Famulatur in Japan – Gastroenterologie

1. August 2014

in Fachgebiet, Gastroenterologie, Japan, Land

Japan, Tokyo, Juntendo University Hospital Tokyo (03.02.-02.03.2014)

„Please Enjoy“! Dies war das zentrale Motto der Famulatur, welches wir häufiger von Professoren und Ärzten des Juntendo University Hospital Tokyo während unserer Zeit mit auf den Weg bekamen. Die Organisation und die Betreuung vor Ort waren exzellent. Hinzu kam, dass die Ärzteschaft uns ausländischen Medizinstudenten gegenüber stets sehr aufgeschlossen war.

Unser Ziel – Japan!

Die Vorbereitungen zu unserer Auslandsfamulatur begannen etwa sechs Monate vor dem Start. Als erstes mussten wir uns auf ein Ziel einigen. Wir – zwei Frankfurter Medizinstudenten des 5. klinischen Semesters – entschlossen uns für Asien, genauer gesagt für Japan, da wir unbedingt eine vollkommen neue Kultur erleben wollten, das Land aber auch landschaftlich einiges zu bieten hat.

Am Ende entschieden wir uns für Tokyo, weil wir uns dort die besten Chancen erhofften, auch ohne Japanisch Kenntnisse verstanden zu werden.

Bewerbung

Wir bewarben uns per Email gleich an mehreren Universitätskliniken in der Metropole Tokyo, woraufhin nach 2-4 Wochen drei positive Mails ins Postfach flatterten. In den Emails wurden wir aufgefordert, eine Fülle an Unterlagen zu beschaffen, bevor unsere Anfrage abschließend geprüft werden könne. Hierzu zählten u.a. der Nachweis einer Auslandsreisekrankenversicherung, diverse Impfungen (Standardprogramm, das deutsche Medizinstudenten eigentlich schon haben sollten), negativer TBC-Test, Letter of recommendation, Eigenbeurteilung der Englischkenntnisse, manchmal auch TOEFL-Test (Test of English as a Foreign Language) und diverse andere Dokumente.

Nachdem wir dies alles den Ansprechpartnern zugemailt hatten, geschah erst einmal längere Zeit nichts, bevor sich dann der Zuständige aus dem „Exchange Office“ der Juntendo University mit einer Zusage bei uns meldete. Unsere Bewerbungen hätten alle nötigen Gremien passiert und es stünde unserer Famulatur nun nichts mehr im Wege.

Beide hatten wir einen Platz in der Gastroenterologie bekommen. Hierfür entschlossen wir uns aufgrund der abwechslungsreichen Untersuchungen und auch weil Japan auf diesem Gebiet besonders bekannt ist.

Die Vorbereitungen konnten beginnen.

Unser Ansprechpartner aus dem „Exchange Office“ hatte uns zudem eine „Dormitory“ zur Unterkunft angeboten, in der wir nur die Nebenkosten zahlen mussten – knapp 70.- EUR für viereinhalb Wochen. Für Tokyo also genial! Gerne sendete er uns auch eine schriftliche Zusage, die wir fünf Tage später freudig in den Händen hielten.

Zeitnah kümmerten wir uns dann um einen günstigen Flug, den wir bei „Emirates“ auch fanden: 750.- EUR inkl. fünf Tage Zwischenstopp in Dubai. Auch einen – nicht ganz so günstigen – portablen WIFI Empfänger orderten wir uns schon im Voraus, da wir auf keinen Fall auf Internet verzichten wollten. GPS, Internet und Google Maps erleichterten uns das Zurechtfinden in Tokyo und den anderen verschachtelten japanischen Städten ungemein. Auch das Buchen von Hotels sowie der Kontakt zu einheimischen Studenten waren so gut zu meistern.

Mit einem „Englisch für Mediziner Kurs“ bauten wir unsere Sprachkenntnisse noch ein wenig aus, denn unser Japanisch bestand nur aus einzelnen auswendiggelernten Sätzen, da uns die Zeit für einen Sprachkurs leider fehlte. Zudem ist die Japanische Sprache ziemlich komplex, da es u.a. drei Alphabete gibt, die alle aus für uns unbekannten Schriftzeichen bestehen.

Kurz vor unserem Abflug bekamen wir schließlich von unserem Ansprechpartner aus dem „Exchange Office“ einen Stundenplan zugemailt. Hierin stand auch schon unsere Ansprechpartnerin vor Ort, die wir am ersten Tag treffen sollten.

In der „Dormitory“ wurden wir nach unserer Landung vom Hausmeister erwartet, der uns in einem Mix aus Japanisch und Englisch in die Unterkunft einwies. Beide hatten wir ein kleines Zimmer mit einer Miniküchenzeile und einer Herdplatte, einem kleinem Bad mit Dusche sowie Klappbett und Klapptisch. Alles in Allem völlig ausreichend.

