2. Abschnitt Ärztliche Prüfung schriftlicher Teil Frühjahr 2014 – Gib mir einen Stift, ich kreuz‘ uns hier raus

18. Juni 2014

in Examen, Ratgeber

Nach 100 Tagen lernen kreisten meine Gedanken mittlerweile nur noch um Kreuze, Prozente und die drei entscheidenden Tage. Ich befand mich kurz vor der schriftlichen Prüfung des zweiten Staatsexamens – das hieß bei mir: Ausnahmezustand! Kaffee, Lernen, Schokolade, Lernen, Kaffee, Kaffee… So in etwa sah der Tag vor der Prüfung bei mir aus. Aber am besten, ich fange mit dem Erzählen ganz von vorne an.

Der Lernmarathon beginnt

Am 02.01.2014 begann ich meinen Lernmarathon für den schriftlichen Teil des zweiten Staatsexamens. Das waren nicht ganz 100 Tage vor der Prüfung, wie es von verschiedenen Lernplanern empfohlen wird. Tatsache war jedoch, dass ich vorher einfach keine rechte Zeit für intensives Lernen gefunden hatte, da ich einer neuen Generation von Absolventen angehöre. Ich habe das schriftliche zweite Staatsexamen, also den schriftlichen Teil des 2. Abschnitts der Ärztlichen Prüfung, nicht, wie viele andere mit mir, nach dem PJ absolviert, sondern gemäß der Ärztlichen Approbationsordnung von 2012.

Dies bedeutet, dass sich der schriftliche Teil des Staatsexamens direkt nach dem zehnten Semester anschließt und somit vor dem Beginn des PJ liegt. Ich kann nicht leugnen, dass dies in mir einen gewissen Druck ausgelöste, da das bestandene schriftliche Staatsexamen als Zugangsvoraussetzung zum Praktischen Jahr gilt. Zusätzlich gab es noch einige weitere organisatorische Schwierigkeiten zu beachten, wie zum Beispiel die regulären Abschlussklausuren des zehnten Semesters, die bei uns Mitte Januar stattfanden, sowie das Abholen und Einreichen der restlichen Scheine.

Nebenbei gehe ich, wie viele von uns, arbeiten und mache eine Doktorarbeit. Das heißt, der Zeitfaktor schien mir am Anfang ein immenses Problem zu sein. Ich hatte mich schon frühzeitig darum bemüht, alle Leistungsnachweise einzusammeln, was sich im Nachhinein als sehr hilfreich erwiesen hat. Doch selbst die beste Organisation bewahrte mich leider nicht vor ungeahnten Schwierigkeiten, wie zum Beispiel geschlossenen Lehrsekretariaten oder Verzögerungen in der Scheinausstellung.

Die Anmeldung erfolgte für alle, die das schriftliche Staatsexamen nach der Ärztlichen Approbationsordnung von 2012 ablegen, ungefähr ein halbes Jahr vor Beginn der Prüfung beim zuständigen Landesprüfungsamt über den Antrag „M2 (ohne PJ)“. Beim Ausfüllen des Antrages konnte ich noch nicht alle Felder ausfüllen, da mir zu diesem Zeitpunkt noch die Scheine des zehnten Semesters fehlten. Alle bis dahin erbrachten Leistungsnachweise sollten mitsamt den Studienbuchseiten und der Geburtsurkunde möglichst zeitnah beim Landesprüfungsamt eingereicht werden. Für die restlichen Scheine gab es eine Nachreichfrist, die circa einen Monat vor der Prüfung endete. Alles in allem glich das Anmeldeverfahren dem des Physikums. Es ist jedoch ratsam, sich eine Liste von allen Scheinen und Unterlagen, die man einreichen muss, zu machen und alles noch einmal kurz vorher mit einem Kommilitonen zu vergleichen. Hätte ich dies nicht getan, wäre mir doch tatsächlich ein nicht abgeholter Schein durch die Lappen gegangen.

Vorbereitung auf die Prüfung und persönliche Einschätzungen und Tipps

Nachdem alle Klausuren und verwaltungstechnischen Hürden genommen worden waren, konnte ich mich endlich voll und ganz dem Lernen widmen. Dazu hatte ich mir den 100 Tage Lernplan von „MEDI-Learn“ ausgedruckt, um zumindest eine grobe Orientierung zu gewinnen. Da ich mich innerhalb der Semester relativ ausführlich mit dem Stoff beschäftigt und zu vielen Themen ein Buch in der Bibliothek geliehen und kurze Übersichten angefertigt hatte, habe ich nicht mit dem „AMBOSS“-Programm gelernt. Das hätte sich für mich schlichtweg nicht gelohnt, da das Programm ja im Grunde den Stoff ebenfalls in zusammengefasster Form (Lernkarten) repräsentiert.

