Nach dem Physikum 2012 – Eine Medizinstudentin macht Mut

11. Januar 2013

in Physikum, Ratgeber

„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“? Das ist die Frage, die sich vor Dir breit macht, wenn die Bücher sich vor Deiner Nase stapeln. Jene Bücher, die sich als Waffe gegen jenen übergroßen, mysteriösen, schwarzen Mann präsentieren. Er ist adelig und trägt daher einen extravaganten Namen: Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung. Wir Medizinstudenten nennen ihn mehr oder weniger liebevoll Physikum.

Nur Mut!

Das Physikum beißt nicht. Es will eigentlich nur spielen. Mit Euch. Es heißt also, tief durchzuatmen, sich ins eigene Superman-Kostüm zu schmeißen, die Zähne zu fletschen und laut auszurufen: Dir zeige ich es!

Ich selbst habe im Herbst 2012 mein Physikum an der Berliner Charité gemacht. Meine Kommilitonen und ich hatten das Pech, zuerst die mündliche Prüfung zu bestreiten und danach erst ins Schriftliche zu gehen. Als nervöser Medizinstudent neigt man so unglücklicherweise dazu, sich allzu intensiv aufs Mündliche zu konzentrieren und das Kreuzen für den schriftlichen Teil hinten anzustellen. Das ist keine gute Idee.

Meine Tipps für Euch

Meine mündliche Prüfung fand in der ersten Augusthälfte 2012 statt. Den Termin bekam ich gute zwei Wochen vorher. Also unglaublich spät. Wenn nur noch 14 Tage zur Vorbereitung aufs Mündliche bleiben, heißt es: Fasse Dich kurz und konzentriere Dich darauf, große Zusammenhänge zu erkennen und erklären zu können. Ich empfehle Euch, Euch so früh wie möglich mit den anderen aus Eurer Prüfungsgruppe zusammenzusetzen und einen gemeinsamen Lernplan zu erstellen. Da es unmöglich ist, den gesamten Lehrplan des 1. bis 4. Semesters zu wiederholen oder sogar zum ersten Mal wirklich auf die Ketten zu kriegen, ruft Eure Prüfer an und fragt sie, was sie besonders gern prüfen und woran sie forschen. Nach diesen Kriterien sortiert und reduziert Ihr den Stoff.

Arbeitet die Themen im Alleingang aus und besprecht sie hinterher in einer gemeinsamen Diskussion – und zwar am besten zu zweit, weil es sonst zu chaotisch wird. Falls die Zeit so knapp ist wie bei mir, versucht, mit Eurem Lieblingslernpartner bestimmte Themenkomplexe an Kurzlehrbüchern und Skripten zusammen aufzuarbeiten. Dabei ist es ganz besonders wichtig, Fakten und Zusammenhänge auszusprechen. Sich einzureden, man hätte das Ding kapiert und kriegt es in der Prüfung dann schon wieder zusammen, zählt nicht. Redundanz ist alles.

Für die mündliche Prüfung lernt Ihr am besten mit Kurzlehrbüchern. Diese reichen vollkommen. Der dicke „Benninghoff“ in zwei Bänden ist ein Nachschlagewerk. Das gilt auch für den „Löffler Petrides“. Ich selbst habe mit den Skripten von „Medilearn“ gearbeitet. Die bieten die absoluten Basics – und zwar nett geschrieben. Wenn man diese ein paar Stunden durchgearbeitet hat, bluten die Ohren nicht. Für Anatomie ist es wichtig, dass Ihr Euch einen Atlas zu Hilfe nehmt. Für die Prüfung an der Leiche reicht es einfach nicht, Strukturen vor sich herbeten zu können. Für die Biochemie kann ich kein weiteres Buch empfehlen. Auch die Physiologie deckt Ihr gut mit den Skripten ab. Ergänzend könnt Ihr Euch das Kurzlehrbuch von Thieme dazu nehmen.

Die mündliche Prüfung …

Universitätsmedizin Berlin - Campus Mitte Anatomie
Universitätsmedizin Berlin – Campus Mitte Anatomie

Meine mündliche Prüfung lief sehr gediegen ab. Alle drei Prüfer waren entspannt und uns vier Prüflingen wohl gesonnen. Es gab in allen drei Fächern jeweils zwei Runden, sodass wir die vier Stunden bis zur letzten Minute ausschöpften. Das hört sich hart an. Geht aber. Nehmt Euch genügend zu trinken mit und Traubenzucker als schnellen Energielieferanten für den Kopf. Atmet tief durch. Hakt nach, wenn Euch die Fragestellungen nicht klar sind. Diskutiert, seid offen für Gespräche, macht Euch locker, bietet Euren Prüfern Wissen an. Es gibt nur ein „No Go“, und das heißt, gar nix sagen.

Und denkt daran, dass Ihr schon so viele andere mündliche Prüfungen gemeistert habt. Das mündliche Physikum ist auch nichts anderes. In aller Regel wird hier sogar weniger detailliert gefragt als in den Testaten im laufenden Semester. Es ist also verhältnismäßig leicht, gute Noten zu bekommen.

