Die Ärztekammer – wichtige und entscheidende Anlaufstelle für den ärztlichen Nachwuchs!

18. Oktober 2018

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Ein Interview mit Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin

Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, stellt sich den Fragen zu den Aufgaben und Vorteilen einer Ärztekammer. Sein besonderes Engagement gilt der nachrückenden jungen Ärztegeneration. Zitat Dr. Jonitz: „Schön, dass Sie da sind. Sie werden gebraucht!“ Seit Jahren engagiert er sich in einem Stipendienbeirat bei der Förderung von Medizinstudenten. Als Schirmherr unterstützt er die in den letzten zwei Jahren ins Leben gerufenen Veranstaltungen „Kick-Start – Ihre Chance im Traumberuf Arzt!“ und „Wie überlebe ich meinen ersten Nachtdienst?!“.

Die Ärztekammer ist eine wichtige und entscheidende Anlaufstelle für alle Ärzte. Kann es nicht trotzdem sein, dass insbesondere junge Mediziner, die gerade ihr Medizinstudium beendet und ihre Assistenzarztstelle angetreten haben, sagen: „Meine Ärztekammer – das unbekannte Wesen?“

Dr. med. Günther Jonitz: Es ist leider völlig normal, dass die meisten frischapprobierten Ärzte ihre ‚Kammer‘ kaum kennen. Dafür sind die jüngeren KollegInnen zu sehr mit anderen Problemen befasst als mit der Frage der politischen Interessensvertretung oder den Inhalten der Weiterbildungsordnung. Dies zeigt sich auch dadurch, dass die Wahlbeteiligung bei der Kammerwahl bei jungen Ärztinnen und Ärzten immer niedrig ist, im Vergleich zu Kassenärzten und Rentnern. In Berlin laden wir deshalb alle neuen Kammermitglieder zu einem Begrüßungsgespräch ein, wo man in entspannter Runde mit den Aufgaben und Möglichkeiten der Ärztekammer bekannt gemacht wird und sich austauscht. Neu ist, dass wir auch die Assistentensprecherinnen und -sprecher der Berliner Krankenhäuser in die Kammer einladen. Mehr Dialog ist wichtig und in Berlin gibt’s kurze Wege. Außerdem holt man als junger Arzt und junge Ärztin gerne seinen Arztausweis direkt in der Kammer ab. Das geht freundlich und schnell.

Dann gibt es bei dem Begrüßungsgespräch mit neuen Kammermitgliedern ja oft ein Wiedersehen, kennen viele der jungen Assistenzärztinnen und Assistenzärzte Sie doch als Schirmherr der Veranstaltung „Wie überlebe ich meinen ersten Nachtdienst?!“, die seit zwei Jahren an der Ärztekammer Berlin stattfindet.

Jonitz: Der Ärztekammer sind gerade die Veranstaltungen für junge Ärztinnen und Ärzte besonders wichtig. Der Arbeitsdruck ist am höchsten, die persönliche Belastung ebenfalls. Man verbringt viel Zeit auf Station und trifft wenige aus anderen Krankenhäusern und Abteilungen. Diese Veranstaltungen wie die zum ersten Nachtdienst sind lehrreich, machen Spaß und schaffen neue Kontakte und Perspektiven. So soll es sein.

Auch auf der Veranstaltung „Kick-Start – Ihre Chance im Traumberuf Arzt!“ stehen Sie vielen Medizinstudierenden Rede und Antwort. Sie sind also ein Ärztekammerpräsident zum Anfassen. Wie wichtig ist Ihnen dieses frühe Engagement beim ärztlichen Nachwuchs schon während des Studiums?

Jonitz: Aus eigener Erfahrung: Ich bin schon als Student in den Marburger Bund eingetreten, weil ich es unfair finde, wenn sich ein Verband für mich einsetzt und ich nur als Trittbrettfahrer dabei bin. Außerdem ist es viel leichter und besser, sich gemeinsam gegen Missstände zu wehren und gleichzeitig seinen Horizont zu erweitern. Als junger Arzt war ich zunächst Assistentensprecher der chirurgischen Abteilung, dann gemeinsam mit zwei Kollegen Sprecher des ganzen Hauses. Wir haben viele konkrete Probleme lösen können inkl. der Überstundenregelung. „Sie wissen ja, Herr Jonitz, gegen die Interessen der Assistenten geht in diesem Haus gar nichts“. Dieses Zitat des damaligen Ärztlichen Direktors ist ein Kompliment und Ansporn. Die junge Generation hat die längsten Arbeitszeiten, die z. T. schlechteste Betreuung, die unmittelbare Verantwortung für den Stationsbetrieb und eine eher eingeschränkte work-life-balance. Je eher man anfängt, sich politisch zu interessieren und einzubringen, umso besser kann man die Arbeitsbedingungen vor Ort und die Politik ändern und verbessern. Es geht dabei um Inhalte, nicht um Parolen und Machtpolitik. Man kann auch in der Politik ein anständiger Arzt bleiben.

