Das Physikum 2011 – Persönliche Tipps zum Physikum 2012

27. Februar 2012

in Physikum, Ratgeber

Liebe Physikumsanwärter/-innen, allem voran sei erwähnt, dass das Physikum in vielen Dingen an die Pubertät erinnert. Wir erinnern uns alle noch an das Achterbahnfahren der Gefühle, die unreine Haut und die generelle Unzufriedenheit. Genau dies erwartet Euch nun erneut, jedoch mit dem feinen Unterschied, dass es sich um eine sehr kurze „Pubertät“ handelt und Ihr nachher in den glorreichen Klinikhallen Euer Unwesen treiben dürft.

Das Physikum rückt näher

Das 4. Semester beginnt, wie jedes andere auch, mit Vorlesungen, Praktika und Seminaren und die böse, große Prüfung liegt in weiter Ferne – möchte man meinen. Doch Ihr werdet schnell merken, dass sich bei den meisten von Euch doch eine unterschwellige Panik einstellt, die natürlich keiner von Euch zugeben möchte, denn so, wie alle vor Euch auch, seid Ihr dafür natürlich so cool, zu lässig und einfach zu klug.

Zwei Monate vor dem schriftlichen Teil werdet Ihr Euch der Tatsache bewusst, dass es „irgendwie“ nur noch acht Wochen sind, bis Ihr Eure 320 Kreuze, optimaler Weise in das richtige Feld, setzen müsst. An dieser Stelle möchte ich Euch schonungslos mit der Wahrheit konfrontieren: Es handelt sich hierbei um KEINE Kreuze, sondern um eine „Malen nach Zahlen“- Übung, bei der das richtige Feld fein säuberlich ausgemalt werden soll.

Es verbleiben nun also noch zwei Monate und ich würde Euch raten: Verabschiedet Euch für diese Zeit von Eurem Leben und lernt bis Ihr nicht mehr könnt – und dann noch ein bisschen weiter. Die ersten zwei Wochen sind kein Problem, denn jeder, der Biochemie hinter sich hat, weiß, dass es auch schlimmer kommen kann, doch dann folgt meistens ein Tief. Man tut alles, um nicht lernen zu müssen. Die Wohnung glänzt, der Kasten ist aufgeräumt, die Bücher alphabetisch geordnet und sogar die Socken nach Farben sortiert. Macht Euch da bitte nicht wahnsinnig, weil Ihr nichts lernt, denn wir haben das alle so gemacht und haben das Physikum trotzdem positiv, sogar besser als gedacht, bestanden.

Nach dem eben erwähnten gefürchteten Tief werdet Ihr allerdings feststellen, dass das Ganze eigentlich gar nicht so schlimm ist und ich persönlich war begeistert, wie sich die vielen, vorher unabhängig voneinander gelernten Fachgebiete nun zu einem Großen und Ganzen zusammenfügen. Plötzlich gibt das ganze Lymphsystem, der Frank Starling Mechanismus und sogar der Citratzyklus Sinn. Ohne mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, aber man möchte manchmal fast meinen, man hätte Spaß am Lernen.

Meine Tipps zur Vorbereitung

Ich habe mich in dieser Zeit hauptsächlich mit „MediLearn“-Heften vorbereitet. Manchmal kommt es vor, dass man schockiert von den spärlichen Ausführungen des Stoffes vor so einem Heft sitzt und in der jeweiligen „Dualen Reihe“ zu lesen beginnt, um nach kurzer Zeit festzustellen, dass man sich das alles sowieso nie merken wird. Dies ist korrekt. Ich kann Euch also nur empfehlen, einfach bei den „MediLearn“-Heften zu bleiben und wenn Euch die Knappheit des Stoffes an manchen Ecken zu viel wird, dann könnt Ihr das eine oder andere zur Beruhigung auch in einem der dicken Schinken nachlesen, allerdings ist es wirklich, wirklich, wirklich in keiner Weise nötig.

