„Ihr packt das!“ Ein Medizinstudent berichtet über sein Physikum

4. Februar 2016

in Physikum, Ratgeber

Hallo Kliniker in spe! Bald ist es soweit und Ihr habt die Vorklinik endlich hinter Euch gebracht. Mein Name ist Phil und ich studiere im 5. Semester Humanmedizin in Würzburg. Ich selbst hatte mein mündliches Physikum am 03. August 2015 und mein schriftliches am 18. und 19. August. Hier sind meine Tipps zur Physikums-Vorbereitung und ich hoffe, Euch hiermit helfen zu können.

Gut geplant, ist schon halb gelernt!

In Würzburg findet das mündliche Physikum vor dem schriftlichen statt, was anscheinend nicht bei jeder Universität der Fall ist. Informiert Euch einfach frühzeitig, wie es bei Eurer Universität gehandhabt wird. Mir gefiel es ziemlich gut, das Mündliche, den meiner Meinung nach schwierigeren Teil, zuerst hinter sich zu haben und sich nur noch stumpfsinnig durchzukreuzen zu müssen. Doch zunächst alles von Anfang an.

Ohne einen funktionierenden Zeitplan befindet sich das Projekt „Physikum“, der Erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, auf sehr dünnem Eis. Leute, die durch das Physikum fallen, fallen meiner Meinung nach nicht durch, weil sie grundsätzlich nicht in der Lage dazu wären, es zu bestehen, sondern weil ihnen die Zeit davon gelaufen ist.

Das Fatale ist nämlich, dass man, sofern noch genug Zeit bis zum Prüfungstermin ist, keinen Stress empfindet. Doch es braucht seine Zeit, bis der ganze Lernstoff in Eurem Kopf ist!

Berücksichtigt bitte, dass der Geist stark, aber der Körper schwach ist. Sieben volle Lern-Tage am Stück über einen längeren Zeitraum ohne Tage, an denen Ihr deutlich weniger lernt, zermürben einen! Plant genug Lernpausen ein, wenn Ihr noch die Möglichkeit dazu habt.

Ein wesentlicher Vorteil eines Lernplans ist: Sobald man sein Lernpensum geschafft hat, kann man auch mal bewusst vom Unistress abschalten und muss sich keine Gedanken mehr machen bzw. kreisen keine Gedanken in deinem Kopf wie „Oh Mist, ich muss doch noch so viel lernen, wieso chille ich hier so rum“.

Man kann sich nämlich damit beruhigen, dass man ja weiß, dass man mit dem Stoff durchkommen wird, weil man gut in der Zeitplanung liegt. Mir hat es ausgereicht, einen Lernplan im Kopf zu haben. Vielleicht müsst Ihr ihn Euch aber visualisieren, um entspannen zu können. Wenn Ihr ein super entspanntes Lernerlebnis haben wollt, müsst Ihr halt sehr früh anfangen, was so gut wie unmöglich ist. Stellt Euch von Anfang an darauf ein, dass die Physikums-Zeit eine etwas stressigere Zeit ist und erklärt dies Euren nichtmedizinischen Freunden, wenn Ihr sonst häufiger etwas mit diesen unternehmen solltet. Diese können häufig nicht nachvollziehen, dass man auf einmal so viel lernen muss. Uni geht nun mal vor!

Solltet Ihr nicht mehr in der Lage sein, einen perfekten Lernplan auszuarbeiten, weil Euch schlichtweg die Zeit fehlt, dann reduziert Euch auf die „Medi-Learn“- oder Endspurt-Skripte. Es macht an dieser Stelle keinen Sinn mehr, dicke Bücher hervorzukramen. Meines Erachtens solltet Ihr gar nicht erst damit anfangen! Weiter unten findet Ihr die Bücher, die Ihr braucht!

Der wichtige Faktor: die Zeit! Wie viel sollte man einplanen?

