USMLE Step1 und Step2 CK 2011 – persönliche Erfahrungen und Tipps zum amerikanischen Staatsexamen

4. Mai 2012

in Ratgeber, USMLE - Amerikanische Staatsexamina

Die amerikanischen Staatsexamina USMLE Step1 und USMLE Step2 CK zusätzlich zu den deutschen Abschnitten der Ärztlichen Prüfung, dem Physikum und dem “Hammerexamen”, abzulegen, war eine der besten Entscheidungen meines Medizinstudiums. Ich habe in dieser Zeit so unglaublich viel gelernt und fühle mich viel besser vorbereitet, um selbständig auf Patienten als Ärztin losgelassen zu werden, als wenn ich nur auf das “Hammerexamen” gelernt hätte.

Meine Motivation

Willkommen in den USA

Im Rahmen meines Medizinstudiums hatte ich das Glück, neun Monate meines Praktischen Jahres in den USA verbringen zu können. Diese Zeit, zusammen mit den amerikanischen Examina, waren für mich und vor allem meine Ausbildung mit Sicherheit die prägendsten Erfahrungen während meiner gesamten Studienzeit.

Das PJ in Deutschland hat zwar vor allem wegen des netten Teams auch Spaß gemacht, aber wenn ich ehrlich bin, kann ich nicht behaupten, während dieser Zeit medizinisch besonders viel gelernt zu haben. Ganz im Gegensatz dazu würde ich die Zeit in den USA beschreiben. Natürlich darf man sich nichts vormachen, immerhin steckt enorm viel Geld im amerikanischen Gesundheitssystem und auch dort ist nicht alles Gold, was glänzt, aber die Ausbildung ist doch häufig deutlich strukturierter und vor allem effektiver.

So hatte ich in einem Krankenhaus dort beispielsweise einen Computerzugang, der für mich genau so aussah, wie die Zugänge der Ärzte; alle meine Anordnungen wie Medikamente, Untersuchungen etc. wurden aber automatisch an meinen betreuenden Arzt weitergeleitet, der sie erst absegnen musste, bevor sie tatsächlich ausgeführt wurden. Durch dieses phantastische System hatte ich zu jeder Zeit das Gefühl, meine Patienten zu 100 Prozent selber zu betreuen und es macht einen großen Unterschied, Medikamente mit Dosierungen sowie allem was dazugehört, schriftlich anzuordnen, anstatt nur alles theoretisch durchzusprechen – und doch gab es mir die Sicherheit, dass mir immer jemand mit Erfahrung über die Schulter schaut.

Gleichzeitig ist mir im PJ aber auch wieder bewusst geworden, dass wir trotz der Bemühungen eines vermehrt praxisorientierten Unterrichts an unserer Universität in der Realität häufig völlig unvorbereitet auf den klinischen Alltag sind. Besonders in der Diagnostik hatte ich das Gefühl, dass die amerikanischen Studenten viel schneller sind, da sie komplett anders lernen. Während wir in Deutschland häufig die Krankheiten für sich lernen und hierbei im besten Fall von der Epidemiologie bis zur Prognose den “Herold” runterbeten, lernen die Amerikaner symptomorientiert. Wenn also ein Patient mit Atemnot kommt, rattert der amerikanische Student seine Differentialdiagnosen runter, während wir – überspitzt gesagt – gedanklich die einzelnen Krankheiten durchgehen und überlegen, ob Atemnot nun zu den Symptomen dazugehört oder nicht. So bekam ich vor allem gegen Ende mein PJs zunehmend das Gefühl, dass ich mich schlichtweg noch nicht gut genug vorbereitet gefühlt habe, um selbständig auf Patienten als Ärztin losgelassen zu werden.

Im Zusammenhang mit der Möglichkeit, mit den amerikanischen Examina nochmal in die USA zu gehen, beispielsweise für ein sog. “International Fellowship”, stand der Entschluss, die USMLEs (United States Medical Licensing Examination) zu absolvieren, endgültig fest.