Zur Lernkontrolle empfehle ich ab und an, ein wenig zu kreuzen. Das motiviert und zeigt Schwachstellen auf. Ich hatte mir zwei Wochen vor dem schriftlichen Physikum frei gehalten, um in dieser Zeit nur mehr zu kreuzen und eben diese Schwachstellen auszubessern.

Des Weiteren kann ich Euch nur raten: Bleibt bei bewährten Lernstrategien! Ändert nicht ganz plötzlich Eure Art und Weise zu lernen ab, nur weil es sich hier um das ach so schlimme Physikum handelt. Es ist eine Prüfung, wie jede andere auch, nur ein bisschen mühsamer. Ich war nie ein Lerngruppentyp und habe daher für die Prüfung alles im Alleingang gelernt. Andere haben Gruppen gebildet, entscheidend ist jedoch nur, dass Ihr Euch wohlfühlt, denn es heißt zwei bis drei Monate durchzuhalten.

Ihr werdet in der Vorphysikumszeit feststellen, dass Ihr mit mehr angehenden Nobelpreisträgern studiert, als gedacht. Jedenfalls scheinen die genannten Kommilitonen dieser Meinung zu sein, während sie Euch die Welt erklären und mit Details aufwarten, die sie letztens in Galileo aufgeschnappt haben. Meidet solche Menschen bitte! Ich habe in der Zeit vor dem Physikum meine sozialen Kontakte ziemlich reduziert, weil ich mich immer schon von solchen Panikwellen anstecken ließ und das in dieser Zeit nichts anderes als „Nervenverschwendung“ ist.

Die Einladung kommt per Post

Nachdem Ihr den Stoff schließlich, optimaler Weise, einmal durchgelernt habt, kommt der große Tag wesentlich schneller, als man glaubt. Ihr werdet aufwachen und Euer erster Gedanke wird „Oh mein Gott, ich habe doch gestern erst zu studieren begonnen, ich bin zu jung, um schon das Physikum schreiben zu müssen!“ sein. Aber seid versichert: Alles kein Problem! Ungefähr zwei Wochen vor dem Schriftlichen bekommt Ihr spätestens Eure Einladung per Post. Hier findet Ihr Informationen über Ort, Zeit und Dauer, doch auch darüber, wie Ihr korrekt kreuzt – eine Wahnsinns-Herausforderung!

Auf in die schriftliche Prüfung!

Faszinierender Weise habe ich in der Nacht vor dem Physikum geschlafen wie ein Stein. Der Morgen war recht ruhig und ich war nicht nervös, denn durch das viele Kreuzen und Lernen wusste ich, was auf mich zukommt. Packt für das Schriftliche etwas zu Essen und genügend Flüssigkeit ein, Schokolade schadet selbstverständlich auch nicht.

Angekommen am Ort des Schreckens bekommt Ihr die Platzzuteilung, die Ausweise werden kontrolliert, das richtige Kreuzen (!) wird NOCH EINMAL erklärt und dann bekommt Ihr auch schon die hübschen, liebevoll gefärbten Prüfungshefte. Hier folgen nur noch ein paar Extrasystolen seitens Eures Herzens, doch wenn Ihr das Heft dann aufmacht, folgt die große Erleichterung, denn „Wow, das ist ja genauso wie beim Kreuzen! Das ist ja gar nicht so schwer!“ … Ach, wirklich? Nun folgen zwei Tage zu je vier Stunden fröhlichem „Kreuzen“.

Nachher wird Euch der Schädel brummen und Ihr solltet einen Tag einfach nur entspannen, auch wenn Ihr nur mehr ein paar Tage bis zu Eurem mündlichen Termin habt, aber dieser eine Tag ist wirklich wichtig, um Kraft und Motivation zu schöpfen. Wir haben an diesem Tag in einer großen Gruppe an der Isar gegrillt und dabei die Gegenwart der einen oder anderen Bierkiste genossen.

