Famulatur in Berlin – Allgemeinmedizin

15. November 2017

in Allgemeinmedizin, Chancen in Deutschland, Deutschland, Fachgebiet, Famulatur in Deutschland, Land

Berlin, Berlin-Tiergarten, Praxis Dr. med. Omankowsky (27.02.-28.03.2017)

„Mitzubringen sind ein weißer Kittel und gute Laune!“ So sollte ich zu meiner Famulatur in der Praxis von Frau Dr. Omankowsky in Berlin Tiergarten erscheinen. Bei so einem Humor konnte die Famulatur nur gut beginnen. Es sollte sich später herausstellen, dass meine Erwartungen an diese Hausarztfamulatur bei Weitem übertroffen wurden!

Warum eine Famulatur beim Hausarzt?

Eine Famulatur beim Hausarzt zu absolvieren, hatte ich ursprünglich nicht geplant. Die vorgeschriebene „Hausarztfamulatur“ kann nämlich auch bei einem Kinderarzt abgeleistet werden. Allerdings hatte Peter Karle, der Chefredakteur von Medizinernachwuchs.de, mir so viel Positives über die Praxis von Frau Dr. Omankowsky erzählt, dass ich mich spontan um entschieden hatte. Da ich sowieso viel Praktisches wie Blutabnehmen lernen wollte, passte es ganz gut.

Vorab die drei wichtigsten Gründe, die für eine Famulatur in der Praxis von Frau Dr. Omankowsky sprechen:

  • Die Praxis ist sehr erfahren im Umgang mit und in der Betreuung von Famulanten. Frau Dr. Omankowsky hat die Praxis seit 30 Jahren und nimmt fast genauso lang schon Famulanten auf. Daher sind die meisten Patienten auch schon daran gewöhnt, Medizinstudenten zu begegnen.
  • Sowohl die Ärztinnen in dieser Praxis als auch alle Arzthelfer/innen freuen sich immer über aufgeweckte Famulanten, sodass man von Anfang an sehr herzlich ins Team aufgenommen wird.
  • Famulanten dürfen hier sehr vieles selbstständig erledigen. Es wird also nie langweilig.

Organisation

Ein halbes Jahr vor dem gewünschten Famulatur Termin rief ich in der Praxis an, um nach der Verfügbarkeit in meinem gewünschten Zeitraum zu fragen. Anschließend bewarb ich mich per Email mit Anschreiben und Lebenslauf. Marisa, die Praxismanagerin, antwortete mir recht schnell und ich freute mich über eine Zusage.

Team, Praxis und Organisatorisches am ersten Tag

Das Labor der Praxis
Das Labor der Praxis

Insgesamt sind in dieser Praxis fünf Ärztinnen tätig. Frau Dr. Omankowsky ist die Praxisinhaberin und bei ihr arbeiten vier angestellte Ärztinnen. Davon sind zwei Fachärztinnen (Frau Dr. Stein und Frau Dr. Mulowsky) und zwei Assistenzärztinnen (Frau Tschaftary und Frau Bieren). Unterstützt werden sie durch die Praxismanagerin Marisa, dem Arzthelfer/innen-Team bestehend aus Julia, Michaela, Robert und der Auszubildenden Mihriban.

Die Praxis verfügt über drei Sprechzimmer, wovon vormittags immer zwei bis drei belegt sind. Zusätzlich gibt es noch ein Labor für Tätigkeiten wie Blutabnahmen, Lungenfunktionen, Impfungen und Verbandswechsel.

Am ersten Tag meiner Hausarztfamulatur bekam ich einen Stundenplan ausgehändigt, der mit den Arbeitszeiten der anderen Famulanten abgestimmt war. Dass zu meinem Zeitpunkt noch zwei andere Famulanten da waren, maximal werden drei Famulanten im gleichen Zeitraum angenommen, hat sich als großer Vorteil herausgestellt. Wir konnten uns gegenseitig helfen und auch viel voneinander lernen.

Jeder Famulant erhielt zudem einen Laufzettel, auf welchem gewisse praktische Tätigkeiten einzutragen sind.

Lehre und Praktische Tätigkeiten

Im Sprechzimmer mit Frau Dr. Omankowsky
Im Sprechzimmer mit Frau Dr. Omankowsky

Jeder Tag begann mit Blutabnahmen, die in dieser Praxis täglich stattfinden. Anschließend schloss ich mich einer der anwesenden Ärztinnen an. Hierbei war ich hauptsächlich in den Sprechstunden von Frau Dr. Stein, Frau Tschaftary und Frau Bieren.

