IPOKRaTES Students Berlin 2018 – Seminar Internal Medicine meets Psychiatry

5. März 2019

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„Internal Medicine meets Psychiatry“ – lautete der Titel des einwöchigen IPOKRaTES Seminars, welches vom 27.08.–31.08.2018 an der Charité in Berlin stattfand und bei dem die Übung klinischer Kenntnisse und Fertigkeiten, die strukturierte Darstellung und Übergabe eines Patientenfalles auf Englisch sowie der Austausch zwischen Medizinstudenten und -innen verschiedenster Fakultäten in Deutschland untereinander sowie mit den beiden US-amerikanischen Gastdozenten Daniel Asnes und Christopher Peckins von der Harvard Medical School gleichermaßen im Vordergrund standen.

IPOKRaTES Students – Eine Organisation für den Erfahrungsaustausch von Medizinstudierenden

Die studentische Initiative „IPOKRaTES Students“, welche im Jahre 1984 von Prof. Dr. Simbruner in Wien gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, Medizinstudentinnen und Medizinstudenten aller Fachsemester und Universitäten aus verschiedensten Ländern im Rahmen von gemeinsamen klinischen Seminaren die Möglichkeit zum Austausch zu geben und ihre theoretischen und klinisch-praktischen Fertigkeiten durch den Unterricht am Patientenbett zu üben und zu verbessern. Dazu werden international renommierte Dozenten der weltweit führenden Universitäten eingeladen, die neben der fachlichen Lehre insbesondere auch einen persönlichen Austausch bieten und dies in ehrenamtlicher Tätigkeit verrichten.

Ein eingespieltes Team

Es sei wohl schon das zehnte IPOKRaTES Seminar, welches Daniel „Dan“ Asnes und Christopher „Chris“ Peckins gemeinsam unterrichten würden, meinten die beiden Gastdozenten aus den USA, als sie sich der Runde vorstellten. Dan, Psychiater, emeritiert, sehr herzlich und zugewandt, hat nach mehr als 30 Jahren Tätigkeit als klinischer Psychiater und Dozent an der Harvard Medical School in Boston seine Begeisterung für das Fach unverändert beibehalten und zog alle Teilnehmer mit seinen fesselnden wie humorvollen Erzählungen aus seinem beruflichen und privaten Leben in seinen Bann. Als „anthropologischer Psychiater“ interessiere er sich für die Geschichte seiner Patienten auf makro- und mikroskopischer Ebene. Neben den historischen Ereignissen, welche das Leben eines Menschen geprägt haben, gab er uns den Hinweis, den mikrohistorischen Kontext zu erfragen, in dem die Menschen die jeweiligen geschichtlichen Ereignisse erlebt haben.

Den Menschen und seine Beschwerden im Mittelpunkt setzte auch sein kongenialer Partner Chris, welcher als Internist ebenfalls an der Harvard Medical School lehrt und uns neben seiner fachlichen Expertise mit zahlreichen technischen Schmuckstücken wie einem elektronischen Stethoskop eine professionelle ärztliche Haltung vermittelte, bei welcher der Patient mit seinem Leiden ernst genommen werden und man ihm mit Empathie und Fürsorge begegnen sollte.

Ein wilder Haufen

Wir, die Studentinnen und Studenten der Medizin, setzten uns zusammen aus einer größeren Gruppe, die von in Berlin Studierenden der Charité gebildet wurde sowie einer kleineren Gruppe von Studierenden anderer Medizinischen Fakultäten in Deutschland. Vom zweiten bis zum zwölften Semester waren Medizinstudierende aller Fachsemester und mit unterschiedlichsten Interessen, von Psychiatrie, Neurologie, Innerer Medizin, Chirurgie bis hin zur Gynäkologie vertreten. Durch diese bunte Mischung wurde ein reger Austausch verschiedenster Themen und Erfahrungen möglich, die weit über das medizinische Feld hinausgingen und die Gelegenheit boten zu angeregten Diskussionen wie auch fokussierter Gruppenarbeit in einer sehr angenehmen Atmosphäre.

Am Patientenbett

Nachdem wir am Vormittag Impulsvorträge unserer Dozenten sowie einiger Studentinnen und Studenten gehört hatten, gingen wir nachmittags in die Klinik, wo wir in Kleingruppen von drei Personen Patienten befragten und untersuchten. Die Palette an Erkrankungen wie auch die individuelle Patientengeschichte hätten vielfältiger nicht sein können. So boten auch das unlängst renovierte, sehr moderne Bettenhochhaus der Charité auf der einen und das aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammende Gebäude der Psychiatrischen und Nervenklinik auf der anderen Seite einen wunderbaren Kontrast, der nicht zuletzt auch den Studierenden anderer Medizinischen Fakultäten die Möglichkeit bot, einen Einblick in die Berliner Universitätsmedizin zu erlangen.

