Das Physikum, die 1. Ärztliche Prüfung – „Ihr schafft das!“

2. Oktober 2015

in Physikum, Ratgeber

Mein Physikum im August 2015 – und somit meine letzte große Hürde am Ende der Vorklinik. Man schwankt zwischen „Das wird schon werden“ und „Ich falle auf jeden Fall durch“. Im Nachhinein kann man aber eindeutig und zur Beruhigung sagen: „Es wird heißer gekocht als gegessen“ und „Es geht vorbei und es ist machbar!“ Und die Klinik soll ja angeblich ganz anders sein.

„Unser Masterplan“

Ich schätze mal, wie 90 Prozent aller Prüflinge kann ich von mir behaupten, zu spät mit den Vorbereitungen fürs Physikum angefangen zu haben. Nachdem sämtliche Lernpläne von Thieme etc. mir gesagt hatten, ich hätte nicht mehr genug Zeit, habe ich mich mit zwei Kommilitoninnen zusammengesetzt und wir haben „unseren Masterplan“ erstellt: Jeden Montag und Donnerstag haben wir ein Treffen angesetzt, bei dem gelernte Inhalte besprochen, vorgestellt und Fragen geklärt werden sollten.

Wir haben uns alle mit unseren alten Mitschriften für Klausuren sowie der „Endspurtreihe“ von Thieme vorbereitet und es war uns frei überlassen, ob wir jeden Tag ein Lernpaket bewältigen oder einmal mehr, einmal weniger, die einzige Regel: Bis zu unserem Treffen mussten wir mit dem vereinbarten Stoff fertig sein.

Ich denke, sich solch eine Lerngruppe zu suchen, ist eine gute Sache. Man hat ein bisschen den Druck bis zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer bestimmten Stoffmenge durch zu sein und man kann üben, das Gelernte auch mal zu verbalisieren – dies wurde uns von unseren Dozenten dringend geraten.

Wenn man dann solche Treffen noch mit etwas Schönem verbindet, z.B. zusammen kocht, dann ist die Vorbereitung gleich nur noch halb so wild.

Parallel zu den Lernpaketen haben wir alle drei immer auf examenonline.de gekreuzt und auch das würde ich fürs Schriftliche raten: Viel, viel kreuzen!

Meine erste Hürde – die mündliche Prüfung

Die MediBib an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Die MediBib an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Glücklicherweise hatte unsere Universität die Prüfungen dieses Jahr sehr schnell und gut organisiert, sodass wir schon Ende Juni wussten, wann unsere Prüfungen sein würden, und zwölf Tage vor unserer mündlichen Prüfung Bescheid bekamen, wer unsere Prüfer sein würden. Der Wegfall dieser Ungewissheit war jedenfalls eine große Hilfe.

Mich hatte leider einer der frühesten mündlichen Prüfungstermine getroffen, sodass ich noch vor dem Termin der schriftlichen Prüfung (18.08.-19.08.2015) dran kam.

Zurückblickend war es wirklich eine super harte Zeit. Das Lernpensum steigerte sich von Tag zu Tag, bis dann „DER BRIEF“ mit der Prüferkombination kam und man kurz vorm Durchdrehen stand. Da mich leider auch eine der nicht so angenehmen Prüferinnen traf, ging mir fortan gut die Pumpe. In meiner Mediziner-WG waren trotz normalerweise entspannter Persönlichkeiten der Druck und die Anspannung deutlich zu spüren. Wir waren selten gleichzeitig, wenn überhaupt, zuhause und haben uns eher mal in der Bibliothek getroffen.

Da eines der zwei Mädels aus meiner Lerngruppe einen Tag nach mir mündliche Prüfung hatte, konnten wir uns gegenseitig richtig gut motivieren. Irgendwann stellte sich auch ein richtig regelmäßiger Alltag ein: Von 8.30 Uhr bis 17.00 Uhr lernen, kurze Pause, und ab ca. 19.00 Uhr bis 23.00 Uhr hieß es dann nochmals lernen. Man kann schon gut sagen, dass wir sämtliche Bibliotheken mittlerweile gut kennen und den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung zum größten Teil fernab der Sonne verbracht haben.

