Hammerexamen 2013 – Erfahrungen und Tipps einer Absolventin des Frühjahrs 2013

6. September 2013

in Examen, Ratgeber

Wenn dann endlich auch der letzte Teil des 2. Abschnitts der Ärztlichen Prüfung, des sogenannten „Hammerexamens“, geschafft und der Zeitpunkt der Verkündung mit den Worten „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben bestanden!“ seitens der Prüfer gekommen ist, hört man im wahrsten Sinne des Wortes den Stein von seinem Herzen fallen. So war es bei mir nach meiner mündlichen Prüfung im Juni 2013.

Vorbereitungen für die Lernzeit

Das „Hammerexamen“ rückt immer näher und die Gedanken kreisen zunehmend um die letzte Hürde dieses endlos langen Studiums. Schon im klinischen Abschnitt wird man immer wieder daran erinnert, dass dieser 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung bald vor der Türe stehe und mit Beginn des PJs vergeht die Zeit bis dahin wie im Fluge. Aber schon hier heißt es: Ruhe bewahren, nicht frühzeitig in Panik verfallen und lieber sorgfältig planen.

Bereits während des Praktischen Jahres in der Klinik lohnt es sich durchaus, das eine oder andere Krankheitsbild nachzulesen und zu wiederholen oder für sich zusammenzufassen, sodass man das Praktische direkt mit der Theorie verknüpfen kann und in der Lernzeit erweisen sich solche Aufschriebe als sehr nützlich.

Als sich die letzten Wochen meines Praktischen Jahres dem Ende zu neigten, begann ich meine Lernzeit etwas zu planen. Hierzu kann ich nur jedem empfehlen, sich frühzeitig mit den verschiedenen Kreuzprogrammen auseinander zu setzen, um für sich das Richtige zu finden. Auch was die Kompendien zur Prüfungsvorbereitung angeht, sollte man sich genug Zeit lassen, denn mittlerweile hat der „Exaplan“ gewaltig an Konkurrenz gewonnen, was es einem jedoch nicht einfacher macht, sich zu entscheiden. Da lohnen sich durchaus einmal ein paar Stunden in der Buchhandlung mit den verschiedenen Werken im direkten Vergleich, indem man sich am besten ein Krankheitsbild raussucht und die Aufmachung und Bearbeitung in den verschiedenen Büchern miteinander vergleicht.

Auch den „100-Tage-Lernplan“ kann man sich vorab ausdrucken und durchplanen.
Hier schon einmal einer meiner wichtigsten Tipps: vergesst nicht, Euch in regelmäßigen Abständen Freizeitaktivitäten fest einzuplanen. Diese Inseln an Erholung während der langen Durststrecke bis zum Examen werden Euch immer wieder Kraft geben.

Auch für einen Lernort kann man sich im Vorfeld entscheiden. Ob Bibliothek oder zuhause am heimischen Schreibtisch, hierbei kommt es auf die individuellen Gewohnheiten an. Ich entschied mich für das Lernen zuhause und somit habe ich mir meinen Schreibtisch freundlicher gestaltet wie z.B. mehrere Fotos von meinem nächsten Urlaubsort, der mich nach dem Examen erwartete, aufgestellt und genug Platz geschaffen.

Die für mich wichtigste Vorbereitung für die Lernzeit war dann letztlich, zwischen dem Ende des PJs und dem Beginn des „100-Tage-Lernplans“ noch einmal ordentlich Kraft zu tanken für die kommenden 3-4 Monate.

Meine Buchempfehlungen und persönliche Tipps

Um sich optimal auf das Examen vorzubereiten, gibt es nun verschiedene Möglichkeiten. Ich hatte mir bereits während des PJs die neuste Auflage des „Exaplans“ zugelegt, da es bis dato als das Standardwerk für die Examensvorbereitungen galt. Während ich darin jedoch das eine oder andere Mal reingeschaut habe, um Themen nachzulesen, merkte ich schnell, dass ich mir diese zwei Wälzer zu voreilig angeschafft hatte. Mir fehlten dabei farbige Bilder, die zur Veranschaulichung mancher Krankheitsbilder einfach nötig sind, um sich in mein Gedächtnis einzubrennen. Jede Seite sah für mich fast gleich aus und manch ein Thema war mir teilweise viel zu oberflächlich behandelt. Für jedes Fach jedoch ein eigenes Kurzlehrbuch durchzuarbeiten, wie ich es auch während des Medizinstudiums gewohnt war, erschien mir jedoch zu zeitaufwändig.