Ihr solltet mindestens 200 Lernstunden einplanen. Das hängt aber auch ganz davon ab, wie schnell Ihr lernt, wie viel Ihr bereits wisst und wie viel schon zusammengefasst ist. Mit dieser Zahl möchte ich nur sagen, dass es einiges an Stoff ist und man diesen eben nicht mal schnell lernen kann, sondern einige Lern-Tage dazu braucht. Grundsätzlich würde ich sagen, dass man mindestens 30 komplette Lern-Tage einplanen sollte plus freie Tage, d.h. man sollte eineinhalb Monate vor dem Prüfungstermin spätestens anfangen.

Wie gesagt, hängt es einerseits davon ab, wie schnell Ihr lernt, und auf der anderen Seite, wie viel Ihr schon wisst. Deswegen klingt eineinhalb bis vier Monate als Vorbereitungszeit nicht verkehrt. Alles darunter könnte ziemlich stressig werden. Weniger Zeit zu haben, bedeutet aber auch nicht, dass man nicht mehr bestehen könnte!

Wie sah meine Lernwoche aus und mit welcher Lerntechnik habe ich gelernt?

Alte Mainbrücke in Würzburg
Alte Mainbrücke in Würzburg

Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, wir Ihr Euren Lernplan gestalten sollt, empfehle ich die „Medi-Learns“ als Orientierung zu nehmen – also pro „Medi-Learn“ ca. 1-3 Tage.

Tipp: Mir fiel es deutlich leichter, die Biochemie-„Medi-Learns“ durch zu lernen, da man sich hier weniger Details merken musste als in Physiologie, weshalb ich für Physiologie länger gebraucht habe!

Ich habe unter der Woche nach dem gleichen Lernschema mit ca. sechs Lerneinheiten gearbeitet. Wichtig sind die kleinen Erfrischungspausen. Sobald ich das Gefühl hatte, dass ich eine kleine Pause brauche, habe ich Sie mir genommen. So kriegt man es hin, viele Stunden effektiv zu lernen.

Montag – Freitag:

45-90 min – Erste Lerneinheit

05-10 min – Erste Pause

45-90 min – Zweite Lerneinheit

05-10 min – Zweite Pause

45-90 min – Dritte Lerneinheit

45 min Essenspause

45-90 min – Vierte Lerneinheit

05-10 min – Vierte Pause

45-90 min – Fünfte Lerneinheit

05-10 min – Fünfte Pause

45-90 min – Sechste Lerneinheit

Samstag und Sonntag sind halbe Lern-Tage nach dem Schema:

60-90 min – Erste Lerneinheit

05-10 min – Erste Pause

60-90 min – Zweite Lerneinheit

05-10 min – Zweite Pause

60-90 min – Dritte Lerneinheit

Alternativ kann man auch den Sonntag einfach komplett frei machen. Für mich hat aber das oben Beschriebene besser funktioniert, weil ich das Gefühl hatte, zwei freie Tage zu haben.

Kurz zu meiner Lernmethodik: Ich liebe Karteikarten, es gibt für mich keine bessere Methode, seinen Wissensstand wirklich zu überprüfen, während man lernt. Hierzu habe ich ein kostenloses Karteikartenprogramm benutzt, welches ich im Internet gefunden habe. Das Karteikartenprogramm heißt „Anki“: http://ankisrs.net

Bücher, Bücher und noch mehr Bücher! Doch welche brauche ich davon?

In jedem Fach hat man eine nahezu unbegrenzte Auswahl an Büchern. Gerade diese Tatsache machte es mir in den ersten Semestern schwer, mich auf ein Buch zu konzentrieren. Setzt Euren Lernfokus auf eine begrenzte Anzahl an Büchern und lernt diese wirklich komplett durch, bevor Ihr Euch die meterdicke Standardliteratur besorgt.

Fangt mit kurzen Lehrbüchern an, die Euch kompakt das Wesentliche beibringen. Im Großen und Ganzen, auch wenn man das schon tausendmal gehört hat, reichen die „Medi-Learns“/“Endspurte“. Wenn man diese sehr sicher beherrscht, kann so gut wie nichts passieren.