Ich würde sagen, es ist auch völlig normal, ab und zu mal „am Rad zu drehen“. Man schwankt zwischen „Das wird schon werden“ und „Ich falle auf jeden Fall durch“ – und vielleicht gehört eben auch diese psychische Prüfung mit zum Physikum. Kurz vor der mündlichen Prüfung wird jeder wahnsinnig, doch im Nachhinein kann man eindeutig sagen: „Es wird heißer gekocht als gegessen.“

Nicht nur bei mir war nach der Prüfung der Gedanke präsent: „Wie, und das soll´s schon gewesen sein?“ Mit ein paar Ausnahmen wollen ja auch die Prüfer, dass man besteht und versuchen, das Beste aus einem rauszuholen. Am Tag der mündlichen Prüfung war ich erstaunlicherweise entspannt und würde behaupten, dass dies der beste Weg ist, diesem Test entgegen zu treten. Obwohl es eine sehr frustrierende Prüfung war, bei der ich nicht zeigen konnte, was ich die letzten Wochen über so gelernt hatte, hat es dennoch gelangt und das Bestehen ist schließlich die Hauptsache.

Und dann die zweite Hürde – das Schriftliche

Leider ging nach der Mündlichen die Lernerei fürs Schriftliche erst so richtig los. So hatte ich speziell in meinem Fall nun eine Woche für sämtliche Nebenfächer. Physik und Chemie habe ich nur online gekreuzt und versucht über die Kommentare zu verstehen. In Psychologie und Biologie habe ich zumindest die gelben Kästen in der „Endspurtreihe“ gelesen und dann einfach möglichst viel gekreuzt.

Gerade Psychologie lohnt sich. Im Physikum werden 60 Fragen gestellt, das ist so viel wie Biochemie, und die meisten kann man doch mit ein wenig gesundem Menschenverstand beantworten und so einfach Punkte holen. In den Hauptfächern habe ich nur noch ein bisschen wiederholt, aber ich konnte ja auf mein Wissen für die Mündliche zurückgreifen.

Gegen Ende hin habe ich noch ein paar Altphysikum-Prüfungen gekreuzt.

Vor der schriftlichen Prüfung war ich gar nicht mehr aufgeregt, das war alles mit der Mündlichen verflogen. Auch hier haben wir uns wieder als Gruppe zusammengetan, um zur Prüfung zu fahren. Man sitzt hier an seinem eigenen Tisch, mit eigener Platznummer und eigenem Antwortbogen. Den Prüfungsbogen bekommt man ausgeteilt und darf ihn auch nach Abgabe des Antwortbogens mit nach Hause nehmen. Dann kann man z.B. vorzeitig seine Ergebnisse beim Examenscheck von „Medi-Learn“ nachschauen.

Am ersten Tag ist die Zeit wegen der vielen Rechnungen in Chemie und Physik eher knapp bemessen, am zweiten Tag war die Zeit mehr als ausreichend. Nach dem ersten Tag haben wir jeder nachmittags noch ein bisschen etwas gelernt, aber den Abend gemeinsam entspannt verbracht.

Bei allen, die ich kenne, war der zweite Prüfungstag mit Abstand der bessere. Dies könnte daran liegen, dass Physik und Chemie am ersten Tag dran sind.

Mit dem Abgeben der Antwortbögen stürmten ein paar der Prüflinge, und zwar diejenigen mit der mündlichen Prüfung vor der schriftlichen, in ihre wohlverdiente Freiheit! Man schwebt einfach erstmal zwei Wochen lange etwa eine Handbreit über dem Boden und fühlt sich unbesiegbar. Man ist einfach tiefenentspannt und lässt sich von gar nichts ärgern.

