2. Abschnitt Ärztliche Prüfung – der schriftliche Teil vor dem Praktischen Jahr – Bericht einer Examenskandidatin 2014

18. Juni 2014

in Examen, Ratgeber

Hallo, ich heiße Kathi, bin 25 Jahre alt und habe vor vier Wochen mein schriftliches Examen im April 2014 geschrieben und genieße jetzt meine Freizeit, bevor es Mitte Mai dann ins Praktische Jahr in die Schweiz und anschließend nach Bayern geht. Damit Ihr auch gut durchs Examen kommt, möchte ich Euch mit dem folgenden Bericht meine Erfahrungen näher bringen, Ängste nehmen und Tipps geben. Ich hoffe, dass ich Euch damit ein bisschen helfen kann.

Die Vorbereitung

In den letzten Jahren nach dem Physikum konnte ich mir kaum vorstellen, noch einmal so viele Tage am Stück zu lernen und vor allem wieder so wenig Freizeit zu haben, aber mit einem strukturierten Lernplan schafft man den gesamten Lernstoff tatsächlich in 100 Tagen und kann sich zwischendurch mit gutem Gewissen auch mal eine Auszeit gönnen.

Ich hatte bereits im November angefangen, mir Gedanken zu machen, wie ich lernen möchte. Es gibt von „MEDI-LEARN“ und „AMBOSS“ einen 100 Tage Lernplan. Dieser ist eigentlich noch auf das „Hammerexamen“ zugeschnitten. Da es mir aber schwer fiel, bei der Masse an Fächern selber einen Plan zu gestalten, ohne etwas zu vergessen, habe ich mich trotzdem an den vorgegebenen Lernplan gehalten. Eine weitere Frage, die sich mir stellte, war, wann ich mit dem Lernplan beginnen sollte. Da wir in Berlin im letzten Semester noch einige Klausuren geschrieben haben und auch im Januar noch Kurse hatten, musste ich schon im Dezember anfangen.

Ich hatte mir dann die Weihnachtstage über noch die Ruhe gegönnt und mich von meiner Familie verwöhnen lassen. Nach Weihnachten hatte ich dann langsam begonnen, aber immer nur mit einem halben Lern-Tag pro Tag. Ich wollte langsam starten, um mir nicht schon am Anfang zu viel Stress zu machen. Nach Silvester habe ich dann jeweils einen Lern-Tag pro Tag gemacht und mit einigen Pausen wegen Uni oder anderen Terminen war ich dann letztendlich drei Tage vor dem Examen mit dem Lernplan durch. Einige Lern-Tage, gerade bei den kleinen Fächern, sind recht kurz, da kann man auch mal einen Tag wieder gut machen. Ich würde Euch empfehlen, früh genug anzufangen, damit man zwischendurch auch mal einen Tag komplett frei machen kann.

Zusätzlich hatte ich zur Vorbereitung einen Vortrag von den AMBOSS-„Erfindern“ im Ärztefinanzzentrum Berlin, Termine unter medizinernachwuchs.de/vortraege-seminare/vorbereitung-auf-das-hammerexamen, besucht. Diesen kann ich sehr weiterempfehlen. Sie geben allgemeine Tipps und weisen auf Eigenheiten des IMPP hin. Ein weiterer Vortrag, den ich besucht habe, war von „MEDI-LEARN“ aus Marburg. Dieser ist auch sehr zu empfehlen. Schaut einfach mal, was Eure Uni so anbietet. Mir haben diese Vorträge jeweils die Angst genommen und das Examen viel weniger schrecklich wirken lassen.

Zu den Büchern

Es gibt viele verschiedene Bücher fürs Examen: „Exaplan“, „Mediscript-Star“ oder „Allex“. Hier ist es wichtig, dass Ihr erst einmal überlegt, ob Ihr überhaupt ein Buch braucht. Ich unterstreiche gerne oder schreibe mir gerne etwas in Bücher hinein. Daher habe ich mich zunächst erst einmal entschieden, dass ich auf jeden Fall mit einem Buch lernen möchte. Nach einigen Tagen Probelesen im Dezember habe ich mich für den „Allex“ entschieden, da er mir von der Aufmachung her einfach am besten gefiel. Leider sind in der ersten Auflage sehr viele Fehler, aber mit dem „Erratum“ im Internet kann man die Fehler dann selber verbessern. Ihr solltet bei den Büchern einfach schauen, mit welchem Ihr persönlich am besten zurechtkommt.

