USMLE Step 2 CK – Meine persönlichen Erfahrungen und Tipps zum Amerikanischen Staatsexamen

7. Januar 2015

in Ratgeber, USMLE - Amerikanische Staatsexamina

Hürde USMLE Step 2 CK – meine Motivation

Schon während des klinischen Studiums hatte ich Ambitionen, nach dem Staatsexamen für die Facharztausbildung in die USA zu gehen. Die positiven Erfahrungen während meines chirurgischen PJ-Tertials am Texas Heart Institute in Houston festigten diesen Wunsch umso mehr und so beschloss ich nach erfolgreich beendetem Staatsexamen mich noch einmal an den Schreibtisch zu setzen und für das United States Medical Licensing Examination (USMLE) zu pauken.

Es war sicherlich keine einfache Entscheidung. Dennoch war ich sicher, dass die Aussicht auf eine wesentlich mehr integrierte und strukturiertere Ausbildung in einem System, das schon so viele medizinische Größen hervorgebracht hat, die zusätzliche Arbeit wert sein sollte. Des Weiteren stellt das USMLE und das damit verbundene ECFMG-Zertifikat (Educational Committee for Foreign Medical Graduates) einen international anerkannten, standardisierten Abschluss dar, welcher es einem Mediziner ermöglicht, sich weltweit weiterzubilden und ggf. zu praktizieren.

Zeitpunkt & Ort der Prüfung

Nachdem ich im Juni 2014 mein deutsches Staatsexamen erfolgreich bestanden hatte, nahm ich drei Monate später im September 2014 das USMLE Step 2 CK (Clinical Knowledge) in Angriff. Dies ist auch der Zeitpunkt, den ich jedem empfehlen würde, da das klinische Wissen noch sehr frisch ist und so die Lernzeit optimiert werden kann. Die schriftlichen Prüfungen Step 1 und 2 CK werden in der Regel fast weltweit angeboten. Allerdings ist die Dichte und Verteilung der zertifizierten Testzentren in jedem Land unterschiedlich. Beispielsweise gibt es in Deutschland ein einziges Testzentrum in Eschborn bei Frankfurt am Main, während in den USA mehrere Zentren pro Stadt bzw. Ballungsgebiet zu finden sind.

Ich hatte mich entschlossen, mein Examen in Houston zu absolvieren, da ich es mit einem Besuch bei Freunden aus meiner Zeit im PJ in Verbindung bringen wollte. In Houston hatte ich übrigens die luxuriöse Möglichkeit, zwischen vier Testzentren zu wählen.  Die Anzahl an Testzentren in einem Land oder einer Stadt spiegelt in gewissem Maße auch die Terminverfügbarkeit wider und sollte bei Anmeldung und etwaigen Wunschterminen berücksichtigt werden. So sollte bei einem einzigen Testzentrum der Prüfungstermin möglichst frühzeitig gewählt werden, um eine möglichst breite Auswahl zu haben.

Die Anmeldung zur Prüfung

USMLE-Step-2-CK-T.-OConnell-MD
USMLE-Step-2-CK-T.-OConnell-MD

Die Anmeldungen für die USMLE Steps 1, 2 CK und 2 CS (Clinical Skills) laufen alle über die Webseite der ECFMG  (www.ecfmg.org ), eine Organisation, die alle internationalen Bewerber, deren medizinischen Abschluss im jeweiligen Heimatland und letztlich die Zulassung zu den Examina prüft und verwaltet. Nachdem ein Bewerber alle drei o.g. Prüfungen erfolgreich abgelegt hat, kann dieser das bereits erwähnte ECFMG-Zertifikat beantragen, welches dem Bewerber offiziell bescheinigt, dass sie oder er die Mindestvoraussetzungen für den Beginn einer ärztlichen Weiterbildung in den USA erfüllen.

Es ist übrigens egal, in welcher Reihenfolge man Step 1, 2 CK und 2 CS absolviert. Hat man jedoch ein Examen erfolgreich absolviert, hat man sieben Jahre Zeit, um die restlichen zwei Prüfungen erfolgreich abzulegen und das ECFMG-Zertifikat zu beantragen.