Einen Monat vor Beginn des „100-Tage-Lernplans“ las ich dann von einem neuen Kompendium für den 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung von Thieme – dem „AllEx“. Nachdem ich mir auf Thieme.de eine Leseprobe angeschaut hatte und die drei Bände des „AllEx“ noch einmal mit dem neu herausgekommenem Werk „mediscript StaR“ vom Elsevier-Verlag verglich, entschied ich mich für den „AllEx“. Er sollte mich also im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Examen begleiten. Die drei Bände enthalten das gesamte Prüfungswissen für die 2. ÄP. Alle Krankheitsbilder sind an jeweils einer Stelle ausführlich dargestellt und dabei werden Radiologie, Pathologie und Pharmakologie direkt integriert, was sehr hilfreich ist, weil man somit alles im Blick hat und mehrere Fachrichtungen gleichzeitig beleuchtet werden.

Zudem sind die prüfungsrelevanten Inhalte gelb markiert, bei welchen es sich lohnt, nach dem Durchlesen der einzelnen Kapitel diese noch einmal kurz zu wiederholen und sich diese auch direkt in einigen der Fragen des IMPP wiederspiegeln.

Die einfache und verständliche Weise, in welcher der „AllEx“ geschrieben ist, gefiel mir besonders. Die Grundlagen werden an Ort und Stelle noch einmal aufgeführt, sodass man einen guten Einstieg in die jeweiligen Themen hat und vergessene Fakten als auch Zusammenhänge können hierbei wieder aufgefrischt werden. Somit war mir das Nachschlagen in anderen Büchern erspart geblieben, was einem das Lernen um einiges erleichtert.

Ich hatte mich außerdem an den speziell auf den „AllEx“ zugeschnittenen Lernplaner gehalten. Er beinhaltet ebenfalls die 100 Lern-Tage, ist meiner Meinung nach jedoch realistischer einzuhalten, als der „100-Tage-Lernplan“ von MEDI-LEARN.

Zur Ergänzung des Kompendiums hatte ich mich für die Pharmakologie dafür entschieden, mir dieses unbändige Fach mit dem Buch „Last minute Pharmakologie – fit für´s Examen in vier Tagen“ von Claudia Dellas (Elsevier Verlag) anzueignen. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen.

Für die Chirurgie empfiehlt es sich, beim Lernen stets einen Atlas an seiner Seite zu haben, um die Anatomie parallel dazu wiederholen zu können, was auch im Hinblick auf die mündliche Chirurgie Prüfung von entscheidender Relevanz sein kann. Um manch ein Kapitel der Chirurgie zu vertiefen, zog ich mir den „Müller“ zu Rate, welchen ich auch während des PJs des Öfteren konsultierte.

Für die Innere empfiehlt sich der „Herold“, vorausgesetzt man ist mit diesem Buch vertraut. Zusätzlich bot die Universität Freiburg für die Innere Medizin ein Repetitorium an, welches aus mehreren Vorlesungen bestand, welche die wichtigsten Themengebiete der Inneren kurz wiederholte und Raum für Fragen bot.

Zur Ergänzung der Radiologie ist mein Tipp für alle Examensanwärter der zweiteilige Online-Kurs „Keine Angst vor Röntgenbildern im Hammerexamen“. Hierbei werden in zweimal 150 Minuten von zwei Radiologen des Universitätsklinikums Erlangen zahlreiche Röntgenbilder vergangener Prüfungen analysiert und im Dialog diskutiert. Prof. Dr. Michael Uder und PD Dr. Ralf Janka geben einem auf eine einprägsame und unterhaltsame Weise die wichtigsten Tools an die Hand, mit Röntgenbildern im Examen grob umzugehen, sowohl im schriftlichen als auch im mündlichen Teil der Prüfung.

Über eine Chatfunktion können ebenfalls Fragen an die Referenten gestellt werden. Der Kurs wird im Rahmen der Reihe „Akademie Online“ von der Deutschen Röntgengesellschaft angeboten (http://www.drgakademie.de/de-DE/872/akademie-online) und ist für Studenten und PJler kostenlos.
Auf YouTube kann man sich die Online Kurse jedoch auch ansehen, was sich für zwischendurch durchaus anbietet, um während des sturen Lesens und Kreuzens Abwechslung zu gewinnen.

