Klinische Semester – Wie ist es wirklich? Erste Erfahrungen in der Klinik

13. September 2010

in Klinische Semester, Ratgeber

Die große Hürde ist geschafft, das Physikum ist bestanden. Nun beginnt also der Abschnitt, auf den man sich gefreut, ja den man geradezu herbeigesehnt hat – die Klinik. Endlich ist er da der lang ersehnte Patientenkontakt, die Möglichkeit, erlernte Untersuchungstechniken anzuwenden – kurzum der erkennbare Praxisbezug.

Endlich Patientenkontakt!

Wie erhofft, ändert sich der Studienalltag im Medizinstudium sehr stark, nachdem das Physikum geschafft ist: Mehr Flexibilität und endlich Patientenkontakt. Die Vorlesungen sind größtenteils nicht mehr so theoretisch und naturwissenschaftlich wie in der Vorklinik, sondern behandeln meist spezifische Krankheitsbilder oder Therapien. Zudem werden oft Patienten in die Vorlesungen eingeladen, deren Erkrankung zum jeweiligen Thema passt. Mit dem Patienten wird dann eine etwas abgewandelte Anamnese durchgeführt: Verschiedene Studenten stellen Fragen und der Patient antwortet in die Runde – und selbst im Hörsaal entsteht so ein wenig das Gefühl von „Klinik“.

Bedside-Teaching und Blockpraktika

Neben den Vorlesungen, von denen man nach der Vorklinik eigentlich schon genug hat, stehen „Bedside-Teaching“ und Blockpraktika auf dem Programm. Bei beiden Unterrichtsformen kann man endlich mal Kittel und Stethoskop am lebendigen Patienten ausprobieren. Beim „Bedside-Teaching“ ist man in kleinen Gruppen einer bestimmten Station zugeteilt und darf dort unter Aufsicht des Arztes Patienten anamnestizieren und untersuchen. Man hat also die Möglichkeit zu erfahren, wie man auf Patienten wirkt, wie man mit ihnen am besten umgeht und die in der Vorlesung erlernten Untersuchungstechniken auch einmal anzuwenden.

Die Ärzte, die den Gruppen zugeteilt sind, geben ein Feedback und zudem kleine Lehreinheiten zu den gesehenen Krankheiten. Das System stammt ursprünglich aus dem amerikanischen Studiensystem und wird seit mehreren Jahren auch in Deutschland angewandt. Während es früher immer wieder Probleme damit gab, dass der zugeordnete Arzt nicht erschien oder die Stationen nicht wussten, dass Studenten auf ihre Station kommen, arbeiten die einzelnen Kliniken heute daran, dass dieses praxisorientierte Lehrsystem unter den Ärzten Anerkennung findet.

Blockpraktika sind wie verkürzte Famulaturen mit integriertem Unterricht. Man wird zusammen mit wenigen anderen Studenten einer Station zugeteilt und bleibt dort für einige Tage am Block – daher der Name. Die Länge der Praktika variiert von Fach zu Fach von einer bis zu mehreren Wochen. Dadurch, dass man gleich für mehrere Tage im gleichen Bereich ist, bekommt man meist auch kleine Tätigkeiten wie Patientenaufnahmen, Blutabnahmen und Untersuchungen zugeteilt. Außerdem kann man das theoretische Wissen aus der Vorlesung gut anwenden, weil man eine Vielzahl von Fällen sieht und mit den Ärzten bespricht – und dies zeigt dann, warum man all die Theorie zuvor lernen musste und gibt
Motivation weiter zu lernen.

Die Doktorarbeit klopft an!

Allerdings darf man sich die Klinik auch nicht als Studium mit viel Freizeit vorstellen. Zwar hat man meist problemlos die Möglichkeit, seine Fächer so vorzuziehen und zu verschieben, dass man ein Freisemester hat bzw. der Stundenplan der Universität sieht sowieso ein Freisemester vor. Doch da gibt es dann auch noch etwas, das die Freizeit vernichtet – die Doktorarbeit.

Sobald man richtig in der Klinik angekommen ist, merkt man, wie wenig Zeit eigentlich noch bis zum Praktischen Jahr verbleibt und hört von immer mehr Ecken, dass wieder mal jemand seine Doktorarbeit angefangen hat. Spätestens dann beginnt man auch selbst nach einem passenden Thema zu suchen, denn man möchte ja nicht erst nach dem PJ oder sogar nach dem Staatsexamen mit der Promotion fertig werden – so zumindest der Plan. In der Realität dauert fast jede Doktorarbeit um einiges länger, als sie angesetzt war. Um sie zumindest einigermaßen im geplanten Zeitraum anzufertigen, müssen die liebevoll geschaffenen Freisemester und freie Nachmittage oft für die Promotion geopfert werden. Aber auch dies macht Spaß, denn man bekommt den Klinikalltag mal von einer ganz anderen Seite mit.

Ausblick

In der Klinik gibt es also allerhand, auf das man sich freuen kann. Vor allem mehr Möglichkeiten zur freien Gestaltung der eigenen Zeit und zudem für viele den lang ersehnten Patientenkontakt sowie den erkennbaren Praxisbezug.

Jetzt heißt es durchhalten bis zum Praktischen Jahr.

Julia Völker
München, September 2010

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