Hammerexamen 2011 – ein Ratgeber mit persönlichen Tipps und Erfahrungen

26. März 2012

in Examen, Ratgeber

Avocados, Bananen und Latex: Ist ja der Hammer – oder?!

Zuerst, zu Beginn des Medizinstudiums, war alles noch weit weg. Irgendwann ist es dann aber so weit. Hatte man den Gedanken daran selbst im klinischen Studienabschnitt noch vielfach verdrängt, spätestens im PJ reden dann aber alle davon – vom „Hammerexamen“. Und davon, wie man diese letzte Hürde im Medizinstudium am besten angeht.

In aller Munde – das „Hammerexamen“

Irgendwann im Laufe des Medizinstudiums, spätestens in den Untersuchungskursen nach dem Physikum, wird man mit dem „Examen“ konfrontiert. Die Dozenten erklären wahlweise mit verschmitztem Lächeln oder todernstem Gesichtsaudruck, wie man was untersuchen sollte, damit es bei der praktischen Prüfung keine bösen Überraschungen oder Blicke von den Prüfern gibt. Da werden Horrorgeschichten von Prüflingen erzählt, die durchfallen, weil sie die Milz von der falschen Seite des Patientenbetts aus untersuchen. Als wenn das nicht genug wäre, ist man sich außerdem bewusst, dass der schriftliche Teil des Examens wohl auch nicht ganz so einfach werden wird, noch viel schlimmer als das Physikum.

Um doch irgendwie das Studentenleben zu genießen, sich der Doktorarbeit zu widmen und den Hobbys nachzugehen, werden diese Gedanken mehr oder weniger erfolgreich während dem klinischen Studienabschnitt weitgehend verdrängt. Und das ist auch genau das Richtige. Aber spätestens im PJ redet dann wirklich jeder vom „Hammerexamen“ und man tauscht sich über mögliche Prüfungsfächer und Prüfungsgruppen, über die besten Lehrbücher aus. Und auch darüber wie hart und lang die Vorbereitungszeit sei, und dass man als PJler nach dem Arbeitstag im Krankenhaus abends gar nicht mehr lernen könne. Kollektive Angst und Verunsicherung in Anbetracht des „Hammers“ machen sich meistens breit…

Erst einmal vorab, keine Sorge – das ist normal. Natürlich ist es wichtig, schon während des Studiums gewissenhaft zu lernen und sich auch während des Praktischen Jahres ausreichend theoretisch fortzubilden. Aber genauso wichtig ist es, diese Zeit und vor allem das PJ als letztes Jahr des Studentendaseins zu genießen. Man sollte sich im praktischen Bereich weiterentwickeln, der im deutschen Medizinstudium leider recht kurz kommt, und sich durchaus überlegen, etwas Zeit im Ausland zu verbringen. Die Erfahrungen im Ausland sind die schönsten Erinnerungen, und daran zurückdenken hilft auch während der Prüfungsvorbereitung.

Außerdem sollte man sich nicht immer Schuldgefühle einreden, wenn man im PJ abends keine Lust oder Zeit zum Pauken hat, und stattdessen einfach mal Sport oder eine Kneipentour macht. Und obschon wir als Mediziner wohl die mindestens zweithärteste Abschlussprüfung mit der zweitlängsten Vorbereitungszeit von allen machen (nach den Juristen), ist das Wort „Hammerexamen“ doch etwas fehl am Platze. Klar, es ist kein ganz einfaches Unterfangen, und das IMPP gibt sich größte Mühe, uns das Leben schwer zu machen. Aber man sollte sich einfach nicht schon lange vorher verrückt machen, denn schließlich reicht der Stress während dem Lernen und während der Prüfung völlig aus – glaubt mir!

Prüfung schieben

Hierzu ein kurzer Hinweis: nur schieben, wenn es sich nicht vermeiden lässt! Wenn es keinen triftigen persönlichen Grund oder den Wunsch, vorher die Doktorarbeit anständig zu beenden, gibt. Man kann sich zwar vorstellen, dass man mit mehr Zeit auch mehr rausholen kann, aber de facto schafft dies kaum jemand. Mehr als die etwa dreimonatige intensive Lernzeit bekommt man sowieso kaum hin.

Als die Prüfung dann endlich anstand, waren alle trotz gehörigem Respekt froh. Viele von uns können außerdem nur unter Druck gehörig lernen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich anzumelden und falls zwischendurch etwas schief laufen oder man sich zu unsicher fühlen sollte, sich bis zur Nachreichfrist (knapp fünf Wochen vor dem Prüfungstermin) ohne Angabe von Gründen abzumelden. Dies war vielen nicht bekannt, mir auch nicht, und selbst wenn sich wohl kaum jemand abmeldet, eine kleine nette Hintertür ist dies trotzdem. Ich habe wegen zahlreicher Gründe hin und her überlegt, ob ich schieben soll und wurde von Freunden schließlich darin bestärkt, nicht zu schieben. Im Nachhinein, und schon während der Vorbereitung, bin ich sehr froh darum.

Vorbereitung auf die Vorbereitung

Allgemein ist es sicher sinnvoll, während dem PJ interessante Sachen nachzulesen. Und ganz wichtig ist es, bei Fortbildungen und schlau erscheinenden Ärzten genau hinzuhören. So wusste ich auch nur aus meiner Zeit in der Onkologie in Montreal, dass Capecitabin ein 5-FU-Prodrug ist, welches als orale Chemo eingesetzt wird und konnte diese IMPP-Prüfungsfrage beantworten. Steht zwar auch im HEROLD, aber wer sich das alles vom Lesen her merken kann – Respekt! Normalerweise kann man sich Sachen, die man im klinischen Alltag gesehen oder gebraucht hat, einfach viel besser merken als Buchwissen.