Für die einzelnen Fächer empfehle ich folgende Herangehensweisen:

  • Anatomie

„Prometheus“ – alle drei Bände! Ich liebe diese Buchreihe! Als Alternative kann man auch „Sobotta“ hernehmen. Für die Fakten arbeitet man mit den Anatomie-„Medi-Learns“ und optional ergänzend der kleine „Benninghoff“.

  • Biochemie

Wer hat was anderes erwartet? Die „Medi-Learns“ plus ergänzend „Duale Reihe“ bzw. auch Videos von „Lecturio“.

  • Physiologie

Für die Basics der übliche Verdächtige „Medi-Learn“ plus für tieferes Wissen „Duale Reihe“, „Gekle“ oder „Silbernagel“.

  • Restliche Fächer

„Medi-Learns“ und gekreuzt.

Die Vorbereitung für das mündliche Physikum

Die Vorbereitung lässt sich schnell zusammenfassen. Da im Mündlichen nur Anatomie, Physiologie und Biochemie eine Rolle spielen, fand ich es super, dass die mündliche Prüfung in Würzburg vor der schriftlichen stattfand, denn so musste man sich am Anfang nur auf die mündlichen Altprotokolle konzentrieren und eben nur auf die drei Hauptfächer Anatomie, Physiologie und Biochemie.

Um in die einzelnen Themen während des Lernens reinzukommen, habe ich gerne Lernvideos zu dem jeweiligen Thema angeschaut. Die meiner Meinung nach sinnvollsten Lernvideos habe ich in einer Lernliste zusammengestellt. Mein Lieblingslink ist der zum Thema EKG. Mithilfe dieser Videos hatte ich alles Physikums relevante zum Thema EKG in elf Minuten verstanden! Den Link findet Ihr am Ende meines Erfahrungsberichtes.

Das in Kombination mit den bereits erwähnten Büchern reicht vollkommen aus. Vielleicht noch als kurzer Hinweis: Lernt zunächst souverän Eure Basics und vertieft nur die Themen, von denen Ihr durch die Altprotokolle wisst, dass sie häufig genauer abgefragt werden. Kein Prüfer lässt Euch durchfallen, wenn Ihr Euer „Medi-Learn“-Wissen drauf habt.

Das große Finale: Kreuzen, kreuzen und nochmals kreuzen!

Die Würzburger Festung
Die Würzburger Festung

Das schriftliche Physikum: weniger spektakulär und weniger aufregend als gedacht. Für mich zumindest. Natürlich schreibt man gerade sein Staatsexamen, den 1. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, aber wenn man vorher einige Klausuren am Stück durchgekreuzt hat, dann ist es auch keine allzu neue Erfahrung, wieder Fragen zu kreuzen – nur diesmal einfach mit vielen anderen, die das genauso machen.

Es fühlt sich nicht viel anders an als eine übliche Uni-Klausur. Von daher braucht Ihr Euch da keine Sorgen zu machen! Ich denke, dass Ihr es genauso empfinden werdet. Macht Euch da echt keinen Stress, gerade da Ihr ohnehin viele Altfragen in Eurer Prüfung wiederfinden werdet.

Ich hoffe, dass mein Erfahrungsbericht Euch helfen konnte. Schreibt mir gerne, wenn Ihr noch was wissen wollt. Für Fragen stehe ich Euch sehr gerne zur Verfügung! Schickt einfach eine Nachricht an: https://www.facebook.com/Wisephants/

Interessiert Euch die Lernliste mit nützlichen Lernvideos und Lerntipps, die ich fürs Physikum erstellt habe? Ihr könnt sie Euch kostenlos zuschicken lassen unter:

http://wisephants.com/studium/vorklinik/physikum

Ich wünsche Euch allen viel Erfolg!

Phil Rückert

Würzburg, Januar 2016

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *