Tipps für die Doktorarbeit in der Medizin – Was sollte man alles beachten, welche Fehler vermeiden!

2. Dezember 2011

in Doktorarbeit,Ratgeber

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Dr. med.! Über kurz oder lang werdet Ihr alle im Medizinstudium mit dem Thema „Doktorarbeit“ konfrontiert werden. Und zugleich werden für Euch wichtige Fragen im Raum stehen. Soll es eine statistische, klinische oder experimentelle Arbeit sein? Welche Rolle wird hierbei der Faktor „Zeit“ spielen? Wie finde ich ein interessantes Promotionsthema, einen Doktorvater, der einen gut betreut und die richtige Arbeitsgruppe? Fragen über Fragen! Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen hoffe ich, Euch ein paar wichtige Tipps und Hinweise rund um die medizinische „Doktorarbeit“ geben zu können.

Das Thema „Doktorarbeit“ – es kommt!

Bei den meisten Medizinstudenten kommt nach dem Physikum, sobald die ersten Hürden des klinischen Studienabschnitts gemeistert sind, die Frage nach dem idealen Thema für die medizinische Doktorarbeit auf. Und dies spätestens, sobald die meisten Freunde und Kommilitonen bereits fleißig am Werkeln sind und in ihrer Wochenendplanung immer öfter die bald schon leidigen Worte „Doktorarbeit“ oder „Labor“ zu hören sind. Ab diesem Moment denkt man auch selbst immer häufiger über seinen eigenen zukünftigen „Dr. med.“ und die dazugehörige Arbeit nach. Auch jene, die nach dem Physikum erst einmal keine Lust auf neuen Stress haben und die klinische Zeit ruhig angehen, machen sich daher, üblicherweise spätestens am Ende des zweiten klinischen Studienjahres, Gedanken über Thema, Abteilung und Art der Doktorarbeit (statistisch, klinisch, experimentell).

In meinem Fall war es so, dass ich im fünften Semester begonnen habe, mich etwas intensiver über das Thema Promotion zu informieren. Bis dahin hatte ich durch die Vorklinik und das Physikum zu viel anderes im Kopf, um auch schon die Doktorarbeit zu planen. Außerdem bietet es auch rein fachlich einen Vorteil, wenn man erst im klinischen Studienabschnitt mit der Doktorarbeit beginnt, da man dann einfach schon mehr Wissen hat und zudem besser einschätzen kann, welcher Fachbereich der richtige für die Promotion sein könnte.

Im Vorfeld zu klärende Punkte

Einige wichtige Fragen sollte man am besten schon vor der Suche nach dem perfekten Forschungsthema intensiv durchdenken. Auch wenn es während des Studiums noch sehr früh ist, bereits Entscheidungen bezüglich der eigenen Karriere und Zukunft zu fällen, wäre in Bezug auf die Promotion hier schon einmal der Zeitpunkt, um sich die richtigen Weichen zu stellen: Eine hochkarätige und arbeitsintensive Doktorarbeit kann häufig die Eintrittskarte zur späteren Assistenzarztstelle oder in eine internationale Forschungsgruppe sein.

Insbesondere, wenn man mit einer Universitätslaufbahn oder mit beliebten Fachbereichen, wie etwa Pädiatrie, liebäugelt, kann die Doktorarbeit eine entscheidende Rolle im späteren Bewerbungsgespräch spielen. Wenn man also ziemlich sicher weiß, dass es in diese Richtung gehen könnte, lohnt es sich, auch bei der Wahl der Doktorarbeit schon nach Arbeiten an der präferierten Klinik oder im favorisierten Fachbereich zu suchen. Weiß man hingegen schon früh, dass man weder der geborene Forscher noch der Typ für eine arbeitsintensive Universitätskarriere ist, sondern lieber in einem kleineren Krankenhaus oder möglichst schnell in einer eigenen Praxis arbeiten möchte, dann kann man auch die Frage nach der richtigen Promotion ruhiger angehen. In diesem Fall wird sie nur selten das entscheidende Kriterium für die zukünftige Anstellung sein. Zählt man sich selbst zu keiner der beiden Gruppen und ist noch unsicher, wohin es gehen soll, wäre meine Empfehlung, auf das eigene Bauchgefühl zu hören, ob man lieber eine interessante und aufwändige Arbeit oder eine schnelle und eher statistische Arbeit wählt.