Zunächst muss man sich beim ECFMG über das Interactive Web Applications (IWA)Portal online anmelden und formal den Antrag für eine solche Zertifizierung stellen. Dazu sind mehrere Seiten eines Online-Anmeldeformulars über persönliche Angaben und akademischen Werdegang auszufüllen sowie eine Anmeldegebühr von $65 zu entrichten. Nach einer kurzen Bearbeitungszeit bekommt man dann seine offizielle USMLE ID-Nummer vergeben, welche von nun an bei jeder Kommunikation mit dem ECFMG genannt werden sollte. Die tatsächliche Anmeldung für das Examen der Wahl erfolgt dann wiederum über das IWA-Portal mit der USMLE ID-Nummer.

Die Anmeldung besteht aus:

–          einem weiteren Online-Formular

–          und einem Identifizierung-Formular (Form 186)

und läuft für den USMLE Step 1 und Step 2 CK identisch ab.

Während dieser Anmeldung ist es nun möglich auszuwählen, welchen Test und  in welcher Test-Region bzw. am welchem Standort auf der Welt man die Prüfung ablegen möchte und zu welchem Zeitpunkt. Für Bewerber, die ihr Examen in Deutschland schreiben wollen, kommen nochmals $200 Ortszuschlag zu den $850 Examenskosten hinzu. Wird das Examen in den USA oder Kanada geschrieben, entfällt der Zuschlag.

Für den Zeitpunkt kann bei der Anmeldung eine sog. Zulassungs-Periode (eligibility period) von drei Monaten ausgewählt werden, in der man gedenkt, das Examen zu schreiben. Wird die Anmeldung bewilligt, hat der Bewerber die Möglichkeit, innerhalb dieser drei Monate einen Termin in einem Testcenter seiner vorher ausgewählten Test-Region zu vereinbaren. Ein Wechsel der Testregion sowie eine Verlängerung der Zulassungs-Periode sind gegen Gebühr möglich (http://www.ecfmg.org/fees/ ).

Neben einem weiteren, sehr detail-hungrigen Fragebogen kommt während der Anmeldung die wichtige Frage nach dem Status des Bewerbers. Für den ECFMG und den Anmeldeprozess ist es hier wichtig, ob der Bewerber zum Zeitpunkt der Bewerbung noch Student ODER Graduierter einer medizinischen Hochschule ist. Da die Anmeldung vom ECFMG zur Verifizierung der Angaben ebenfalls an das Studiendekanat des Bewerbers geschickt wird, sollten diese Informationen unbedingt übereinstimmen. Bei Diskrepanzen zwischen den Angaben des Bewerbers und des Studiendekanats wird die Anmeldung als ungültig erklärt und der Bewerber muss den gesamten Anmeldeprozess von vorne beginnen.

Da der Abgleich mit dem Studiendekanat als letzter Punkt in einem Bearbeitungszeitraum von mindestens 4-5 Wochen abgearbeitet wird, sollte man von vorne herein sicher sein, dass man zum Zeitpunkt der Bewerbung und des Examens denselben Status hat, um nicht unnötig viel Zeit in diesem ohnehin sehr langwierigen Prozess zu verlieren. Ist und bleibt man Student während der Bearbeitungszeit wird von der Webseite am Ende des Online-Teils der Anmeldung ein Certification of Identification Formular generiert, welches ausgedruckt und mit einem Passfoto versehen zum Studiendekanat gebracht werden muss. Die dort zuständige Person muss dann mit Stempel und Unterschrift die Identität des Bewerbers bestätigen.

Um es noch komplizierter zu machen, darf das Formular nur vom Studiendekanat aus an den ECFMG geschickt werden. Sobald der Online-Teil und das Formular 186 beim ECFMG eingetroffen und verifiziert worden sind, gilt die Anmeldung als abgeschlossen.