Kreuzprogramme

Als wichtigste Ergänzung zu den Kompendien oder auch als alleiniges Lernutensil sind hier nun die Kreuzprogramme zu nennen. Es lohnt sich durchaus, sich im Vorfeld mit den unterschiedlichen Programmen auseinander zu setzen, um für sich das Beste zu finden. Meist kann man diese kostenlos über einen bestimmten Zeitraum testen und hat so die Möglichkeit, diese mittlerweile große Auswahl miteinander zu vergleichen.

Begonnen mit dem Kreuzen habe ich mit „examen-online“ von Thieme, da man hierfür einen kostenlosen Zugang entweder über die Universität oder den Marburger Bund bekommen hat. Auch hier merkte ich schnell, dass mir bei diesem Programm etwas fehlte.

Nach den ersten Lerntagen erhielt ich schließlich eine E-Mail von „MEDI-LEARN“, welche für ein neues Kreuz- und Lernprogramm Werbung machte. Es handelt sich hierbei um „AMBOSS“ – ein neues ultimatives Programm, von Medizinern entwickelt, die mit so viel Liebe zum Detail ein legendäres Lernsystem entwickelten (http://www.miamed.de/). Als ich während meines Testzugangs – dies war bereits in meiner Lernphase – merkte, dass dieses Programm all das beinhaltete, was mir bei dem vorherigen und eigentlich all bewährten fehlte, ließ ich mich auf das Risiko ein, mich mit einem komplett neuen Kreuzprogramm auf das Examen vorzubereiten.

Zu dem Zeitpunkt befand sich „AMBOSS“ noch in der Entwicklungsphase, doch mit jedem neuen Tag kamen mehr Funktionen hinzu und das Team arbeitete stetig an Verbesserungen der Software. Mit diesem Programm kann man nicht nur alle Examensfragen ab Herbst 2005 kreuzen, sondern mithilfe einer Lernkartenbibliothek hat man Zugriff auf ein hervorragendes Nachschlagewerk aller Fächer, auf welches man direkt zugreifen kann. Jede Antwort ist einzeln als auch präzise kommentiert und man muss sich nicht durch einen riesigen Antworttext durchkämpfen, um die Erklärung der Frage zu verstehen.

Neben den verständlichen und kurzen Antwortkommentaren hat man durch die Verlinkung mit der Bibliothek die Möglichkeit, direkt im Antworttext einzelne Begriffe anzuklicken, einzelne Fakten direkt nachzulesen und auch zu wiederholen. Die Fragen und Antworten werden durch hilfreiche Oberarztkommentare ergänzt sowie durch Markierungen relevanter Passagen in Fallbeschreibungen und Fragetexten.

Ebenfalls sehr hilfreich sind die Markierungen in pathologischen Bildbefunden. Denn gerade manche Röntgen-, CT-, und MRT-Bilder des IMPP machen es einem nicht immer einfach, die pathologischen Befunde zu identifizieren und somit erhält man hier die Hilfestellung, die man benötigt, um direkt zu erkennen, wonach gefragt wird.

Eine weitere tolle Funktion von „AMBOSS“ ist der IMPPact®, welcher einem vermittelt, wie relevant manche Themen in den vergangenen Examen waren. Hieran kann man sich orientieren, welche wichtigen Themen man keinen Falls weglassen sollte.

Die Liste der Top 100 Lernkarten fasst noch einmal die wichtigsten Krankheitsbilder und Themengebiete zusammen, mit welchen man sich möglichst eingehend beschäftigen sollte. „AMBOSS“ hat ebenfalls einen 100-Tage-Lernplan erstellt, nach welchem man jeden Tag die jeweiligen Themen in der Lernkartenbibliothek nachlesen und anschließend die Hammerexamens-Fragen aus allen Fächern kreuzen kann. Ich hatte jedoch meinen 100-Tage-Lernplan von „AllEx“, mit welchem ich bereits begonnen hatte und damit ganz gut zurecht kam.

