PJ im Ausland – Ratgeber und Checkliste mit persönlichen Tipps und Erfahrungen

13. Oktober 2011

in PJ, Ratgeber

Zum PJ ins Ausland? Klar! Aber wohin soll die Reise gehen? Wo erhalte ich die für eine Bewerbung wichtigen Informationen zu den einzelnen Ländern? Für welches Fachgebiet entscheide ich mich? In welchem Tertial des Praktischen Jahres ist für einen Auslandsaufenthalt der richtige Zeitpunkt? Welche Aspekte gilt es bei der Planung und Vorbereitung zu beachten? Wo gibt es Stipendien zur finanziellen Unterstützung eines PJ-Abschnittes im Ausland? Mit einem Ratgeber als auch einer Checkliste mit persönlichen Tipps und Erfahrungen möchte die Autorin hier weiterhelfen.

Zum PJ ins Ausland – aber wann genau?

Eine wichtige Frage, die Ihr Euch bei Euren Plänen für einen PJ-Abschnitt im Ausland stellen müsst, ist die Frage nach dem für Euch richtigen Zeitpunkt. Will man einen Teil seines Praktischen Jahres im Ausland absolvieren, darf nicht vergessen werden, dass zum Beispiel auf der Südhalbkugel der Erde Winter ist, wenn hierzulande Sommer ist. Oder aber im Land Eurer Wahl finden zu diesem Zeitpunkt gerade große Sportereignisse wie Fußball-WM bzw. Olympische Spiele statt und man möchte zum „Chaos“ hin oder eben gerade nicht. Zudem muss man sich überlegen, ob man Weihnachten zu Hause sein möchte oder sonstige wichtigen, familiären Ereignisse stattfinden.

Zur Vorbereitung ist es wichtig, sich immer wieder Erfahrungsberichte zu PJ-Aufenthalten auf verschiedenen Internetseiten wie z.B. bvmd.de, Thieme.de/viamedici, medi-learn.de, daad.de und Medizinernachwuchs.de anzusehen, um Informationen über die Betreuung, die medizinischen Tätigkeiten und die Atmosphäre an ausländischen Kliniken bzw. das Leben und Arbeiten im Ausland zu erhalten.

Die Wahl des Fachgebietes

Welches Fach man im Ausland absolvieren möchte, stellt eine weitere zentrale Frage bei allen Überlegungen dar. Chirurgie ist ja der Klassiker, man sollte sich aber vorher informieren, ob man auch viel machen darf oder nur herumsteht. Und wie steht man zu AIDS? Wenn man die ganze Zeit Angst hat, sollte man z.B. nicht nach Südafrika oder andere afrikanische Länder gehen, denn da wird oftmals jeder Patient so behandelt, als ob er AIDS habe, bzw. wenn es die Mittel nicht hergeben, auch mit Angelleine und Schuhmachernadel genäht, von Handschuhen keine Spur.

Innere Medizin ist immer schwierig, nach allem, was ich gehört habe, und auch bei mir bei meinem PJ-Tertial in Chile bestand dieses Fach oft aus ellenlangen Visiten mit nur wenig persönlicher Entfaltungsmöglichkeit. Man sollte sich ferner erkundigen, wie viel Medizinstudenten generell in dem entsprechenden Land machen dürfen. In Chile z.B. dürfen die chilenischen Medizinstudenten sehr viel machen, sie sind aber auch extrem viel fitter als wir, fast so wie unsere Assistenzärzte. Da müssen wir uns als deutsche Medizinstudenten dann erst beweisen.

In Südafrika darf man sehr viel, besonders in der Chirurgie. Dies gilt je nachdem auch in anderen afrikanischen Ländern, in denen man durchaus alleine im „Treatment-Room“ landen kann und dann sehen muss, wie man alleine klar kommt. In Ländern wie Neuseeland, Australien und in Europa wird man wie in Deutschland (hoffentlich) an die Hand genommen und kann nach und nach immer mehr selber machen.

Auch sollte man sich wirklich selbst klar machen, wie fit man in der Sprache des entsprechenden Landes ist. Natürlich ist es toll, eine Fremdsprache zu lernen, aber erst einmal muss man meist nachweisen, dass man sich verständigen kann, und zweitens, lernt man wirklich gar nichts, wenn man nicht vorher schon die entsprechende Landessprache beherrscht. Auch über den Dialekt oder die Art der Sprache sollte man sich in diesem Zusammenhang durchaus Gedanken machen. So können z.B. die Spanier die Chilenen kaum verstehen und man hat somit recht große Probleme, anfangs dort klar zu kommen. Das argentinische Spanisch ist ebenfalls recht schwer, vor allem, weil es wie die brasilianische/portugiesische Sprache mit „vos“ arbeitet, also kein „er oder sie“ hat und man sich dadurch immer wieder fragt, von wem oder was eigentlich die Rede ist. Bei der Einschätzung der eigenen Sprachkenntnisse sollte man daher ehrlich mit sich sein. Besitzt man ein Talent für Sprachen, stellen die Besonderheiten kein Problem dar, vorausgesetzt, man beherrscht die Grundsprache.

Ferner ist bei Auslandsaufenthalten zu bedenken, dass bei vorhandenen Sprachbarrieren zwei Monate reichlich kurz sind. Vier Monate wären besser, da man erst nach zwei Monaten richtig in der fremden Sprache „drin“ ist.

Wohin soll die Reise gehen?

PJ-Berichte gibt es auf Medizinernachwuchs.de und Herr Karle, Fach- und Buchautor zum Thema „Medizinische Tätigkeiten im Ausland“, Chefredakteur von Medizinernachwuchs.de und Referent auf zahlreichen Mediziner Kongressen wie z.B. „DocSteps 2010“ und „Perspektiven & Karriere 2010/2011“ hält großartige Vorträge über „Famulatur und PJ im Ausland“ an mehreren Uniklinika. Wenn bei einigen dieser Vorträge aus organisatorischen Gründen eine Anmeldung erforderlich ist, sollte man sich schnell anmelden, sonst sind sie ausgebucht! Die aktuellen Vortragstermine: http://medizinernachwuchs.de/vortraege-seminare/famulatur-und-pj-im-ausland

Und hier noch einige persönliche Tipps aus meiner Erfahrung heraus, auf welche Aspekte man achten sollte, wenn man zu einem PJ-Abschnitt ins Ausland möchte: Was kostet eigentlich ein Flug dorthin? In welcher Jahreszeit fliege ich und kann ich das überhaupt bezahlen? So sollte man kurz vor Weihnachten, fängt ein Tertial z.B. Anfang Dezember an, nicht gerade nach Neuseeland, Australien oder Südamerika wollen, denn viele Deutsche pendeln und die Flüge werden mit 1.600 EUR sehr teuer – und dies ist sogar noch günstig.

Auch der Lebensstandard des entsprechenden Landes kann eine ganz entscheidende Rolle bei der Entscheidung für den Zielort spielen. Viele Medizinstudenten gehen blauäugig nach Afrika, Bolivien, Peru, Kolumbien und wundern sich über die dortigen Lebensumstände. Wenn man sich nichts aus Sanitäranlagen, Kühlschränken und sonstigem Luxus macht, kann man viel erleben und lernen, so z.B. wie man etwa ohne Strom im Krankenhaus arbeitet oder wie man überhaupt überlebt, ohne einen Supermarkt und einen Kühlschrank zu haben.

Ein weiterer, wichtiger Aspekt: Wie viel Sicherheit braucht man, um sich in einem fremden Land wohl zu fühlen? Viele fühlen sich schon in Neuseeland unsicher, dagegen geht es in Südamerika schon anders zu. Man könnte aber auch stets zu sich sagen, sei selbstbewusst, nimm keine Taschen mit sondern nur Kleingeld in der Hosentasche und rede immer in der Landessprache zu den Menschen, wenn Dir irgendetwas komisch vorkommt. So ist mir bei meinen Reisen in den letzten 15 Jahren nie etwas passiert – „toi toi-toi“.

Denkt zudem im Vorfeld auch mal über das fremde Land, die fremden Leute und die fremden Bräuche nach, vom Essen ganz zu schweigen. Als Vegetarier kommt man in Südamerika nur als Selbstversorger über die Runden. Immer wieder wird man z.B. dort gefragt, ob man nicht doch wenigstens Hühnchen, wenn schon kein Rindfleisch, esse. Dass Hühnchen ebenfalls Fleisch ist, scheint unbegreiflich.