„MediLearn“ bietet, wie Ihr sicher wisst, einen Lösungsvorschlag für beide Tage noch am jeweils selben Abend an. Ich habe mein Physikum erst am Abend des zweiten Tages kontrolliert, denn wenn sich herausstellt, dass Ihr schlechter wart, als gedacht, dann macht Ihr Euch noch mehr Druck, und wenn Ihr besser wart, dann ruht Ihr Euch womöglich schon zu sehr auf den Lorbeeren aus.

Fächerspezifisch würde ich Euch empfehlen, nur die „großen Drei“, also Anatomie, Biochemie und Physiologie, wirklich zu lernen. Die „kleinen“ Fächer, auch Psychologie, könnt Ihr auch dann wirklich gut kreuzen, wenn Ihr Euch die „MediLearn“-Hefte zum jeweiligen Fach einmal mit Hirn durchlest und dann nur mehr kreuzt. Da Psychologie am zweiten Tag gefragt wird, würde ich Euch auch raten, am Nachmittag/Abend des ersten Tages noch einmal die Psychologie-Hefte durchzulesen oder zumindest zu überfliegen, auch wenn es sehr mühsam ist, aber es bringt einiges.

Es folgt: der mündliche Teil

Nun ist also der schriftliche Teil vorbei, ein Ruhetag zum Ausnüchtern eingelegt und das mündliche Physikum naht in Riesenschritten. Seid beruhigt, auch da wird heißer gekocht als gegessen. Denn tatsächlich lügen die Professoren nicht, wenn sie behaupten: „Wir wollen wirklich niemanden durchfallen lassen!“. Allein schon deswegen nicht, weil sie die ganze Arbeit dann doppelt erledigen müssen und da auch unsere Professoren mal Studenten waren und wir Studenten ja grundsätzlich eher faul sind… Ich bin sicher, Ihr könnt den Gedanken alleine zu Ende führen.

Die Vorbereitung für den mündlichen Teil ist an sich recht einfach. Nahezu jede medizinische Fachschaft verfügt über eine Protokollsammlung. Wenn dem nicht so ist, dann gibt es zu fast allen Professoren Protokolle bei „MediLearn“ zum Downloaden. Es ist unmöglich, innerhalb weniger Tage den gesamten Stoff noch einmal zu wiederholen und es ist mehr als übertrieben, denn (fast) keiner unserer Professoren hat die gesamte „Duale Reihe“ auswendig im Kopf. Im Grunde hat jeder Professor sein eigenes Prüfungsschema, man könnte auch sagen: „Die Meisten prüfen immer das Gleiche.“

Daher ist folgendes ganz wichtig: Lernt nach den Protokollen, sucht Euch heraus, welche Anatomie-Seminare Euer Anatomie-Prüfer, welche Biochemie-Seminare der Biochemie-Prüfer und welche Physiologie-Seminare der Physio-Prüfer abgehalten hat, denn sie fragen zu 95 Prozent nach Protokollen und nach den Kurstagen, die von ihnen geleitet wurden. Etwas, was nicht verwunderlich sein sollte, denn immerhin haben sie in den Bereichen, die sie selbst unterrichtet haben, hoffentlich die meiste Ahnung. Außerdem hat ein Professor auch nur partiell Lust, sich die Blöße zu geben, keine Ahnung zu haben, worüber sein 1er-Prüfling gerade philosophiert. Also keine Angst vor dem mündlichen Physikum.

Organisation und Strategie ist Gold wert im Physikum – auch im Mündlichen

Ich hatte fünf Tage Zeit, um mich vorzubereiten und empfand letztendlich das Mündliche wesentlich angenehmer als das Schriftliche. Nun, wie kann man sich diese mündliche Prüfungssituation vorstellen? Ihr befindet Euch mit den drei Prüfern und Euren drei Mitprüflingen in einem Raum mit einem großen Tisch. Auf der einen Seite des Tisches sitzen die Prüfer und ihnen gegenüber die Prüflinge. Die Studenten werden nacheinander geprüft, während bei jeder Prüfung jeder Prüfer fleißig am Schreiben und Dokumentieren ist. Nach ungefähr vier Stunden war der ganze Spaß auch schon wieder um, die Noten wurden verkündet und wir waren frei. Allgemeines zum mündlichen Teil zu sagen, ist sehr schwierig, weil die Prüfung sehr vom jeweiligen Prüfer abhängt, aber auch persönliche Erfahrungen, Prüfereinschätzungen und Beurteilungen findet Ihr in den Protokollen.