Als Graduierter wird man zusätzlich aufgefordert, zwei Kopien sowie eine englische Übersetzung des Abschlusszeugnisses (Nicht die Approbationsurkunde!) mit ausgefüllten Begleitdokumenten einzureichen. Die Details werden dem Bewerber in diesem Fall während der Anmeldung angezeigt und können auf der ECFMG-Webseite nachgelesen werden.

Da weder meine Universität, noch in meinem Fall das Landesprüfungsamt NRW englische Übersetzungen bereitstellen konnte, musste ich einen kommerziellen Übersetzungsdienst in Anspruch nehmen (Kostenpunkt: 60-100€). Sobald diese Dokumente beim ECFMG eingetroffen und geprüft worden sind, wird die Bestätigung an den Bewerber rausgeschickt.

Mit der Bestätigung folgt per E-Mail eine sog. Termin-Zulassung (scheduling permit), welche am Tag der Prüfung unbedingt zum Testzentrum mitgebracht werden muss und dem Bewerber zwei wichtige Nummern mitteilt: die scheduling number und die candidate ID number (CIN). Die scheduling number muss bei der Terminauswahl auf der Testzentrums-Webseite (www.prometric.com) angegeben werden, um eine erfolgreiche Anmeldung über ECFMG zu bestätigen. Die CIN ist wichtig für die Identifizierung des Testteilnehmers am Testzentrum und für die Zuordnung der Prüfungsergebnisse.

Vor allem bei einer Erstanmeldung beim ECFMG sollte aufgrund der langen Bearbeitungszeit und möglicher Verzögerungen durch transatlantischen Briefverkehr die Anmeldung idealerweise 5-6 Monate vor dem gewünschten Termin eingeleitet werden, um auch eine stressfreie Vorbereitungszeit zu garantieren.

Die Vorbereitung und meine persönlichen Tipps

USMLE Step 2 CK - Master the Boards - Conrad Fischer MD
USMLE Step 2 CK – Master the Boards – Conrad Fischer MD

Die Zeit, die für die Vorbereitung auf das USMLE Step 2 CK-Examen genommen werden sollte, ist von mehreren Faktoren, wie zeitlicher Abstand zum deutschen Examen, Englisch-Kenntnisse und Adaptation an den Prüfungsmodus abhängig.

Als ich mit den Vorbereitungen begann, war das klinische Wissen noch sehr frisch, so dass ich ca. 7-8 Wochen zur Wiederholung der Kernthemen und für das Kreuzen einplante. Als Repetitorien nutzte ich v.a. „USMLE STEP 2 Secrets“ von T. O’Connell (Elsevier-Saunders) und „Master the Boards USMLE STEP 2 CK“ von C. Fischer (Kaplan Publishing). „Secrets“ stellt mehr eine nach Fächern sortierte Auflistung der wichtigsten Themen im Frage-Antwort Stil dar, während „Master the Boards“ ein Lehrbuch-Layout verfolgt. Insgesamt musste ich feststellen, dass „Secrets“ mehr Themen abhandelt, während „Master the Boards“ sich auf die sog. „high yield“ – also am häufigsten geprüften Themen – konzentrierte.

Unumgänglich für die Vorbereitungen war ein solides Kreuzprogramm. Wichtig zu wissen ist, dass der National Board of Medical Education (NBME) die Original-Prüfungsfragen nach den Prüfungen  nicht zur Verfügung stellt, wie der IMPP es in Deutschland handhabt. Dies ist auch unbedingt nötig, um den Fragenpool bei der hohen Frequenz der Prüfungen zu schützen. D.h., dass sämtliche kommerziell erhältlichen Kreuzprogramme prüfungs-ähnliche Fragen generieren und diese dann als Abonnement verkaufen.

Ich entschied mich für den Online-Dienst „USMLE World“, welches aktuell das am höchsten bewertete Programm auf dem Markt ist. Eine Lizenz beinhaltet den Zugang zu ca. 2.500  prüfungs-nahen Fragen, welche in ihrer Häufigkeit und Gewichtung den Fragen im Examen entsprechen. Die Fragen können einzeln nach Fächern oder im Zufallsmodus gekreuzt werden. Wie in der Prüfung selbst besteht die Möglichkeit, sich Blöcke von ca. 44 Fragen zu kreieren.