Zumindest in unserer Gruppe haben die schon fertigen, und die teils noch nicht fertigen, Kommilitonen die Prüflinge mit Sektdusche von ihrer Prüfung abgeholt, worüber sich jeder wahnsinnig gefreut hat.

Die Zeit nach dem Physikum war auf jeden Fall sehr oft feuchtfröhlich und feierreich!

Gerade weil man etwas dafür getan hat, fühlt es sich noch viel besser an. Und jetzt können wir alle auch endlich mal wieder mit gutem Gewissen NICHTS tun.

Meine Buchempfehlungen

Das Gebäude der Physiologie der LMU München
Das Gebäude der Physiologie der LMU München

Für die Nebenfächer sind „Endspurt- oder Medi-Learn-Skripte“ ausreichend. Für die Anatomie habe ich mit der „Dualen Reihe“, „Endspurt“, „Trepel“ und einem Atlas gearbeitet. Tendenziell würde ich eher zum „Prometheus“ raten, aber in München lohnt sich wegen Prof. Waschke auch der „Sobotta“.

In Biochemie ist die „Duale Reihe“, „Endspurt“ und das „Medi-Learn-Poster“ keine schlechte Wahl. Für die Physiologie habe ich den „Silbernagel“, „Endspurt“ und ein Online Tutorial, sehr gut, der LMU verwendet.

Auf die jeweiligen Prüfer kann man sich am besten mit Prüfungsprotokollen vorangegangener Prüfungen (Fachschaft/Protokolldienst) vorbereiten.

Ein Fazit

Anatomische Anstalt der Ludwig-Maximilians-Universität München
Anatomische Anstalt der Ludwig-Maximilians-Universität München

Die meisten Ärzte, die man trifft, sagen immer, das Physikum sei die schlimmste Zeit des ganzen Medizinstudiums gewesen und ich hoffe, sie haben Recht. Diese Zeit lässt einen zuweilen an seine Belastbarkeitsgrenzen gehen und sogar sonst tiefenentspannte Kommilitonen wurden irgendwann von Panik erfasst. Ich persönlich habe stark an meiner Studiums Wahl gezweifelt und mehrfach mit dem Gedanken gespielt, abzubrechen. Dann muss man einfach das „In Frage stellen“ bleiben lassen und stur weitermachen. Zur Beruhigung lässt sich aber sagen: „Es geht vorbei und es ist machbar!“ Und die Klinik soll ja angeblich ganz anders sein.

Wenn ich diese Prüfungen nochmals machen müsste, und das wünsche ich wirklich keinem, hätte ich vermutlich etwas eher angefangen zu lernen, weil es nach hinten hinaus dann nicht so stressig wird. Ich würde auch versuchen, mich weniger verrückt zu machen, denn das ist es, weiß Gott, nicht wert: „Wer sich gut vorbereitet hat, besteht das Ganze auch.“ Und besonders fürs Mündliche ist es eine gute Grundvoraussetzung, die Prüfung entspannt anzugehen.

Obwohl ich besonders die Objektivität des mündlichen Teils stark anzweifle und ich nicht bestätigen kann, dass eine solche Prüfung einen guten Arzt macht, kann ich auch zwei positive Dinge aufgreifen: „Es ist wichtig für einen, mal solch eine harte Probe zu überstehen. Und wenn man diese Zeit mit seinen Freunden teilen kann, schweißt das definitiv enger zusammen.“

Ausblick in die Zukunft

Da ich jetzt doch erst einmal nicht abbreche, freue ich mich fast ein wenig auf die Klinik.

Für meine Famulatur möchte ich auf jeden Fall so viel wie möglich ins Ausland gehen. Südafrika, Süd- und Mittelamerika oder die Ostküste der USA wären als Ziele ziemlich gut! Vermutlich gönne ich mir dafür sogar ein Urlaubssemester im 6. Semester…

K., L.

München, September 2015

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