Da ich Anfang August 2010 aus meinem PJ zurückkam, verschob ich zunächst das deutsche Examen auf das nächste Frühjahr und peilte Step 1 der USMLEs für November/Dezember an, danach das “Hammerexamen” Anfang April und den USMLE Step2 CK(Clinical Knowledge) für Mai. Ende Mai bildete der Mündliche Teil des deutschen Examens den “krönenden Abschluss”.

Informationen über das USMLE

Die meisten Information über das USMLE (United States Medical Licensing Examination) habe ich mir von Freunden geholt, die das Examen bereits absolviert hatten sowie durch Erfahrungsberichte im Internet. Nützlich ist auch die Seite der ECFMG (Educational Commission For Foreign Medical Graduates) www.ecfmg.org und dort meldet man sich auch für die Prüfungen an.

Wichtig ist, dass zunächst ein dreimonatiges Intervall gewählt wird, während dessen man die Prüfung absolvieren will. Mit den ausgefüllten Unterlagen musste ich dann noch ins Dekanat unserer Uni, da bestätigt werden muss, dass man eingeschriebener Student der Universität ist. Sobald die Anmeldung dann bearbeitet wurde und man sich auf ein Datum festgelegt hat, muss man den genauen Prüfungstermin mit dem Testcenter vereinbaren. Hierzu kann man sich ganz einfach über das Internet das nächstgelegene Testcenter aussuchen, in meinem Fall war es das Testcenter München in der Dessauer Straße, und dort den Termin buchen. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass bei Verschieben des Termins wieder extra Gebühren anfallen.

Vorbereitung auf die Prüfung

First Aid for the USMLE Step1

Bei den Büchern habe ich mich in erster Linie an den Empfehlungen aus dem “First Aid” orientiert. Überhaupt ist dieses Buch wirklich wie eine Art Bibel für das USMLE. Wenn man jedes Wort davon könnte, würde es bestimmt locker ausreichen, die Prüfung sehr gut zu bestehen. Damit man aber alles verinnerlicht, muss man meines Erachtens zumindest für den Step1 noch andere Lehrbücher durchgearbeitet haben.

Ganz wichtig ist auch, rechtzeitig mit einer Fragenbank zu üben. Ich habe hierfür “USMLE World” gewählt und war hochzufrieden. Die Fragen sind sehr anspruchsvoll, aber bereiten einen perfekt auf die Prüfung vor, zumal das gesamte Layout quasi identisch mit dem der Prüfung ist und die Kommentare sehr ausführlich als auch vor allem einfach gut sind. Außerdem kann man anhand von Ergebniskurven seinen Lernerfolg genau überprüfen und mit der erzielten Prozentzahl mit Hilfe des sog. “Score Calculator” im Internet den voraussichtlichen Score im USMLE errechnen, so dass es keine bösen Überraschungen gibt.

Leider ist die Fragenbank nicht ganz günstig, dennoch fand ich, dass sich die drei Monate für mich auf jeden Fall gelohnt haben. So konnte ich von Anfang an den Fragenstil besser abschätzen und meinen Fokus dementsprechend besser ausrichten.

Mein Lern-Plan für den Step1 sah dann folgendermaßen aus: Zunächst bin ich alle großen Fächer in den Lehrbüchern durchgegangen und habe parallel dazu fächerspezifisch Fragen gekreuzt. Zum Schluss bin ich dann nochmal alle Fächer, also auch Embryo, Epidemiologie etc., soweit es ging, im “First Aid” durchgegangen und habe in der Fragenbank alle Fragen unsortiert gekreuzt. Insgesamt habe ich circa drei Monate kontinuierlich den ganzen Tag gelernt, auch am Wochenende, und somit auch einen Score erreicht, mit dem ich sehr zufrieden bin. Da diese Prüfung die erste und in meinen Augen auch die schwerste Prüfung in meinem Prüfungsmarathon war, hatte ich hier besonders viel Zeit investiert.