An meinem ersten Tag habe ich Frau Tschaftary in ihre Sprechstunde begleitet. Sie ist sehr freundlich und hat mich schnell mit in die Behandlung einbezogen. Unter Aufsicht durfte ich ihre Patienten untersuchen und mit ihr Therapiepläne besprechen. Sie hatte immer ein offenes Ohr für Fragen, die von ihr stets gerne beantwortet wurden.

Am zweiten Tag lernte ich Frau Dr. Stein kennen. Sie macht sehr gute Lehre und erklärt von sich aus viel. Ich erinnere mich noch an einen Vormittag mit einem anderen Famulanten. Obwohl nur zwei statt drei Ärztinnen anwesend waren und das Wartezimmer brechend voll war, nahm sich Frau Dr. Stein die Zeit, uns zwei Famulanten so gut wie möglich zu betreuen. Jedem von uns teilte sie ein Sprechzimmer zu, in dem wir jeweils selbständig die Anamnese, Voruntersuchung und den Therapievorschlag dokumentieren durften. Als wir mit unseren Patienten fertig waren, kam sie dazu und hat alles überprüft. Sie ist also immer zwischen zwei Sprechzimmern hin- und hergesprungen. Dieses Engagement von Frau Dr. Stein haben wir sehr zu schätzen gewusst.

Auch bei Frau Bieren hatte ich sehr oft das Glück, in einem Sprechzimmer selbstständig Patienten zu untersuchen und alles in die Patientenakte zu dokumentieren, bevor die Ärztin darüber geschaut hat.

Ein paar Tage später durfte ich Frau Dr. Omankowsky begleiten. Sie hat eine 30-jährige Berufserfahrung, die schnell erkenntlich wird. So stellte sich eine Patientin mit den typischen Symptomen einer Gastroenteritis vor. Beim zufälligen Aufblicken fiel Frau Dr. Omankowsky allerdings auf, dass die Patientin scheinbar Schwierigkeiten beim Schlucken hatte. Obwohl die Patientin keine Halsschmerzen oder ähnliches angegeben hatte, schaute ihr die Ärztin trotzdem in den Hals. Zu Recht, es lag eine eindeutige Angina tonsillaris vor.

Zu meiner großen Freude gab es in dieser Praxis auch englische Patienten, sodass ich meine medizinischen Englischkenntnisse bei Anamnesen und körperlichen Untersuchungen anwenden konnte. Auch ärztliche Atteste durfte ich ins Englische vorübersetzen, die anschließend von Frau Dr. Omankowsky gegengelesen wurden.

Meine Aufgaben in dieser Hausarztfamulatur waren kurz zusammengefasst: Blutabnahmen, Lungenfunktionstests, EKG, Verbandwechsel, Fäden ziehen, Impfungen, Langzeitblutdruckgerät anlegen, Urinstatus erheben, Anamnese und körperliche Untersuchung durchführen, Dokumentation der Befunde im Computer, Vorstellung der Patienten und optional das Übersetzen von Attesten ins Englische. Ich hatte eine aktive Funktion als Famulantin, was super war!

Meine Tipps

Bewerbt Euch früh, mindestens ein Semester im Voraus. Diese Praxis ist nämlich sehr beliebt. Als ich meine Famulatur im Februar begann, waren schon fast alle Plätze für den Sommer vergeben. Aber auch Kurzentschlossene ermutige ich zur Bewerbung. Vielleicht habt Ihr Glück und es werden kurzfristig noch Plätze frei.

Frau Dr. Omankowsky ist nur nachmittags da und lässt Famulanten i.d.R. immer voruntersuchen. Wenn vormittags auch ein Sprechzimmer frei ist und Ihr Lust habt, Anamnesen und Voruntersuchungen durchzuführen, empfehle ich Euch unbedingt, die anwesenden Ärztinnen nach dieser Möglichkeit zu fragen.

Mein Fazit

Der Therapiehund namens Fridolin. Er ist sehr beliebt.
Der Therapiehund namens Fridolin. Er ist sehr beliebt.

Mein ganz großes Dankeschön gilt dem gesamten Team für diese gelungene Famulatur. Die Praxis von Dr. Omankowsky kann ich mit bestem Gewissen weiterempfehlen. Euch wird nie langweilig, da Ihr viel selbständig machen dürft. Ich habe mich jeden Tag gefreut, dorthin zu gehen und wünsche mir, später auch in einem so netten Team zu arbeiten. Von mir gibt es beide Daumen hoch!

Thi Minh-Thi Do

Berlin, September 2017

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