Anerkennung in Deutschland

In Hamburg z.B. kann man alle Auslandsbescheinigungen gleichzeitig abgeben und muss dann nur einmal für die Anerkennung zahlen. Schaut Euch bereits im Vorfeld bei allen Planungen und Vorbereitungen genauestens an, was Ihr für die Anerkennung von im Ausland absolvierten PJ-Abschnitten bei dem für Euch zuständigen Landesprüfungsamt (LPA) braucht. Das Hamburger LPA z.B. hat eine uralte Liste, die eigentlich Nordrhein-Westfalen gehört. Alle Krankenhäuser und Unis auf dieser Liste werden anerkannt. Leider werden erarbeitete Anerkennungen anderer ausländischer Universitätsklinika bzw. akademischen Lehrkrankenhäuser nie dort eingetragen… Empfehlungsschreiben sind immer gut, auch wenn es ein bisschen Arbeit bedeutet, da hinterherzulaufen.

Wichtiges wie Malaria, Gelbfieber und TB

Überlegt Euch genau, in welches Land Ihr im Ausland geht – und dies auch in welcher Reihenfolge, falls es mehr als ein Tertial im Ausland sein soll. Ist man in einem TB-Land, kann einem z.B. die Einreise nach Neuseeland etc. verbaut werden. Es empfiehlt sich, immer ein Röntgen-Thorax am Ende des PJ-Tertials machen zu lassen, am besten auch einen doppelten Mendel Mantoux Test – letzteres sollte man sich allerdings sorgfältig überlegen, da man schnell Mantoux-positiv sein kann und dann fangen die Probleme erst an…

Teilweise muss man vor PJ-Beginn zur „Infection control“, wie z.B. in Neuseeland und einen Mendel-Mantoux und MRSA-swab machen lassen. Ohne negative Ergebnisse darf man nicht anfangen zu arbeiten.

Wichtig ist es ferner, sich zu informieren, welche Länder als Gelbfiebergebiet gelten, wie z.B. Malawi und Sambia. Achtung: die Impfung für beide Länder wird zwar nicht empfohlen, doch man sollte sich dringend impfen lassen! Ohne Impfung kann einem die Einreise in viele andere Länder verwehrt werden, da diese sie pauschal als Gelbfiebergebiet abtun. Ob die Impfung empfohlen wurde oder nicht, ist egal.

Malaria ist ein weiteres Thema. Oft sind Länder für eine bestimmte Zeit im Jahr Malaria-Gebiet, von denen man es nie erwartet hätte. Es ist wichtig eine Prophylaxe zu nehmen, besonders, wenn man nach Beendigung des PJ-Tertials gleich wieder im Flieger in Richtung des nächsten Landes sitzt. Bekommt man Malaria, ist man gut beraten, in einem Land zu sein, das eine Ahnung von der Behandlung und den Komplikationen dieser Krankheit hat. Eine gute Prophylaxe ist Malarone, was leider auch die teuerste ist. Fragt Eure Krankenkasse, da diese manchmal die Malariaprophylaxe zahlt. Lasst dies Euch allerdings schriftlich geben, denn oft erinnern sie sich später nicht an die Abmachung. Mir z.B. wurde zugesagt, dass die Kosten übernommen werden. Ich hatte dann die Prophylaxe in Südafrika gekauft, weil sie dort günstiger ist. Später wollte die Krankenkasse zunächst die 200 EUR für sechs Wochen Prophylaxe nicht übernehmen.

Malarone ist sehr angenehm, ich habe keine Nebenwirkungen bemerkt. Auch muss das Medikament nur zwei Tage vorher und drei Tage nach dem Malaria-Gebiet-Besuch eingenommen werden, und so kommt es einem am Ende des PJ-Tertials nicht in die Quere. Das Antibiotikum Doxycycline ist spottbillig, hat aber starke Nebenwirkungen. Viele fühlen sich Magen-Darm-technisch nicht wohl, man wird sehr sonnenempfindlich, was in den sonnigen Malariagebieten recht unpraktisch ist. Von den Resistenzen, die man züchtet, ganz zu schweigen. Und Achtung Frauen, die die Pille nehmen: die Pille wirkt bei Doxyzyklin Einnahme nicht mehr! Auch muss das Antibiotikum noch ein paar Wochen nach Ende des Aufenthaltes im Malaria-Gebiet eingenommen werden.