Wichtig für den Tag der mündlichen Prüfung ist im Übrigen auch, dass Ihr Euch anständig anzieht. Damit ist nicht der gute Smoking oder das Ballkleid gemeint, sondern: saubere, gebügelte Kleidung und natürlich ein astreiner Kittel. Nehmt Euch unbedingt Pinzetten und Sonden aus Eurem Präp-Besteck mit, damit Ihr an der Leiche die gefragten Strukturen zeigen könnt und nicht mit den Fingern drauf rumtatschen müsst.

… und die Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung

Das Schriftliche. Wesentlich schwieriger als das Mündliche. Hier ist absolutes Detailwissen gefragt. Die Durchfallquoten sind hier signifikant höher als in der mündlichen Prüfung. Bei uns waren es ganze 53 Prozent. Hier hilft aber kein „Oh Gott, oh Gott, oh Gott!“ – sondern tief durchatmen. Solche Durchfallquoten zeigen Euch, dass das IMPP, sagen wir, sehr detailverliebt ist und eher ein großer, etwas bissigerer Hund ist, der aber auch nur spielen will.

Der ultimative Trick heißt hier: Kreuzen. Haltet Euch bitte nicht damit auf, für diese „oh-mein-Gott-so-schwierigen Fragen“ den „Benninghoff“ oder den großen „Löffler“ zu bemühen. Das ist was für die Wissenschaftler im Herzen unter Euch. Oder für diejenigen, die tatsächlich schon im 1. Semester mit dem Lernen fürs Physikum begonnen haben. Ich habe mit „Examen Online“ von Thieme gekreuzt. Antworten, die ich so nicht gegeben hätte und auch beim Nachlesen der Kommentare schlecht nachvollziehen konnte, habe ich in den Büchern nachgeschlagen.

Wenn die Zeit knapp ist, genügt es aber auch, sich aufs Online-Kreuzen zu beschränken. Letztlich ist das Schriftliche wie eine ganz spezielle Disziplin bei Olympia. Ein Sprinter wird in der Vorbereitung weniger Zeit in taktisches Verhalten investieren. Es heißt also schlicht Knüppeln. Für Euch Kreuzen. Verrennt Euch aber zeitlich nicht. Wenn Ihr nur noch eine Woche zum Kreuzen habt, braucht Ihr nicht mit den Alt-Physika von vor 10 Jahren anzufangen. Immerhin hat jedes Jahr zwei Alt-Physika zu bieten. Und am Tag schafft Ihr ein Physikum, wenn Ihr auch die Kommentare lesen wollt. Im Zweifelsfalle beschränkt Ihr Euch besser auf die aktuellsten Fragen.

Es ist so weit!

Das Schriftliche findet an zwei aufeinander folgenden Tagen statt. Diese Tage sind kräftezehrend und dauern jeweils vier Stunden, wenn Ihr die Zeit ausschöpft. Denkt daran, Euch genügend zu trinken und Nervennahrung mitzunehmen. Auch Kaugummis sind hier erlaubt. Schreibgeräte bekommt Ihr gestellt. Mobiltelefone und Smartphones müssen abgegeben werden. In jedem Raum gibt es zwei Aufseher, die dafür sorgen, dass jeder für sich arbeitet. Auf die Toilette werdet Ihr begleitet. Auch hier ist Quatschen strengstens verboten. Auch wenn Ihr Euch nicht unterhalten dürft, macht ab und zu eine Pause und atmet tief durch. Am besten klappt Ihr das Heft dazu zu, sonst könnt Ihr nicht gut abschalten.

Ich empfehle Euch, die Fragen der Reihe nach zu beantworten und Eure Antworten sofort auf den Antwortbogen zu übertragen. Nach drei Stunden Nachdenken passieren tatsächlich viele Übertragungsfehler. Ist so. Die Nummern der Fragen, die Ihr nochmal nachschauen wollt, könnt Ihr Euch im Heft notieren. Wenn Ihr zwischen zwei Antworten schwankt, hört auf Euer Bauchgefühl und überlegt nicht zu viel. Die erste Überlegung ist meistens die richtige.

Falls Ihr das Schriftliche im Sommer macht: Es ist Euer gutes Recht, die Prüfung in einem kühlen Raum abzulegen. Besteht notfalls darauf, den Raum wechseln zu dürfen. Dafür haben die Aufseher (die niemals zur Uni oder zum LPA gehören) Verständnis.

Und wie schon gesagt: Nur Mut und …

Und jetzt erst einmal relaxen

Ran an den Schwarzen Mann! Und vergesst nicht, nebenbei auch ein wenig zu leben. Wer in einem Fort lernt, überschreibt sein frisch Erarbeitetes…

Mein Vorschlag für die Lernpausen: Sich auf K1 freuen. Es wird so viel besser. So viel entspannter. So viel interessanter. Ich studiere gerade in der vierten Semesterwoche in K1 und habe bereits die Aussicht auf eine super spannende Doktorarbeit. Die Zusage für meine erste Famulatur ist auch schon in meinem Briefkasten gelandet. Haltet durch. Es lohnt sich.

Viel Erfolg Euch!

K., M.
Berlin, November 2012

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *