USMLE Step 1 – Meine persönlichen Erfahrungen und Ratschläge

5. März 2013

in Ratgeber, USMLE - Amerikanische Staatsexamina

Für internationale Studierende der Medizin ist es möglich, die US-amerikanischen Ärzteprüfungen abzulegen. Ich hatte mich hierzu entschlossen und möchte im Folgenden meine Erfahrungen mit der ersten Prüfung, dem USMLE Step 1, schildern.

Allgemeine Infos zu den amerikanischen Ärzteprüfungen

Goljan's Rapid Review Pathology

Die amerikanischen Ärzteprüfungen USMLE (United States Medical Licensing Examination) bestehen aus vier Prüfungsteilen, wobei die ersten drei benötigt werden, um sich für eine Facharztausbildung in den USA zu bewerben. Diese sind namentlich der USMLE Step 1, das Korrelat zum deutschen Physikum, der USMLE Step 2 CK (Clinical Knowledge), welcher dem deutschen Staatsexamen entspricht, und der USMLE Step 2 CS (Clinical Skills), eine praktische Prüfung. Der USMLE Step 3 wird meist erst während der Facharztausbildung abgelegt.

Die beiden theoretischen Prüfungen können an deutschen Testzentren absolviert werden, für den USMLE Step 2 CS hingegen muss man in die USA einreisen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Prüfungen gibt es auf der offiziellen Website http://www.usmle.org.

Wie bereits erwähnt, sind der Step 1 und der Step 2 die Grundvoraussetzung, um eine Facharztausbildung in den USA zu beginnen. Um sich für ein PJ-Tertial zu bewerben, sind diese aber in der Regel nicht notwendig.

Ich persönlich habe von der Vorbereitung für den Test sehr profitiert, da man eine andere Art der Medizin kennenlernt. Es wird mehr Wert auf klinisch relevantes Wissen gelegt, als auf rein akademische Besonderheiten. Durch die Patienten-zentrierten Fragen wird vor allem das diagnostische Denken geschult. Für mich war es ein besonderer Anreiz, sich das selbe Wissen anzueignen, welches auch an den berühmten US-Universitäten gelehrt wird und die internationale Medizin und Wissenschaft bestimmt.

Die Hauptthemenbereiche des USMLE Step 1 sind neben den rein vorklinischen Fächern Anatomie, Biochemie, Physiologie und Psychologie/Soziologie auch Pathologie, Pharmakologie und Mikrobiologie. Der Schwerpunkt liegt aber insbesondere auf der Pathologie.
Daher empfehle ich, diese Prüfung erst nach den entsprechenden Kursen in der Klinik zu absolvieren. Ich hatte mich für die Semesterferien zwischen dem 7. und 8. Semester als Prüfungstermin entschieden.

Nach der Anmeldung …

Die Anmeldung für den Test führt man in erster Linie online durch. Als Nicht-Amerikaner erstellt man sich dazu zunächst über die ECFMG (Educational Commission for Foreign Medical Graduates) ein Profil und muss im Anschluss einen kleinen Fragemarathon absolvieren. Des Weiteren wird auch die nicht ganz billige Test-Gebühr von knapp 1.000 $ fällig. Nun muss die medizinische Fakultät der eigenen Universität den Studentenstatus und die erfolgreich absolvierte Vorklinik des Bewerbers bestätigen und dies selbst postalisch in die USA übersenden. Nach einer mehrwöchigen Wartezeit kommt entweder eine Bestätigung der erfolgreichen Anmeldung oder eine Ablehnung der Bewerbung, falls etwas nicht korrekt angegeben oder durchgeführt wurde.

Im Rahmen seiner Anmeldung gibt man einen 3-monatigen Zeitraum an, in welchem man die Prüfung absolvieren möchte. Nach erfolgreicher Anmeldung kann man über „Prometric“ einen konkreten Termin vereinbaren. Ich hatte mich für das Testcenter in Frankfurt entschieden und kann dieses weiterempfehlen.

… beginnt die Vorbereitung

First Aid for the USMLE Step 1

Etwa acht Wochen lang hatte ich mich auf die Prüfung vorbereitet. Zwar wendet der amerikanische Medizinstudent mehr Zeit dafür auf, doch da ich keinen längeren Zeitraum zur Verfügung hatte, habe ich diesen als durchaus ausreichend empfunden.

Es gibt eine unglaublich große Menge an Vorbereitungsmaterialien für die USMLE Steps und Geld spielt hierbei durchaus eine Rolle. Man kann aus einem gewaltigen Angebot an Lehrbüchern, Kurzlehrbüchern, Hörbüchern, online Lernportalen und Kursen wählen.