Finanzielle Seite

Es ist sehr hilfreich, sich rechtzeitig bei der Planung und Vorbereitung nach den im gewählten Land anfallenden Kosten zu erkundigen, denn oft lässt sich ein teurer Flug z.B. nach Peru, Bolivien, Brasilien oder Mittelamerika mit preiswertem Wohnen und Leben dort wieder wett machen und man kann sich mehr leisten, als man vorher dachte. Wie oben schon erwähnt, ist die Reisezeit wichtig beim Kauf von Flugtickets. Und vergessen sollte man an dieser Stelle nicht, dass, wenn Ihr vier Monate bleibt, die Tickets nochmal teurer sind, weil es dann Jahrestickets sind.

Ein ganz wichtiger, ja entscheidender Punkt kann sein, ob und in welcher Höhe man Gebühren zahlen muss, um sein PJ-Tertial im entsprechenden Land absolvieren zu können. Hier ist es oft von großem Vorteil, über Beziehungen oder direkt vor Ort, wenn man vielleicht sowieso schon auf Reisen ist, den Platz dingfest zu machen. So musste ich z.B. nicht die horrenden Gebühren in Chile bezahlen.

Insbesondere sollte man ausreichend Zeit für die Organisation eines solchen Auslandsaufenthaltes einplanen. Besonders Süd- und Mittelamerikanische Länder sind schwer über Email zu kontaktieren bzw. zu festen Zusagen zu bewegen und somit wird es schwierig, die Papierarbeit in einer bestimmten Zeit hinzubekommen. Also rechtzeitig bewerben und planen. Ich hatte ein, wenn nicht zwei Jahre vorher angefangen.

Auch Visa können gut ins Geld gehen bzw. sehr umständlich und zeitaufwändig sein, also am besten vor der Bewerbung informieren. (Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Impfungen, die man benötigt, sind schließlich ein weiterer Kostenfaktor.

Lernplanung am Ende des PJs

Nicht vergessen, die meisten Medizinstudenten heben sich den Jahresurlaub auf, mit dem Ziel, die letzten vier Wochen frei zu machen, um den 100 Tage-Lernplan von Medi-learn zu machen. Überlegt Euch gut, ob Ihr die Ruhe habt, im Ausland zu sitzen und dort zu lernen bzw. nicht zu lernen und nicht in Panik zu verfallen, wenn zu Hause der Stress schon losgeht. Oder eben, ob Ihr lieber rechtzeitig zurückfliegen wollt. Auch solltet Ihr den Zuständigen von Euren Urlaubsplänen während Eures PJ-Tertials berichten, nicht dass Ihr sie nicht bekommt – was aber selten der Fall ist.

Wichtige Vorbereitungen in Deutschland

Ich selbst habe das ganze PJ im Ausland absolviert, für kürzere Aufenthalte bzw. PJ-Abschnitte braucht Ihr nicht an soviel zu denken. Hier eine Aufzählung:

Allgemeines

  • Geht vorher einmal zu allen Ärzten, die Ihr so braucht, um alles abklären zu lassen.
  • Gynäkologie besonders und Pillenrezept für die Mädels, Pille mitnehmen!
  • Zahnarzt – die sind im Ausland nie gut und gezahlt wird auch nichts.
  • Anständige Reiseapotheke packen, es aber nicht übertreiben.
  • Infomiert Euch über Impfungen oder sonstige Krankheiten, die Ihr danach abchecken lassen müsst wie z.B. Bilharziose nach Afrika, Gelbfieber, TB.
  • Braucht Ihr eine Malariaprophylaxe? Oft vor Ort wesentlich günstiger oder schaut, dass Eure Krankenkasse das übernimmt.
  • Reisemedizinische Beratung immer im Tropeninstitut!

 

Versicherungen

  • Eine private Auslandsreisekrankenversicherung ist dringend erforderlich.
  • Auch eine Berufshaftpflichtversicherung sollte man abschließen.

 

Impfungen

  • Lasst Euch gut beraten! Hier nur ein Tipp: wenn Ihr z.B. in Afrika in Gelbfiebergebieten herumreist, die noch nicht mal eine Impfung brauchen, lasst Euch trotzdem impfen, denn manche anderen Länder lassen Euch sonst nicht mehr rein!