Wer es schafft, dem würde ich empfehlen, den HEROLD parallel zum Praktischen Jahr durchzulesen, denn dieser bietet eine super Basis. Das kann man in wirklich langsamem Tempo machen. Empfehlenswert ist es, sich wichtige Zusammenhänge und Sachen, die einem neu sind, man glaubt nicht wie viele, parallel herauszuschreiben. So hat man sich ein gutes Skript für die schriftliche und mündliche Prüfung erarbeitet. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mir zu Beginn des Praktischen Jahres zehn Seiten pro zwei Tage vorgenommen hatte, also etwa ein halbes Jahr Zeit bei knapp 800 Seiten, am Ende des PJ aber nur insgesamt 150 Seiten gelesen hatte. Zum einen kann man aber versuchen, die oft vorkommenden Standzeiten auf der Station im PJ zu nutzen und zum anderen kann man den HEROLD auch während der unmittelbaren Prüfungsvorbereitung durcharbeiten – aber 50 Seiten am Tag plus Kreuzen waren schon heftig!

Bevor es in die Lernphase geht, empfiehlt es sich, diese genau durchzuplanen. Dazu nimmt man am besten den 100-Tage-Lernplan sowie Statistiken zu den Schwerpunkten des IMPP (auf Fach- und Organebene, denn oft kommt es besonders bei den ersten Hammerexamina vor, dass Fragen aus einem kleinen Fach einem großen Fach zugerechnet werden, und andersherum – z.B. infektiologische Fragen beim HNO-Fall Retrotonsillarabszess; deshalb gibt es durchaus Unterschiede und beides mal anzuschauen, kann helfen, die Schwerpunkte besser zu legen) und bezieht seine eigenen Vorkenntnisse mit ein.

Den 100-Tage-Lernplan sollte man abwandeln, z.B. da man keine zwei Tage für Hygiene lesen (nicht Infektiologie, die ist wichtig) oder drei Tage für Humangenetik und vor allem keine Woche für Arbeits-, Umwelt-, Sozialmedizin und Naturheilverfahren braucht. Hierfür reicht viel Kreuzen und vielleicht insgesamt 1-2 Tage lesen. In meinem Semester haben die meisten etwa 60-80 Tage (mit freien Tagen inklusive) intensiv gelernt, mit Wiederholung und Kreuzen inbegriffen. Mehr kann sicher nicht schaden, aber man sollte sich unbedingt auch Pausen gönnen.

Und es kann nicht schaden, sich irgendein „Hammerexamen“ vorzunehmen und es mal a priori ganz naiv durchzukreuzen. Man wird erstaunt sein, aber die meisten landen ganz ohne Lernen bei knapp über 60 Prozent. Also bestanden! Dann hat man zwar eine gute Basis, aber macht sich Sorgen, ob man mit dem Lernen überhaupt von der „4“ wegkommt. Die meisten meiner Bekannten, auch in früheren Prüfungen, konnten aber schlussendlich 15-20 Prozent oder auch mehr rausholen, auch wenn es unmachbar erscheint, also keinen Stress schieben!

Die Vorbereitung selbst

Ich würde empfehlen, sich nicht nur auf stupides Kreuzen zu verlegen. Sich Wissen anzulesen, mit Herausschreiben, entweder aus dem EXAPLAN und ähnlichen Großformatbüchern, oder aus den unten dargestellten fachbezogenen Kurzlehrbüchern, ist nicht nur für die schriftliche, sondern auch für die mündliche Prüfung sehr sinnvoll. Zum einen bieten manche IMPP-Fragen tatsächlich Anlass zum logischen Nachdenken und Ausschließen, was man durch Lehrbuchwissen ganz gut hinbekommen kann. Man fühlt sich dadurch einfach sicherer. Und man glaubt nicht, was an implizitem und passivem Wissen durch das Lesen hängen bleibt. Aber wenn man ein Kreuztyp ist, dann ist das natürlich genauso in Ordnung. Zum anderen hat man dann auch schon eine gute Basis für die Mündliche, die man mit Fallbüchern und Ähnlichem nur noch etwas aufzufüllen braucht.

Von der Lernzeit pro Tag her sind 6-10 Stunden sicher okay. Mehr sollte man sich nicht antun, weil es einfach auch ein Dauerlauf ist, und man sollte bei einem Marathon nicht schon zu Beginn das ganze Pulver verschießen. Zum anderen kommt es darauf an, qualitativ gut zu lernen. Es geht nicht nur darum, das Buch in einer bestimmten Zeit durchzulesen, sondern darum, möglichst viel zu behalten. Und sich Vorwürfe zu machen, weil man mal nur vier Stunden gelernt hat, ist zwar normal aber völlig daneben. Wenn es erstens vier hochwertige Lernstunden waren und man ist erschöpft, dann ist das in Ordnung und so kann man mal früher Feierabend machen. So ein Lerntag bringt im Endeffekt oft mehr, als sich 10 Stunden lustlos hinter ein Buch zu klemmen oder endlos zu kreuzen. Klar, auch solche Tiefpunkte gibt es dennoch genügend. Und wenn andere Umstände wie Familie, Freunde oder was auch immer nur vier Lernstunden zugelassen haben, so ist es auch kein Grund zu verzweifeln. Hier sei an den Einleitungstext zum 100-Tage-Lernplan verwiesen – so ist das Leben, sollte also bewusst eingeplant werden und der nächste Tag wird sicher besser.