Ein absolutes Muss stellt meiner Meinung nach allerdings das Buch „First Aid for the USMLE Step 1“ dar. Dabei handelt es sich gewissermaßen um die USMLE-Bibel. Alle großen Themengebiete werden stichwortartig abgehandelt, wobei der Fokus auf den Informationen mit der größten „Ausbeute“ liegt, also den Fakten, mit welchen man möglichst viele Fragen richtig beantworten kann. Denn es gilt: Alles wissen ist nicht möglich.

Ferner liefert das Buch „First Aid“ eine detaillierte Beschreibung der amerikanischen Prüfungen mit nützlichem Hintergrundwissen, Ratschläge zur Vorbereitung und zur Beantwortung der Prüfungsfragen sowie eine große Liste an empfohlener Literatur. Diese Liste hilft enorm, sich für gute Lehrbücher zu entscheiden, welche zum eigenen Lern-Stil passen.

Ein sehr gutes Buch für Pathologie möchte ich an dieser Stelle dennoch hervorheben. „Rapid Review Pathology“ von Goljan wird in vielen Internet-Foren als Notwendigkeit zum Bestehen der Prüfung beschrieben. Ganz so weit würde ich zwar nicht gehen, aber pathologische Mechanismen und bedeutsame Krankheitsbilder werden hier hervorragend dargestellt und übermittelt. Im Gegensatz zu den Amerikanern habe ich dieses Buch nur einmal gelesen, nämlich um mir einen Überblick und ein Fundament in Sachen Pathologie zu verschaffen. Im Anschluss daran habe ich das konkrete Lernen mittels „First Aid“ fortgeführt.

Wie bei den deutschen Prüfungen ist das Üben des erworbenen Wissens ein essentieller Teil der Vorbereitung. Allerdings werden die offiziellen USMLE-Fragen nicht veröffentlicht und man muss mit simulierten Übungsfragen vorlieb nehmen. Es gibt auch hier eine Vielzahl von Anbietern, welche die Fragen entweder als Buch oder in einer online Fragebank veröffentlichen.

Ich habe das „Qbook“ von Kaplan und die Fragebank von „USMLE World“ verwendet, wobei ein 30 Tage Abonnement etwa 100 $ gekostet hat. Die „USMLE World“-Fragen waren relativ schwierig und vermittelten somit noch viel neues Wissen. Die Software entsprach ziemlich genau dem originalen Prüfungsdesign, so dass man sich an verschiedene Eigenschaften, wie die Laborwerttabelle oder Textmarker-Funktion, bereits gewöhnen konnte. Für Abonnenten steht im Übrigen eine kostenlose App zum mobilen Fragen beantworten als Download zur Verfügung.

Des Weiteren kann man mittels der „Self Assessment Tests“ von „USMLE World“ den zeitlichen Ablauf der Prüfung für 200 Fragen simulieren und sich einen vorläufigen Score schätzen lassen. Dieser fiel bei mir aber deutlich höher aus als der echte. Leider kosten diese Tests eine zusätzliche Gebühr, helfen aber, den eigenen Fortschritt einzuschätzen und Lücken aufzuzeigen.

In den ersten vier Wochen meiner etwa zweimonatigen Vorbereitungszeit wiederholte ich alle Fächer außer Pathologie, wobei ich in erster Linie wieder einen Überblick gewinnen wollte. Parallel habe ich die zum Fach passenden Fragen aus dem „Qbook“ bearbeitet. Im Anschluss beschäftigte ich mich eineinhalb Wochen mit dem Pathologie-Lehrbuch von Goljan. An das Buch angegliedert waren wiederum 400 online Fragen, welche der Vertiefung des Wissens dienten.

In den letzten zweieinhalb Wochen lernte ich intensiv mit dem Buch „First Aid“ und versuchte möglichst viele Fragen aus der „USMLE World“-Fragebank zu beantworten. Zwar reichte die Zeit nur zum Beantworten von einem Dreiviertel der Fragen, was ich aber retrospektiv als vollkommen ausreichend betrachte.

Den letzten Tag vor der Prüfung sollte man unbedingt zum Entspannen nutzen.

Die Prüfung und das Ergebnis

Die Prüfung wird elektronisch an einem Computer abgelegt und besteht aus 322 Fragen, welche über einen Zeitraum von acht Stunden beantwortet werden müssen. Die Fragen sind in sieben Blöcke aufgeteilt. Diese muss man jeweils innerhalb einer Stunde abschließen. Man hat insgesamt eine Stunde Pause zur Verfügung, welche man sich nach Belieben zwischen den Blöcken verteilen kann.

