbar! Und es ist auf jeden Fall machbar!

Vorbereitung auf die letzte Prüfung

Nach meinem letzten Tag im PJ war die Freude erst einmal groß, doch da die Prüfungstermine zu dem Zeitpunkt schon rausgeschickt worden waren, gab es nicht viel Zeit zum Entspannen. Wieder einmal – diesmal zum Glück zum letzten Mal – hieß es für mich und meine Mitstreiter, den Kopf in die Bücher zu stecken. Wir deckten uns mit Schokolade und ausreichend Kaffee ein und quartierten uns wie schon vor den anderen großen Prüfungen in unserem Medizinstudium in der Bibliothek ein.

Anders als für das schriftliche Examen M2, kommt es beim Lernen für die mündliche Prüfung natürlich besonders darauf an, das geballte Wissen zu verbalisieren. Ich machte mir also mit meiner Freundin einen Plan, wann wir welche Themen durchsprechen wollten. Mit Hilfe der Fall- und Frage-Antwort-Bücher haben wir dann die einzelnen Themen durchgesprochen. Sehr empfehlenswert sind auch jeweils „Die 50 wichtigsten Fälle“ für die einzelnen Fächer. Ich fand diese Bücher sehr hilfreich, auch wenn die Fragen manchmal speziell waren und es natürlich sehr auf die Prüfer ankommt, inwiefern man ins Detail gehen muss.

Für mein Wahlfach Gynäkologie habe ich mich dann auch noch ein paar Mal mit meiner Prüfungsgruppe getroffen, um ein paar Themen durchzusprechen. Zusammen mit der Einladung vom LPA zur Prüfung erhält man die Kontaktdaten der Mitprüflinge, sodass wir uns gleich am Anfang schon einmal getroffen hatten und natürlich zusammen zu den Vorgesprächen mit den Prüfern gegangen sind. Ich habe mich mit meinen Mitprüflingen gut verstanden und es ist ein gutes Gefühl, sie vorher schon kennenzulernen und diese letzte Hürde nicht ganz alleine überwinden zu müssen.

Meine Prüfung

Wie Ihr sicher alle wisst, wird man beim 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung an zwei Tagen geprüft. Etwa eine Woche vor der Prüfung bekommt man einen Patienten zugeteilt und hat in der Regel etwa 24 Stunden Zeit, um die Epikrise über diesen Patienten zu verfassen und sie dem Vorsitzenden der Prüfung zukommen zu lassen.

Am 1. Tag wird am Patientenbett und am 2. Tag dann theoretisch im Konferenzraum geprüft. Unser Prüfungsvorsitz prüfte am 1. Tag nur teilweise am Patienten und wir gingen dann noch in den Konferenzraum, was eigentlich sehr angenehm war, weil wir so eine kleine Pause durch den Ortswechsel hatten. Ich muss leider sagen, dass die Prüfung am Krankenbett sehr nervenaufreibend war, was aber ganz bestimmt vor allem an unserem Vorsitzenden lag. Der gute Vorsatz, freundlich zu sein und sich als allererstes dem Patienten vorzustellen, wurde von unserem Vorsitzenden plump abgewehrt mit den Worten: „Nicht lange reden, anfangen“. Ich gehe davon aus, dass die wenigsten Prüfer so sind, aber man sollte eventuell darauf gefasst sein, dass es auch anders kommen kann, damit man dann nicht verunsichert wird. Unsere Prüfer gaben uns sehr konkrete Vorgaben, was wir untersuchen sollten, zum Beispiel: „Tasten Sie die Fuß Pulse“. (Innere) „Untersuchen Sie die Leiste“. (Chirurgie)

Nach der Untersuchung wurden wir dann im Konferenzraum, in welchem es Wasser und Schokolade gab, zu der Epikrise befragt. Dann war der 1. Tag auch schon geschafft.