Es gibt vier verschiedene Modi, von denen der Tutormodus ohne Zeitlimit der wertvollste zum tatsächlichen Lernen ist und der Prüfungsmodus mit Zeitlimit, derjenige, der den Prüfling unter tatsächlichen Prüfungskonditionen üben lässt. Es ist hochgradig zu empfehlen sich ca. 1-2 Wochen vor der tatsächlichen Prüfung mit dem Prüfungsmodus vorzubereiten, da der „Luxuszeitrahmen“ von 120 Sekunden/Frage im deutschen Examen beim USMLE im Durchschnitt auf 75 Sekunden/Frage (44 Fragen in 60 Minuten) zusammenschrumpft und deutsche Prüflinge in ungewohnte Zeitnot bringt.

Der Schwierigkeitsgrad wird von „USMLE World“ selbst als etwas oberhalb des durchschnittlichen Schwierigkeitsgrads des Examens dargestellt, um den Prüfling in den Vorbereitungen mehr zu fordern bzw. zu fördern. Hier sollte man sich von anfänglichen Misserfolgen nicht entmutigen lassen. Des Weiteren werden Detailauswertungen der einzelnen Sitzungen sowie der Gesamtperformance angezeigt, um den eigenen Lernerfolg zu verfolgen. Diese werden ebenfalls in Perzentilen-Form mit der Performance aller anderen Abonnenten anonym verglichen und angezeigt. Diese Angabe sollte allerdings mit Vorsicht genossen werden und sollte keineswegs als handfeste Prognose für das tatsächliche Prüfungsergebnis interpretiert werden. Auch hier gilt es sich nicht von vermeintlichen Misserfolgen entmutigen zu lassen. Ein weiteres Plus stellt das Layout des Programms dar, welches fast identisch mit dem Layout der Prüfungssoftware des USMLE ist. So spart man sich am Prüfungstag wertvolle Zeit.

Ein Negativpunkt ist sicherlich der Preis mit stolzen $125 für eine 30 Tages Lizenz mit Preisnachlässen, je länger die Lizenzdauer  ist. Da die meisten kommerziellen Produkte in dieser Qualität sich in dieser Preisklasse bewegen, erschien mir „USMLE World“ als die beste Option. Da das Kreuzen von Prüfungsfragen, wie im deutschen Examen, auch den wichtigsten Pfeiler für eine solide Prüfungsvorbereitung darstellt, kann und sollte an diesem Punkt auch nicht gespart werden.

Mein persönlicher Fokus lag ganz klar auf dem Kreuzen mit 3-4 Übungsblöcken im Tutormodus pro Tag. Die Kommentare zu den Fragen in diesem Modus waren schon so ausführlich, dass eine Nachbereitung mit den o.g. Büchern kaum noch nötig war. Empfehlenswert sind auch diejenigen Probefragen, die bei www.usmle.org umsonst herunter zu laden sind. Es handelt sich um 176 Fragen in vier Blöcken, im einfachen pdf-Format mit Lösungsschlüssel am Ende der Datei.

Viele US-Studenten empfehlen, vor dem tatsächlichen Examen 1-2 Probe-Examen unter realen Bedingungen zu schreiben, um ein besseres Gefühl für die Prüfung und seine Vorbereitung zu bekommen. „USMLE World“ bietet z.B. Probeexamen an, die man für $10-15 zusätzlich zu einem Fragendatenbank-Abonnement dazu kaufen kann. Einzeln sind sie ebenfalls zu erwerben. Die Referenz-Entität sind allerdings die Self-assessments auf der Webseite des NBME (https://nsas.nbme.org/home). Diese Fragenpakete bestehen ebenfalls aus vier Blöcken auf Zeit, die vom Schwierigkeitsgrad her dem des realen Examens entsprechen sollen. Allerdings sind diese Probeexamen wiederum kostenpflichtig und mit ca. $50 nicht ganz so günstig. Ich persönlich hatte so nochmal die Bestätigung, gut vorbereitet zu sein, aber es ist jedem selbst überlassen, ob man dafür tatsächlich diese Summe ausgeben möchte oder nicht. Mein Score entsprach später tatsächlich dem meines letzten Probeexamens.