Bei den Fragen handelt es sich um Multiple Choice Fragen, allerdings kann es beliebig viele Antwortmöglichkeiten geben (meist 4 – 12). Es gilt aber: Nur eine Antwort ist richtig! Außerdem gibt es auch Fragen mit Bild-, Ton- oder Videomaterial.

Meine Prüfung begann um 8:00 Uhr morgens im Testcenter Frankfurt, allerdings sollte man bereits eine halbe Stunde vorher anwesend sein. Wichtig ist, dass man an seinen Ausweis und das Permit, welches zur Teilnahme an der Prüfung berechtigt, denkt. Zunächst werden noch ein paar Formalitäten erledigt und ein Foto geschossen.

Persönliche Gegenstände, Getränke und Nahrungsmittel können in einem Spind aufbewahrt werden. In den Prüfungsraum selbst dürfen keine eigenen Gegenstände mitgenommen werden. Lediglich Ohrstöpsel und eine Schreibtafel des Centers bilden die Ausnahme. Trinken, Essen und Toilettenbesuche sind somit nur in den Pausen möglich. Kleidungsstücke dürfen im Prüfungsraum nicht abgelegt werden, daher sollte man sich besser nicht zu warm anziehen. Vor dem Betreten müssen alle Taschen nach außen gestülpt werden und man wird mit einem Metalldetektor kontrolliert. Dies alles gestaltete sich aber unproblematisch. Die resultierenden Zeitverluste waren gering und das Personal sehr freundlich. Die Räumlichkeiten waren modern und es herrschte eine angenehme Atmosphäre. Der Arbeitsplatz war durch seitliche Trennwände abgeschirmt und konzentriertes Arbeiten war gut möglich. Von meinem Kopfhörer abgesehen, welcher leider rauschte, war der Computer mit Zubehör in Ordnung.

Vor dem ersten Frageblock kann man noch ein Tutorial bearbeiten, welches die Bedienelemente erklärt. Falls man mit der Software schon vertraut ist, sollte man das Tutorial abbrechen, da es von der Pausenzeit abgezogen wird. Zu empfehlen ist aber die Überprüfung der Kopfhörer.

Meine Pauseneinteilung sah kleinere Pausen nach jedem Block und eine längere Mittagspause vor. Während den Blöcken sollte man immer die Zeit im Auge haben, da diese relativ knapp bemessen ist. Nach acht Stunden Denken und Kreuzen hat man es aber geschafft und darf müde, aber glücklich mit einem Bestätigungsschreiben den Heimweg antreten.

Nach etwa vier Wochen Wartezeit bekam ich online mein Ergebnis übermittelt. Der entscheidende Score besteht aus einer dreistelligen Zahl. Um diese zu interpretieren, muss man sich am Mittelwert und der Standardabweichung der amerikanischen Prüflinge orientieren, welche als 224 ± 22 angegeben wurden. Der durchschnittliche USMLE Step 1-Score, mit welchem man in ein Facharztprogramm aufgenommen wird, variiert stark zwischen den Spezialitäten und beträgt für Amerikaner beispielsweise etwa 210 für Allgemeinmedizin und 250 für Plastische Chirurgie.

Mein Fazit

Willkommen in den USA

Das Absolvieren des USMLE Step 1 hat ohne Frage seine Kosten. Neben den Prüfungsgebühren und Ausgaben für Vorbereitungsmaterialien ist auch ein großer zeitlicher Aufwand notwendig. Spaß an der Weiterbildung und die richtige Motivation sind wichtig.

Dafür erhält der Prüfling, zumindest theoretisch, die Möglichkeit, eine Facharztausbildung in einem großartigen Land zu beginnen. Man lernt als deutscher Student außerdem viel über die Medizin in den USA und kann sein bisheriges Wissen um viele bedeutsame Fakten erweitern.

Jeder muss sich aber selbst die Frage stellen, ob der persönliche Nutzen und Wille größer ist als der entstehende Aufwand. Für mich war es der Fall und ich bin sicher, sehr vom USMLE Step 1 profitiert zu haben.

M. Mader

Mainz, Dezember 2012

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2 Kommentare

  • Hallo
    Ich hoffe M.Mader liest hier noch mit. Ich habe eine Freundin in den USA die sich seit 2,5 verrückt macht wegen des USMLE und sich nicht zum Test traut. Dazu hätte ich an Hr./Fr. Mader noch fragen, also wenn Sie/Er dies hier hoffentlich noch liest, wäre es nett wenn er/sie sich melden würde.
    Freundliche Grüsse
    Stadt

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