 

Reiseapotheke

  • Paracetamol, ASS, Betaisodonna, Calendula, Pflaster, Mullbinde
  • Kohletabletten (immer eine Tbl. bei Durchfall oder wenn man denkt, es geht los. Nur viel trinken und nicht mehr als zwei nehmen und dann erst wieder beim nächsten Durchfall, da sie auch verstopfen können. Sind großartig, da sie die Giftstoffe aufnehmen.)
  • Loperamid nur für den Notfall im Flieger oder so. Nehmen die Giftstoffe nicht auf und belassen sie nur im Darm, dann dauert das Ganze nur länger.
  • Einmal Nadel und Faden steril verpackt und Spritze und Kanüle
  • Pinzette für Splitter
  • Fieberthermometer
  • Örtlicher Notruf sollte notiert werden. Es ist nicht schön, in einer Notsituation plötzlich nicht zu wissen, wo man anrufen kann.
  • Speichert in Eurem Handy unter ICE („in case of emergency“) die Nummer ab, die angerufen werden soll, falls etwas ist. Mit Ländercode! Das Handy hat man am ehesten dabei!

 

Kommunikation

  • Es gibt praktisch überall Sim-Karten zu kaufen, also altes freigeschaltetes Handy mitnehmen und los geht’s. Z.B. in Chile: „Moviestar“, in Neuseeland: „2degrees“.
  • Den Computer mitzunehmen, muss man sich überlegen. In Südamerika ist er eher ein Klotz am Bein als eine Hilfe, denn dort gibt es überall Internetcafés. Zum „Skypen“ allerdings schon sehr gut.
  • Auch Telefonkarten, um zu Hause aufs Festnetz zu telefonieren, gibt es, und diese sind in vielen Ländern gar nicht teuer und es ist nett, mal ohne „Skype“-Unterbrechungen zu schnacken. In Neuseeland z.B. „Kiaora“ oder „Talk N´Save“.

 

Geld

  • Hier gilt es, ein Konto bei einer Bank aufzumachen, die es einem ermöglicht, ohne Gebühren z.B. mit einer Visakarte überall im Ausland Geld abzuheben, denn sonst zahlt Ihr wahnsinnige Gebühren. Am besten sollte man noch eine Mastercard von einem zweiten Konto als Sicherheit mitnehmen. Nicht aber nur mit der Mastercard losfahren, denn Visa ist viel verbreiteter!
  • Je nachdem, wo Ihr seid, kann man also gut kleine Beträge abheben, man zahlt ja sowieso nichts. Besonders in Brasilien und Südamerika sollte man aufpassen mit Kartenkopierern, also am besten die Karte nicht lange aus der Hand geben.
  • Auch bei Wechselstuben heißt es, vorsichtig zu sein, und immer nachzuzählen, selbst wenn die Tauschpersonen das Geld wieder nehmen und nochmals nachzählen – zählt es selbst nach und steckt es ein! Manche dieser Personen können sehr geschickt vor sich in die Schublade „zählen“ und man erhält nicht den vollständigen Betrag. Das ist kaum zu glauben und ist mir aber schon passiert.
  • Zudem sollte man darauf achten, einen Geldautomaten zu suchen, der nicht so auffällig, aber auch nicht zu abgelegen ist. Aus meiner Erfahrung sind Geldautomaten z.B. in Kaufhäusern immer gut, da dort stets viele Menschen sind.

 

Unterkunft

  • Es gibt inzwischen überall „Hostels“. In Australien und Neuseeland findet man sogar eine riesige Pinnwand an sämtlichen Flughäfen mit den Namen und Adressen vieler dieser Unterkünfte, die einen sogar umsonst am Flughafen abholen.
  • Oder man geht an die Information am Flughafen und lässt sich Namen von „Hostels“ bzw. eine entsprechende Liste geben. Oft rufen diese Informationsstände auch für einen bei einer Adresse an oder wissen, welche ein „free airport-pickup“ haben.
  • Ich persönlich gehe immer lieber erst in das Land und schaue mich ein wenig um, bevor ich eine überteuerte Bleibe von Deutschland aus buche. Oft ist vor Ort alles viel günstiger, und wenn es einem nicht gefällt, kann man auch wechseln. „Hostels“ als erste Station sind aus meiner Sicht und Erfahrung eine großartige Sache, weil man gleich unter Leuten ist und die Mitarbeiter meist Einheimische sind, die einem gerne weiterhelfen.
  • In Australien und Neuseeland ist z.B. www.trademe.co.nz gut für WGs.