Der Faktor „Zeit“…

Hat man also genug über die eigene Zukunft nachgedacht und diesbezüglich abgewogen, welcher Weg der richtige sein könnte, stellt sich die Frage nach der eigenen zeitlichen Vorstellung der Promotion. Ist man bereit ein Freisemester einzulegen? Wie viele Semester hat man noch bis zum Beginn des Praktischen Jahres und sollte die Arbeit unbedingt bis dahin fertig sein oder möchte man sowieso auch nach dem Medizinstudium noch weiter forschen?

Will man möglichst wenig Zeit investieren und einfach irgendeine Arbeit schreiben, um nach dem Examen den Titel führen zu können, empfiehlt sich vor allem eine statistische Arbeit. Solche Arbeiten sind noch am ehesten kalkulierbar, während klinische und experimentelle Arbeiten in den meisten Fällen länger dauern, als erwartet und angekündigt. Dies liegt daran, dass bei klinischen Arbeiten oft Patienten von der Studie abspringen und daher neue Studienteilnehmer rekrutiert werden müssen. Zudem muss man bei klinischen Arbeiten oft sehr flexibel sein, um die Termine mit den Patienten wahrnehmen zu können, während die Akten und Daten, die man für statistische Arbeiten benötigt, auch abends nach der Uni noch da sind, um bearbeitet zu werden. Andererseits macht es natürlich auch mehr Spaß, mit echten Patienten zu arbeiten, statt nur mit deren Akten. Ähnlich kann es bei experimentellen Arbeiten aussehen, ganze Zellreihen können absterben oder durch Pilze verunreinigt werden oder Messreihen können plötzlich nicht mehr auswertbar sein, weil bei den Messungen ein Reagenz vergessen wurde. Diese Liste an unerwarteten Verzögerungen könnte man noch um viele Beispiele erweitern, weil bei fast jeder Arbeit derartige Probleme auftreten.

Diese beschriebenen Komplikationen macht fast jeder Doktorand mit, der sich für eine klinische oder experimentelle und damit zeitintensivere Arbeit entscheidet. Wenn man also vom Forschergeist gefasst ist und sich ein größeres Promotionsthema herausgesucht hat, sollte man sich schon zu Beginn der Arbeit darüber bewusst sein, dass es in den meisten Fällen unerwartete Verzögerungen geben wird und diese bestenfalls schon einkalkulieren. Dies hilft späteren Enttäuschungen vorzubeugen und erhöht die Frustrationstoleranz. Diese ist sehr wichtig, da man als Doktorand meist an der untersten Stufe der Hierarchie steht und daher natürlich nicht gleich die Top-Versuche machen wird, die im kommenden Jahr in „Nature“ publiziert werden.

Zudem haben auch die Betreuer und Doktorväter/-mütter meist sehr viel zu tun und es kann häufig lange dauern, bis sie Zeit für ein intensives Gespräch zum Klären von Fragen haben. Nicht zuletzt deshalb ist ein meiner Meinung nach sehr wichtiger Rat, bei der Wahl des Doktorvaters und der Arbeitsgruppe sehr sorgfältig zu sein und vor allem auf die Betreuungssituation zu achten. Am besten fragt man ein, zwei andere Doktoranden aus der Arbeitsgrupe, wie zufrieden sie sind und ob sie eher auf sich alleine gestellt arbeiten müssen oder ob immer ein Ansprechpartner für sie da ist. Meine Empfehlung ist es daher, sich lieber mehrere Arbeitsgruppen anzusehen, so dass man die Möglichkeit zum Vergleich hat und außerdem das richtige Gespür dafür entwickeln kann, in welche Gruppe man gut hineinpasst. Das ist sehr wichtig, da man mit Beginn der Forschung viel Arbeits- und auch Freizeit mit der Gruppe verbringen wird.