Prüfungsmodus

Beim USMLE Step 2 CK  handelt sich um eine computer-gestützte, schriftliche Prüfung mit bis zu 355 Multiple Choice-Fragen, welche an einem Tagabgelegt wird. Die Prüfung ist in insgesamt acht Blöcke von 60 Minuten Länge mit jeweils 42-44 Fragen eingeteilt. Insgesamt sind zusätzlich 45 Minuten für Pausen vorgesehen sowie ein Einführungs-Tutorial von 15 Minuten. Laufen die 60 Minuten eines Blockes aus, wird dieser automatisch beendet und alle bis dahin unbeantworteten Fragen des Blockes werden mit 0 Punkten bewertet.

Beantwortet man alle Fragen eines Blockes vor den vorgegebenen 60 Minuten, hat man die Möglichkeit, den Block vorher zu beenden und die verbliebene Zeit auf die Pausenzeit zu addieren. Eine Verlängerung des nächsten Blocks ist nicht möglich. Nach Beendigung jedes Blocks fragt die Software, ob der Prüfling den nächsten Block starten möchte oder ob er eine Pause einlegen will, in welchem Fall der Pausen-Timer auf dem Bildschirm gestartet wird. Der Timer stoppt nach Rückkehr und Einloggen des Prüflings an seinen PC. Überzieht man die vorgegebene Pausenzeit, verkürzt sich der nachfolgende Block, um die überzogene Pausenzeit.

Wird das Einführungs-Tutorial übersprungen oder schneller beendet, addiert sich die (Rest-)Zeit ebenfalls auf die Pausenzeit. Für alle Teilnehmer, die „USMLE World“ zur Vorbereitung genutzt haben, ist das Tutorial meiner Meinung nach nicht notwendig. Der Prüfungstag dauert also insgesamt neun Stunden, mit acht Stunden Prüfung und 45-60 Minuten Pause, die man frei einteilen kann.

Im Gegensatz zu den Fragen des IMPP sind die MC-Fragen beim USMLE nicht auf fünf Antwortmöglichkeiten begrenzt, sondern können zwischen vier und sieben schwanken. In Extremfällen gibt es auch schon mal bis zu 15 verschiedene Antwortmöglichkeiten, zwischen denen der Prüfling dann die berühmte Qual der Wahl hat.

Neben den klassischen Fragen gibt es auch Multimedia-Fragen, in denen ein Baustein der Frage eine Audio-Aufnahme eines Herz- oder Atemgeräusches sein kann, zu dem eine Frage gestellt oder ein kurzes Video gezeigt wird, welches für die Frage relevant ist. Näheres gibt es in den Informations-Bulletins für jeden STEP auf www.usmle.org nachzulesen.

Ein weiterer subtiler Unterschied zum deutschen Examen ist der Prüfungsstoff. Wo das IMPP eher Faktenwissen im Stichwort–Antwort Stil und von den Fächern her mehr in die Breite prüft, verlangt das NBME von den Prüflingen abstrakter und mehr „um die Ecke“ zu denken. Hierbei wird sich aber v.a. auf die Fächergruppen Innere Medizin, Chirurgie, Pädiatrie, Gynäkologie/Geburtshilfe und Psychiatrie konzentriert. „Kleine Fächer“ wie Dermatologie, Ophthalmologie oder HNO kommen zwar vor, aber eher als Randerscheinungen. Selbst größere Fächer wie Neurologie werden nur als Unterpunkte der Inneren Medizin abgeprüft.