Am 2. Tag saßen wir dann vier Stunden komplett in besagtem Konferenzraum, was ganz schön anstrengend war, weil man natürlich nicht nur seine Fragen beantworten muss, sondern auch bei den anderen Mitprüflingen dabei ist, wenn sie befragt werden. Und wie es immer so ist, wünscht man sich natürlich grundsätzlich die Fragen der anderen anstelle der eigenen. Aber alles im Allem versuchen die Prüfer eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Es wird auch mal gelacht und der eine oder andere Witz über die andere Fachrichtung eingeworfen. Außerdem geben die meisten Prüfer gute Hilfestellungen, wenn man mal nicht sofort auf die richtige Antwort kommt. Dass man mit dem Fragenstil eines Prüfers nicht so gut zurechtkommt, gehört allerdings wohl auch dazu.

Ein paar persönliche Tipps

Gerade für die weiblichen Examenskanditen unter uns ist die Auswahl der Kleidung eine wichtige Frage. Ein gebügelter Kittel am 1. Tag versteht sich von selbst. Was den Rest angeht, würde ich Euch raten, den Prüfungsvorsitzenden zu fragen. Da unser Vorsitzender im Kasack zur Prüfung kam, wäre es wohl unangebracht gewesen, im Kleid und hohen Schuhen zu kommen, wohingegen andere Prüfer da sicher andere Vorstellungen haben. Sprecht Euch dazu auch mit den anderen Mitprüflingen aus Eurer Gruppe ab. Zieht auf jeden Fall etwas an, worin Ihr Euch wohlfühlt und auch ohne Probleme untersuchen könnt.

Fragt zudem auf jeden Fall, ob die Prüfer ein Vorgespräch anbieten, denn das ist super hilfreich. Außerdem beruhigt es ungemein, die Prüfer vorher schon einmal gesehen zu haben. Das soll aber nicht heißen, dass Ihr verunsichert sein sollt, wenn es kein Vorgespräch gibt, denn in der Prüfung kann sich jeder Prüfer auch doch noch einmal von einer anderen Seite zeigen.

Versucht während der Untersuchung die Blicke, die auf Euch haften, zu vergessen. Mich hat das doch etwas unsicher gemacht. Stellt Euch einfach vor, dass Ihr, wie im PJ tausendmal gemacht, einen Patienten aufnehmt und alleine mit ihm seid.

Und noch ein Tipp zur Epikrise. Wenn klar ist, dass alle Prüfer die Epikrise bekommen und dazu Fragen stellen können, schreibt zu jedem der vier Fächer etwas rein, damit klar ist, dass Ihr, auch wenn es ein internistischer Patient ist, die anderen Fächer dabei auch im Hinterkopf hattet. Also macht z.B. eine gynäkologische Anamnese und dokumentiert sie.

Nachdem die letzte Fragenrunde durch ist, werden die Examenskandidaten gebeten, kurz rauszugehen und die Prüfer beratschlagen sich. Überlegt Euch, ob Ihr ein Feedback von den Prüfern möchtet. Ich habe mich im Nachhinein geärgert, dass ich nicht danach gefragt habe. Dies würde ich auf jeden Fall machen, wenn ich noch einmal in die Verlegenheit kommen sollte.

Mein Fazit

Berlin und seine Straßenfeste - Auf dem Karneval der Kulturen
Berlin und seine Straßenfeste – Auf dem Karneval der Kulturen

Ja, ein Fazit… Es ist sicher keine Prüfung, die ich noch einmal würde machen wollen, aber das Gefühl, danach endlich fertig zu sein, ist wunderbar! Und es ist auf jeden Fall machbar! Also beißt noch ein letztes Mal die Zähne zusammen und dann heißt es endlich nicht mehr, der blöde Student zu sein, der nur hinterherläuft und aufpassen muss.

Ich genieße gerade noch meine neugewonnene Freiheit, denn so frei wird man wohl nie wieder sein und dann werde ich mich für die Gynäkologie bewerben

L., L.

Berlin, Juni 2016

Gesonderter Hinweis von Medizinernachwuchs.de:

Am 9. Juli 2016 stellen sich im Rahmen des Kongresses „Operation Karriere“ am Campus Virchow Klinikum (Lehrgebäude) in Berlin tätige Chefärzte/Oberärzte verschiedener Fachgebiete um 15:30 Uhr bei der Veranstaltung „Kickstart – Ihre Chance im Traumberuf Arzt!“ in persönlichen Gesprächen den Fragen von Medizinstudierenden, PJlern und angehenden Assistenzärzten und geben entscheidende Tipps zur ärztlichen Laufbahn.

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