Der Nachteil an Büchern generell ist allerdings, dass man bei den Lerntagen zum Teil 40 Seiten lesen muss. Man kann natürlich auch mit seinen Lehrbüchern lernen, aber hier ist der Umfang an Seiten meist noch größer als bei den Examensbüchern. Überlegt Euch also gut, ob es nicht zu viel wird.

Online Alternative

Als Alternative kann ich Euch „AMBOSS“, das Lernprogramm von Miamed.de (www.miamed.de), empfehlen. Alle Themen werden online in Stichpunkten erklärt. Am Ende jedes Lerntages kann man dann direkt kreuzen. Für die, die gut online Lernen können und nicht unbedingt ein Buch benötigen, ist „AMBOSS“ wirklich super. Die kleineren Fächer habe ich am Ende auch nur noch bei diesem Lernprogramm gemacht, weil mir selbst die Examensbücher zu umfangreich waren. Mit Stichpunkten kann man einfach schneller lernen, als wenn man ganze Seiten liest. Nachteilig ist, dass „AMBOSS“ leider bei den Bildern von Krankheiten immer nur die Examensbilder nimmt. Ich denke, dass es einen größeren Lerneffekt hätte, wenn man auch andere Bilder sehen würde. Oft konnte ich mich beim Kreuzen dann an die Bilder erinnern und habe die Fragen nicht wegen meines Wissens über das Krankheitsbild richtig beantwortet, sondern wegen des Wiedererkennungswertes.

Ich hatte mich also für den „Allex“ entschieden und bei „AMBOSS“ gekreuzt. Im Nachhinein würde ich wohl nur noch mit „AMBOSS“ lernen, da es für das schriftliche Examen mehr als ausreichend und super erklärt ist.

Ablauf der 100 Tage

Ich bin jeden Tag gegen 7:30 Uhr aufgestanden und saß spätestens gegen 08:30 Uhr am Schreibtisch. Ich bin zwar eigentlich kein Frühaufsteher, aber ich habe bereits während des Physikums gemerkt, dass ich morgens besser lernen kann. Ich habe dann meistens bis mittags mit dem Lernplan verbracht. Selten saß ich auch mal bis 18:00 Uhr am Lernplan. Das war dann aber die Ausnahme. Anschließend habe ich gekreuzt. Zu Beginn des 100 Tage Lernplans war ich beim Kreuzen wirklich kein Ass. Lasst Euch nicht verunsichern, Ihr werdet von Woche zu Woche viel besser, man muss sich erst einmal an die Art der Fragen gewöhnen. Also nicht den Kopf hängen lassen.

Jeden Mittag habe ich eine Stunde Mittagspause gemacht und ging nachmittags noch so gut wie jeden Tag spazieren oder joggen. Das kann ich Euch auch empfehlen. Geht raus und entspannt Euch zwischendurch.

Wenn ich mit dem Kreuzen fertig war, habe ich dann meistens auch aufgehört für den Tag. Teilweise habe ich die falschen Fragen vom Vortag gekreuzt oder eine kleine Sitzung bei „AMBOSS“ gestartet. Ich habe die 100 Tage komplett alleine gelernt. Ich finde auch, dass sich bei dem schriftlichen Examen eine Gruppenarbeit nicht wirklich anbietet.

Die letzten 15 Tage des Lernplans kreuzt man nur noch. Es kommt inhaltlich nichts Neues. Das heißt, dass man diese Tage super zum Wiederholen nutzen kann. An diesen 15 Tagen sind es täglich um die 107 Fragen. Ich habe meistens bis frühen Mittag gebraucht und hatte dann nachmittags Zeit, noch einmal Dinge nachzulesen.

Die letzte Woche vor Beginn des Examens habe ich dann einen Gang runter geschaltet und nur so bis 17:00 Uhr gemacht. Da ich ja drei Tage früher mit dem Lernplan fertig war, habe ich dann die letzten drei Tage ebenfalls wiederholt. Den letzten Tag vor dem Examen habe ich gegen Mittag aufgehört. Ich würde aber empfehlen, am letzten Tag gar nichts mehr zu machen. Entspannt Euch lieber noch einmal. Die drei Tage sind noch anstrengend genug.