Der Fokus liegt v.a. auf der klinischen Entscheidungsfindung (clinical decision making). Leider spielen medizinische Biometrie und Biostatistik im Zusammenhang mit einem für deutsche Prüflinge etwas ungewohnten Fragen-Typ auch noch eine Rolle. Es gibt Fragen, in denen ein kurzer Abstract eines wissenschaftlichen Artikels oder eine Broschüre, die mit Studienergebnissen für ein neues Medikament wirbt, gezeigt werden. Die Fragen drehen sich dann meist darum, ob anhand der Studie eine begründete Therapieempfehlung  abgegeben werden kann oder um die wissenschaftliche Qualität der Studie im statistischen Sinne.

Der Ablauf der Prüfung

Alle Prüflinge werden aufgefordert am Prüfungstag möglichst 30 Minuten vor Beginn der Prüfung am Prüfungsort zu erscheinen. Nach erfolgreicher Anmeldung über PROMETRIC bekommt man eine Terminbestätigung mit der Adresse und Wegbeschreibung zum Prüfungsort. Wie beim deutschen Examen sollte man sich unbedingt mit der Verkehrslage um die Uhrzeit der Anfahrt vertraut machen und diese in die Anfahrtszeit einbeziehen.

Das Testzentrum in Houston war in einem Bürogebäude unterbracht. Ich war sehr überrascht, als ich feststellte, dass dort an diesem Tag nicht nur Mediziner, sondern auch Prüflinge anderer Disziplin wie z.B. Lehramtsstudenten etc. ihre staatlichen, standardisierten Prüfungen ablegten. Zum Prüfen der Personalien und der Zuordnung zum entsprechenden Test ist der vom ECFMG erhaltene scheduling permit sowie ein gültiger Lichtbildausweis nötig. Als kleine Randbemerkung: Mit meinem Personalausweis konnte die Mitarbeiterin nichts anfangen. Zum Glück hatte ich noch meinen Reisepass dabei.

Man wird vor der Prüfung aufgefordert, alle persönlichen Gegenstände bis auf seinen Ausweis in einen der vorgesehenen Spinte zu schließen. Bevor man dann endlich in den Prüfungsraum gelassen wird, findet eine Sicherheitskontrolle durch die Mitarbeiter statt, in der man alle Taschen nach außen kehren muss, abgetastet wird und mit einem Metalldetektor nach versteckten elektronischen Hilfsmitteln gesucht wird. Dann folgten die Abgabe von Fingerabdrücken als auch das Unterschreiben eines Anwesenheitsformulars, bevor man endlich seinen Arbeitsplatz zugewiesen bekommt.

Im Raum selbst war es sehr kühl, so dass man mindestens einen Pullover oder Jacke mitbringen sollte. Sollte einem zu warm werden, kann das Kleidungsstück erst zur nächsten Pause abgelegt werden. Am Arbeitsplatz selbst steht ein Standard-PC und es stehen ein Paar Kopfhörer für die Multimediafragen und ein Paar schallschluckende Ohrenschützer zur Verfügung. Eigene Ohrenstöpsel dürfen mitgebracht werden, müssen aber bei Einlass einzeln vorgezeigt werden. Die Arbeitsplätze sind mit Sichtschutzwänden von den anderen Arbeitsplätzen zu allen Seiten getrennt.

Zum Starten des Examens wird die CIN des scheduling permits eingeben, welches das Examen startet. Diese Nummer muss auch jedes Mal wieder eingegeben werden, sobald man von einer Pause zurückkehrt. Entscheidet man sich nach einem absolvierten Block für eine Pause, darf man den Raum verlassen, nachdem man sich auf dem Anwesenheitsformular mit Unterschrift und Uhrzeit ausgetragen hat. Während der Pause darf man sich frei bewegen und sich Stärkung aus seinem Spint holen. Die generelle Empfehlung ist, mehrere kleine, sättigende Snacks wie z.B. Energieriegel, geschnittenes Obst etc. statt größerer Mahlzeiten einzupacken.