Famulatur auf der Gastroenterologie am Juntendo University Hospital Tokyo

Mit unserem Ärzteteam am Juntendo University Hospital Tokyo
Mit unserem Ärzteteam am Juntendo University Hospital Tokyo

Am Nachmittag unseres ersten Tages wurden wir in die Räume der Gastroenterologie und die Stationen der Klinik eingewiesen. Die für uns zuständige Ärztin sprach ausreichend Englisch. Wir  brauchten vom „Dormitory“ Komplex bis zum Krankenhaus nur 10 min mit der U-Bahn und begannen unsere Arbeit täglich um 9:00 Uhr.

Wir waren jeden Vor- bzw. Nachmittag einem Arzt zugeteilt, konnten jedoch auch jederzeit andere Untersuchungen anschauen. Zur Auswahl standen Koloskopie, Gastroskopie, deren jeweilige Eingriffe wie z.B. ESD oder EMD, Sonographie, EMDR, Barium enema examination oder Angiographie. Pünktlich um 12:00 Uhr wurden wir von den Ärzten in die Kantine geschickt, in der wir gut und günstig essen konnten. Je nach Untersuchungsdauer war unser Arbeitstag zwischen 15:00 Uhr und 16:00 Uhr zu Ende, selten auch etwas länger.

Die allermeisten Ärzte beherrschten zumindest so viel Englisch, um uns die jeweiligen Untersuchungen und Patientengeschichten zu erklären. Einige sprachen sehr gutes Englisch, und boten uns an, sie gerne häufiger zu besuchen.

Mittwochs war ein besonderer Tag: Zum Mittagessen trafen sich alle Medizinstudenten und Ärzte, um einer Pharmafortbildung zu lauschen, bei der es gesponsertes, landestypisches Essen gab. Hierbei verstanden wir nichts, genossen aber dafür das Essen umso mehr. Danach wurden die neuen Patienten vorgestellt und im Anschluss ging es mit dem Professor zur Visite. Diese ist in Japan etwas anders als bei uns und dauert pro Patient nur wenige Sekunden. Im Gang werden vorher die Untersuchungsergebnisse diskutiert, bei denen wir teilweise auch um unsere Meinung gebeten wurden.

Im Universitätskrankenhaus hat jeder Assistenzarzt nur fünf Patienten, was zur Folge hat, dass eine sehr große Anzahl an Ärzten mit auf der Visite war. Die Visiten finden mit Laptops statt, sodass alle Bilder auch direkt vor der Zimmertür befundet werden können. Neben Achtbettzimmern, alle Betten sind durch Vorhänge voneinander getrennt, gibt es auch teurere Ein- und Zweibettzimmer. Besonderes Highlight der Rundgänge war aber die „Präsidenten-Suite“, ein riesiges Patientenzimmer mit mehreren Räumen und einer Küche, das sich Patienten für angeblich 700.- EUR die Nacht leisten können. Die Begrüßung zwischen Arzt und Patient sowie Angehörigen erfolgte hier immer sehr ausgeprägt durch Verbeugungen und dem Austauschen von Höflichkeiten, was zum Teil länger als die Untersuchung andauerte.

Die meisten gastroenterologischen Untersuchungen glichen den deutschen sehr. Es gab aber auch spezielle Kameraverfahren wie das NBI, die an dieser Klinik sehr häufig eingesetzt wurden. Auch die Bariumkontrastmitteluntersuchung haben wir zu Hause noch nicht gesehen. Diese wird in Tokyo mitunter alternativ zur Koloskopie eingesetzt und ist deshalb recht häufig.

„Please Enjoy“!

Einladung zum Mochitsuki - einem traditionellen Rice-Cake-Festival
Einladung zum Mochitsuki – einem traditionellen Rice-Cake-Festival

Die Juntendo University in Tokyo ist immer bemüht, den Kontakt zwischen den einzelnen Gaststudenten herzustellen. So wurden wir zum „Mochitsuki“, einem „Rice-Cake-Festival“ eingeladen. Hierbei handelt es sich um ein traditionelles Gericht, bei dessen Zubereitung wir Studenten mithelfen durften.

Zusätzlich lernten wir vieles über die Japanische Kultur und schlossen anschließend Bekanntschaften in die ganze Welt. Zentrales Motto der Famulatur war das freudige „Please Enjoy“, welches wir häufiger von Professoren und Ärzten mit auf den Weg bekamen. So nutzten wir unsere Wochenenden und freien Abende ganz in diesem Sinne und erkundeten die riesige Metropole Tokyo mit seinen zahlreichen Hochhäusern, diversen Shoppingvierteln und leckeren Restaurants.

Die meisten Gaststudenten in Tokyo absolvierten ihre Praktika zu je zwei Wochen, weshalb unser Programm auf einen zweiwöchigen Aufenthalt ausgelegt war und sich dann vieles wiederholte. Dies war zwar nicht tragisch, es ist aber zu empfehlen, die Famulatur falls möglich zu splitten und zwei Departments zu besuchen. Etwas ausgefallenere Abteilungen wie z.B. die Orthopädie werden hier seltener von Medizinstudenten besucht, was sicher Vorteile wie zum Beispiel eine intensivere Betreuung mit sich bringt.