Aufgaben und Vorteile der Ärztekammer. Wofür steht sie, worin liegt ihre Bedeutung?

Jonitz: Die Ärztekammer ist per Gesetz die „Führungseinrichtung“ aller Ärztinnen und Ärzten. Wir kümmern uns um die ärztliche Qualifikation mit der Weiterbildungsordnung und der Fortbildung, um das konkrete Verhalten mit der Berufsordnung und mit Themen wie Qualitätsmanagement und Patientensicherheit und machen Politik, in dem wir Regierung und Kassen beraten und in die Öffentlichkeit gehen. Dass wir in allen Krankenhäusern anonym Fehler und Beinahe-Fehler melden können (www.cirs-berlin.de) ist ein Verdienst der Ärztekammer Berlin. Die Zusatzweiterbildung Notfall- und Akutmedizin ist ein Werk der Ärztekammer Berlin und hat die Arbeit in den Rettungsstellen deutlich aufgewertet.

Daneben bieten wir Dienstleistungen im Sinne von Beratungen zu Rechtsproblemen oder zur Weiterbildung. Die Berliner Ärzteversorgung garantiert eine deutlich bessere Rente als anderswo. Unsere Monatszeitschrift ist inhaltsreich, vorausschauend und informativ; unsere Titelbilder sind legendär. Medizin mit Augenzwinkern…

… und können Sie uns einige Vorteile der Arbeit einer Kammer nennen?

Jonitz: Durch das Privileg der Selbstverwaltung bestimmen wir selbst in kollegialen Gremien über unsere Angelegenheiten, bspw. in der Weiterbildung. Wir sind fachkundig und unabhängig und eben keine autoritäre Behörde. Bei Problemen wird in der Regel schnell und kollegial gehandelt. Unsere Zeitschrift BERLINER ÄRZTE ist die beste Medizinerzeitung in Deutschland und mit den Schwerpunktthemen in der Regel anderen weit voraus. Unser Fortbildungskongress ist frei von Interessen der Industrie und hochkarätig. Wer hingeht, kann eine Menge interessanter Menschen kennenlernen.

Welche Bedeutung kommt ehrenamtlichen Mitgliedern in den einzelnen Ausschüssen einer Ärztekammer zu?

Jonitz: Die ehrenamtlichen Mitglieder in den Ausschüssen und Gremien der Ärztekammer sind die wegweisenden Kräfte, ob es sich um einen Weiterbildungsausschuss, eine Ethikkommission oder den Vorstand handelt. Sie geben die Richtung vor, treffen die wichtigsten Entscheidungen und sind wählbar. Je nachdem, welche Arztgruppen in unserem „Ärzteparlament“, der Delegiertenversammlung, das Sagen hat, ändern sich auch die inhaltlichen Schwerpunkte und der Stil der Kammer. In der großen Politik kann man das gut erkennen. Das gilt auch bei uns Ärztinnen und Ärzten.

Ärzte sind Pflichtmitglied einer Ärztekammer. Welche speziellen Vorteile bringt sie einem Assistenzarzt im 1. Jahr seiner Tätigkeit?

Jonitz: Der Arztausweis öffnet die Türen zu rezeptpflichtigen Medikamenten, die Fortbildungsangebote den Zugang zu wichtigem und sauberem Wissen  und zu den dazugehörigen Menschen. Unsere Kammerzeitschrift öffnet die Köpfe für Themen, die uns alle angehen und jeder ist herzlichst eingeladen, seine Erfahrungen einzubringen, bspw. als Beitrag für BERLINER ÄRZTE oder bei einer der Veranstaltungen.

 „Junge Ärzte in die Kammer!“ Warum ist dies gerade Ihnen als Präsident der Ärztekammer Berlin so wichtig?

Jonitz: Die Jugend ist die Zukunft! Noch nie war die Medizin so komplex und Patientenversorgung so anspruchsvoll. Gleichzeitig erbt die junge Generation zahlreiche von der älteren Generation verursachte oder ungelöste Probleme. Ich möchte meinen Beitrag zum besseren Verständnis der Ursache dieser Probleme leisten. Lösungen aufzeigen und mit der Ärztekammer die Plattform aufbauen, die tatsächlich ärztliche Interessen vertritt und Politik aktiv gestaltet. Dazu braucht es engagierte und neugierige Ärztinnen und Ärzte, die sich mit auf diesen Weg machen.

Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, auf dem Kongress Operation Karriere in Berlin - Fotograf Peter Himsel
Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, auf dem Kongress Operation Karriere in Berlin – Fotograf Peter Himsel

Gerne können Sie Ihre Fragen zum Interview „Die Ärztekammer – wichtige und entscheidende Anlaufstelle für den ärztlichen Nachwuchs!“ direkt stellen an:
Dr. med. Günther Jonitz
Präsident der Ärztekammer Berlin

Email:

Das Interview führte Peter Karle, Medizinernachwuchs.de

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