Nach Entdeckung des neuen Kreuzprogrammes hat das Kreuzen als Ergänzung zum täglichen Lesen sogar angefangen, Spaß zu machen. „AMBOSS“ gibt einem zudem ausführlich detaillierte Statistiken und Lernempfehlungen, ausgehend von den eigenen Ergebnissen, die einen Tag für Tag aufs Neue motivieren und aber auch aufzeigen, wo man noch Wissenslücken hat. Aber keine Angst, es ist ganz normal, dass manche Wissenslücken auch bleiben und alles kann man ja auch nicht wissen!

Prüfungsvorbereitungen für den schriftlichen Teil

Anfangs muss man sich erst an den neuen Lernrhythmus gewöhnen – so ging es mir zumindest in der ersten Phase des 100-Tage-Lernplans. Ich hatte mir den Tag so aufgeteilt, dass ich morgens angefangen habe im „AllEx“ die jeweiligen Kapitel durchzulesen. Sich die einen oder anderen Fakten zusätzlich rauszuschreiben bzw. zusammenzufassen, kann hilfreich sein, vorausgesetzt man benutzt seine Aufschriebe auch zum Lernen. Dennoch sollte man hierbei vorsichtig sein, nicht in stundenlanges Rausschreiben zu verfallen, denn das haben ja schließlich schon die Autoren der Kompendien getan.

Gegen Abend habe ich dann fächerspezifisch gekreuzt und zusätzlich noch die Lernkarten zu den jeweiligen Fragen bei „AMBOSS“ durchgelesen. Diese Kombination von Lesen und Kreuzen ergänzte sich ganz gut und ich hatte mir jeden Tag zum Ziel gesetzt, mindestens 80- 100 Fragen zu kreuzen – auch wenn dies leider nicht immer hingehauen hat. Jedoch sollte man kreuzen, kreuzen, kreuzen…..

Einmal die Woche habe ich abends mit einer Freundin gekreuzt und wir haben zusammen einige Themen bzw. Fragen gemeinsam durchgesprochen. Es erwies sich als eine gute Abwechslung und war für mich eine Alternative zu Lerngruppen.

Ich kann immer wieder nur betonen, dass man sich genügend Pausen und Abwechslung während dieser langen Lernphase gönnen sollte, sonst sieht man vor lauter Kreuzchen die Welt nicht mehr und schließlich sind es immerhin 100 Tage seines Lebens, die man durchgehend am Schreibtisch verbringt. Da ich mich für das Frühjahrsexamen vorbereitet und der Winter viel Schnee gebracht hatte, war ich regelmäßig in den Bergen zum Snowboarden, was mich immer wieder aus dem „Lernsumpf“ rausgeholt und mir neue Motivation und Power gebracht hat.

Die letzten Tage vor der schriftlichen Prüfung und die entscheidenden drei Tage

Im 100-Tage-Lernplan sind die letzten 10-14 Tage oder in manchen Plänen sogar mehr zur Wiederholung und zum Kreuzen der letzten kompletten Examina vorgesehen. Schließlich ist es auch gut zu wissen, dass man gegen Ende noch ein gewisses Puffer hat, falls man mit dem Plan nicht zeitgerecht durchkommt.

Wichtig ist meiner Meinung nach auch, unbedingt auf die Zeit zu achten, die man für das Kreuzen eines kompletten Examens braucht bzw. für etwa 100 Fragen pro Examenstag.
Gegen Ende nimmt man sich zwar vor, die Themen noch einmal zu wiederholen, die wichtig sind, aber leider ist dies oft eine Wunschvorstellung, weil dazu kaum noch Zeit bleibt und man eigentlich nicht genau sagen kann, welches die wichtigsten Themen überhaupt sind.

Auch hier schafft „AMBOSS“ es, einem Hilfestellung zu geben, die ich gegen Ende dann doch noch genutzt habe – nämlich die Liste der Top 100 Lernkarten. Hier kann man sich noch einmal zusätzlich zum Kreuzen der kompletten Examina der letzten paar Jahre themenspezifisch nach IMPP-Relevanz die wichtigsten Lernkarten durchlesen und die jeweiligen Fragen dazu kreuzen.