Nach circa zwei Wochen Pause habe ich mich dann an meine deutschen Bücher gesetzt, um für das “Hammerexamen” zu lernen. Beim Lernen mit den deutschen Büchern habe ich allerdings gemerkt, dass ich überhaupt nicht besser wurde und war irgendwann so frustriert, dass ich beschloss, auch auf das deutsche Examen mit den amerikanischen Büchern zu lernen. Eine riskante Entscheidung, die ich aber keineswegs bereut habe. Nach meiner Erfahrung kreuzen die meisten Studenten am Beginn ihrer Lernphase für das “Hammerexamen” eine ähnliche Prozentzahl wie am Ende, so dass ich mir dachte, durch diese Lernstrategie zumindest nichts zu vergeben.

Für das USMLE Step2 CK (Clinical Knowledge) und somit letztlich auch für das “Hammerexamen” habe ich nur noch mit dem “First Aid” und der Fragenbank gelernt, da ich das Gefühl hatte, hier schon eine recht gute Grundlage durch den Step1 zu haben, da bereits in dieser Prüfung extrem klinisch gefragt wird. Das “Hammerexamen” habe ich also Anfang April geschrieben und den Step 2 CK Anfang Mai 2011. Nach dem Step2 hatte ich noch genau 21 Tage bis zu meinem deutschen Mündlichen. Während dieser Zeit habe ich ausschließlich mein Wahlfach Gynäkologie und das geloste Fach Arbeitsmedizin gelernt, in Innere und Chirurgie fühlte ich mich durch die vorrausgehenden Prüfungen schon ausreichend vorbereitet.

Nach neun Monaten Dauerlernen ging diese intensive Zeit also zu Ende und ich kann nur sagen, dass ich keinen Tag davon bereut habe. Während sich in den deutschen Büchern, bedingt durch die Prüfungsstruktur, Ausnahme an Ausnahme reiht, lernt man im amerikanischen Examen ganz klar, die richtigen Prioritäten zu setzen und fühlt sich deutlich besser auf den Alltag in der Klinik vorbereitet. Hierzu ein kurzes Beispiel: Beim Lernen auf den Step 1 hatte ich jeweils die häufigsten Keime (2-3 pro Gruppe) der Endokarditis, Meninigitis und Pneumonie jeweils für die Normalbevölkerung und gewisse Risikogruppen gelernt. Als ich diese Kapitel im “Exaplan” nachgeschlagen habe, erwartete mich jeweils, wenn überhaupt vorhanden, eine ellenlange Liste mit circa 15-20 Erregern, denn theoretisch könnten ja alle vorkommen. Im Endeffekt muss man aber sagen, dass man zum Schluss dann keinen einzigen Erreger kann, wohingegen man sich beim Lernen der häufigsten Keime wenigstens diese einprägt und natürlich trotzdem weiß, dass es auch mal andere sein können.

Ablauf der Prüfung

Zur Prüfung selber bringt man am Besten ausreichend Essen und Trinken mit, dies kann man alles im Testcenter in einem Spind unterbringen. Wichtig ist auch, dass man praktische Kleidung trägt, da jedes Mal, wenn man den Testraum verlässt, alle Taschen nach außen gekehrt werden müssen. In den Raum selber darf nichts mit hineingenommen werden, auch keine Uhren, Ohrringe etc. Falls man schwitzt, darf auch nichts ausgezogen werden. Erst wenn man das nächste Mal den Raum verlässt, kann man überzählige Kleidungsstücke im Spind einsperren.

Das komplette Testcenter ist video- und audioüberwacht und man darf keinesfalls über die Fragen reden. Natürlich denkt sich jetzt jeder, dass das nicht nur ein bisschen übertrieben ist, andererseits wird so garantiert, dass das Fragenniveau immer gleich bleibt und nicht durch Herausgabe der Fragen jedes Mal angehoben wird.

Die Fragen selber muss man sehr zügig durchgehen, da nach exakt einer Stunde pro Block automatisch abgebrochen wird und man auch im Nachhinein nichts mehr ändern kann. Während dieser Stunde kann man aber gegebene Antworten innerhalb des Blocks nochmal umändern und alle Fragen, die man nochmal durchschauen möchte, markieren.