Vom Tagesaufbau her ist es, wie im 100-Tage-Lernplan vorgeschlagen, ganz sinnvoll, eine Hälfte mit Lesen und Wiederholen, und die andere Hälfte mit Kreuzen zu dem Thema zu verbringen. So weiß man, worauf es beim Lesen ankommt. Empfehlenswert ist es, einige Hammerexamensfragen zu diesem Thema zu kreuzen, um zu wissen, wie die Anforderungen jetzt sind. Es gibt in manchen Fächern schon deutliche Unterschiede zwischen Altexamina und Hammerexamina. Daraufhin kann man auf die Altexamina (GK3 ankreuzen!) zum Lernen gehen, und zum Schluss alle Hammerexamensfragen als Test machen.

Hier würde ich auch empfehlen, vom 100-Tage-Lernplan abzuweichen und möglichst viele Hammerfragen zu kreuzen. Sich aber zumindest das vorangegangene Examen bis zum Schluss aufzuheben, als Leistungsüberprüfung, ist sicherlich sinnvoll. Und vielleicht noch ein Examen, das man mal in der Mitte oder nach zwei Dritteln der Lernzeit komplett durchkreuzt. Manche brauchen dies zwischendurch mal als Bestätigung, dass es in die richtige Richtung geht, so z.B. auch ich – und es tut gut, obwohl es einige Schwachpunkte offenbart. Die mediscript-CD von Urban & Fischer ist insgesamt nicht schlecht, die Kommentare sind denen von examen-online (hier zahlreiche inhaltliche Fehler, Achtung!) deutlich überlegen. Für examen-online von Thieme hatte unsere Uni einen kostenlosen Zugang. Dort habe ich dann das Examen 04/2010 gekreuzt, weil ich das nicht auf der CD hatte.

Lehrbücher

Viele haben mit den großformatigen Lehrbüchern wie EXAPLAN gute Erfahrungen gemacht. Andererseits wurde mir von einigen Freunden gesagt, dass man das Wissen für eine „vier“ hat, wenn man das Buch durcharbeitet. Daher verlegte ich mich auf einzelne Bücher zu den Fächern. Geschmäcker sind zwar verschieden, aber insgesamt finde ich die Intensivkurse von Urban & Fischer empfehlenswert, davon sind zwar noch nicht alle wirklich auf Hammerexamen-Schwerpunkte ausgerichtet (allerdings sind das sowieso noch die wenigsten Bücher), aber sie sind gut und schnell lesbar, und durch die Markierungen weiß man, welche Abschnitte getrost weggelassen werden können.

Außerdem sollte man auf jeden Fall überprüfen, ob man nicht gute und neue Bücher in der Unibibliothek ausleihen kann. Vielerorts haben sich die Lehrbuchsammlungen durch Studiengebühren verbessert, werden aber scheinbar noch nicht so richtig genutzt – zu jedem Buch gab es noch mindestens vier Exemplare der neuesten Auflage verfügbar. So braucht man die Bücher zumindest nicht alle kaufen, und in Bundesländern mit Studiengebühren bekommt man so doch etwas zurück.

Nun nach Fachgebieten:

  • Innere Medizin

Hierfür ist der HEROLD absolut empfehlenswert und auch mehr als ausreichend. Auch für Themengebiete wie Infektiologie, Pharmakologie, Onkologie und Allgemeinmedizin sind hier fast alle Informationen enthalten, die abgefragt werden. Allerdings gilt es, das Buch in gemächlichem Tempo und mit großer Aufmerksamkeit sowie zahlreichen Notizen zu lesen. Zum einen hat man vieles leider wieder verdrängt, wenn man am Ende des Buches angelangt ist, zum anderen ist es je nach Notenziel sinnvoll, auch den einmalig erwähnten Informationen genügend Beachtung zu schenken. Im Nachhinein sind viele der IMPP-Fragen zur Inneren Medizin, Infektiologie, Onkologie und Allgemeinmedizin, aber auch manchen anderen Fächern, mit Detailwissen aus dem HEROLD zu beantworten.

Die Art des Buches mit seinen oft stichpunktartigen Texten ist ja fast jedem aus dem Studium bekannt und so muss man eben wissen, ob einem diese Art von Lehrbuch liegt. Darüber hinaus macht es für manche auch Sinn, sich das Fallbuch Innere Medizin anzuschauen, besonders, wenn man sich leicht durch die verworrenen Fragestellungen der IMPP-Fragen durcheinander bringen lässt. Die Fälle haben zwar meist nicht die gleiche Schwierigkeitsstufe wie die IMPP-Fragen, aber man lernt dennoch zahlreiche Schlüsselwörter kennen, welche die Diagnose während des Examens erleichtern können. Und die nahe liegenden diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen werden dann bei den Erläuterungen zu dem jeweiligen Fall dargestellt – auch Informationen, die man beim Examen gut gebrauchen kann.

  • Dreierband GK2 Das Zweite kompakt mit Dermatologie, Augenheilkunde, HNO

Dermatologie – GK2 Das Zweite kompakt: etwas knapp bezüglich wichtiger Krankheitsbilder, die auch einmal als Fallstudie geprüft werden könnten, und insgesamt bezüglich Therapieoptionen. Also eher wenig empfehlenswert. Ein Atlas wie der Rassner (von Urban & Fischer) ist für die Fragen mit Bildern und weitere Informationen sicherlich empfehlenswert.