 

Was nehme ich mit?

An dieser Stelle möchte ich Euch nun einige persönliche Tipps geben, was Ihr alles für Euer PJ-Tertial im Ausland mitnehmen könntet:

  • Kittel, Stethoskop, Leuchte – mit diesen Dingen seid Ihr schon gut dabei. Ansonsten denkt insbesondere an klimagerechte Kleidung, und besonders, wenn es viele Mücken gibt, an weite helle Kleidung. Mückenspray ist vor Ort günstiger und besser.
  • Ein Schloss für den Locker
  • Das „English Oxford Handbook for Internal Medicine“ z.B. ist gut für die Kitteltasche.
  • Überlegt Euch ansonsten gut, welche Bücher Ihr mitnehmt. Ich habe einiges auf jeden Fall umsonst mitgeschleppt. Auch wie Ihr lernen wollt oder ob überhaupt, solltet Ihr Euch vor dem PJ klar machen. Nicht, dass Ihr Panik bekommt und kein Buch dabei habt. Immer gut aus meiner Sicht ist: Pro Fach ein Buch. Es muss ja nicht der Herold in Innere sein, aber vielleicht ein Kurzlehrbuch. Dann ist der Berg vor dem Examen nicht ganz so erdrückend. Ob das klappt, ist allerdings eine andere Frage.

 

„Unikrams“ nicht vergessen!

Und Achtung – an eine Sache solltet Ihr unbedingt denken: Ihr müsst Euch beim PJ, so war es auf jeden Fall bei mir in Hamburg, ja für die Prüfungen anmelden, und dies auch noch einmal im April, wenn Ihr im Oktober Prüfungen habt! Das hatte mir keiner gesagt und ich hatte wirklich Glück, dass letztlich doch alles geklappt hat. Ich sollte damals den Antrag bis 6. April beim meinem LPA in Hamburg einreichen.

Was die Anerkennung der Auslands-Tertiale im PJ betrifft, so sollte man sich darum vorher kümmern. Wenn eine Uniklinik oder ein akademisches Lehrkrankenhaus im Ausland nicht auf der Liste der vom LPA anerkannten Kliniken steht, muss man einen Fragenkatalog ausfüllen lassen. Wenn Ihr aber nicht aus Hamburg kommt, ist das bestimmt nicht so kompliziert wie bei uns. Bei uns ist es eine Katastrophe.

Und nicht vergessen: Semesterticket abbestellen und 140 EUR wiederbekommen – so ist dies z.B. zumindest bei uns in Hamburg.

Stipendien – Fördermöglichkeiten bei Auslandsaufenthalten

Ich weiß nicht, wie es im Rest von Deutschland aussieht, aber in Hamburg gibt es nur wenige Stipendien für Medizinstudenten. Wichtig ist es, sich zu überlegen, für welche Stipendien man sich bewirbt. Die finanziell größte Unterstützung ist durch das DAAD-Stipendium möglich, so man eines erhält. Wenn man sich hierfür bewirbt, denke ich, sollte man sich für kein anderes Stipendium bewerben, das muss man nämlich angeben und hatte immer das Gefühl, dass man damit schon raus ist. Also hatte ich mich beim DAAD für das teuerste Tertial beworben und für die anderen beiden Tertiale bei anderen Ausrichtern von Stipendien. Vor allem dürft Ihr den Bewerbungsschluss nicht verpassen, er ist sehr früh. Oft steckt man noch mitten in den Klausuren und verpasst den Termin.