Wenn man das Einführungs-Tutorial zu Beginn überspringt, hat man insgesamt eine Stunde Pause, die jedoch nicht als zusätzliche Zeit für die Bearbeitung der Fragen genutzt werden darf. Ich bin nach jedem Block kurz rausgegangen, habe einen Schluck getrunken und bin nach circa fünf Minuten wieder reingegangen. Nach der Hälfte habe ich eine längere Pause gemacht und etwas gegessen. Die größte Schwierigkeit für mich war, das Zeitpensum richtig einzuschätzen, da ich beim Lernen häufig lange über die Fragen nachgedacht hatte, bis ich mir ganz sicher war. Das sollte einem in der Prüfung natürlich auf keinen Fall passieren, daher am Besten vorher die Fragenbank auch im Prüfungsmodus durchgehen.

Mein Fazit

Vor dem Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York

Trotz der hohen Kosten, alleine die Prüfungsgebühr für den USMLE Step1 und Step2 betrug bei mir 1.880 EUR, hinzu kommen noch die Bücher und die Fragenbank, würde ich sagen, dass diese Entscheidung eine der besten meines Medizinstudiums war. Ich habe in dieser Zeit so unglaublich viel gelernt und fühle mich viel besser vorbereitet, als wenn ich nur auf das “Hammerexamen” gelernt hätte.

Auch wenn die Lernzeit mit neun Monaten sehr lang war, war die Reihenfolge der Prüfungen für mich perfekt. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass man nach dem “Hammerexamen” noch die Motivation findet, insbesondere den Stoff aus der Vorklinik nochmal zu lernen. Von der intensiven Vorbereitung auf den Step1 habe ich bestimmt auch in den nachfolgenden Prüfungen profitiert. Alternativ geht man aber wahrscheinlich deutlich besser vorbereitet in das Praktische Jahr, wenn man den Step1 direkt davor macht.

T. Schwarz
Regensburg, August 2011

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4 Kommentare

  • Nach dem Studium möchte ich nach Amerika ziehen und die „residency“ dort anfangen. Ich würde es sehr schätzen, wenn Sie mir eine Email schreiben könnten, da ich ein Paar Fragen an Sie hätte.
    In Hoffnung auf eine Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,
    Thomas

  • Vielen Dank fuer Deinen Beitrag! Er ist sehr aufschlussreich. Ich selbst habe in Deutschland studiert und auch schon gearbeitet und bin wegen persoenlicher Gruende in die USA gezogen. Ich moechte hier nun endlich auch wieder arbeiten koennen und habe vor, die USMLE´s bald zu absolvieren. Die „USMLE-Bibel“ hab ich schon, die Fragen werde ich mir auch noch besorgen. Ich hab nun noch eine Frage: wie hast Du Dich genau vorbereitet, brauchtest Du auch amerikanische Lehrbuecher oder hat es fuer Dich ausgereicht, sich mit Deinen deutschen Buechern vorzubereiten. Wenn Du zusaetzlich amerikanische gekauft hast, welche hast Du genommen bzw. welche sind wirklich empfehlenswert????

  • Guter Beitrag, werde wohl in einem Jahr den Step 1 auch ablegen (nach dem 7. Semester). Oder sollte man doch lieber warten bis kurz vor dem PJ? Wird dann aber wohl doch ein bisschen viel, da ja der schriftliche Teil des Hammerexamens ja nun vor dem PJ stattfindet.

    Wie ging es denn bei Dir weiter? Tatsächlich USA?

    Weiterhin viel Erfolg!

  • Wow, Respekt!

    so eine Entscheidung ist wirklich mutig.
    ich spiele auch mit dem Gedanken das amerikanische Staatsexamen zu machen, da ich einen amerikanischen Freund habe.
    Mein Englisch ist zwar sehr gut, doch das ganze Prozedere klingt so wahnsinnig schwer! Es ist sicherlich verdammt viel Arbeit gewesen, wünsche dir alles Gute und viel Erfolg im Land der Möglichkeiten 🙂

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