Augenheilkunde ist wirklich gut und verständlich gestaltet, für ein kurzes Durchlesen innerhalb von 1-2 Tagen super geeignet und für die Fragen im Schriftlichen durchaus sinnvoll. Zudem wird das ophthalmologische Fachgebiet vom IMPP gerne für die harten Fragen verwendet, wobei es wirklich auch auf gutes Raten und Erinnern beziehungsweise passives und fast unterbewusstes Wiedererkennen ankommt als auf wirklich fundiertes Wissen. Der Morbus Coats kam mir eben irgendwie sympathisch vor, weil ich es in dem Buch gelesen und wohl auch beachtet hatte. Dabei wusste ich aber nicht mehr genau, dass diese exsudative Retinopathie vor allem Jungen in einem bestimmten Alter betrifft und meistens einseitig vorkommt. Auch wie ein Morbus Coats aussieht, hatte ich noch nie gesehen. Ein weiterer Beweis, dass man nach der langen Lernzeit ruhig auf sein Gefühl hören darf.

Die HNO ist ganz ordentlich gelöst, aber auch hier ist es oft Glückssache, was das IMPP dann auch wirklich abfragt. Retrotonsillarabszess im Frühjahr 2010 mit allen möglichen anatomischen Details war eine ziemliche Frechheit, aber so etwas kommt eben auch nur in jedem zehnten Examen oder so dran. Bei HNO macht es zusätzlich Sinn, viele Bilder von Tonaudiogrammen durchzuschauen. Diese kommen in dem Buch sehr kurz.

Zusammenfassend sollte man auf jeden Fall die Tabellen aufmerksam durcharbeiten, da sie oft zusätzliche und nützliche Informationen (wie eben Morbus Coats) beinhalten, die im sonstigen Text nicht abgehandelt werden. Augenheilkunde und HNO daraus zu lernen, macht Sinn, Dermatologie eher nicht.

  • Neurologie

Um die Stichwörter des IMPP auch richtig entziffern zu können, ist das Fallbuch Neurologie von Gerlach & Bickel (Thieme) absolut empfehlenswert. Es beinhaltet nahezu alle wichtigen neurologischen Fragestellungen und auch der zweite Teil des Buches mit Grundlagen, Differenzialdiagnosen, Therapieoptionen und anderen Hintergrundinformationen ist sehr hilfreich. Andererseits merkt man auch den praktisch-klinischen Hintergrund, vor allem bei Angaben zu Therapieoptionen, so dass es sich lohnt, ein weiteres Lehrbuch der Neurologie anzuschauen. Ich hatte bereits einiges an neurologischem Basiswissen und hatte das Kurlehrbuch Neurologie von Thieme. Dieses fand ich recht mühsam zu lesen und an zahlreichen Stellen etwas knapp gehalten, ist aber im Nachhinein scheinbar doch relativ gut auf das IMPP-Spektrum abgestimmt. Die Duale Reihe Neurologie ist ebenfalls ganz in Ordnung, vor allem um Basiswissen zu gewinnen. Sie ist aber eher wenig auf den Fokus des schriftlichen Examens ausgerichtet und hat nicht zu allen Themen vollständige Informationen.

  • Viererband GK2 Das Zweite kompakt mit Allgemeinmedizin, Anästhesie & Intensivmedizin, Arbeits-/Sozialmedizin, Rechtsmedizin

Insgesamt ein ordentliches, kurz gehaltenes Lehrbuch. Ich muss zugeben, dass ich Allgemeinmedizin gar nicht aus dem Buch gelernt, sondern nur gekreuzt hatte. Anästhesie hatte ich mir aus Interesse in dem etwas ausführlicheren Buch von Springer (Autoren Kretz & Schäffer) durchgelesen – aber da es hierzu wirklich nur Fragen aus einem begrenzten Themengebiet gibt, ist dieses Kapitel Anästhesie und/oder Kreuzen eventuell ausreichend.

Im Bereich Arbeits- und Sozialmedizin werden nicht alle vom IMPP jemals geprüften Fragen und Themenbereiche dargestellt, aber es ist trotz einiger Fehler eine ordentliche Grundlage – den Rest holt man sich am besten ebenfalls durch Kreuzen. Zum Glück wiederholen sich diese Fragen ja recht häufig.

Das Kapitel Rechtsmedizin ist empfehlenswert und ganz gut gemacht. Hier gilt es, sich die zahlreichen Spezialbegriffe zu merken, da diese oft geprüft werden. Aber Achtung, für die rechtsmedizinischen Nachweisverfahren, z.B. Vaterschaftstest, ist die von mir benutzte 2008er Auflage leider ziemlich veraltet.

  • Gynäkologie

Der Intensivkurs Gynäkologie und Geburtshilfe vom Urban & Fischer Verlag ist hervorragend gestaltet und geschrieben. Die am ehesten prüfungsrelevanten Inhalte sind in diesem Buch markiert und wenn man diese beherrscht, ist man für die Prüfung bestens gerüstet.

  • Pädiatrie

Gleiches gilt für den Intensivkurs Pädiatrie. Dieser ist ebenfalls sehr leserfreundlich gestaltet, und liefert für die meisten Themen einen guten Umfang. An manchen Stellen ist das Lehrbuch aber etwas zu ausführlich und nicht ganz so gut gegliedert wie der gynäkologische Intensivkurs. So passiert es manchmal, dass man sich die Informationen nicht gut merken kann, weil diese nicht genügend gefiltert sind.