  • Das BVMD-Stipendium

Der Fahrtkostenzuschuss, so wird das BVMD-Stipendium auch genannt, ist je nach Land unterschiedlich, für Südafrika z.B. bekam man 2009, wenn man ausgewählt wurde, noch 400 EUR. Der Fahrtkostenzuschuss war damals leicht zu bekommen, da viele die zunächst zu zahlenden 80 EUR unbequem fanden. Das einzige Risiko war jedoch, dass wenn der Antrag nicht angenommen wurde, man sein Geld bis auf 20 EUR zurückbekam. Eine Verpflichtung hat man, wenn man das Stipendium bekommt, man muss hinterher einen Bericht schreiben. Ist der Bericht eingereicht, erhält man die letzten 40 EUR zurück. In den letzten Jahren hat der bvmd (Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland) starke Kürzungen hinnehmen müssen, er musste anscheinend die Bewerbung am 1. Februar 2011 aussetzen. Weitere Infos unter www.bvmd.de/ausland/fkz/ .

  • Auslandsstipendien Medizinernachwuchs.de

Bei diesen erst in 2011 neu ausgeschriebenen Auslandsstipendien erhält man, wenn man von einem Stipendien-Beirat ausgewählt wird, z.B. für seinen PJ-Aufenthalt im Ausland einen einmaligen Förderbetrag in Höhe von 500 EUR. Dem Stipendien-Beirat, bei dem die alleinige Entscheidung bei der Auswahl liegt, gehören bekannte und engagierte Persönlichkeiten aus der Medizin und ihrem Umfeld an. Diese Auslandsstipendien zur Förderung von Medizinstudenten sind eine Initiative von Ärztefinanz-, Ärztewirtschafts- und Ärzteservicezentren.

Noch ein wichtiger Hinweis: Auf diese neu geschaffenen Auslandsstipendien kann man sich nicht nur bei PJ-Aufenthalten im Ausland bewerben. Finanziell unterstützt werden durch diese Initiative auch Medizinstudenten, die z.B. ein Krankenpflegepraktikum, eine Famulatur oder einen Forschungsaufenthalt im Rahmen ihrer Doktorarbeit im Ausland absolvieren.

Alle Infos zu den Bewerbungsmodalitäten findet man unter: Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

  • DAAD-Stipendium

Das Stipendium des DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst) ist nicht ganz einfach zu finden, vor allem, wenn man es für ein PJ-Tertial beantragen möchte. Es heißt „Semesteraufenthaltsstipendium“ und kann für Semesteraustausche oder PJ-Tertiale beantragt werden. Es ist das Stipendium mit der größten finanziellen Unterstützung. Erhält man es, bekommt man je nach Land einen monatlichen Betrag überwiesen, es wird sogar ein Zuschuss zum Flug gegeben. Ich habe z.B. für vier Monate PJ-Tertial in Neuseeland fast 4.000 EUR ausgezahlt bekommen. Eine der Voraussetzungen, um das Stipendium zu erhalten, ist, dass man mindestens vier Monate am Stück im Ausland sein muss. Dieses Stipendium kann auch, so glaube ich, für Semesteraustausche während des Medizinstudiums beantragt werden.

Folgende Unterlagen braucht man in zweifacher Ausführung:

  • Online Formular ausdrucken, ausfüllen, kopieren und mit je einem Passfoto versehen
  • Code auf dem Deckblatt notieren
  • Lebenslauf inkl. außerfachlichem Engagement
  • Motivationsschreiben, soziale Lage
  • Ein Gutachten eines Professors. Dieses wird verschlossen direkt verschickt. Ein Formular hierfür ist auf der DAAD-Seite auszudrucken.
  • Den Gesamtschein mit allen Noten
  • Eine Kopie vom Abitur
  • Die voraussichtliche PJ-Zulassung
  • Ein DAAD Sprachzeugnis. Dieses kann man an allen Unis machen.
  • Bestätigung der Auslands-Universität/-Krankenhauses

Wie immer sind meine Angaben hier ohne Gewähr. Ich hatte seinerzeit noch „Letters of Recommendation“ mitgeschickt und zusätzlich auch eine Empfehlung, weshalb ich das Stipendium bekommen sollte. Dies hat, so denke ich, bei dem Auswahlverfahren geholfen.

Ist das Tertial vorbei, muss ein ausführlicher Bericht geschrieben werden. Auch müssen Adresswechsel oder längere Urlaube vor Ort mitgeteilt werden.