Wichtig ist auch, dass Ihr bei der mündlichen Prüfung bitte auf „MediLearn“ verzichtet, weil es hier meistens nicht ausreicht. Ich empfehle Euch hier die „Dualen Reihen“, „Sobotta“ oder auch „Prometheus“ zur Vorbereitung – kurz gesagt: die dicken Schinken. Das ist zeitlich kein Problem, da Ihr nur die in den Protokollen zu findenden Fragen nachschlagt und Euch in diese speziellen Bereiche ein wenig genauer einlest. Von Vorteil ist hierzu auch lautes Lernen. Ob Ihr dabei in einer Gruppe mit Freunden lernt, Eure Eltern in den medizinischen Wahnsinn treibt oder Euren Stofftieren Vorträge über das Erregungsleitungssystem haltet, bleibt Euch überlassen.

Essentiell dabei ist nur, dass Ihr übt, Antworten geschickt auszuformulieren. Mit „geschickt“ meine ich, dass Ihr versuchen solltet, ein seriöses Auftreten zustande zu bringen und gleichzeitig allein durch die Art des Antwortens von Eurem umfangreichen Wissen zu überzeugen. Auch dies verhilft Euch zu einer guten Note. Ich rate auch davon ab, mit Informationen um Euch zu werfen, zu denen Ihr keine Details auf Lager habt, denn solche Situationen sind ein gefundenes Fressen für die Prüfer, die hier mit viel Liebe und Zuneigung nachhaken, um zu sehen, wie viel Ihr könnt. Auf der anderen Seite ist es natürlich wahnsinnig klug, so eine Information einzuwerfen, wenn Ihr darüber so viele Details wisst, dass Ihr Euren Prüfer, wenn er dann anbeißt und nachhakt, damit in Grund und Boden reden könnt.

Ihr seht, Organisation und Strategie ist Gold wert im Physikum.

Freut Euch auf die Klinik!

Schließlich und endlich bleibt mir nur noch einmal mehr zu sagen, dass Ihr Euch vor dem Physikum nicht fürchten müsst. Es ist eine mühsame Zeit ohne Privatleben, aber es ist machbar und sogar gar nicht so sinnlos, wenn sich, wie oben genannt, alles zu einem Großen und Ganzen zusammenfügt.

Genießt den Sommer danach und freut Euch auf die Klinik, so wie ich es getan habe. Allein schon die paar freien Wochen nach der Prüfung sind es wert, sie zu machen, denn ich weiß momentan gar nicht wohin mit meinen Zukunftsplänen für Famulaturen, Doktorarbeit und zukünftige Assistenzarztstelle. Ich plane gerade meine Auslandsfamulatur in Kenia, möchte einen Teil meines PJ in Harvard machen und strebe dann eine Facharztausbildung zur Kardiologin in Wien an. Ich bin allerdings noch ganz hin- und hergerissen von all den neuen Eindrücken und kann mich gar nicht so recht entscheiden über welches tolle Thema ich meine Doktorarbeit schreiben soll, denn die Medizin ist nicht nur eine wunderschöne Wissenschaft, sondern auch ein vielseitiges Fach.

Kurz gesagt: Alles ist neu und toll und viel größer als die Vorklinik. Also beißt rein, lernt, zieht es durch, sodass wir Euch bald auch in der Klinik begrüßen dürfen.

Viel Erfolg!

Kristina Euller

München, Oktober 2011

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