  • Chirurgie

Hier lohnt es sich, den MÜLLER zu lesen, allerdings nur bestimmte Themengebiete, wie Chirurgie des Gastrointestinaltrakts und Traumatologie. Besonderen Wert legt das IMPP auf Symptomatik und korrekte Diagnostik aller möglichen Analerkrankungen, von Hämorrhoiden bis hin zur Analfissur. Diese und die ebenfalls nicht zu vernachlässigenden Hernien sind im MÜLLER ganz gut und verständlich dargestellt. Durch das Lesen der Traumatologie bekommt man ebenfalls einige wertvolle Fakten geliefert. Lohnenswert ist es auch, sich die Grundlagen von Osteosynthese anzuschauen. Allerdings kam in unserem Examen hierzu nur eine Frage. Die THG-Fragen kann man mit Wissen aus dem HEROLD hervorragend lösen, aus der Neurochirurgie reichen eine gewisse Kenntnis über Gehirntumoren, der Glasgow Coma Scale und Bandscheibenvorfälle eigentlich ganz gut aus.

  • Urologie

Hier hatte ich mir die Prüfungsvorbereitung Urologie von Jürgen Keil (Thieme-Verlag) herausgesucht. Und als Ergänzung zu den nephrologischen Kenntnissen aus dem HEROLD und den relevanten Informationen aus dem Intensivkurs Gynäkologie ist es ganz in Ordnung. Allerdings sollte man Hodenkarzinome und Prostataerkrankungen eventuell noch in einem anderen Buch in etwas ausführlicherer Darstellung nachschlagen – für den Fall der Fälle.

  • Viererband kleine operative Fächer (Urologie, Augenheilkunde, HNO, Orthopädie)

Während dieses Lehrbuch als Super-Komprimiert-Intensiv-Repetitorium ganz in Ordnung ist, falls man mit dem Aufbau und Layout des Buches zurecht kommt, ersetzt es nicht die Aneignung einiger Grundlagen. Und auch als Repetitorium ist es eher nur bedingt geeignet, da es zeitökonomischere Alternativen mit mehr relevantem Inhalt gibt.

  • Pharmakologie

Die Pharmakologie spielt in der schriftlichen Prüfung eine ziemlich gewichtige Rolle, auch über die offiziell angegebene Fragenanzahl aus dem Querschnittsbereich Klinische Pharmakologie hinaus. Ich hatte mir zwischenzeitlich den Lüllmann, Mohr & Hein (‚Pharmakologie und Toxikologie – Arzneimittelwirkungen verstehen: Medikamente gezielt einsetzen‘, Thieme Verlag) geholt und auch einige Themen dort nachgelesen. Während dort interessante und wahrscheinlich eher praxisrelevante Informationen zu den Medikamenten gegeben werden, so ist dieses Buch leider nur bedingt auf die IMPP-Fragen ausgerichtet, vor allem, wenn man nicht allzu viel Zeit hat, das Buch komplett durchzuarbeiten.

Es lohnt sich also meiner Meinung nach eher, im HEROLD und den Büchern zu den anderen Fächern auf erwähnte Arzneimittelwirkungen und –Nebenwirkungen zu achten. Klar, dass Opioide, Kortikosteroide sowie nieren- und herzwirksame Medikamente gründlich durchgearbeitet werden sollten.

  • Psychiatrie

Auch hier hatte ich auf das Lehrbuch aus der Intensivkursreihe zurück gegriffen. Ich fand es insgesamt nicht schlecht und ziemlich prüfungsrelevant gemacht, und besonders die Kapitel zu den Antidepressiva und Psychopharmaka in der Mitte des Buchs sind von Bedeutung. Allerdings ist das Buch nicht ganz optimal gegliedert und teilweise doch etwas verwässert, so dass man leider oft viel Mühe aufwenden muss, um die relevanten Inhalte herauszufischen.

Prüfungsablauf

Wie die meisten wissen, hat das IMPP oft eine etwas eigenartige Auffassung von medizinischem Wissen. Man sollte sich bewusst sein, dass es verstärkt Bestrebungen geben soll, die Notendurchschnitte der Mediziner zu senken. Man will wohl der „Noteninflation“ entgegen wirken, wie es auch bei den Juristen der Fall ist. Derzeit schaffen etwa 25 Prozent eine „1“ oder eine „2“, der Großteil soll auf dem Niveau einer „3“ liegen. Bei manchen Prüfern im Mündlichen hat diese Strategie inzwischen leider ebenfalls Anklang gefunden, aber zum Glück erst vereinzelt und die meisten Prüfer würdigen eine wirklich ordentliche Leistung noch mit einer „1“ oder „2“.

Wichtig ist aber auch, daran zu denken, dass die Prüfungsnote zwar schon wichtig ist, aber nicht den riesigen Stellenwert hat. Bei Bewerbungen wird zwar schon darauf geachtet und der Prüfling angesprochen, aber insgesamt steht die Note für die Doktorarbeit viel mehr im Vordergrund. Insbesondere, wenn man mal fünf bis zehn Jahre in die Zukunft denkt, wird eine Examensnote ziemlich unwichtig sein, so wie die Abiturnote jetzt. Zwar kann es im Bewerbungsgespräch jetzt mal passieren, dass man nach der Abiturnote gefragt wird, aber das ist doch eher selten – und so wird es mit der Examensnote auch sein. Also Druck rausnehmen!