Japan – ein interessantes Land

Einblick in die interessante japanische Kultur - ein Ausflug nach Kyoto
Einblick in die interessante japanische Kultur – ein Ausflug nach Kyoto

Die Stadt Tokyo ist überaus sauber! Zudem sind die Einheimischen sehr nett und hilfsbereit, auch wenn Englisch hier, im Vergleich zu anderen größeren Städten, doch eher spärlich gesprochen wird. Geholfen wird einem dennoch immer! Kulturell hat diese Metropole sehr viel zu bieten, sodass es einem hier nie langweilig wird.

Als Wochenendziele von Tokyo aus sehr schnell zu erreichen, sind zudem auch andere Attraktionen und Städte wie Yokohama, Kamakura, Nikko und der berühmte Mount Fuji – das Wahrzeichen Japans. Wer es sich jedoch einrichten kann, ein paar weitere Tage im Anschluss an die Famulatur in Japan zu verbringen, sollte dies unbedingt tun und je nach Vorliebe z.B. Hiroshima, Kyoto oder Beppu mit dem JR-Pass besuchen. Hier erwartet einen das Land – je nach Jahreszeit – mit der weltbekannten Kirschblüte, schneebedeckten Pisten, rauchenden Vulkanen oder in allen Farben schillernden Landschaften, die zu ausgiebigen Wanderungen einladen. Nette Menschen und gutes Essen sind darüber hinaus stets garantiert!

Meine persönlichen Tipps für einen Aufenthalt in Tokyo

Tokyo bei Nacht
Tokyo bei Nacht

–  Vor der Reise nach einem portablen WIFI-Anbieter umschauen (einfach googlen).

–  Wir reisten unkompliziert als Touristen mit dem Reisepass ein. Ein Touristenvisum gibt es dann kostenlos vor Ort.

(Anm.d.Red.: Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

–  Viele Banken in Deutschland bieten kostenlose Visakarten zum kostenlosen Geldabheben im Ausland an. Hier sollte man sich vor der Abreise informieren. Bargeld erhält man erfahrungsgemäß am Einfachsten mit VISA-Karte in allen Postfilialen und der Citybank.

–  Gastgeschenke! Über gut verpackte Geschenke freut man sich immer und überall. Besonders eignet sich z.B. „Rittersport Mini“, „Maoam Kracher“, „Haribo“, „Toblerone“ und deutscher Wein.

–  Haushaltsgegenstände, die „Dormitory“ war komplett leer, findet man sehr günstig im „100 Yen Laden“. Einer ist nahe der „Dormitory“,  ein ganz großer in „Meijijingmae“.

–  Zum Bahnfahren sollte man sich der Einfachheit halber vor Ort eine „Pasmo-Card“ am Automaten beschaffen. So checkt man an den Bahnhöfen einfach ein und aus, ohne eine Karte lösen zu müssen.

–  Eine kleine Vorstellung auf Englisch und ein wenig Japanisch wird von den Ärzten erwartet.

–  Frühzeitig um den Klinikstempel für das Zeugnis zur Anerkennung kümmern! Stempel, wie sie bei uns in jedem Sekretariat üblich sind, gibt es hier nur sehr selten.

–  Reisetipps: Ein „Shinkansen“ Dauerticket (JR Pass) muss man vor der Reise aus Deutschland kaufen. Für relativ wenig Geld kann man dann nahezu alle JR Züge benutzen und quer durch Japan reisen.

–  Als Unterkünfte auf einer Reise durch Japan eignen sich Schlafsäle ziemlich gut, da sie relativ günstig, trotzdem sauber und verlässlich sind.

–  Die beste Zeit: Wir waren im Februar in Tokyo und erlebten, wie überfordert die Weltmetropole mit ein wenig Schnee war. Wer nicht aufs Skifahren aus ist und freie Auswahl hat, sollte besser ab Mitte März seinen Besuch antreten, da im Winter teilweise touristische Regionen im Hinterland geschlossen sind. Ab Ende März hat zudem die bekannte Kirschblüte ihren Höhepunkt. Im Februar kann man sich aber auf die Pfirsichblüte freuen.

Mein Fazit

Ein Ausflug nach Hiroshima
Ein Ausflug nach Hiroshima

Die Organisation und Betreuung vor Ort waren exzellent. Die Ärzteschaft war uns gegenüber aufgeschlossen und versuchte uns immer, so gut es ging, an der Patientengeschichte teilhaben zu lassen. Als Medizinstudent beschränkt sich die aktive Teilnahme jedoch vorwiegend auf das Zusehen und Fragenstellen. Darüber sollte man sich im Vorhinein bewusst sein.

Japan ist als Reiseziel auf jeden Fall sehr zu empfehlen, da es sich von Europa sehr stark unterscheidet und als Land als auch mit seinen Bewohnern und seiner Kultur für den Besucher viel Abwechslung bereithält. Vor der fremden Sprache sollte man nicht all zu ängstlich sein, da auch mit weniger Vorbereitungszeit ein bisschen Japanisch zu erlernen ist und man meist auch mit Englisch zum Ziel gelangt.

Deshalb meine klare Empfehlung zur Famulatur in Japan! „Please enjoy“!

Marcel Greco

Frankfurt, April 2014

Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2014

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