Ablauf des Examens

Das Examen findet an drei aufeinanderfolgenden Tagen statt, jeweils von 9:00-14:00 Uhr. Insgesamt sind es 320 Fragen. Pro Tag sind es also 106/107 Fragen. Bei uns gab es pro Tag jeweils vier Fälle und zu diesen dann jeweils um die 15 Fragen. Die restlichen 46/47 Fragen sind Einzelfragen. Anders als im Physikum ist im Vorhinein nicht bekannt, an welchem Tag welches Fach geprüft wird. Generell sind die Fachgebiete nicht angemerkt oder die Fragen in irgendeiner Wiese nach diesen sortiert. Daher kann man sich nicht explizit auf die einzelnen Tage vorbereiten. Dies war ein Grund, warum ich während der Examenstage nicht mehr gelernt habe. Je nachdem, welche Fächer schon gefragt wurden, kann man allerdings darauf schließen, welche Fächer am letzten Tag noch drankommen müssten.

Bei uns war es so, dass jedem ein Raum und ein Sitzplatz zugewiesen wurden. Leider war ich in einem sehr großen Raum mit vielen anderen Examenskandidaten. Es durften immer nur eine Frau und ein Mann auf die Toilette gehen, so dass es dann bei den Frauen leider schon manchmal zu Warteschlangen kam. Das war etwas nervig.

Ich habe versucht, alle 20-30 Fragen eine kleine Pause zu machen, hatte mir genug zu essen eingepackt und dann immer eine kleine Essenspause eingelegt. Wirklich entspannen und abschalten konnte ich allerdings nicht.

Anders als in den Generalproben habe ich an den Examenstagen sehr lange für die Beantwortung der Fragen gebraucht und habe direkt meine Antworten auf den Antwortbogen eingetragen. Ich denke, dass man dies auch machen sollte, damit man nachher keine Zeitnot hat. Da man mit Bleistift schreibt, kann man seine Antworten auch am Ende immer noch verbessern. Ich war meistens gegen 12:30 Uhr mit den Fragen einmal durch. Dann bin ich die Fragen noch einmal durchgegangen. Leider habe ich dabei einiges „verschlimmbessert“. Schaut vielleicht bei den Generalproben zuhause am Ende der Fragen noch einmal durch und guckt, ob Ihr was ändern wollt. Vielleicht merkt Ihr dann, ob Ihr auch bei der ersten Beantwortung besser liegt. Dann könnt Ihr Euch unter Umständen ein Konzept erstellen und Euch dazu zwingen, im Examen nicht mehr zu verbessern.

Bei uns in Berlin war es so, dass, wenn wir bis 14:00 Uhr sitzen geblieben sind, wir die Hefte direkt mitnehmen konnten. Wenn man schon vorher abgegeben hatte, konnte man sie sich ab 14:20 Uhr abholen. Da ich aber immer bis ca. 13:30 Uhr gebraucht habe, habe ich dann einfach noch bis 14:00 Uhr gewartet. Wenn Ihr die Hefte mit nach Hause nehmt, könnt Ihr dann online, zum Beispiel bei „AMBOSS“, schauen, wie viel Prozent Ihr voraussichtlich geschafft habt. Ich hatte während der Tage nicht geguckt, weil ich eigentlich ein ganz gutes Gefühl hatte und mir dieses nicht kaputt machen lassen wollte. Ich habe dann erst am letzten Tag geschaut und dies war auch gut so, weil das Examen leider nicht so erfolgreich war, wie ich eigentlich gehofft hatte. Die Generalproben liefen immer sehr gut und ich hatte auch im Examen ein recht gutes Gefühl. Daher bin ich froh, dass ich nicht schon vorher nachgeschaut habe. Überlegt es Euch also gut. Wenn Ihr natürlich ein schlechtes Gefühl habt, kann es Euch auch beruhigen. Aber ändern tut man damit ja leider nichts mehr.

Mein Resümee

Insgesamt waren es anstrengende 100 Tage und auch das Examen war schwer, aber am Ende haben es dann doch eigentlich alle geschafft und es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man fertig ist. Ärgert Euch nicht, wenn es nicht so gut läuft, wie ihr vielleicht erwartet habt. Das IMPP fragt leider gerne Kolibris und das Ergebnis des Examens sagt nichts über Eure Qualitäten als Ärztin/Arzt aus. Macht Euch also keinen Kopf und seid stolz auf Euch, dass Ihr das IMPP bezwungen habt. Und wenn es doch super läuft, dann freut Euch erst recht.
Nicht aufgeben und gönnt Euch genug Auszeiten. Am Ende entscheidet doch das IMPP und Euer Schicksal, wie es läuft. Also Augen zu und durch!

Ihr schafft das!

Viele Grüße

Kathi S.

Berlin, Mai 2014

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