Die Vorbereitung und der Aufbau der Prüfung (drei Tage hintereinander kreuzen, kreuzen, kreuzen) sind schon ziemlich heftig, aber wenn es einem hilft – das Ganze kann zumindest ein bisschen als Test für die spätere Belastbarkeit verstanden werden, sowohl physisch als auch psychisch. Also sich einfach nicht unterkriegen lassen! Und den Tag vorher mal eher ausspannen. Zwischendurch Spaziergänge oder Sport sind ebenfalls empfehlenswert.

Vom Ablauf her ist die Prüfung ähnlich dem Physikum. Man trifft sich am ersten Prüfungstag vor einer beliebigen Halle, zeigt seinen Zulassungsbescheid und seinen Ausweis, und geht in den Saal mit lauter Tischen. Man freut sich sehr, viele seiner Bekannten und Freunde aus dem Semester wieder zu sehen. Und es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man zusammen im gleichen Boot sitzt. Wichtig ist es, sich genügend Verpflegung, vor allem Wasser mitzunehmen. Wie im Physikum wird Wert auf HB- oder 2B-Bleistifte und Plastikradierer gelegt. Zwischendurch genügend Pausen machen, ist essenziell, sei es um draußen ein Brötchen oder einen Schokoriegel zu essen oder um auf die Toilette zu gehen. Einmal in 60 bis 90 Minuten sollte mindestens sein, damit der Kopf etwas ausspannen kann.

Von den Fragen her kommt es einem leider doch oft vor wie Lottospielen. Zu vielen Fragen weiß man die Antwort, aber man merkt sich natürlich besonders die Fragen, bei denen man unsicher ist. Und das sind auch nicht wenige. Selbst wenn man viele Bücher gelesen und viele Altfragen gekreuzt hat, weiß man die Antwort oft nicht auf Anhieb. Das ist aber nicht schlimm, denn bei der Fülle der Informationen und der Art des Lernens kommt es auf implizites, also eher unterbewusstes, und passives Erinnern an. Dies kann von einem Bauchgefühl bis hin zu einer richtigen 50/50-Entscheidung gehen. Dennoch, durch diese Art von Wissen ist man meilenweit von Sicherheit entfernt. Und so hat es mir geholfen, im ersten Durchgang alles anzukreuzen, wo ich sicher war und zu markieren, was mein erstes Gefühl oder Bauchgefühl sagte.

Beim zweiten Durchgang kann man die sicheren Antworten übertragen und die unsicheren Fragen nochmals überdenken. Ich habe vielfach trotz rational erscheinender Gegenargumente auf das Bauchgefühl gehört und die zuerst markierte Antwort genommen – und es lief ganz gut. Einer, der nur knapp an der „1“ vorbeigeschrammt ist, meinte, er habe einfach die richtigen Kreuzchen gesetzt – ohne die Antwort genau zu wissen. Damit das klappt, muss man zum einen ordentlich gelernt haben und sich zum anderen genug Zeit beim ersten Durchgang nehmen, um die Frage aufmerksam zu bearbeiten.

Natürlich gibt es zahlreiche andere Strategien, die man sich überlegen kann. Wichtig ist einfach, nicht an einer Frage kleben zu bleiben, bei der man nicht sofort auf die Antwort kommt, denn davon gibt es einige und wenn man sich zu lange an einer Frage aufhält, wird die Suche nach der richtigen Antwort eher konfus. So wie die Frage nach Kreuzallergenen bei Latexunverträglichkeit. Irgendwie waren mir Avocados und Bananen auf den ersten Blick sympathisch, wieso weiß ich bis heute nicht – in meinen Aufschrieben stand etwas von Kiwi und Latex. Ich hatte die Antwort markiert, beim zweiten Durchgang kamen mir Zweifel und ich schwankte zwischen drei Alternativen, hatte aber für keine einen vernünftigen Grund und so entschied ich mich glücklicherweise für das Bauchgefühl. Demgegenüber waren viele vergleichsweise froh, als es um den Zusammenhang zwischen Bilharziose und Urothelkarzinom ging.

Insgesamt sollte man sich von den langen Fallbeschreibungen nicht verwirren lassen. Hier ist sehr viel Unnötiges zum Ablenken eingebaut. Während dem Kreuzen merkt man, dass man viele fallbezogene Fragen beantworten kann, ohne die Fallbeschreibung zu lesen. Den Mut, die Fallbeschreibung ganz außer Acht zu lassen, hatte ich bei der Prüfung dann natürlich nicht. Aber sich bewusst machen, dass es hier um Ablenkung geht, hilft, die Texte relativ oberflächlich durchzulesen und nur einige Sachen, die man für wichtig hält, zu markieren. Manchmal kann man dann auch schon Fragen antizipieren (wie zur Weheneinleitung wurde der Patientin ein intravenöses Medikament verabreicht – Oxytocin).

Aber selbst die Einzelfragentexte sind eigentlich fast immer zu lang. Hier wird ebenfalls primär getestet, wie ablenkbar man ist. Nur gelegentlich geht es wirklich um eine Differenzialdiagnose. Oft kommt es nur auf ein Wort an, das man im Wirrwarr als Schlüssel zur richtigen Antwort erkennen muss. Eine der etwas sinnvolleren Fragen: „Trotz eines Strömungsgeräuschs im Abdomen und Hypertonie sollte man sich darüber klar sein, dass eine Niere nicht wegen einer Nierenarterienstenose innerhalb von einigen Wochen in die Knie geht, sondern dass es sich um eine membranöse Glomerulonephritis handelt“. Ich hatte das mit „den Wochen“ überlesen, also hatte es bei mir da leider nicht „Klick“ gemacht.