Ich habe aber von vielen Kommilitonen, die damit gelernt haben, sehr positive Meinungen zum „AMBOSS“-Lernprogramm für Mediziner von Miamed.de gehört. Ich selbst habe mit meinem Zugang bei „Thieme Online“ gekreuzt, da ich aufgrund meiner eigenen Übersichten keine Lernkarten mehr brauchte. Für häufig geprüfte Themen hat Thieme online in den Kommentaren den sogenannten „Spicker“ eingebaut, der im Wesentlichen den Lernkarten von AMBOSS entspricht. Allerdings deckt Thieme nicht alle Themen mit den „Spickern“ ab. Entgegen vieler Meinungen fand ich auch den „Herold“ für Innere Medizin sehr nützlich, da dort viele Details genannt werden, die das IMPP gerne prüft.

Auch „Wikipedia“ bietet zu einigen Themen sehr ausführliche Texte, mit denen man erstaunlich viele IMPP Fragen beantworten kann. Ab und zu habe ich tatsächlich auch noch in den guten alten „Prometheus“ aus der Vorklinik geschaut, da dieser eine super Hilfe für die Fragen zur peripheren Neurologie und zur Orthopädie war.

Besonders motivierend ist es, Themen, die sich schwer merken lassen, mit Freunden oder Kommilitonen durchzusprechen, da so mögliche Fehlerquellen auffallen und viele schöne Eselsbrücken entstehen. Ich habe dies zum Beispiel für einige pharmakologische Themen wie Antibiotika oder Psychopharmaka gemacht. Während der Lernzeit habe ich vor allem gemerkt, wieviel man während des Studiums wieder vergisst. An sich bietet das schriftliche Staatsexamen vor dem PJ eine gute Gelegenheit, viele Sachverhalte noch einmal zu wiederholen oder auch endlich einmal richtig zu lernen. Ich habe zumindest das Gefühl, besser vorbereitet in das PJ zu starten, als ich es ohne das Lernen gehabt hätte.

Für die eigene Einschätzung und Sicherheit, empfiehlt es sich, zum Beginn der Lernzeit einmal ein willkürlich ausgewähltes Examen durchzukreuzen. In der Regel dient es der Beruhigung, da viele ihr erstes Examen auch ohne Lernen bestehen würden. Ich selbst habe bei meinem allerersten Probeexamen ohne Lernen knapp eine Vier erreicht. Von vielen Kommilitonen habe ich Ähnliches gehört. Die meisten waren sogar viel besser. Und die, die ihr erstes Probeexamen nicht bestanden hatten, meinten, dass dies die beste Lernmotivation überhaupt gewesen sei. Eine erste Probe ist also durchaus sinnvoll.

Der 100- Tage Lernplan bietet eine gute Orientierungsmöglichkeit, ist jedoch nicht in Stein gemeißelt. Ich habe viele Themen aufgrund der knappen Lernzeit etwas abgekürzt, dafür aber die großen Fächer, wie Innere Medizin, Chirurgie, Orthopädie, Neurologie, Gynäkologie und Pädiatrie ausführlicher behandelt. Ich habe jedoch kein Fach komplett ausgelassen, da schließlich jeder Punkt zählt. Die jeweilige Lernzeit pro Fach habe ich immer in „Lernen“ und „Kreuzen“ halbiert, sodass ich zwei Wochen vor der Prüfung alles einmal nach Fächern sortiert gelernt und gekreuzt hatte. Ich habe alle Fragen ab dem Examen aus dem Herbst 2006 gekreuzt, also alle Fragen nach neuer AO.

Die letzten zwei Wochen vor dem Examen hieß es dann „Augen zu und durch“. Ehrlich gesagt, braucht es sehr viel Motivation, alles noch einmal in Kurzform zu wiederholen, nachdem man es schon einmal ausführlich gelernt hat. Es kam mir bei einigen Inhalten, die ich ganz zu Anfang gelernt hatte, bei meiner ersten Generalprobe so vor, als wären diese bereits wieder Lichtjahre entfernt. Ich hatte mir die Examina von 2013 als Generalproben aufgehoben und habe beide jeweils mit einer Drei gekreuzt. Danach habe ich noch einmal sämtliche Fächer in Kurzform wiederholt. Im Nachhinein würde ich sagen, dass dies letztendlich der Schlüssel zum Erfolg war, da dabei noch einmal die wesentlichen Inhalte gefestigt und ins Gedächtnis gerufen wurden.