Wichtig ist es auch, sich die Fragen der letzten drei oder vier Examina für die letzten Tage aufzusparen. Aber auch hier sei wieder gesagt, nicht verzweifeln! Es ist nur zu normal, dass man das Gefühl hat, dem IMPP nicht hundertprozentig gewachsen zu sein und noch zu viele Wissenslücken zu besitzen – und dies auch noch kurz vor dem bevorstehenden Examen. Auch wenn man das Gefühl hat, sich noch kurz vor der Prüfung einiges anschauen zu müssen – vertraut Euch, Ihr werdet genügend gelernt haben.

Am letzten Tag vor der schriftlichen Prüfung kann ich nur jedem raten, frühzeitig die Bücher wegzulegen und nicht zu spät schlafen zu gehen, denn die nächsten drei Tage der Anspannung verlangen einem enorme Kräfte und Energie ab, sodass man jede Minute des Schlafs braucht.

Es ist soweit – die schriftliche Prüfung

Mit ausreichender Verpflegung, meinem Zulassungsbescheid, mehreren Bleistiften, das IMPP fordert HB oder 2 B-Mienen für den Antwortbogen, Radiergummi und Ausweis war nun die Stunde der Wahrheit gekommen, als ich zu meinem mir zugewiesenen Platz lief.

Sobald man sich an die Fragen macht, schwindet die Aufregung langsam und man funktioniert nur noch. Ich habe in einem ersten Durchgang alle Fragen einmal durchgekreuzt und mir bei solchen, deren Antwort ich mir unsicher war, die jeweilige Frage mit einem Fragezeichen markiert. Bei den Fallbeschreibungen lohnt es sich, die wichtigsten Fakten in den endlos langen Texten zu unterstreichen.

Lasst Euch vom IMMP nicht verunsichern und vertraut Eurem Bauchgefühl! Die fünf Stunden können lang sein, also kann man sich getrost zwei bis drei Toiletten- oder Essenspausen gönnen, um mal kurz frische Luft zu schnappen.

Entweder man überträgt die Antworten direkt auf dem Lösungsbogen nach jeder Frage oder aber man nimmt sich eine Stunde vor Abgabe noch einmal die Zeit, alles zu übertragen. Ich entschied mich für Letzteres und bin damit ganz gut gefahren.

Der Nervenkrieg beginnt dann, wenn man aus dem Saal heraus kommt und man dem ganzen Geplapper sowie den potentiellen Lösungen anderer Mitstudenten Beachtung schenkt. Es kann einen nur verunsichern und verrückt machen – gerade dann, wenn man beschließt, die Lösungen mittags bei „MEDI-LEARN“ nicht nachzuschauen.

Ich meinerseits habe es nicht ausgehalten, die ganzen drei Tage auf das Ergebnis zu warten und habe jeweils am Nachmittag meine Antworten eingegeben, sodass ich wusste, woran ich war. Es kann einem aber auch den Mut nehmen und unter Druck setzen, wenn mal ein Tag nicht so läuft, wie man es sich vorstellt, aber auch dann heißt es: Augen zu und durch, es kann nur besser werden.

Und dann ging es los – Vorbereitung auf die mündliche Prüfung

Wenn man erst einmal das Schriftliche hinter sich gebracht hat, ist eigentlich das Examen schon so gut wie bestanden und man hat den größten Brocken geschafft. Nun heißt es vorerst, tief durchatmen und je nach Prüfungstermin sich eine Auszeit nehmen, um wieder zu Kräften zu kommen. Ich hatte das Glück, genug Zeit zwischen schriftlicher und mündlicher Prüfung zu haben, nämlich ganze sechs Wochen, sodass ich mir ein paar Tage Ruhe gegönnt und mir einen neuen Plan aufgestellt habe, wie ich mich nun richtig vorbereiten könnte.

Es lohnt sich generell, sich gemeinsam mit der Prüfungsgruppe bei seinen Prüfern persönlich vorzustellen. Denn zum einen lernt man sich bereits kennen, für den Fall, dass die Prüfer unbekannt sind, und zum anderen gewinnt man mit etwas Glück hilfreiche Informationen bezüglich potentieller Themen. Es kommt nämlich immer wieder vor, dass manche Prüfer ihr Gebiet etwas eingrenzen bzw. wenige Themen ausschließen können, was einem das Lernen logischerweise enorm erleichtert.