Und natürlich gibt es immer noch zahlreiche Fragen nach speziellem Wissen. So soll man Syndrome benennen, die man wahrscheinlich niemals zu Gesicht bekommt. Eine andere Frage handelte von der typischen Symptomatik eines Liquorunterdrucksyndroms, aber ohne Erwähnung einer vorherigen Punktion oder OP. Dementsprechend ließen sich einige auf andere Antworten abbringen, ohne zu wissen, dass das IMPP den ärztlichen Eingriff verschwiegen hat oder auf die idiopathische Form hinaus wollte, die laut Lehrbüchern SEHR selten ist.

Abschließend sei zu bemerken, dass zweimal digito-rektale Untersuchung und zweimal die Wirksamkeit von Cephalosporinen auf grampositive Bakterien die richtigen Antworten darstellten. Das war ziemlich nett.

Prüfungsauswertung

Es ist so, dass das subjektive Gefühl oft schlechter ist, als das was am Ende bei der Auswertung rauskommt. Jeder sollte für sich selbst überlegen, ob man zwischendurch wissen will, wie viel man richtig beantwortet hat oder ob man einfach drei Tage lang drauf los kreuzt und sich das Ergebnis im Nachhinein anschaut. Ich wollte es mir nicht anschauen, hatte nach dem ersten Tag ein gutes Gefühl. Ich wurde aber am zweiten Tag kurz vor Prüfungsbeginn von einer guten Freundin angesprochen, wie hart doch der erste Tag gewesen sei, mit detaillierten Berichten zu den Fragen, die auf den ersten Blick einfach schienen, aber dann doch ziemlich kompliziert waren – wie die Nierenarterienstenose mit membranöser Glomerulonephritis.

In der psychisch labilen Situation, in der die meisten zur Zeit der Prüfung sind, hatte mich das ziemlich verunsichert und mitgenommen. Und als ich das Prüfungsheft aufschlug und die gynäkologischen Fragen, die ich eigentlich gut konnte, mir nur noch „spanisch“ vorkamen, brauchte ich direkt nach Prüfungsbeginn erstmal eine Auszeit. Danach ging alles wieder tiptop und der zweite Tag wurde im Nachhinein mein bester.

Also zum einen nicht von einer Panikattacke aus dem Konzept bringen lassen, sondern einfach wieder einkriegen. Und gut dosieren, mit wem man bei der Prüfung spricht und mit wem eher nicht, auch wenn es sehr gute Freunde sind. Zwei Freunde sind gemeinsam mit dem Auto gefahren, einer hat die Ergebnisse jeden Tag verglichen, der andere wollte nichts wissen und sie hatten vereinbart, dass sie einfach nicht darüber sprechen.

Im kostenlosen medi-learn Club gibt es die Möglichkeit, seine Lösungen einzutragen und direkt am Prüfungstag ohne viel Aufwand eine Auswertung über SMS zu bekommen. Nach den drei Prüfungstagen bekommt man dort auf der Homepage eine Auswertung. Man kann natürlich auch einfach althergebracht seine Lösungen mit den Lösungsvorschlägen von medi-learn abgleichen. Die Zuverlässigkeit von medi-learn soll bei 99 Prozent liegen, bei uns lagen IMPP und medi-learn um eine Frage auseinander (plus die nicht gewertete).

Mündliche Prüfung

Eine gute Lerngruppe hilft bei der Vorbereitung für die Mündliche ungemein. Man hat nach dem Schriftlichen einfach keine Lust und je nachdem, wann der Termin ist, sollte man sich mindestens 1-2 Wochen nach dem Schriftlichen komplett frei nehmen. Eine Vorbereitungszeit von 2-3 Wochen für die Mündliche sollte eigentlich ausreichen, wenn man in der Vorbereitung für das Schriftliche auch genug gelesen hat.

Um dann aber wieder in den Rhythmus zu kommen, ist eine Lerngruppe mit gemeinsamem Wiederholen und gegenseitigem Abfragen ideal. Man bekommt so das Gespür für das Wichtige, lernt die Zusammenhänge zu präsentieren und kommt nach der langen Vorbereitungszeit für das Schriftliche, die die meisten alleine machen, mal wieder unter Leute. Wichtig ist es, sich Altprotokolle zu besorgen, meist von der Fachschaft, und sich den Fallbericht mit Normalbefunden vorzuschreiben – zum Strukturieren fehlt vor Ort dann einfach die Zeit und der klare Kopf.

Zum Lernen eignen sich besonders Fallbücher, da diese ganz gut die Fragen und die erwarteten Antworten bei der mündlichen Prüfung widerspiegeln. Es kann helfen, einige Sachen gemeinsam aneinander zu untersuchen, vielleicht sogar einen kompletten Status zu erheben. Sich hierzu einen Untersuchungsbogen für den Ernstfall zu erstellen, ist ebenfalls eine Hilfe. Lehrbücher sowie Vorlagen können am ersten Tag der Prüfung nämlich mitgenommen werden.