… und wichtige Fragen

Sobald die Entscheidung für ein Thema, beziehungsweise für eine Arbeitsgruppe gefallen ist, sollten noch vor Beginn der Arbeit oder bestenfalls bereits im ersten Gespräch mit dem Betreuer einige Dinge geklärt werden:

  • Wer ist der zuständige Betreuer?
  • Welchen zeitlichen Rahmen soll die Arbeit haben?
  • Wie viele Stunden sollte man wöchentlich für die Arbeit aufwenden?
  • Muss man ein Freisemester einplanen?
  • Kann man über die Semesterferien oder für ein Auslandssemester auch einmal für mehrere Wochen wegfahren oder benötigen die Zellen, Patienten etc. stetige Betreuung?
  • Sollten bei der Arbeit gute Ergebnisse herauskommen, an welcher Stelle steht der eigene Name bei Veröffentlichungen?
  • Was passiert, falls der Doktorvater plötzlich in eine andere Forschungsgruppe in einer anderen Stadt wechselt?

Persönliche Tipps

Ist man dann einen Schritt weiter und hat mit der Arbeit begonnen, sind einerseits Wissensdurst und Arbeitseifer immer gut und andererseits die bereits erwähnte Frustrationstoleranz sehr wichtig. Man darf damit rechnen, dass die Einarbeitung in den meisten Fällen eher langsam beginnt und man als Doktorand häufig derjenige ist, der Arbeit fordern muss – man will schließlich vorankommen.

Auch Leerlauf kommt immer wieder vor. Statt sich zu ärgern, dass man sich zwar gerade sehr viel Zeit für die Promotion freigehalten hat, aber keine Arbeit zu tun ist, bleibt man besser ruhig und nutzt die entstandene Freizeit, um schon mit dem Schreiben zu beginnen. Das klingt zwar anfangs noch absurd, dass man schon relativ zu Beginn der Arbeit, ohne auch nur ein Ergebnis gesehen zu haben, mit dem Schreiben beginnen kann, aber die Einleitung und der Teil „Material und Methoden“ sind relativ unabhängig von den Ergebnissen. Schreibt man diese schon früh, wenn man sowieso gerade Zeit hat, hilft dies, in die teilweise etwas komplizierte und vor allem zeitaufwändige Literaturrecherche hineinzufinden. Außerdem ist es später ein riesiger Vorteil, wenn man die Forschung abgeschlossen hat und die Arbeit „nur noch“ geschrieben werden muss. Dann ist man meistens schon im letzten Semester, mitten im Praktischen Jahr oder in der Lernzeit für das Staatsexamen – und da ist man heilfroh über jede bereits geschriebene und durchdachte Zeile.

Resümee und Ausblick

Also immer schön fleißig weitermachen und weiterkämpfen – und auf Rückschläge gefasst sein. Ihr seid nicht die einzigen, die Komplikationen haben und bei denen viel Zeit in teilweise irrsinnige und stupide wirkende Arbeit gesteckt werden muss. Jeder muss einmal unten beginnen und in einer guten Arbeitsgruppe wird man auch schnell merken, dass man immer mehr Vertrauen und damit ebenfalls Verantwortung geschenkt bekommt, die Projekte werden komplizierter und spannender.

Wenn man über die Tiefpunkte, die ein Teil der Forscherkarriere eines jeden Doktoranden sind, hinweg kommt, dann sind die meisten am Ende stolz und zufrieden, solch eine Arbeit neben dem Medizinstudium und in einer eigenen Arbeitsgruppe, ganz unabhängig vom üblichen geplanten Semesterplan, bewerkstelligt zu haben. Außerdem wird bei nicht wenigen durch eine solche Arbeit der Forschergeist geweckt, so dass sie ihre Arbeitsgruppe auch nach der beendeten Doktorarbeit noch unterstützen und teilweise sogar eigene Projekte beginnen. Euch daher viel Spaß und Durchhaltevermögen dabei!

Julia Völker
München, November 2011

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