Mein Wahlfach war die Gynäkologie und Geburtshilfe und mein viertes Prüfungsfach die Plastische Chirurgie. Ich nutzte die ersten Tage nach meiner Erholungspause dafür, mir für die Plastische eine eigene Zusammenfassung aus sämtlichen Büchern der Chirurgie und mit Hilfe des Internets zu erstellen, da wenige bis keine Lehrbücher für dieses Fach existieren, die man sich zumindest leisten oder ausleihen könnte.

Mit der Lerngruppe haben wir uns regelmäßig getroffen, um relevante Prüfungsthemen unserer Prüfer durchzusprechen und Untersuchungstechniken wiederholt zu üben. Als Orientierung hierfür haben wir uns die Prüfungsprotokolle zurückliegender Examina zur Hilfe genommen. Man kann sich recht gut an die Erfahrungen von ehemaligen Absolventen halten, welche vom gleichen Prüfer schon einmal geprüft worden sind.

Berliner Examenskandidaten haben hier das große Glück, über www.pruefungsprotokolle-med.de an eine sehr große Sammlung von Prüfungsprotokollen früherer Absolventen der Charité heranzukommen. Denn Medizinernachwuchs.de hat es geschafft, nun schon zum zweiten Mal nach dem Frühjahr 2013 auch den Examensanwärtern der Charité im kommenden Herbst 2013 für die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung diese Protokolle zur Verfügung zu stellen. Eine große Leistung meiner Ansicht nach, denn die Suche nach alten Prüfungsprotokollen stellt sich leider immer wieder als eine riesen Herausforderung dar.

Zusätzlich habe ich mir die Fallbücher von Thieme für Innere, Gynäkologie und Chirurgie zugelegt. Diese Fallbücher kann ich nur jedem wärmstens ans Herz legen. Hier wird die Herangehensweise an die einzelnen Fälle sehr gut beschrieben, wonach man sich bei seiner Strukturierung der Antworten im mündlichen Examen richten kann.

Wichtig fand ich es auch, nicht mehr nur stur zu lesen, sondern über Krankheitsfälle zu sprechen, sich auszudrücken und zu erklären. Je mehr Fälle man gemeinsam durchgeht und darüber diskutiert, je mehr gewinnt man an Sicherheit und merkt, wie sich langsam vieles zusammenfügt, was man sich alles einzeln mühsam während der langen Lernphase für das schriftliche Examen erarbeitet hat.

Auch zur Vorbereitung für die mündliche Prüfung habe ich mit den Lernkarten von „AMBOSS“ gelernt, um das eine oder andere Thema noch einmal zu wiederholen.
Eine weitere grandiose Entdeckung noch gegen Ende meiner Vorbereitungen für das Schriftliche war „Meditorium“, ein geniales Lern-Tool, welches als kostengünstige App zu erwerben ist.

Zwei junge Ärzte riefen eine sinnvolle Ergänzung und Abhilfe des sturen Bücherwälzens und Kreuzens ins Leben, indem sie mit Lern-Podcasts klinischen Lernstoff komprimiert, examensrelevant und verständlich als Audios zusammenfassten. In jeweils 5-20 Minuten werden wichtige Themen der Inneren Medizin strukturiert behandelt. So kann man sich beim Sport, in der Bahn oder einfach in der Sonne berieseln lassen und muss dabei kein schlechtes Gewissen hegen, dass man aktiv nichts gelernt hat. Ganz im Gegenteil. Anhand dieser Podcasts habe ich gelernt, wie man strukturiert zu einem Krankheitsbild erzählen kann, was letztlich in der Prüfung auch teilweise gefordert wird. Um den Merk-Effekt zu verbessern, werden hierbei die wichtigsten Lernziele häufig wiederholt. Unter www.meditorium.de/potfaelle/ kann man mal reinhören und sich überzeugen lassen.

Die letzte Hürde – die mündliche Prüfung

Am Ende meiner letzten Kräfte kam nun endlich der Tag des mündlichen Examens. Gegen Ende der Prüfungsvorbereitungen sehnt man sich einfach nur noch danach, dass alles so schnell wie möglich vorbei geht. Mit schickem Outfit, als hätten wir alle einen Banktermin und würden einen hohen Kredit erzielen wollen, so stand es als Tipp in einem der Bücher zum mündlichen Examen, machten wir uns mit weichen Knien und versteckter Vorfreude auf den Weg zum Lehrkrankenhaus.