Am Nachmittag wurden die Patienten im Plenum von der entsprechenden Gruppe auf Englisch in Form eines strukturierten Kurzberichts präsentiert und anschließend noch einmal von allen Studentinnen und Studenten gemeinsam mit den Dozenten aufgesucht, welche ihrerseits eine kurze Anamnese und körperliche Untersuchung durchführten. Dabei war es möglich, einerseits auf fachlicher, andererseits auf menschlicher Ebene viele neue Eindrücke vonseiten der Dozenten zu gewinnen, welche der Zuwendung zum Patienten und der engen Betreuung der Studierenden einen großen Stellenwert beimaßen.

Auf den Spuren Rudolf Virchows

Die Berliner Medizinische Schule aus dem 19. Jahrhundert hatte zahlreiche bedeutende Vertreter, unter denen jedoch neben Robert Koch, dem Entdecker des Mykobakterium tuberculosis, vor allem eine Persönlichkeit hervorstach und bis heute hervorsticht: Rudolf Virchow, der Begründer der Zellularpathologie und damit des bis heute geltenden medizintheoretischen Krankheitskonzepts, dass der Ursprung aller Erkrankungen in den Zellen des Körpers zu finden sei. Noch zu Lebzeiten von Virchow selbst gegründet, wartet das Medizinhistorische Museum Berlin mit einer Entdeckungsfahrt in die Geschichte der Medizin und der Berliner Charité auf und zeigt als Kernpunkt der Ausstellung eine außergewöhnlich breite Sammlung verschiedenster Exponate aller möglichen Erkrankungen.

Der Besuch dieses Museums bot uns Studierenden einen Einblick in die Geschichte der Medizin und der Grundzüge ihres heutigen Charakters, deren Grundsteine im 19. Jahrhundert gelegt wurden und bis heute in vielen Aspekten ihre Geltung nicht verloren haben.

Sobald der weiße Kittel abgelegt wurde

Nach dem Patientenunterricht fand das Seminar noch nicht zu einem Ende, vielmehr begann am Nachmittag einer der interessantesten Aspekte, nämlich die Gelegenheit, bei einem Abendessen mit den studentischen Kollegen und den Dozenten persönlich ins Gespräch zu kommen. Hierbei kam es zu Diskussionen über die Lehre in der Medizin, Forschung, Work-Life-Balance, aber auch über solch unerwartete Aspekte wie die Ästhetik in den Gedichten Rilkes oder die Rolle der künstlichen Intelligenz in der Medizin aktuell oder in der Zukunft.

Sehr positiv ist dabei festzuhalten, wie offen, freundlich und kollegial die Dozenten den Studierenden gegenüber auftraten und dadurch erst die Möglichkeit schufen für einen solch anregenden Austausch. Wer mochte, konnte natürlich auch das Berliner Nachtleben in all seinen Facetten verkosten, was jedoch die wenigsten der Teilnehmer wahrgenommen haben, da nach einem langen und ermüdenden, wenn auch sehr zufriedenstellenden, Seminartag die eine oder andere Stunde Schlaf aufgeholt werden musste.

Dank an die Organisatoren

In erster Linie gilt es, dem außerordentlich engagierten, kompetenten und freundlichen Orgateam einen Dank auszusprechen für die Organisation des Seminars, die Kontaktaufnahme mit den Kliniken, die Beschaffung einer räumlichen und kulinarischen Ausstattung sowie nicht zuletzt für das Angebot, all jenen eine Unterkunft zu bieten, welche für die Anreise nach Berlin auf eine solche angewiesen waren. Ihre Arbeit soll ein Vorbild bieten für die Organisatoren zukünftiger Seminare.

Fazit

IPOKRaTES Students Seminar Berlin 2018 - Internal Medicine meets Psychiatry
IPOKRaTES Students Seminar Berlin 2018 – Internal Medicine meets Psychiatry

Wer sich nach diesem Bericht überlegt, in Zukunft an diesem oder einem ähnlichen IPOKRaTES Seminar teilzunehmen, dem sei dies außerordentlich empfohlen und wärmstens an Herz gelegt. Es bietet eine wunderbare Gelegenheit, seine klinischen Kenntnisse in einer entspannten und gleichzeitig produktiven Atmosphäre zu üben als auch zu erweitern und außerdem hoch-motivierte internationale Spitzendozenten kennenzulernen und von diesen zu lernen. Nicht zuletzt stellt auch der Austausch mit anderen Medizinstudierenden eine große Bereicherung dar, durch welche Erfahrungen sowohl auf medizinisch fachlicher als auch persönlicher Ebene gesammelt werden können.

Peter Kvacskay

Heidelberg, September 2018

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