Die Zeit beim Patienten sollte maximal 60-70 Minuten sein. Man braucht mit Sichtung der zur Verfügung gestellten Akten mindestens 90 Minuten zum Schreiben des Fallberichts, eher sogar mehr. Hier rächt sich, wenn man keine Vorlage hat, da man schnell mal Sachen oder Unterpunkte vergisst oder einem die gesamte geforderte Gliederung entfällt. Oft ist es möglich, im Fallbericht einige Informationen mehr oder weniger zu betonen, eventuell sogar wegzulassen. Viele fahren gut damit, denn die Prüfer aus anderen Fachgebieten suchen ihre patientenbezogenen Fragen oft anhand des Fallberichts heraus. So hatte ich bei der arteriellen Hypertonie erwähnt, dass diese mit Candesartan behandelt wird, nachdem Ramipril nicht vertragen wurde. Leider hatte der Internist aber doch nicht nach der typischen Nebenwirkung, dem Reizhusten, gefragt. In der Mittagspause hat man noch Gelegenheit, das eine oder andere Krankheitsbild genauer nachzulesen.

Man sollte sich auch die Patientenvorstellung vorher gliedern und überlegen. Immerhin ist es der erste fachliche Eindruck, den die Prüfer von Euch bekommen und kann für den weiteren Verlauf der Prüfung durchaus mitentscheidend sein. Während der Prüfung ist es hilfreich, wenn man seine Antworten gut strukturieren kann. Wenn man zu einem Thema einen Minivortrag halten kann, entbindet das den Prüfer oft von der Notwendigkeit, nachfragen zu müssen. So kann man seine Prüfung etwas steuern. Wichtig ist es, nicht in ein „bla bla“ zu verfallen, weil die Prüfer das schnell merken und sich darüber auch ärgern können.

Aber die sachlichen Inhalte gut verpackt darstellen, ist auf jeden Fall von Vorteil. So fragte mich der Internist nach der Hypothyreose der Patientin, was denn typische Symptome seien und wie ich vorgehen würde. Und so redete ich knappe 4-5 Minuten schön gemächlich über Symptome, Diagnostik, weiterführende Diagnostik, Differenzialdiagnosen, Therapie. Als er weiter nachfragen wollte, musste er kurz überlegen und dann feststellen: „Nun ja, zur Hypothyreose haben sie ja jetzt alles schon gesagt.“

Andererseits hatte der Internist einen anderen Prüfling nach der typischen Nachbehandlung eines Schlaganfallpatienten gefragt. Dieser Prüfling fing stattdessen irgendwo bei der Klinikaufnahme an und erwähnte, dass es andere Ursachen für ischämische Infarkte gibt als Thromboembolien. Der Internist hakte nach und plötzlich war das Gespräch bei zerebralen Vaskulitiden, mit Diagnostik, Antikörpern und Ähnlichem. Mein Kollege konnte dies zwar alles relativ gut beantworten, aber für den Ausflug war er selbst verantwortlich. Außerdem sah der Neurologe sich dazu ermutigt, seine Fragerunde bei meinem Kollegen mit typischen radiologischen Verfahren und Befunden bei ZNS-Vaskulitis sowie weiteren diagnostischen Maßnahmen zu eröffnen. Also aufpassen, was man sagt, strukturiert und souverän reden, immerhin hat man das Schriftliche ja schon hinter sich gebracht. Und wichtig, Spaß haben!

Zusammenfassung

Insgesamt gesehen, ist man natürlich sehr froh und erleichtert, alles hinter sich gebracht zu haben. Es ist schon eine harte und belastende Zeit, das Sozialleben verkümmert aller guten Vorsätze zum Trotz gewaltig. Aber man lernt etwas. Und das nicht nur für das IMPP, sondern auch etwas für das Medizinerleben. Ein Bekannter, der eine „3“ im Mündlichen und wahrscheinlich auch im Schriftlichen hatte, meinte nach der mündlichen Prüfung, er würde sich sehr freuen, dass er jetzt endlich eine Ahnung von Medizin habe. Gerne wäre er auch schon vor dem PJ auf diesem Stand gewesen, durch eine solche oder ähnliche Prüfungsvorbereitung. Vielleicht kein schlechter Gedanke.

Und abschließend noch drei Wahrheiten mit auf den Weg:

  1. Die Zeit zwischen PJ-Ende und Prüfung wurde von der Mehrheit meiner Freunde und Bekannten als sehr schön empfunden – trotz des Lernstresses. Man teilt seinen Tag selbst ein, man legt sich seine Pausen selbst, man ist wieder mehr Student usw.
  2. Im schriftlichen Examen fallen nur 4-8 Prozent durch. Also hat man schon fast bestanden, wenn man antritt. Und wegen der Note kann man sich etwa an dem Schnitt orientieren, den man in den Klausuren im klinischen Studienabschnitt erreicht. Kaum jemand wird schlechter sein. Und Verbesserung ist immer drin, wenn man sich ordentlich reinhängt und es darauf anlegt.
  3. Wer das Schriftliche in der Tasche hat, ist schon durch. Diese Weisheit habe ich von mehreren Oberärzten gehört – und es stimmt! Die Mündliche ist dennoch kein Spaziergang, aber im Vergleich zum Schriftlichen doch viel netter und angenehmer – und praxisorientierter…

Viel Erfolg!

S., A.
Tübingen, November 2010

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2 Kommentare

  • Hallo A.S.

    Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Zwar war mein Blutdruck schon lange nicht mehr so gut wie im Moment, von meinem Adrenalinspiegel ganz zu schweigen, aber auch ich denke jetzt, dass ich das Ganze mit hoher Wahrscheinlichkeit überleben könnte. (Von ein paar Ohnmachtsanfällen abgesehen)
    Dein Bericht gibt ein wenig Sicherheit und man lernt sich ein wenig besser zu strukturieren.

    LG

    Annette

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