Am ersten Tag bekommt man einen Patienten zugeteilt, den man eigenständig untersuchen sollte, um dann nach Sichtung aller Untersuchungsbefunde einen Bericht zu verfassen. Die Zeit hierfür kann sehr knapp werden und die drei Stunden, die sich anfangs nach einer Menge Zeit anhören, vergehen schneller als man denkt.

Im Anschluss daran muss man seinen Patienten den Prüfern vorstellen und gegebenenfalls voruntersuchen. Neben Fragen am Patientenbett schließt sich eine Fragerunde an, wobei jeder Prüfer weitere Minuten Zeit hat, jeden Einzelnen zu seinem Fach zu prüfen. Der erste Tag erstreckt sich über fast 8-9 Stunden, wobei die eigentliche Prüfungszeit selbstverständlich ein Bruchteil davon ist.

Nach dem ersten Tag ist man jedoch platt, aber das Ziel ist nun auch in Reichweite, denn der zweite Tag gestaltet sich in der Fragerunde noch einmal etwas entspannter und die Prüfungsfragen entwickeln sich allmählich zu einem Fachgespräch. Wichtig ist meiner Meinung nach, seine Antworten gut zu strukturieren und nicht gleich, nachdem der Prüfer eine Frage gestellt hat, drauf los zu reden, sondern sich erst Gedanken zu machen.

Die mündliche Prüfung hat den Vorteil, dass man das Gespräch in eine bestimmte Richtung lenken kann, wenn man geschickt vorgeht und das kann man sich durchaus zu Nutze machen. Wenn man aber dennoch mal nicht weiter weiß, helfen die Prüfer einem selbstverständlich auf die Sprünge und lenken zur gewünschten Antwort.

Man sollte sich immer wieder vor Augen halten, dass es nun wirklich die letzte Hürde bis zur Approbation ist und die Prüfer wollen einem dabei nichts Böses. Sie selbst waren vor Jahren auch einmal in dieser Position und die meisten betonen, dass es ihnen wichtig sei, dass man sich während der Prüfung wohlfühle und haben dies in unserem Fall auch gezeigt, indem sie eine freundliche Atmosphäre geschaffen haben.

Wenn dieser letzte Teil dann endlich geschafft ist und der Zeitpunkt der Verkündung mit den Worten „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben bestanden!“ seitens der Prüfer gekommen ist, hört man im wahrsten Sinne des Wortes den Stein von seinem Herzen fallen.

Mein Persönliches Fazit und Ausblick in die Zukunft

Für mich war die Lernzeit eine besondere Erfahrung, da man im letzten Part seines Medizinstudiums noch einmal an seine Grenzen gebracht wird. Es war für mich enorm wichtig, einen stetigen Ausgleich zu haben, sodass ich auch in Phasen der Angst und Panik die Möglichkeit hatte, immer wieder runter zu kommen. Ohne meine Familie und Freunde hätte ich diese Zeit nicht so gut überstanden und für die stetigen Aufmunterungen als auch das Mut machen bin ich sehr dankbar.

Wenn man letztlich das „Hammerexamen“ jedoch hinter sich gebracht hat, kann man wirklich stolz sein, dies alles geschafft zu haben und es stehen einem alle Türen offen.
Für die Zeit danach hat man sich schließlich den Urlaub auch wirklich verdient und ich kann nur jedem raten, nicht direkt im Anschluss anfangen zu arbeiten, sondern erst einmal die Zeit zu nutzen, um wieder zu Kräften zu kommen, denn dieses Examen verlangt einem wirklich sehr viel an Energie ab.

Für den Fall, dass man noch nicht mit seiner Doktorarbeit fertig ist, habe ich den Rat vieler Assistenzärzte angenommen, diese noch vor Beginn der ärztlichen Tätigkeit fertigzustellen. Wenn man einmal im Klinikalltag angekommen ist, wird die halb fertige Doktorarbeit nur zur Last und bleibt deshalb auch oftmals auf der Strecke. Somit wäre dies meine nächste Mission, bevor ich mich der Chirurgie widmen werde.

Ich kann hier noch einmal allen Mut machen, die noch vor dem Examen stehen, indem man sich immer vor Augen hält: Es gibt auch ein Leben nach dem Examen – aber auch während der Lernzeit!

W., S.
Freiburg, August 2013

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