Im Ausland – einige persönliche Tipps

  • Nicht vergessen…

Wenn Ihr in TB-Ländern seid, lasst am Ende ein Röntgen Thorax machen und ihn Euch befunden, dass Ihr (hoffentlich) keine TB eingefangen habt, wenn möglich sogar ein Mendel-Mantoux. Ansonsten könnte es Probleme geben, wenn Ihr noch woanders im PJ hinwollt.

  • Verhalten

Je nachdem, wo Ihr seid, braucht man meistens keine Angst zu haben. Man sollte sich immer daran halten, was Einheimische raten und nicht im Dunkeln alleine herumlaufen – besonders als Mädel. Keine Angst zeigen und einfach mit den Leuten in ihrer Sprache reden, auch wenn Ihr vielleicht nur drei Wörter könnt. So habe ich mich auch nachts um 5:00 Uhr in Rio de Janeiro aus fiesen Situationen geradebrecht – das ist natürlich nicht empfehlenswert.

Auch deutsche Pingeligkeit hat oft nichts in anderen Ländern zu suchen. Beschweren ist immer eher eine schlechte Idee und kann einen in unschöne Situationen bringen. Das wisst Ihr bestimmt alle sowieso, aber nach dem, was ich für PJler getroffen habe, wollte ich es lieber mal gesagt haben…

Seid wirklich immer freundlich! Wir Deutschen haben schon ein bisschen einen gewissen Ruf weg, also ist es umso wichtiger, uns nicht so wichtig zu fühlen. Besonders, wenn dort z.B. Hierarchien im Krankenhaus nicht so vorhanden sind. Die Krankenschwestern sind Kollegen, nicht Untergebene. Wenn Ihr mit den Schwestern gut könnt, steht Euch die Welt offen. Sie holen Euch immer, wenn es etwas zu helfen gibt. Sie helfen Euch aus der Patsche und drücken immer beide Augen zu.

Auch was die Kleidung betrifft, sollte man sich anpassen. Vor allem in der Freizeit und nicht mit Handtäschchen und Schmuck herumlaufen. Mich hat allen Ernstes eine PJlerin in Südafrika mit Benetton Klamotten, Goldhandtäschchen und Perlenohrringen/Armbändern gefragt, ob es hier wohl sicher sei? Da kann man nur sagen: „So, in dem Aufzug nicht!“ Für warme Länder sind weite Stoffhosen Gold wert, vor allem, weil man dann in den Hosentaschen das Geld nicht sieht und auch gerne mal mit Kreditkarte herumlaufen kann.

Checkliste

Planung

  • Wann (Winter, Sommer, Ereignisse)?
  • Welches Fach?
  • Wohin (Bräuche, Zustände, Sprache)?
  • Wie lange?
  • Anerkannt beim zuständigen LPA?
  • Kosten (PJ-Gebühren, Flug, Leben)?
  • Mit einer Organisation (z.B. Erasmus, Austauschprogramm einer Universität etc.) oder selbst organisiert?
  • Gibt es ein Stipendium (DAAD, Medizinernachwuchs.de, bvmd etc.)?
  • TB-, Gelbfieber- oder Malariagebiet?
  • Lern- bzw. Urlaubsplanung
  • Wie muss die PJ-Tertial-Bestätigung aussehen?

 

Vorbereitung in Deutschland

Allgemeines

  • Arztbesuche (u.a. Pillenrezept)
  • Zahnarzt
  • Reiseapotheke
  • Reisemedizinische Beratung Tropeninstitut (Impfungen, Bilharziose, Malariaprophylaxe)
  • Auslandsreisekrankenversicherung
  • Berufshaftpflicht
  • Konto bei der Bank (Visakarte ohne Abhebegebühren im Ausland)
  • Unterkunft

 

Wichtiges in Deutschland

  • Examensanmeldung etc.
  • Ticket für öffentliche Verkehrsmittel abmelden

 

Wichtig im Ausland

  • Röngten Thorax am PJ-Ende in TB-Ländern
  • PJ-Bestätigung
  • Evtl. Empfehlungsschreiben

 

Mitnehmen

  • Freigeschaltetes Handy
  • Pille mitnehmen
  • Evtl. Computer
  • Kittel
  • Stethoskope
  • Leuchte
  • Schloss für Locker
  • Lehrbücher
  • Klimagerechte Kleidung

 

Viel Spaß!

R. D.
Abschlussjahrgang 2010, Universität Hamburg
August 2010

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