Salzburger Straße 1-6 in Berlin - Ort der Prüfung Frühjahr 2014
Salzburger Straße 1-6 in Berlin – Ort der Prüfung Frühjahr 2014

Der Ablauf des Examens

Die eigentliche Prüfung fand an drei Tagen an unterschiedlichen Orten für Studenten des zehnten Semesters und für die PJler statt. Sie lief ähnlich ab, wie das Physikum. Jeder hatte seinen eigenen Tisch mit der bekannten Unterweisung, den vom Landesprüfungsamt gestellten Schreibutensilien und der zugeteilten Nummer. Ich hatte mir meinen Tisch zusätzlich mit Schokolade und einem leckeren Getränk eingedeckt, um der schlechten Laune, die bei einigen absolut dämlichen Fragen aufkommt, vorzubeugen.

Pro Tag hatte man fünf Stunden Bearbeitungszeit für die Prüfung, was ein großzügig bemessenes Zeitfenster war. Es waren pro Tag circa 45 Einzelfragen, sowie vier Fälle, also insgesamt ungefähr 105 Fragen zu beantworten. Ich selbst hatte mir für die Fragen etwa vier Stunden Zeit genommen. Die letzte Stunde habe ich jeweils genutzt, um die übertragenen Lösungen zu kontrollieren sowie meinen Gemütszustand wieder auf ein Normalmaß zu bringen und über knifflige Fragen nochmal mit klarem Kopf ohne Druck nachzudenken. Für mich hat sich dieses Vorgehen gelohnt, da ich dadurch noch den einen oder anderen Fehler korrigiert habe.

Wenn man bis zum Ende sitzen bleibt, darf man sein Prüfungsheft mitnehmen, ansonsten muss man es abgeben und kann die Hefte gesammelt am letzten Prüfungstag abholen. Zwischen den Tagen habe ich meine Ergebnisse nicht kontrolliert, da mich so etwas meist sehr nervös macht. Stattdessen habe ich mir im Prüfungsheft angeschaut, welche Themen schon sehr ausführlich drangekommen waren und dafür dann lieber meine Schwächen aus Themen, die noch fehlten, ein drittes Mal wiederholt. Als ich dann am letzten Prüfungstag meinen Antwortbogen abgegeben hatte, war ich vor allem erleichtert und habe vor dem Gebäude erst einmal mit meinen Freunden darauf angestoßen, das wir die drei Tage durchgehalten haben.

Gegen Abend des letzten Tages habe ich dann beim „MEDI-LEARN“ Rechner meine Antworten für alle drei Tage eingegeben und gejubelt. Ich hatte bestanden und das laut den Dozentenlösungen auch noch mit einer Zwei. Insgesamt hatte ich mich durch das konsequente Wiederholen im Vergleich zu den Generalproben noch einmal gesteigert.

Mein Fazit

Wenn ich das Staatsexamen noch einmal schreiben müsste, würde ich vor allem versuchen, es entspannter anzugehen und mich nicht schon im Vorhinein von dem Gerede mancher Kommilitonen verrückt machen zu lassen. Außerdem würde ich empfehlen, an den Prüfungstagen mehr zu schlafen, als ich dies getan habe. Ich konnte leider aufgrund der Aufregung kaum mehr als drei Stunden pro Nacht schlafen, was mir am letzten Tag einige Flüchtigkeitsfehler eingebracht hat. Ich habe von vielen gehört, denen es so erging. Mein Fazit: die ganze Nervosität war umsonst.

Mittlerweile ist das alles schon wieder zwei Wochen her und das Leben hat mich wieder. Nun warte ich auf die offiziellen Ergebnisse und bin einfach froh, dass das schriftliche Staatsexamen abgehakt ist. Nun geht es auf zu neuen Ufern, da das PJ ins Haus steht. Ich freue mich auf spannende Tertiale in Großbritannien für Innere Medizin, in Neuruppin für Chirurgie und vor allem auf mein Wahltertial in der Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin.

Also auf in die Realität und nie wieder kreuzen!

Jana Ihlow

Berlin, April 2014

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1 Kommentar

  • Ein ziemlich guter Artikel, der ganz gut zeigt wie hart doch die Prüfungsphase im Medizinstudium ist. Lernen, Lernen, Lernen und wenn dann am Ende die Konzentration und die der Schlaf bei der Prüfung fehlen, ist vieles davon umsonst. Ich selber lege immer viel Wert auf Ordnung am Arbeitsplatz, sonst kann ich nicht lernen. Dann richte ich meine Sortiersysteme ein und fange an. Wünsche auf jeden Fall viel Erfolg bei den Ergebnissen.

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