Um nach jeder Pause wieder in den Raum zu gelangen, muss wieder der Sicherheitscheck durchlaufen werden, welches wieder mit der Überprüfung der Fingerabdrücke und dem Unterschreiben des Anwesenheitsformulars endet. Bei diesem zeitintensiven Vorgang sollte man sich gut überlegen, ob man bei besonders vielen Teilnehmern wirklich für jede Pause den Raum verlassen muss, um letztlich wertvolle Pausenzeit nicht in einer Schlange verbringen zu müssen. Von den vielen Strategien für die Pausenzeit empfehle ich, nach jedem Block eine kleine Pause von ca. 5-10 Minuten zu nehmen und nach vier Blöcken eine  etwas längere von ca. 10-15 Minuten. Insgesamt war ich jedoch überrascht, wie freundlich das Testcenter-Personal blieb und wie, trotz unterschiedlicher Prüfungsdauer der einzelnen Prüflinge, die Atmosphäre  stets ruhig und konzentriert war. Nach erfolgreich beendeter Prüfung bekommt man vom Testcenter eine Bescheinigung ausgestellt, dass die Prüfung abgelegt wurde.

Ergebnisse & Bewertung

Die Ergebnismitteilung erfolgt per E-Mail und kann zwischen 3-6 Wochen dauern. Die ECFMG schickt eine Benachrichtigung, dass der Score Report im OASIS-Portal (Online Applicant Status and Information System) der ECFMG-Webseite zum Download bereits steht. Die wesentlichen Informationen sind eine dreistellige Punktzahl und ob der Prüfling bestanden hat oder nicht. Anhand von Mittelwert und Standardabweichung der Punktzahlen aller Prüfungsteilnehmer innerhalb desselben Quartals wird die eigene Leistung in einen Perzentilen Wert umgerechnet und so ins Verhältnis zu den Leistungen seiner Kohorte gesetzt. Die Bestehens Grenze wird ebenfalls so ermittelt, welche bei meinem Examen bei 209 Punkten lag.

Ein wichtiger Zusatz ist, dass die Maximalpunktzahl, trotz der 355 Fragen, nicht 355 ist. In der Prüfung werden bis zu 40-50 experimentelle Fragen versteckt, welche nicht gewertet werden. Darüber hinaus erreichen die wenigsten Teilnehmer (< 1 Prozent) Punktzahlen über 270.

Mehr Informationen bzgl. benötigter Punktzahlen für Bewerbungen in die einzelnen Facharztausbildungs-Programme finden sich im diesjährigen „Match-Report“, einem Bericht mit Zahlen zu allen Bewerbern und ihren Punktzahlen sowie deren Aufnahme in die Programme: http://www.nrmp.org/wp-content/uploads/2014/09/Charting-Outcomes-2014-Final.pdf

Insgesamt sollte man sich  darüber im Klaren sein, dass die eigene Leistung möglichst leicht über dem Durchschnitt der US-Absolventen liegen sollte, um eine reelle Chance für ein Bewerbungsgespräch zu haben; besonders, wenn man an konkurrenz-starken, chirurgischen Disziplinen interessiert ist.

Mein Fazit

Das United States Medical Licensing Examination (USMLE) ist definitiv eine enorme finanzielle als auch geistige Zusatz-Belastung für jeden Mediziner, der nicht in den USA studiert hat. Daher sollte sich jeder gut überlegen, wie wahrscheinlich für einen eine Karriere in den USA in Frage kommt und wieviel man bereit ist, zu investieren, um sich diese Option offen zu halten. Das USMLE und das ECFMG-Zertifikat stellen nur den ersten Schritt auf dem Weg zur Residency in den USA dar und anders als in Deutschland ist der Arbeitsmarkt für Assistenzarztstellen umkämpfter denn je. Dennoch ist und bleibt das USMLE ein erstrebenswerter internationaler Abschluss, welcher den Medizinern auch später noch Türen in den USA öffnen kann (z.B. Fellowships).

Ich persönlich bin ganz zufrieden mit meiner eigenen Punktzahl und bin zuversichtlich, dass es die richtige Entscheidung als auch die Erfahrungen wert war. Und dies selbst dann, wenn ich in Deutschland bleiben sollte.

D. Chung

Düsseldorf, Dezember 2014

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